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Freitag, 26. Juni 2015

Frag doch mal ... nach der ewigen Verdammnis

Frag doch mal die Schwester, Teil 11:
Eigentlich war es nur Spaß, ein Foto auf Facebook, über das man den Kopf schüttelt und lacht, vielleicht sogar ein fake, wer weiß... Es ging um die Hölle und wer da alles reinkommt (Surfer, Skateboarder, Vegetarier, usw.). Aber dann wurde eine ernste Frage daraus:
"Gibt es einen Maßstab oder ein Merkmal, an dem ich erkennen kann, ob mich nach meinem irdischen Tod nicht auch der ewige Tod erwartet? Wenn ja, welchen?"
Das ist wieder so eine Frage, zu der es meterweise theologische Literatur gibt. Vielleicht klären wir erst mal die Begriffe: "ewiger Tod", was kann das sein? In diesem Zusammenhang meinte es die Hölle, aber was heißt das jetzt wieder?
Ich erkläre die Hölle gerne als ewiges Getrenntsein von der Liebe Gottes. Dazu passt auch die Formulierung "ewiger Tod", denn davon wäre das Gegenteil das "Ewige Leben" und bedeutete das Eingehen in die Liebe Gottes, die ewige Einheit mit Gott, umgangssprachlich eben den Himmel.
Dabei gehe ich von christlichen Vorstellungen und Lehren aus.
Also: woran kann ich jetzt erkennen, ob ich in die Hölle komme?
Jede Religion hat andere Vorstellungen von der Hölle und was man tun muss, um sie zu vermeiden. Das Christentum sagt klar: alleine schafft der Mensch das nicht. Muss er aber auch nicht. Denn Gott will nicht, dass wir Menschen verlorengehen, er will uns seine Liebe schenken und uns in seine Nähe holen. Weil wir zu schwach sind, diese Liebe richtig zu erwidern, hat er seinen Sohn Jesus geschickt, um uns den Weg zu zeigen und auch gleich von unserer Schuld zu befreien.
Ist denn jetzt alles gut? Die Hölle sowieso leer? Wozu die Aufregung?
Nein, so einfach ist es doch nicht. 
Gott schenkt uns seine Vergebung, seine Gnade. Dafür müssen wir nichts tun, nichts leisten. Wir müssen sie nur annehmen.
Es genügt, an die Liebe Gottes zu glauben und sie anzunehmen, dann ist uns das Ewige Leben sicher. (Natürlich hat dieser Glauben Konsequenzen. Wer glaubt, dass er von Gott so sehr geliebt ist, wie könnte der noch Böses tun? Aber das nur in Klammern, versteht sich ja eigentlich von selbst, oder nicht?) 
Beantwortet das schon die Frage? Ich fürchte nicht. Es fehlt noch ein entscheidender Punkt. Der Maßstab ist die Liebe. Habe ich die Liebe, dann habe ich das Leben. Aber woran erkenne ich das? Nun, man kann Gott einfach immer wieder fragen. Wer mit Gott spricht, hat die beste Chance, ihn irgendwann auch zu hören und zu verstehen. Konkret heißt das: Wir hören Gott in unserem Gewissen, in der Bibel, in der Lehre der Kirche. Und auch, wenn man doch mal gegen die Liebe verstößt (wir sagen "sündigt"), dann kann man immer noch die Kurve kriegen. In manchen Fällen hilft die Beichte, aber es gibt auch andere Arten, mit Gott wieder ins Reine zu kommen. Eine Garantie gibt es allerdings nicht. Wir können keine Platzreservierung für den Himmel erwerben, wir können nur an die Gnade Gottes glauben und auf seine Barmherzigkeit vertrauen. Er will unser Leben, nicht unseren Tod. Diesen Maßstab hat uns Jesus gezeigt.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Frag doch mal nach der Hölle...

Frag doch mal die Schwester, Teil 10
Im Januar und Februar hatte ich hier die Reihe "Frag doch mal die Schwester" gestartet. Nach einer längeren Zwangspause gibt es jetzt endlich eine Fortsetzung und zwar mit einer Frage, die mir oft gestellt wird:
Gib es eigentlich eine Hölle?
Wie immer bekommt ihr hier keinen Überblick über die theologisch-wissenschaftliche Diskussion. Ich gehe lieber anders an die Frage heran und setze dabei das christliche Gottesbild voraus:
Da sehen wir (ganz am Anfang der Bibel, im Buch Genesis) einen Gott, der den Menschen nach seinem eigenen Abbild erschafft, Ihm ähnlich (Gen 1,26). Er gibt ihm Regeln (nicht vom Baum der Erkenntnis essen!), aber er gibt ihm auch die Freiheit, sich an diese Regeln zu halten oder sie zu brechen - was der Mensch ja auch prompt tut. Als der Mensch vom Baum der Erkenntnis gegessen hat und ihm die Augen aufgehen für Gut und Böse, da vertreibt Gott ihn aus dem Paradies. Diese Erfahrung machen wir in der Tat: jedes Kind lebt sozusagen im vollkommenen Glück (Essen, Schlafen, jeden Tag neue Wunder entdecken), bis es versteht, dass es Gut und Böse gibt.
Aber diese Erkenntnis ist uns wichtig. Wir wollen keine Kleinkinder bleiben. Wir wollen mündig werden, wissen und verstehen, was los ist und Entscheidungen treffen. Im Leben und im Glauben.
Das ist in Ordnung, Gott respektiert unseren Wunsch nach Freiheit. Er will uns sogar frei.
Der Vater sah ihn schon von weitem kommen.
Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Evangelium nach Lukas 15, 20
Durch die ganze Bibel zieht sich immer wieder die Aussage, dass Gott den Menschen liebt. Er will nicht unseren Tod, sondern unser Leben. Und Gott möchte, dass wir seine Liebe erwidern. Immer wieder wird dies unmittelbar mit der Erfüllung der Gebote verknüpft: "wenn Du den Herrn, deinen Gott, liebst, auf seinen Wegen gehst und seine Gebote achtest" (Deut 31). Im Neuen Testament wird es noch deutlicher: Jesus sagt unmissverständlich, dass Gott uns liebt und sehnsüchtig darauf wartet, dass wir auf diese Liebe antworten. Eine der schönsten Beispielerzählungen dafür ist die vom barmherzigen Vater bzw. vom verlorenen Sohn: Der Sohn wendet sich vom Vater ab. Als er schließlich seinen Fehler einsieht und umkehrt, erwarten ihn nicht Vorwürfe und Strafe, sondern ein Vater, der nur darauf gewartet hat, dass er endlich zurückkommt (Lukas 15, 11-32). Aber Liebe kann man nicht erzwingen. Liebe erfordert Freiheit.
Nun zur Hölle: Wenn Gott unsere freiwillige Liebe möchte anstatt unseren Gehorsam zu erzwingen, dann endet diese Haltung Gottes nicht nach unserem Tod. Er will unser Leben und unsere Erlösung, er bietet uns seine Nähe und Liebe an, aber wenn wir das partout nicht annehmen wollen, wird er uns nicht zu unserem Glück zwingen. Wir können uns gegen Gott entscheiden, auch in alle Ewigkeit. Und die Ewigkeit von Gott getrennt, das nennen wir halt Hölle. Ihre Existenz ist eine logische Folge der Freiheit des Menschen.
Es bleibt noch eine weitere Frage, nämlich ob jemand in der Hölle ist. Kann wohl ein Mensch, der die Herrlichkeit Gottes geschaut hat, sie immer noch ablehnen? Aber diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, hier kann ich nur hoffen...

Bild: Dieter Schütz@pixelio.de

Freitag, 22. Mai 2015

Alles hat seine Zeit




Mögen Sie Buchen?
Ich liebe Buchen!

Ich finde es faszinierend, dass Buchen ihre Blätter erst abwerfen, wenn die neuen kommen. Selten habe ich das so deutlich und bewusst wahrgenommen, wie in diesem Frühjahr, und einmal habe ich es auch auf dem Foto eingefangen: obwohl das frische Grün schon sehr kräftig ist, hängt fast an jedem neuen Blatt auch noch ein altes, verwelktes. Einen Tag später waren sie dann abgefallen, ein kräftiger Regen hatte nachgeholfen.
Es ist, als wollte uns die Buche daran erinnern, dass wir jung und alt, Leben und Tod nicht voneinander trennen können. Hier wird sichtbar, dass das nur Alte stirbt, weil das Leben ein Kreislauf von Werden und Vergehen ist. Es kann nicht immer nur Neues dazukommen, sehr schnell wäre kein Platz mehr, kein Wasser, kein Licht. Es muss das Alte immer wieder gehen. Manchmal fällt uns das schwer. Aber die Buche zeigt uns auch, was die Aufgabe des Alten ist: das Junge zu schützen, bis es alleine leben kann und das Leben erhält und weiterträgt.
Ich liebe Buchen!


Donnerstag, 30. April 2015

Deine Arbeit - Dein Leben

Morgen ist der Tag der Arbeit. Das kommt gut aus, weil dann der WDR seine Sendung "Deine Arbeit, Dein Leben" ausstrahlt, im Fernsehen eine Dokumentation (20:15 Uhr) und im Radio ein dazugehöriges Hörspiel (1LIVE und WDR 3 um 23:00 Uhr).
Warum ich dafür Werbung mache? Nun, wir sind dabei! Jeder in Nordrhein-Westfalen konnte ein 8-min-Video über die eigene Arbeit an den WDR einsenden. Daraus ist dann eine Collage über das Arbeitsleben der Menschen in NRW geworden. Als ich diese Ausschreibung gelesen habe, fand ich, in einem solchen Film sollten auch Ordensleute vorkommen. Eine Kollegin hat mir geholfen, und es entstanden schöne Szenen: im Kinderdorf, in der Schwesterngemeinschaft, im Büro, usw..
Aus dem Film sind wir schließlich doch rausgeschnitten worden. Im Trailer ist eine Szene noch drin (Link oben), aber das ist nicht mehr aktuell, die Elefanten waren wohl schöner. Macht nix, immerhin sind wir in die Radiosendung gekommen.
Der Autor des Radiohörspiels rief bei mir an, weil er eine Nachfrage hatte und sagte mir, besonders habe ihn meine gute work-life-balance beeindruckt. Das hat er wirklich so genannt, es kommt auch im Beitrag selber vor.
Ich glaube ja, er überschätzt mich, weil ich in dem kurzen Video meine Schokoladenseite zeigen konnte. Aber im Prinzip bemühe ich mich schon darum, mein Leben im Gleichgewicht zu halten und dabei der Arbeit den Platz zu geben, der ihr zusteht - und nicht mehr. Unser Leben ist so viel mehr als unsere Arbeit - oder jedenfalls sollte es das sein. Wäre es nicht so, was sollten dann diejenigen sagen, die nicht arbeiten, z.B. weil sie keine Arbeit finden oder krank sind oder alt?
Nein, das kann es nicht sein! Unser Leben ist mehr, viel mehr als unsere Arbeit. Oder mit dem alten Zitat gesprochen: Wir arbeiten um zu leben - aber wir leben nicht um zu arbeiten!  
Nun habe ich es natürlich leicht: ich habe eine Gemeinschaft, die mich immer wieder zu einem regelmäßigen Tagesablauf nötigt. So entsteht ein ständiger Wechsel von Gebet, Arbeit, Gemeinschaft und Alleinsein. Wirklich ausbalanciert bin ich nicht immer. Auch Ordensleute sind überarbeitet, öfter als gut ist. Aber wir passen aufeinander auf und erinnern uns gegenseitig daran, dass es Wichtigeres als die Arbeit gibt.
Aus der benediktinischen Tradition gibt es den Satz: "Du wirst mit deiner Arbeit sowieso nicht fertig. Dann ist es auch egal, wann du unterbrichst, um zum Gebet zu gehen." Daran denke ich manchmal, wenn es zum Abendgebet, der Vesper, läutet und ich "noch ganz schnell" irgendetwas bearbeiten will. Das Gebet ist die Pause, die meiner Arbeit überhaupt erst ihren Sinn gibt - und mir neue Kraft.
Ich wünsche Ihnen ebenso wie mir (weiterhin) eine Arbeit, die Freude macht und von der man leben kann. Dazu den nötigen Abstand von dieser Arbeit und genug Zeit für Familie, Freunde, Gott, den Nächsten und ein Lächeln zwischendurch, Zeit zum singen, lesen, lachen, weinen, faulenzen und genießen.

P.S. am Freitag abend: Wir waren doch drin! Hier gibt es den Film zum Nachsehen, in der Mediathek.

Mittwoch, 8. April 2015

Überlebenskünstler

Ich liebe Gänseblümchen. Besonders seit ich entdeckt habe, dass sie echte Überlebenskünstler sind.
Auf der Wiese vor unserem Haus haben sie den ganzen Winter über geblüht.  Okay, wir hatten nicht gerade Unmengen Schnee - aber wir hatten Schnee! Die Gänseblümchen hat das nicht beeindruckt. Ihr Lebenswille ist stärker.
Ich nehme mir diese Gänseblümchen zum Vorbild für ein österliches Leben.

Dienstag, 4. November 2014

Das Leben ist kein Ponyhof

Dieser Ausspruch stammt von einer meiner Kinderdorftöchter und an ihn musste ich jetzt denken.Gestern vor dem Morgengebet erreichte mich eine mail mit der Nachricht eines lieben Menschen, der schon etliches im Leben erleiden und durchtragen musste, dass nun eine schwere Krankheit festgestellt wurde. Am selben Abend sah ich in den Nachrichten, wie ein dreifacher Familienvater mit verbundenen Augen 200 m über den Dächern Chicagos, ohne jede Sicherung über ein Drahtseil laufend, sein Leben aufs Spiel setzte, und ich fragte mich, was in aller Welt treibt ihn dazu? 
Ich frage mich, warum die einen einen unerbittlichen Kampf um ihr psychisches und physisches Überleben führen müssen und dabei mitunter selbst gezwungen sind, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, während Andere scheinbar ohne jede Not ihr Leben riskieren. Ist das nicht Hohn für all jene, die einen harten Überlebenskampf führen, oder deren Leben von ungerechtem Leid gekennzeichnet ist? Was gibt meinem Leben Sinn? 
Angesichts von Zeitgenossen, die es sinnvoll finden, ihr junges Leben zu beenden und dabei viele unschuldige Menschen mit sich in den Tod zu reißen,  muss ich zugeben, dass mir manche Heldentat, mancher Lebensentwurf wie ein vergeudetes Leben erscheint, und sicher gibt es viele, für die ein Leben im Orden, wie ich es lebe, so wirkt. Aber nach welchen Kriterien bemesse ich ein gelungenes, erfülltes Leben? Wann empfinde ich ein/ mein Leben als geglückt? Und was bewegt die Zuschauer dieser Grenzgänger, die auf dem Sofa vor dem Fernsehen den Grenzgang zwischen Leben und Tod betrachten - gelungen, wie bei Nik Wallenda und mißlungen, wie bei den afrikanischen Kindern, die an Ebola sterben, oder im Mittelmeer ertrinken? 
Es liegt ganz sicher eine Fazination auf dieser Grenze zwischen Leben und Tod, aber doch wohl auch viel Angst, die beherrscht werden will. Schau ich mir also an, wie jemand scheinbar ohne Angst vor dem Tod sein Leben riskiert, oder einsetzt, wie die Helfer in den Krisengebieten. Was ist den Einsatz meines Lebens wert? Für den Akkrobaten gab es sicher neben dem Weltrekord auch einen finanziellen Anreiz, für andere ist es der versprochene Himmel, Ehre, Ansehen - und für mich? Vielleicht das Bewusstsein, dass mein Leben ein unverdientes Geschenk ist? Gehe ich sorgfältig genug mit dem Geschenk meines Lebens um, das ja auch mir in schweren und traurigen Zeiten schon mal mehr Last als Freude ist? Doch, ich brauche unbedingt den Kontakt zum Schenker, sein Geschenk hält den Kontakt in mir wach und auch den Wunsch, etwas davon zurück zu schenken. 
Und wie ist das bei Dir?

Samstag, 7. Juni 2014

Luxus

Wenn man im Internet den Begriff "Luxus" sucht, erhält man mehrere Millionen Antworten. Unsere Gesellschaft scheint viel davon zu halten. Aber was ist Luxus eigentlich?
Der Duden definiert ihn so: "kostspieliger, verschwenderischer,... nicht notwendiger, nur zum Vergnügen betriebener Aufwand; Pracht, verschwenderische Fülle". Wikipedia definiert etwas anders: "Verhaltensweisen, Aufwendungen oder Ausstattungen, welche über das übliche Maß (den üblichen Lebensstandard) hinausgehen bzw. über das in einer Gesellschaft als notwendig oder sinnvoll erachtete Maß." 
Meine eigene Definition hat von beiden etwas. Ja sicher, Luxus ist nur zum Vergnügen da - aber kostspielig muss er deswegen noch lange nicht sein. Luxus geht über das Notwendige hinaus - aber ist deshalb nur das Luxus, was auch über dem Lebensstandard der Gesellschaft liegt, in der ich lebe? Ich denke nein.
Für mich sind auch die kleinen Dinge Luxus, die ich mir hin und wieder gönne in dem klaren Bewusstsein, dass sie mehr sind, als ich zum Leben und Überleben brauche. Auch wenn ich weiß, dass Tausende um mich herum sie auch haben, das nimmt doch nicht weg, dass ich gerade ein Gut genieße, das über das Notwendige hinausgeht.
Ich kam auf den Gedanken, als ich heute morgen mein Müsli mit auf mein Zimmer nahm - im Kloster ein absoluter Luxus! Ein Frühstück, das nicht nur gesund ist, sondern auch noch schmeckt und das ich obendrein ganz in Ruhe einnehmen kann - was für ein Genuss! Wieviel mehr ist das, als so viele andere haben! Ich habe kein Recht darauf, das habe ich mir nicht verdient, es ist ein großes Glück und ein Geschenk, dass ich einen solchen Wohlstand und Frieden erfahren darf.
Und ich bin zutiefst überzeugt: je mehr wir unsere Sinne und unser Herz öffnen und diesen kleinen Luxus wahrnehmen, den wir Tag für Tag erfahren, je mehr wir fähig werden, diesen kleinen Luxus zu genießen, desto reicher werden wir werden - und das ist nicht kostspielig.

Dienstag, 3. Juni 2014

Neulich beim Altwagenhändler ...

...war ich dann doch etwas überrascht: der Panzer für den Privatbedarf? Natürlich mit Gummireifen und ohne Ketten, damit er auch straßentauglich ist...
Immer wieder werde ich gefragt, wie es uns denn hier in Lettland geht und wie wir uns angesichts der Ereignisse in der Ukraine fühlen, aber die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten.
Die Bestürzung über die Ereignisse auf der Krim war groß, war doch eine von uns erst kurz zuvor dort gewesen. Sie hatte dort bei Schwestern einer anderen Gemeinschaft einwöchige Exerzitien gehalten. - Eine von ihnen schrieb, als die Kommunikation wieder möglich war, für eine katholische Zeitung in Lettland einen kurzen Bericht. Sie erzählte, dass die Ereignisse von langer Hand vorbereitet gewesen sein müssen, da schon zwei Tage nach der "spontanen Entscheidung" für das Referendum überall die Plakate hingen, was ohne längeren Vorlauf nicht möglich gewesen wäre. Nachdem die Schwestern den Film "Von Göttern und Menschen" geschaut hatten, trafen sie die Entscheidung dort zu bleiben, solange ihre Visa das zulassen. Viele Menschen verließen die Krim, auch aus der kleinen Kirchengemeinde, aber nicht wegen ihres Glaubens, sondern weil sie die russische Staatsbürgerschaft nicht annehmen wollten. Den Betrieben wurde erlaubt, den Wechsel der Staatsbürgerschaft zu fordern, wobei die Weigerung als Kündigungsgrund anerkannt wird. 
Dass uns prompt amerikanische Kriegsflieger und einige Soldaten geschickt wurden, war hier allerdings keine wirkliche Beruhigung. Wenn man sich mit den Menschen unterhält, ist das Vertrauen darauf, dass uns im Ernstfall jemand militärisch helfen würde, nicht sehr groß - UN-Zugehörigkeit hin oder her.
Es wird zwar nicht laut ausgesprochen, doch es gibt eine unterschwellige Angespanntheit. Und allen halb scherzhaften Bemerkungen über die Möglichkeit, dass sich Russland für das Baltikum interessieren könnte, folgen sehr ernsthafte Stoßgebete, dass Gott das verhindern möge!
Die Stimmung schwankt, zumindest bei denen, die sich noch an die sowjetische Zeit erinnern, irgendwie zwischen Besorgnis und Gelassenheit. - Es ist hier normal, dass alte Flieger und Fahrzeuge verkauft werden, wenn man sie in die Finger bekommt, warum nicht auch einen Panzer? Darüber wird geschmunzelt und das leichte Unwohlsein im Magen ignoriert, wenn es denn da ist. Wir versuchen, unser Leben so gut wie möglich zu leben, ebenso wie unseren Glauben, und das werden wir auch weiterhin tun. 
Die Aufmerksamkeit gilt allerdings nicht dem, was sein könnte, sondern dem, was jetzt ist.  Und jeder Tag hat genug eigene Sorgen, denen mit Gottvertrauen und Lebensfreude - und ohne Privatpanzer - zu begegnen ist.

Montag, 12. Mai 2014

Im Kreuz ist Leben 7


Das Evangelium vom  fünften Fastensonntag erzählt von der Auferweckung des Lazarus in Bethanien (Joh 11, 1-45). Jesus sagt: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt."
Das Birkenhaus hat dazu das Bild vom Weizenkorn gemalt. Es muss erst sterben - aber dann verwandelt es sich in der Erde und erwacht zu einem neuen, anderen, größeren Leben.

Dienstag, 8. April 2014

Urlegende regenbogenfarben

Noch einmal muss ich über "Noah" schreiben. Dieser Film beschäftigt mich.
In der Bibel steht die Erzählung doppelt: eine Fassung ist 2.900 Jahre alt, die andere etwa 400 Jahre jünger. Beide Versionen sind im Buch Genesis ineinander verwoben. Es gibt ein paar Unterschiede, aber im Wesentlichen sind sie sich einig: es geht um die Deutung einer Flutkatastrophe (wahrscheinlich in Mesopotamien) als Strafe Gottes für menschliche Schuld. Die wesentlichen Elemente und Aussagen:
1. Die Menschen sind schlecht und Gott beschließt, alles zu vernichten, weil es ihn reut, es erschaffen zu haben. 2. Nur Noah ist gottesfürchtig und findet Gnade. Mit ihm schließt Gott einen Bund. 3. Noah soll eine Arche bauen und folgende Lebewesen vor der Flut retten: von allen Tieren je ein Paar und seine Familie, d.h. sich selbst, seine Frau, seine drei Söhnen und deren drei Frauen. 4. Dann kommt die Flut, vernichtet alles außerhalb der Arche. Nach 40 Tagen geht die Flut zurück. Verschiedene Vögel werden auf der Suche nach festem Land ausgesandt. 5. Als sie welches finden, gehen alle an Land und Gott segnet Noah so, wie er einst Adam und Eva segnete: seid fruchtbar und mehr euch und bevölkert die Erde. 6. Gott verspricht Noah: nie wieder will er die Erde vernichten. Als Zeichen dafür setzt er den Regenbogen in die Wolken.
So wird es seit 2.900 Jahren im Judentum und seit 2.000 Jahren auch im Christentum tradiert.
Seit letzter Woche haben wir ein neues Element in die Legende eingeflochten. Der Kinofilm Noah erzählt uns, dass Noah sich weigert, für seine beiden jüngeren Söhne Frauen zu suchen. Er glaubt, Gott habe auch die Vernichtung des Menschen befohlen. Ob er sich irrt, oder ob Gott seinen Willen ändert, wird nicht deutlich. Dieses Element ist zwar völlig unbiblisch, aber es verschafft dem Film eine Menge zusätzlicher Dramatik. Ob die zusätzlichen Handlungsstränge ein Gewinn sind, sei mal dahingestellt.
Jedenfalls nimmt nur der älteste Sohn Set seine Frau Ila mit, die als unfruchtbar gilt.
Der zweite Sohn Ham findet ein Mädchen, darf sie aber nicht mitnehmen, was ihn dem Vater entfremdet. Und da wird es merkwürdig. Es kommt zu Sätzen wie (Ham zu seinem Vater Noah): "Du willst ja nur nicht, dass ich ein richtiger Mann werde." Später tötet Ham dann einen Feind und dieser haucht mit seinem letzten Atemzug: "Jetzt bist du ein richtiger Mann."  Nach der Flut ist Ham alleine, während Set und Ila, wider Erwarten doch mit Kindern, die Zukunft der Menschheit bauen. Er verlässt die Gruppe mit den Worten "Ich gehöre nicht hierher." und geht alleine in eine ungewisse Zukunft.
Nun ist die biblische Vision, dass die Menschheit aus drei Paaren neu ersteht, zwar genetisch gesehen auch etwas kühn, aber die Bibel ist ja schließlich kein Biologiebuch. Es geht um eine Glaubensaussage: Gott hat unser Leben gewollt und gesegnet, Er hat uns alles Leben auf der Erde anvertraut - und die ganze Menschheitsfamilie gehört zusammen.
Die Filmversion, dass der älteste und der jüngste Bruder, Set und Jafet gemeinsam mit einer Frau Stammeltern der Menschheit werden, ist biologisch betrachtet noch absurder. Also: was will uns der Regisseur sagen? 
Als Noah wenig später einsieht, dass Gott doch den Neuanfang menschlichen Lebens will, bestätigt Gott diese Erkenntnis nicht (wie in der Bibel) mit einem Regenbogen, den er in die grauen Wolken setzt, sondern mit einem Himmel, der von einem Horizont zum anderen vollständig in allen Regenbogenfarben strahlt. Eine Art Wink mit dem Zaunpfahl.
Die Assoziation ist fast zwangsläufig: eine heile Welt der drei Söhne mit ihren drei Frauen zum Schluss wäre heute einfach nicht mehr politisch korrekt. Die Vision des neuen Lebens nach dem Tod, die fast 3.000 Jahre lang tradiert wurde, stimmt heute so nicht mehr. Der Regenbogen steht im Jahr 2014 nicht mehr für das Versprechen Gottes, die Menschheit nicht zu vernichten und seinen Bund mit den Menschen "Seid fruchtbar und vermehrt euch", sondern gleichberechtigt für einen alleinstehenden Mann, dem ebenfalls gesagt wird "bevölkert die Erde".

Mittwoch, 26. Februar 2014

Lachen und Weinen

Unsere Sr. Traude ist gestorben.
Sie ist 99 Jahre alt geworden, war schon einige Zeit sehr krank und musste zum Schluss nicht mehr kämpfen. Also eigentlich so ein Todesfall, bei dem sich die Trauer in Grenzen hält. Und trotzdem: eine unserer Schwestern ist gegangen, Erinnerungen kommen hoch, eigentlich vermissen wir sie schon lange (seit sie so krank ist) und jetzt ist der Abschied also endgültig.
Wie das Leben so spielt: Die Beerdigung wird am Freitag sein. Das konnten wir nicht beeinflussen. Und zwar in Bergisch Gladbach-Refrath, also im Rheinland, wo sie die längste Zeit gelebt hat. Der Freitag liegt im Rheinland mitten im Karneval. Der Tag vorher ist Weiberfastnacht, am Freitag ist in unserem Refrather Kinderdorf abends die große "Galasitzung", am Samstag der Kinderkarneval.
Und dann mittenrein eine Beerdigung? Geht das?
Ja, das geht. Das geht, weil wir glauben und bekennen, dass es
Sr. Traude jetzt besser geht als zu ihren Lebzeiten, dass sie bei Gott weiterlebt, dass sie jetzt dort ist, wohin sie kommen wollte, wohin sie eigentlich gehört - dass sie heimgegangen ist.
Herr, schenke ihr die ewige Freude in deinem Reich!

Donnerstag, 14. November 2013

Freund des Lebens

aus dem Buch der Weisheit (Kapitel 11, 23 ff):

[Gott,] du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren. Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.

Montag, 19. August 2013

Wir haben ein Kind bekommen!!!!!

Ja, wir haben ein Kind bekommen!
Also, eine der Frauen, die bei uns Unterkunft gefunden hat, hat ihre Tochter zur Welt gebracht. Das ist natürlich etwas ganz besonderes, denn es ist nicht nur ihr erstes Kind, sondern auch unser erstes.
Die Kleine hat das Licht der Welt genau in der Wallfahrtszeit erblickt, so dass wir nicht alle zu Hause waren. Aber es traf sich so, dass die Nachricht von der Geburt in Riga, direkt in der Messfeier an die Gemeinde weitergegeben werden konnte und für Mutter und Kind gebetet werden konnte.
In Aglona begrüßten wir uns mit der Frage: "Haben wir schon ein Kind?" Denn wir wussten ja alle, dass es bald so weit sein würde, als wir uns auf den Weg gemacht hatten. Um so größer die Freude, als die Antwort kam: "Ja, wir haben ein Kind bekommen! Sie ist schon zu Hause und wartet auf uns."
Na, und als wir dann wieder in Riga waren haben wir die junge Mutter direkt aufgesucht. Sie hat uns alles von der Geburt erzählt, wie glücklich sie war, die Hebamme an ihrer Seite zu haben, wie schmerzhaft die Wehen waren und wie riesig die Freude über "das Kleine Wunder, das da bei mir angekommen ist". Und dann haben wir uns auf Zehenspitzen in das Zimmer geschlichen und das kleine Wunder selbst bestaunt.
Das Kind ist gesund und zufrieden, die Mutter strahlt und wir, ja, wir haben jetzt ein Baby im Kloster, zumindest noch für ein paar Monate, bis Mutter und Kind in eine eigene Wohnung ziehen.
Der Vater des Kindes wird wohl ende des Monats kommen, um seine Tochter zu sehen. Er lebt in einem weit entfernten Land. - Die Spannung ist groß, denn keiner weiß, ob und wie er sich um Mutter und Kind kümmern wird. Aber die Freude überwiegt, denn wie die frisch gebackene Mutter selbst sagt:
"Das ist alles nicht wichtig. Die Hauptsache ist, dass es meiner Kleinen gut geht und alles zu ihrem Wohl geschieht."

Samstag, 13. Juli 2013

Lebenswille

Gerade in der Natur kann man beobachten, wie Pflanzen sich verbreiten.
Oft zum Ärger des Gärtners.
Eigenwillig verteilen sich Blumen und (Wild-) Kräuter im Garten.
So habe auch ich versucht, meinen Garten von unerwünschten Gewächsen zu befreien.



Ich habe mich heute gefragt, wie oft ich versucht habe, dieses Veilchen aus dem Pflaster zu reißen.

Zwecklos.
Jetzt bleibt es da, wo es ist.

Die Natur hat Kraft.
Kräfte, die auch in uns sind, denn Gott hat uns geschaffen.  Unser Schöpfer hat uns ins Leben gerufen und will, dass wir ein gutes Leben haben.
Gut ist es, sich daran zu erinnern und zu begreifen, dass Gott uns Kraft gibt, dass er es gut mit uns meint.
Allein wir zweifeln oft daran. Wir hören nicht in uns rein, um die Stimme Gottes zu hören.  Oft lassen wir uns vom Alltag ablenken und haben nicht mehr Gott im Fokus.

Wir können, genau so wie das Veilchen, auch in schwierigen Situationen das Pflaster durchstoßen.
Vielleicht kann das Bild von diesem Veilchen eine Hilfe sein, uns daran zu erinnern.

Samstag, 1. Juni 2013

Abgestorben - aber nicht ab


Direkt vor den Fenstern unseres Refektoriums steht ein Baum mit einem abgestorbenen Ast. Schon in den Stürmen des vorletzten Herbstes ist er abgebrochen. Seitdem schaue ich bei jeder Mahlzeit darauf, wenn ich nicht gerade mit dem Rücken zum Fenster sitze. Er ist geradezu ein Blickfang. Inzwischen sind die Bäume üppig grün - aber ich schaue immer auf diesen einen Ast.
Anfangs habe ich gehofft, er würde irgendwann von alleine runterfallen. Das hat sich als irrig herausgestellt. Dann habe ich unsere Haustechnik gebeten, ihn abzusägen, aber es ist einfach zu hoch, sie kommen nicht dran. Er steht auf der Liste, wenn mal wieder größere Baumarbeiten zu machen sind, für die "schweres Gerät" ausgeliehen wird.
Zuerst habe ich mich über den Ast amüsiert: eine Kuriosität, dass der nicht runterfiel. Dann habe ich mich geärgert: jetzt müsste aber allmählich mal wieder die Harmonie hergestellt werden! Inzwischen merke ich, dass ich in eine dritte Phase komme: ich fange an, mich mit dem Ast anzufreunden. 
So geht es mir mit anderen Dingen ja auch. Macken, Probleme oder Verletzungen, die ich mit mir rumschleppe. Manches ist nur kurios, vielleicht ein bisschen spleenig, eher interessant als problematisch. Manches muss ich aber auch bearbeiten, um die Harmonie in mir und mit meiner Umgebung wieder herstellen zu können. Und schließlich gibt es Dinge in mir, die ich irgendwann akzeptieren muss. Dann weiß ich: Nein, dies ist nicht nur ein witziger Spleen, sondern eine ernsthafte Verletzung. Ich habe mich bemüht, aber ich kann sie nicht einfach aus meinem Leben entfernen. Da ist etwas abgestorben - aber deshalb ist es noch nicht ab. Es bleibt ein Teil von mir und ich tue gut daran, mich damit anzufreunden, anstatt mich immer wieder neu daran zu reiben und zu verletzen.

Dienstag, 16. April 2013

Brot

Heute abend hatten wir Gruppenmesse. Das Evangelium ist heute aus Johannes, Kapitel sechs. Jesus sagt dort: "Das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben." Und die Menschen bitten ihn: "Herr, gib uns immer dieses Brot!" Darauf antwortet Jesus: 

"Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben."

Was für eine Zusage!
Im Schriftgespräch haben wir uns dann darüber ausgetauscht, was es konkret ist, dieses Brot, dass wir immer brauchen. Wie erfahre ich Jesus? Wie werde ich durch ihn gestärkt? Gibt es bestimmte Zeiten und Orte, die dies begünstigen? oder an denen es besonders nötig ist? Bitte ich Gott täglich um "dieses" Brot, nicht nur um das zum essen?
Von dieser Sorte - der zum essen - gab es dann auch noch was, beim anschließenden gemeinsamen Imbiss in der Teeküche.

Montag, 1. April 2013

Neues Leben


Auf unserer Grabstelle ist ein frischer Erdhügel: vor kurzem ist unsere Sr. Alcide heimgegangen. Als die Schwestern jetzt hingingen, um das Grab ein bisschen schöner zu machen für Ostern, fanden sie einen Forsythienzweig, der aus der Erde sprosste - selbstgesät in die frischaufgeworfene Erde. Noch sehr klein und dürr, aber durchaus lebenswillig!
Das scheint mir ein wunderbares Bild für die ersten Jünger nach der Auferstehung zu sein: Sie wissen nicht, wie es nach dem Tod Jesu weitergehen soll. Sie ziehen sich zurück, zwei machen sich schon auf den Heimweg, nach Emmaus. Und dann erscheint ihnen der Auferstandene! Sie erkennen ihn nicht gleich. Maria Magdalena hält ihn für den Gärtner, die Emmausjünger für einen Fremden, Petrus und Johannes finden nur die Leinenbinden. Aber langsam, ganz langsam verbreitet sich der Ruf und die Hoffnung: Er lebt! Er ist auferstanden. Das Leben hat den Tod besiegt, ja, aus dem Tod ist neues Leben entstanden, besseres, verwandeltes Leben. Leben auch für uns? Ja, es ist noch ein bisschen wackelig, es muss noch wachsen und werden, aber ja: Das Leben hat gesiegt!

Montag, 18. März 2013

Begegnung

Begegnung von Mensch zu Mensch. 
Manchmal gelingt sie ganz leicht, wie von selbst. 
Manchmal muss sie schwer und mühevoll errungen werden, 
gegen Widerstände. 
Aber ob leicht oder schwer: 
wir dürfen nicht aufhören, einander zu begegnen,
denn darin besteht das Leben.
Wie begegne ich heute den Menschen um mich her?

Dienstag, 19. Februar 2013

Fastenzeit oder Fasnacht?


Gestern begann in Basel mit dem Morgenstraich die Basler Fasnacht.  


Vor einigen Jahren habe ich daran teilgenommen und auch in diesem Jahr hatte ich es auf dem Plan.
In diesem Jahr ist mein Plan nicht ganz aufgegangen, aber ich habe mir vergangenen Sonntag den Buurefasnachtsumzug angesehen.

Auch dort wird viel Konfetti geworfen und man kann allerlei Gruseliges sehen. Hier und da kann ein Kind auch ein Bonbon erhaschen, das meist einzeln und persönlich an die Kinder verteilt wird.
Es ist ein faszinierendes Spektakel, in dem der Alkohol eher eine Nebenrolle spielt.

Und doch kommt in mir immer wieder der Gedanke hoch…
Es ist Fastenzeit!

Hier scheinen die Uhren anders zu schlagen........

Für mich ist die Fastenzeit eine Zeit des sich zentrierens.
Eine Zeit, in der ich herausfinden kann, was mein (gutes) Leben behindert.
Eine Zeit, in der ich ganz gezielt und vertiefend das Gespräch mit Gott suche.

Für mich ist die Fastenzeit eine Zeit der  Rückschau und eine Zeit des Innehaltens.
Eine Zeit des Da-seins.
Eine Zeit des neu Ausrichtens. 
Eine Zeit des Neuanfangs. 

Und...
Ich bin froh, um all die Menschen, die diese Fastenzeit ebenso ernst nehmen.
Im Gedanken daran lässt sich so ein von mir gefasster Fastenvorsatz trotz der Versuchung leichter verfolgen.
  

Mittwoch, 23. Januar 2013

Litanei vom Leben in Fülle

V: Herr, du hast uns ein Leben in Fülle versprochen. Wir wollen jetzt bedenken, was das für uns heißen kann:
A: Leben in Fülle...
V: ... heißt gute und schlechte Zeiten
A: Leben in Fülle...
V: ... heißt auch seine Tränen weinen
    ... heißt sein Leid ertragen
    ... heißt seine Schmerzen aushalten
A: Leben in Fülle...
V: ... heißt auch fragend bleiben
    ... heißt suchend bleibend
    ... heißt unverstanden bleiben
A: Leben in Fülle...
V: ... heißt auch wieder lachen können
    ... heißt Leid überwinden
    ... heißt heil werden in Gott
A: Leben in Fülle...
V: ... heißt auch Antworten bekommen
    ... heißt Ziele finden
    ... heißt verstanden werden
A: Leben in Fülle...
V: ... heißt auch das Leben füllen
    ... heißt auch niemals aufgeben
    ... heißt auch Hoffnung schöpfen
V: Du, Herr, schenkst uns dieses Leben in Fülle mit all seinen Höhen und Tiefen, den Aufs und den Abs. Bleibe bei uns und begleite uns auf allen Wegen unseres Lebens. Amen.
Frank Greubel