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Freitag, 3. April 2015

(Er)löser

Karfreitag.
Seit ich im Kloster bin, feiere ich ihn anders als früher. Morgens ist die Liturgie streng und düster, angelehnt an die jahrhundertealten dominikanischen Traditionen. Die Feier um 15:00 Uhr dagegen passen wir etwas an, denn wir leben mitten in unseren Kinderdörfern und möchten, dass möglichst auch unsere Kinder und Jugendlichen verstehen, worum es geht.
Die Passion lesen wir mit verteilten Rollen (das ist noch relativ normal), aber es hat sich eingebürgert, dass die Sprecher der kleineren Rollen in den Bänken bleiben und nur aufstehen, wenn sie dran sind. Das gibt eine unglaubliche Stimmung. Zum einen ist es spannender für die Kids: wo passiert als nächstes was? Aber auch geistlich ist es intensiver, denn plötzlich wird einem körperlich bewusst, dass die Pförtnerin, die Soldaten, die Juden, der Petrus... Leute aus dem Volk sind, Menschen wie du und ich. 
Ich erinnere mich an mein erstes Jahr als Novizin, da hatte ich auch so eine kleine Rolle. Ein Satz oder so. Und dann musste ich an einer Stelle zusammen mit einigen anderen aufstehen und laut in die Kirche rufen: "Weg mit ihm! Kreuzige ihn!" Mitten aus der Menge heraus. Das geht unter die Haut. So war es diesmal auch. 
Nachher haben wir zur Kreuzverehrung die Möglichkeit gegeben, geknotete Tücher am Kreuz abzulegen, als Zeichen für all das, was in uns verknotet und verkorkst ist, und was Jesus (er)lösen soll. Wer wollte, konnte einen solchen Knoten auch mit nach Hause nehmen, zur Erinnerung oder zum weiteren Nachdenken. Und - wer weiß - vielleicht bringen ja auch einige ihn in die Osternacht mit, um ihn im Osterfeuer zu verbrennen!

Dienstag, 31. März 2015

Judas im Gefängnis


In dieser Fastenzeit bekommen wir via email täglich einen Implus von der bethanischen Laiengemeinschaft in den USA, Norfolk. Der größere Teil der Gemeinschaft ist inhaftiert, sie haben sich wirklich von den Ideen unseres Gründers P.Lataste berühren lassen, der uns Gottes Vergebung verkündet hat - wo wir auch immer sind, was wir auch immer getan haben - wenn wir nur umkehren. Den heutigen Impuls gebe ich ungekürzt weiter, weil ich ihn so ergreifend finde.
 
Dienstag, 31. März 2015: Dienstag der Karwoche
Im Evangelium von heute sind wir zwei Mal mit Verrat konfrontiert: Judas, der Jesus ausliefert und Petrus, der Jesus verleugnet. Vor ein paar Jahren wurde ich gebeten, an einem Passionsspiel in der Karwoche teilzunehmen. Ich habe den Kürzeren gezogen und wurde gebeten, den Judas zu spielen. Ich wollte weglaufen. Wer will schon den Judas spielen? Also wirklich! Aber ich hatte meinen Freunden und noch wichtiger auch Gott mein Wort gegeben, bei der Produktion zu helfen. Also habe ich meinen Text und meine Bewegungen auswendig gelernt. Ich habe geprobt und geprobt – und mich die ganze Zeit davor gefürchtet, was die Leute denken würden, wenn sie sehen, dass ich den Judas spiele. Dann kam der große Tag. Die Szene verlangte von mir, dass ich zu Jesus gehe und ihn umarme und zusehe, wie die römischen Wachen ihn packen und wegbringen, bevor ich von der Bühne renne. Als mein Stichwort kam, habe ich darum gekämpft mich zu bewegen. Ich war wie festgefroren, nicht vom Lampenfieber, sondern von der plötzlichen Erkenntnis, wie oft ich selbst Jesus schon verkauft habe aus Stolz, aus Habgier oder weil ich andere Sünden bedient habe. Es lässt sich nicht genau erklären, wie ich mich gefühlt habe, als ich mich durch die Szene bewegt habe. Als ich dann neben der Bühne stand, und mir den Rest des Stückes ansah, habe ich darüber nachgedacht, wie sehr ich auf mich selbst konzentriert war, als es auf die Aufführung zuging und wie wenig ich an Jesus gedacht habe – bis ich da stand Auge in Auge mit meinem Herrn, im Bewusstsein, dass ich ihn gleich verraten werde. Ich möchte das nie mehr wieder fühlen. Herr, ich bete, dass meine Aufmerksamkeit auf dich gerichtet bleibt, während ich versuche, dir zu dienen, nicht darauf, wie ich mich fühle, was ich will oder was ich denke, was die anderen von mir denken könnten. Hilf mir, niemals deine Liebe zu verraten – meine Rolle zu spielen nicht zu meinem eigenen Wohl, sondern zu dem meiner Schwestern und Brüder und natürlich für DICH.
James (Our Lady of Mercy Laiengemeinschaft im Gefängnis von Norfolk)
Bildquelle: Martin Jäger @pixelio.de

Freitag, 27. März 2015

Kompromisse im Reich Gottes


Nun sind die Frühschichten in der Fastenzeit für unsere Jugendlichen schon vorbei. Nächste Woche sind die meisten von ihnen unterwegs.
Zum Abschluss haben wir noch einmal überlegt, wie wir denn jetzt weitermachen, mit unserem neuen Blick auf die Welt. Wir haben erkannt und sind jetzt aufmerksam dafür, dass unser Konsum das Leben von Menschen in weit entfernten Ländern beeinflusst. Was wir kaufen, entscheidet darüber, ob in anderen Erdteilen Menschen gut oder schlecht leben - und es kann sogar das Klima verändern. Gedanklich ist unsere Welt zusammengerückt.
Und jetzt?
Werden wir ab heute anders leben?
Werden wir nur noch fair gehandelte Kleidung kaufen?
Lebensmittel nur noch von Gepa oder regional?
Elektrogeräte reparieren, statt sie neu zu kaufen?

Unsere Jugendlichen sind klasse! Sie sagten ehrlich: so konsequent sind wir nicht. "Manchmal will ich eben das geile T-shirt haben, dann ist mir egal, wie es produziert ist."
Soviel Ehrlichkeit öffnete die Tür zu einem Austausch über realistische Möglichkeiten, die Welt zu verbessern. Wir haben gar nicht das Geld, immer fair einzukaufen - aber wir können versuchen, manche Dinge zu vermeiden. Wir können unsere Grundhaltung verändern.
Sehr spannend fand ich persönlich es, noch einmal vom heimischen Supermarkt wegzuzoomen und erneut zu fragen: worum geht es eigentlich? Was wollen wir bewirken?
Wir wollen, dass es allen Menschen besser geht, und wir wollen die Schöpfung bewahren. Das dürfte ungefähr das sein, was Jesus "das Kommen des Reiches Gottes" nennt. Wenn wir an diesem Reich Gottes mitbauen wollen, dann haben wir etwas Großes im Sinn. Wenn ich mich also in meiner Kinderdorffamilie oder Gemeinschaft dafür einsetze, dass wir fair einkaufen, dann ist das gut. Aber wenn ich mich nicht durchsetzen kann, dann muss ich abwägen: Lohnt es jetzt, einen großen Konflikt zu beginnen? Verwirkliche ich damit Gottes Willen?
Ich mag die Arbeit mit Jugendlichen v.a. deshalb, weil man ihnen solche Fragen zumuten kann. Man muss ihnen keine einfachen Antworten mehr vorsetzen. Natürlich sind Jugendliche leicht begeistert und deshalb auch schon mal radikal, aber sie verstehen auch schon, dass das Leben aus Kompromissen besteht - sogar, wenn es um das ganz große Ziel geht.

Dienstag, 24. März 2015

Kinder einer Welt

Wow, die letzte Frühschicht war ganz schön dicht! 
Wir haben uns zuerst nochmal daran erinnert, worüber wir in den ersten drei Wochen der Fastenzeit gesprochen hatten: Kinderarbeit, Umweltverschmutzung, Klimawandel...
Das war ja alles ziemlich schrecklich, aber in dieser Woche war eine ganz andere Frage dran:
Wieso sollte uns das alles eigentlich interessieren?
Okay: wenn Kinder arbeiten müssen, damit wir billige Kleider kaufen können, ist das traurig. Aber diese Kinder sind weit weg, und jeder ist sich selbst der Nächste, oder?
Okay: wenn in verschiedenen Teilen der Welt Giftstoffe freigesetzt werden, ist das nicht schön, aber dann kaufen wir halt Bioprodukte ein und sind auf der sicheren Seite.
Okay: der ganze Klimawandel ist schlimm, aber die großen Stürme und Überschwemmungen betreffen doch hauptsächlich die Inseln da irgendwo bei Australien - uns nicht.
Also: warum sollten wir uns damit beschäftigen?
Die Jugendlichen sagten sofort, dass wir doch "alle Menschen" sind. Dass alle Menschen auch gleich wertvoll sind, ist aber eine Einstellung, die nicht selbstverständlich ist. Immer wieder gibt es Menschen, die meinen, sie seien wichtiger als andere.
Es gibt Weiße, die meinen, sie seien besser als Schwarze.
Es gibt Deutsche, die meinen, sie seien besser als Türken.
Es gibt Männer, die meinen, sie seien besser als Frauen.
Diese Reihe könnte man endlos fortsetzen.
Wir sind Christen. Wir wissen, dass kein Mensch mehr wert ist als ein anderer. Alle Menschen sind von Gott geschaffen - ohne Unterschied. Und alle Menschen sind von Gott geliebt - ohne Unterschied. Und deshalb kann es uns nicht egal sein, wenn ein Mensch leidet, ob er nun in Vanuatu lebt oder in Brasilien oder in Bangladesh oder in Nigeria.
Und weil Gott auch diese ganze Erde geschaffen und uns anvertraut hat, deshalb kann es uns nicht egal sein, was aus ihr wird. Wir sind nicht auf dieser Welt, damit es uns allein gut geht, sondern um die Welt insgesamt voran zu bringen. Das ist der Auftrag Gottes an uns.

Sonntag, 15. März 2015

Fairtrade

In unserer dritten Frühschicht ging es um Lebensmittel. Inzwischen haben wir die Unterlage vervollständigt: die Welt ist jetzt rund. 
Europa wirkt plötzlich so winzig. Und doch wird überall auf der Welt alles mögliche für den europäischen Markt produziert: Kleidung, Unterhaltungselektronik, Lebensmittel. 
Die Wege, die z.B. so eine Banane zurücklegen muss, bis sie in unserem Supermarkt landet, sind enorm. Die Umweltbelastung, die dabei entsteht, ist es auch. Nun wollen wir niemandem seine morgendliche Banane ausreden - aber müssen wir wirklich Äpfel aus Neuseeland essen? Oder Erdbeeren im Winter? Und kann man einem Lebensmittel ansehen, ob es mit irgendwelchem Gift gespritzt ist? Oder ob Kinder an der Ernte beteiligt waren?
Die Jugendlichen hatten natürlich sofort verstanden und brachten selber Beispiele. Und wieder ging es uns nicht darum, schwarz zu malen, sondern darum, die Alternative aufzuzeigen. Beim gemeinsamen Frühstück gibt es ja auch jede Menge leckere Sachen mit Gepa- oder Transfair-Siegel.
Eine Jugendliche sagte wohl auch ganz klar: "die Biosachen sind immer teurer." Damit hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen.
Woher das kommt, haben wir jetzt geklärt. Aber damit ist das Problem noch nicht gelöst. Unsere Jugendlichen gehören nicht zu den Menschen und werden nie dazu gehören, die sich locker mit Öko eindecken können, ohne dass es ihnen weh täte. Aber die Fastenzeit dauert ja noch in bisschen. Wir haben noch zwei Frühschichten, um darüber nachzudenken.

Montag, 9. März 2015

Gegen den Trend

In der zweiten Frühschicht war Sabine dran: Was passiert eigentlich mit unseren alten Smartphones, Fernsehern oder CDs, wenn wir sie wegwerfen?
Und wieder kam die Kinderarbeit ins Spiel: Kinder, die in Afrika auf Müllhalden arbeiten, auf denen europäischer Elektroschrott auseinandersortiert wird. Sie verdienen sich ein bisschen Geld mit den Edelmetallen, die die Teile hergeben und stehen ansonsten mitten in dem giftigen Rest, z.B. in dem Qualm des verbrennenden Plastiks.
Unsere Jugendlichen dürfen z.T. noch kein eigenes Smartphone haben, das geht im Kinderdorf erst ab 14. Diejenigen, die eins haben, erzählten prompt von Klassenkameraden, die ihres alle paar Monate gegen das neueste Modell austauschen.
Das können unsere Jugendlichen natürlich nicht, schon rein finanziell nicht. Aber jetzt konnten wir ihnen sagen, dass es auch noch ethische Gründe gibt, sein altes Handy länger zu benutzen. Eine zeigte ihres auch sofort ganz stolz: jede Menge Macken, aber "tut's doch noch!"
Dabei haben wir auch besprochen, wie schwer ein solcher Satz manchmal fällt. Ich bin als Schwester außerhalb der Mode. Ich habe mich einmal entschieden und mache mir jetzt nicht mehr allzuviel Gedanken darum, was "in" ist, oder was man angeblich so alles besitzen muss. Aber für jemanden, der mit 13 oder 14 Jahren seinen Schulalltag zu bestehen hat, für den sieht das naturgemäß ganz anders aus. Da ist die Meinung und das Urteil der Gleichaltrigen einfach wichtig. Wir können die Jungs und Mädels nur darin bestärken, nicht jeden Trend mitzumachen, sondern ihren eigenen Weg zu finden. Denn Gott hat uns als Originale geschaffen - Kopien gibt es schon genug.

Donnerstag, 5. März 2015

Kirche halbdunkel

Wieder einmal gestalten wir in der Fastenzeit für die Jugendlichen unseres Kinderdorfes Frühschichten. Morgens um 6:00 in der halbdunklen Kirche auf die Empore klettern (wo man sonst nie hinkommt), das ist schon ein bisschen spooky, und hinterher gibt's Frühstück im Schwesternhaus.
Die Gruppe ist nicht sehr groß, wir haben im Kinderdorf z.Zt. mehr Kleine, aber das ist umso mehr ein Grund für dieses Angebot: weil die Gruppe relativ klein ist, wird sie bei den normalen Gottesdiensten für alle meistens ein wenig vernachlässigt. Und dabei haben Jugendliche so spannende Fragen an die Welt, die Kirche, Gott - und überhaupt!
Baumwollernte an der Elfenbeinküste
Bildquelle: Badische Zeitung Archivbild AFP
Unser Thema ist dieses Jahr (angelehnt an die Misereor Jugendfastenaktion) "Wir brechen die Flut". Gemeint ist die Konsumflut mit ihren Auswirkungen in den Entwicklungsländern.
Ich bereite die Frühschichten zusammen mit Sabine, einer Erzieherin vor, und als wir zu dem Thema recherchiert haben, wurde uns ganz anders. Klar weiß man so einiges, aber wenn man es dann genauer wissen muss und auch ein paar Bilder braucht, um es zu veranschaulichen, dann wird erst klar, worum es eigentlich geht.
In der ersten Woche haben wir über Baumwolle gesprochen. In den Kindermessen war in derselben Woche das Thema "Energie sparen", und so konnten wir gleich noch mitnehmen, dass es ganz schön viel Energie verbraucht, bis so eine Jeans produziert und an den Niederrhein in unsere Läden transportiert ist. Aber eigentlich ging es uns um etwas anderes:
Ich hatte Bilder gefunden von Kindern bei der Baumwollernte in Afrika und von Jugendlichen in einer Näherei in Bangladesh. Die Jugendlichen sahen sofort: das Mädel an der Nähmaschine war so alt wie sie selbst, der Junge auf dem Feld noch einige Jahre jünger. Ein Mann in einer Färberei stand barfuß in den Chemikalien usw. Keine schöne Vorstellung.
Schließlich die Preisschilder in unseren Läden: nach all den vielen Menschen, die an der Produktion beteiligt waren und die auf einmal ein Gesicht bekommen hatten, kostete das Teil dann 1,99 €. Wie das?
"Je billiger ein T-shirt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass daran ein Kind mitgearbeitet hat." Ich gebe zu, dass diese Formel die Tatsachen sehr vereinfacht, aber es war sozusagen eine Zusammenfassung, eine Faustformel zum Behalten. Eins der Mädels meinte betroffen: "Und ich hab mir letzte Woche ein Karnevalskostüm für 8,- € geholt."
Es geht uns nicht darum, den Jugendlichen ein schlechtes Gewissen zu machen. Aber sie sind alt genug, in größeren Zusammenhängen zu denken - und wollen das auch. Gott hat uns seine Schöpfung anvertraut und aufgetragen, uns für die Schwachen und Unterdrückten einzusetzen. Das kann man auch beim Kleiderkauf.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Weniger ist mehr

Dieser Satz ist inzwischen nicht mehr neu - und auch nicht von mir. Aber immer wieder kommt er mir in den Sinn, weil er immer wieder passt:
An einem Abend, an dem schon jeder genug getrunken hatte um fröhlich zu werden - und der ein oder andere auch ein Glas mehr.
Bei dem Fest, wenn alle genug gegessen haben - und die meisten auch eine Portion Nachtisch zu viel.
In Diskussionen, wenn schon längst alles gesagt ist, was nötig war - und noch ein paar Sätze zu viel.
Bei der Arbeit, wenn der eine mehr als genug zu tun hat - und der andere mehr Freizeit, als ihm lieb ist. 
Immer ist es das zuviel, das uns nicht gut tut.
Was ist es bei Dir? Kannst Du es in den nächsten 7 Wochen etwas zurückschrauben?
Der Aschermittwoch ist ein Stoppzeichen. Halt mal an. Überleg, ob Du auf dem richtigen Weg bist, oder vielleicht abbiegen musst. Und dann weiter.

Montag, 19. Mai 2014

Im Kreuz ist Leben 10

Über der neuen Jubiläumsreihe wollen wir doch nicht die andere Reihe vergessen, die bringen wir noch eben zu Ende.
Den Karfreitag hatte keine Kinderdorffamilie gestaltet, sondern die Schwestern. Der Gottesdienst war ganz still und wir haben mit verteilten Rollen die Leidensgeschichte Jesu gelesen. Mir persönlich geht es immer wie ein Schauer durch, wenn gleich eine ganze Gruppe aufsteht und schreit: "Kreuzige ihn!"

Montag, 12. Mai 2014

Im Kreuz ist Leben 7


Das Evangelium vom  fünften Fastensonntag erzählt von der Auferweckung des Lazarus in Bethanien (Joh 11, 1-45). Jesus sagt: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt."
Das Birkenhaus hat dazu das Bild vom Weizenkorn gemalt. Es muss erst sterben - aber dann verwandelt es sich in der Erde und erwacht zu einem neuen, anderen, größeren Leben.

Freitag, 9. Mai 2014

Im Kreuz ist Leben 6

Das Evangelium vom vierten Fastensonntag erzählt von einer Blindenheilung (Joh 9, 1-7). Was macht mich blind für die anderen? Wie kann ich besser hinsehen? Das Bild zeigt das bekannte Zitat aus dem kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry: "Man sieht nur mit dem Herzen gut".

Mittwoch, 7. Mai 2014

Im Kreuz ist Leben 5

Im Evangelium vom 3. Fastensonntag ging es um die Begegnung von Jesus und der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,5 ff). Jesus stillt unseren Durst, nicht den nach Wasser, sondern den nach Geborgenheit und Wahrheit. Der Brunnen ist auch auf dem Bild, mit der Gemeinschaft, die wir zum Leben so nötig haben wie das Wasser.

Montag, 5. Mai 2014

Im Kreuz ist Leben 4

Am zweiten Fastensonntag handelte das Evangelium von der Verklärung Jesu (Mt 17, 1-9).  Jesus steigt auf einen Berg, im Gebet wird er vom Licht erhellt und dann von einer Wolke verdeckt.
Gott sagt zu seinen Jüngern - und d.h. zu uns: "Jesus ist mein geliebter Sohn. Hört auf ihn!" Und: "Fürchtet euch nicht!!!"


Freitag, 2. Mai 2014

Im Kreuz ist Leben 3

Im Evangelium des ersten Fastensonntags geht es um die Versuchung Jesu (Mt 4, 1-11). Thema war dementsprechend: Was will ich alles haben?
Gleichzeitig wurde die Fastenaktion vorgestellt. Deshalb deuten die Hände auf dem Bild auf verschiedenes hin: sie können nehmen, aber auch geben.


Mittwoch, 30. April 2014

Im Kreuz ist Leben 2

Für die Familienmesse am Aschermittwoch hatte die Kinderdorffamilie Kastanienhaus einen Aschenmann gemalt.
Thema war: was bedeutet Asche? Wozu benutzt man sie? Warum beginnen wir die Fastenzeit mit einem Aschenkreuz auf der Stirn?

Dienstag, 29. April 2014

Im Kreuz ist Leben 1

In unserem Kinderdorf wechseln sich die Familien und Gruppen damit ab, die Familienmessen vorzubereiten. Jede kann "ihre" Messe so gestalten, wie sie es wichtig findet: manche Familien haben viele kleine Kinder, da singen wir ihre Lieder, aber die Jugendwohngruppe kommt auch mal dran - mit ihren Themen und ihrer Musik. 
Für die besonderen, "geprägten" Zeiten Advent/Weihnachten und Fastenzeit/Ostern denkt sich der Liturgiekreis dann immer ein Thema aus, eine Art Überschrift, die alle Familienmessen dieser Wochen verbindet. 
In dieser Fastenzeit war es schlicht und einfach das Kreuz. Jede Gruppe hat passend zum Evangelium ein Bild gemalt und auf ein anfangs leeres Kreuz aufgelegt. Das ist so schön geworden, dass ich gerne hier davon erzählen möchte, auch wenn die Fastenzeit schon vorbei ist. Auch in der Osterzeit gilt ja schließlich weiterhin: im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben!

Freitag, 18. April 2014

Karfreitag


Bei unserem Umzug habe ich ein Kreuz auf dem Speicher gefunden. Es war wohl einem der Handwerker runtergefallen, nur so kann ich mir erklären, dass die Arme abgebrochen daneben lagen.
Sofort fiel mir der erste Satz des bekannten Gebetes ein: "Jesus hat keine Arme, nur unsere Arme, um..." Ich kenne ein Kloster, dass einen Jesus ohne Arme in der Kapelle hängen hat, vielleicht wegen dieser Aussage.
Aber ich musste auch an das "zerschlagene Gebein" denken. Plötzlich wurde an diesem kleinen Stück Holz so deutlich, was der echte Jesus von Nazareth damals erlitten hat. Rohe Gewalt. Folter. Bis zum Äußersten der Willkür ausgeliefert. Schutz- und wehrlos. Entblößt und in den Dreck getreten.

Ich danke Gott, dass er in diese Tiefe hinabgestiegen ist. So viele Menschen müssen leiden. Sie alle können wissen: wenn es am schlimmsten ist, ist Er immer noch da.

Sr. Barbara


Donnerstag, 17. April 2014

Gründonnerstag

Diese Nacht ist anders als alle Nächte...
In unserem Kloster ist die Liturgie der Kartage immer von den traditionellen dominikanischen Gesängen geprägt. Ich finde das wunderschön, aber wir haben ja auch ein Kinderdorf und dafür lassen wir uns gerne auch andere Sachen einfallen. 
Damit die Jugendlichen auch nachvollziehen können, was geschieht, haben wir für sie eine Ölbergnacht vorbereitet. Es ist ja gar nicht so leicht, sich wirklich vorzustellen und an sich herankommen zu lassen, was Jesus damals erlebt hat. Deshalb versuchen wir, das Ganze möglichst lebendig werden zu lassen.
Wir werden mit einem Paschamahl beginnen, ganz wie die Jünger damals. Wie haben die Juden das gemacht? (Also so ungefähr, denn ganz richtig können wir es natürlich nicht.)
Für die Stunden in der Kirche haben wir einiges vorbereitet, damit die Kids nicht wie die Jünger einschlafen. Welche falsche Anklagen hängen wir einander an? Was gibt uns Halt, wenn andere uns im Stich lassen? Was hält mich gefangen? Was ist mir heilig? usw. 
Manches davon könnte ziemlich cool werden - wie es hoffentlich überhaupt krass ist (oder wie die das heute nennen), eine ganze Nacht durchzumachen und dann auch noch in der leeren Kirche. Zum Schluss gehen wir einen Kreuzweg durch den Park - aber mit richtigem Kreuz (das hat uns einer der Hausmeister zusammengebaut).
Wenn wir dann nachmittags die Karfreitagsliturgie feiern, haben die Jugendlichen, die nachts dabei waren, doch wenigstens eine Vorstellung, wovon die Rede ist.

Mittwoch, 16. April 2014

Freude des Evangeliums: neue religiöse Bewegungen

Im apostolischen Schreiben "Die Freude des Evangeliums" sind wir inzwischen in Kapitel 2 "In der Krise des gemeinschaftlichen Engagements", Absatz I "Einige Herausforderungen in der Welt von heute", Abschnitt "Einige kulturelle Herausforderungen":
63. Der katholische Glaube vieler Völker steht heute vor der Herausforderung der Verbreitung neuer religiöser Bewegungen, von denen einige zum Fundamentalismus tendieren und andere eine Spiritualität ohne Gott anzubieten scheinen. Das ist einerseits das Ergebnis einer menschlichen Reaktion auf die materialistische, konsumorientierte und individualistische Gesellschaft und andererseits eine Ausnutzung der Notsituation der Bevölkerung, die an den Peripherien und in den verarmten Zonen lebt, die inmitten großer menschlicher Leiden überlebt und unmittelbare Lösungen für die eigenen Bedürfnisse sucht. Diese religiösen Bewegungen, die durch ihr subtiles Eindringen gekennzeichnet sind, füllen innerhalb des herrschenden Individualismus eine Leere aus, die der laizistische Rationalismus hinterlassen hat. Außerdem müssen wir zugeben, dass, wenn ein Teil unserer Getauften die eigene Zugehörigkeit zur Kirche nicht empfindet, das auch manchen Strukturen und einem wenig aufnahmebereiten Klima in einigen unserer Pfarreien und Gemeinden zuzuschreiben ist oder einem bürokratischen Verhalten, mit dem auf die einfachen oder auch komplexen Probleme des Lebens unserer Völker geantwortet wird. Vielerorts besteht eine Vorherrschaft des administrativen Aspekts vor dem seelsorglichen sowie eine Sakramentalisierung ohne andere Formen der Evangelisierung.

Hiermit endet unsere Fastenreihe mit Papst Franziskus, denn morgen beginnen die Kartage. Da wir mit unseren Zitaten mitten in der Enzyklika aufhören müssen, sogar mitten im Kapitel, den Text aber sehr schön finden, werden wir den Faden vielleicht nach Ostern noch einmal aufnehmen.

Dienstag, 15. April 2014

Freude des Evangeliums: Herausforderungen

Im apostolischen Schreiben "Die Freude des Evangeliums" sind wir inzwischen in Kapitel 2 "In der Krise des gemeinschaftlichen Engagements", Absatz I "Einige Herausforderungen in der Welt von heute":

Einige kulturelle Herausforderungen

61. Wir evangelisieren auch dann, wenn wir versuchen, uns den verschiedenen Herausforderungen zu stellen, die auftauchen können.[56] Manchmal zeigen sie sich in echten Angriffen auf die Religionsfreiheit oder in neuen Situationen der Christenverfolgung, die in einigen Ländern alarmierende Stufen des Hasses und der Gewalt erreicht haben. An vielen Orten handelt es sich eher um eine verbreitete relativistische Gleichgültigkeit, verbunden mit der Ernüchterung und der Krise der Ideologien, die als Reaktion auf alles, was totalitär erscheint, eingetreten ist. Das schadet nicht nur der Kirche, sondern dem Gesellschaftsleben allgemein. Geben wir zu, dass in einer Kultur, in der jeder Träger einer eigenen subjektiven Wahrheit sein will, die Bürger schwerlich das Verlangen haben, sich an einem gemeinsamen Projekt zu beteiligen, das die persönlichen Interessen und Wünsche übersteigt.
62. In der herrschenden Kultur ist der erste Platz besetzt von dem, was äußerlich, unmittelbar, sichtbar, schnell, oberflächlich und provisorisch ist. Das Wirkliche macht dem Anschein Platz.[...]