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Freitag, 10. Oktober 2014

Da fehlt was

Neulich hatten wir einen kleinen Gottesdienst in unserer Hauskapelle. In seiner Ansprache nahm der Priester Bezug auf die Festmesse, die wir bei unserem Jubiläum gefeiert hatten. Danach hatte eine Schwester gesagt, die Messe sei ja wunderschön gewesen, nur habe etwas gefehlt: "Das sonnige Haus von Bethanien".
Das ist so etwas wie unsere inoffizielle Bethanien-Hymne und glücklicherweise haben wir sie dann später am Tag noch gesungen. Die Schwestern singen sie stets mit großer Hingabe.
Als Pater Manuel das erzählte, musste ich an eine Tante von mir denken, die nach meiner Ewigen Profess ganz enttäuscht war, weil wir als Heilig-Geist-Lied zwar den normalen Text von "Komm Schöpfer Geist" genommen hatten, aber eine etwas neuere Melodie. Die klassische Melodie fehlte ihr.
Eine Freundin hat mir bei der Vorbereitung der Christmette mal gesagt, ohne "Stille Nacht" würde es für sie gar nicht richtig Weihnachten. Ganz so geht es bei mir zwar nicht, aber auch ich könnte ähnliche Beispiele finden: Feste, die für mich erst richtig schön und voll werden, wenn ein bestimmtes Lied erklingt, Lieder, ohne die etwas Wesentliches fehlt.
Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Schließlich kommt es doch eigentlich auf ganz andere Dinge an. Beim Jubiläum haben wir gefeiert, dass unsere Spiritualität 100 Jahre lang Menschen zum Leben geholfen hat. Ja, im sonnigen Haus von Bethanien - aber ist das Lied so wichtig?
Bei der Ewigen Profess wird der Beistand des Heiligen Geistes gewissermaßen herabgefleht. Mit welcher Melodie ist doch egal, oder?
An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, die Menschwerdung Gottes. Ist es wirklich so wichtig, mit welchem Lied wir das besingen?
Ja. Es ist wichtig! Denn mit der Musik werden Gefühle vermittelt, ausgedrückt und auch erzeugt. Und unser Glaube hat viel mit unserem Gefühl zu tun.
Ich selber bin ja eher ein Verstandesmensch. Ich will verstehen, was ich glaube und was die Kirche lehrt und ich halte nicht viel von Gefühlsduselei. Das schließt aber nicht aus, dass wir unseren Glauben ganz nah an uns heranlassen. Er sollte nicht nur unseren Kopf erreichen, sondern uns ganz erfassen, mit allem Fühlen und Sehnen. Gott will uns ganz, Er sollte uns nicht kalt lassen.
Und wenn uns Musik dabei hilft, na, dann ist es doch gut - oder nicht?

Mittwoch, 8. Januar 2014

Dreikönigssingen

Am Montag waren die Kinder unseres Kinderdorfes ins Schwesternhaus eingeladen - zum traditionellen Dreikönigssingen. Wir waren so ungefähr 100 kleine und große Leute, das Wohnzimmer war rappelvoll. 
Fast jedes Haus hatte etwas vorbereitet:
Von Haus Kranenbruch kamen drei Sternsinger. Vom Birkenhaus kam Julia (Kindernamen alle geändert) und spielte "Ihr Kinderlein kommet" am Klavier. Klar: da konnten alle mitsingen, auch als andere Kinder mit Flöte oder Klavier die ganz bekannten Weihnachtslieder spielten.
Und dann gab es viele, die ein Gedicht konnten. Für manche war es gar nicht so einfach, sich vor den Tannenbaum zu stellen und es aufzusagen. Rosi hatte vor Aufregung alles vergessen! Aber... "Lucy! Du weißt das doch auch, kannst du nicht helfen?" Aber Lucy traute sich nicht, erst als das ganze "Publikum" sie bat vorzusagen, hat sie Rosi schnell den Anfang ins Ohr geflüstert und - schwupps - wusste die den ganzen Text wieder fehlerfrei.
Die kleine Lisa konnte ihr Gedicht auch - musste sich dabei aber an ihrer großen Gruppenschwester festhalten. Nur zur Sicherheit.
Vom Schwesternhaus stellte sich Sr. Laetitia vor den Tannenbaum und erzählte eine Geschichte, vom vierten König. Dann haben wir noch gemeinsam "Stern über Betlehem" gesungen und zum Abschied gab es für jedes Kind eine kleine Süßigkeit.

Es ist nur eine einfache Feier, aber ich mag sie sehr.


Freitag, 8. März 2013

Stille

Gestern habe ich von Musik und Stille geschrieben. Heute habe ich dazu ein passendes Zitat von Reinhold Schneider gefunden:

Die Stille ernährt,
der Lärm verbraucht.


Donnerstag, 7. März 2013

Ohne Musik

Neulich habe ich im Bus eine Jugendliche aus unserem Kinderdorf getroffen. Wir kamen ins Gespräch, u.a. über die verschiedenen Kopfhörer und "Ohrstöpsel", die es heute so gibt, ihre Vor- und Nachteile. Irgendwann überkam es mich, vielleicht, weil ich gerade ein Jahr älter geworden bin, und ich sagte: "Als ich Kind war ("so alt wie du" konnte ich mir gerade noch verkneifen), da gab es das alles noch nicht. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Walkman, dann den ersten Discman..." Das Mädel fragt freundlich interessiert: "Was ist ein Walkman?"
Ich komme mir vor wie ein Dinosaurier, aber jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich versuche eine Erklärung, hoffe, dass sie noch weiß, was Audiokassetten sind, und unversehends landen wir bei meiner Erinnerung an eine Kindheit (und Jugend!) ohne permantenten Klangteppich, ohne ständigen Knopf im Ohr. Wir sind uns einig, dass es höflicher ist, den Knopf rauszunehmen, wenn man mit jemandem spricht, aber die Jugendliche sagt bei meiner Schilderung doch entschieden: "ohne Musik könnte ich nicht leben!"
Dabei hatten wir ja auch Musik! Nur nicht immer und überall. Und darum ging es ihr wohl: um die Zeiten der Leere und Stille, die wir früher einfach ausgehalten haben oder in denen wir andere Dinge gehört haben, z.B. das Ticken der Uhr an der Wand. Ich glaube, dass eine solche Stille für viele Menschen heutzutage fast beängstigend wirkt.
Ich habe heute auch öfter mal den Knopf im Ohr, vor allem, wenn ich unterwegs bin, im Bus, in der Bahn, oder in Momenten, in denen ich nicht lesen kann. Aber immer öfter lasse ich ihn bewusst weg und versuche wieder wahrzunehmen, was mir z.B. auf dem Weg zum Supermarkt verlorengeht, wenn ich mitten in einem Konzert bin: das Zwitschern der ersten Frühlingsvorboten oder auch mal die ersten Knospen.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

20. Türchen: Oooohhh...

In diesen Tagen des Advent (genauer gesagt: nach dem 16. Dezember) singen wir in der Vesper die sogenannten "O-Antiphonen". Die Antiphon ist der Vers, der z.B. einen Psalm oder anderen Text einleitet und beendet - in diesem Fall den Mariengesang "Magnificat" am Ende der Vesper.


Die O-Antiphonen heißen nach ihrem Anfang: "Oh, Schlüssel Davids..." "Oh, Adonai..." "Oh, Spross aus Isais Wurzel..." "Oh, Emmanuel..." "Oh, Morgenstern..." Der da so bestaunt und gepriesen wird, ist Jesus, der Retter, der bald kommen soll. Ein Name erhabener als der andere, die Melodien ausschweifend und schön - als wollten wir gar nicht aufhören, von unserer Sehnsucht und Vorfreude zu singen. Und bei allem vorweihnachtlichen Trubel sind es vermutlich die O-Antiphonen, die mich am ehesten daran erinnern, worauf wir eigentlich zugehen, was das Ganze eigentlich soll.

Sr. Barbara

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Die Nonnen von Lage, Teil III: Stille

Neulich waren die Firmlinge unseres Pfarrverbandes bei uns in Waldniel zu Besuch. Wir haben einen sehr schönen Gottesdienst gefeiert und sie waren auch interessiert und freundlich. Bei der Vorbereitung hatte Sr. Katharina ausdrücklich darauf geachtet, keine zu langen Phasen der Stille einzubauen - trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es einigen der Jugendlichen extrem schwer fiel, diese Momente auszuhalten. Kein Wunder: Wir reden nicht umsonst von der Reizüberflutung in unserer Gesellschaft.
Wie wäre es diesen Jugendlichen wohl in Lage ergangen? Hier habe ich während meiner Exerzitien eine beeindruckende Form von Reizreduzierung erlebt. Ich hoffe, meine Lager Mitschwestern verzeihen mir, wenn ich ein bisschen aus der Klausur plaudere, aber die Szene war für mich wirklich beispielhaft.
Das Refektorium in Lage: schlicht
Normalerweise wird in Lage beim Essen geschwiegen. Mittags gibt es eine Tischlesung und sonntags wird zu allen drei Mahlzeiten klassische Musik gespielt. An diesem Sonntag hatten die Nonnen einen Spielfilm gesehen. (Ich nicht, ich war ja in Exerzitien.) Das machen sie natürlich nicht oft, vielleicht hatten sie die DVD geschenkt bekommen. Jedenfalls hatten sie zwischen Non und Vesper einen sehr beeindruckenden Film gesehen. Beim Abendessen sagte die Priorin dann in die Stille hinein: "Wir lassen die Musik heute mal weg. Ich denke, wir haben ja alle noch mit dem Film zu tun."
Die Landschaft draußen:
auch nicht aufregend.
Genau richtig für meditative Spaziergänge!
Das ist Reizreduzierung, und ich meine, davon bräuchte unsere Gesellschaft mehr: Man hat etwas gesehen, gehört, geschmeckt, gelesen, gefühlt, erfahren - und anstatt dass wir es auskosten, verkosten, genießen und auf uns wirken lassen, wollen wir entweder immer mehr oder eilen direkt zum nächsten. Am besten immer mehrere Dinge gleichzeitig, als "multitasking" auch noch als eine erstrebenswerte Fähigkeit gepriesen. 
In Lage lerne ich, dass es nicht darauf ankommt, möglichst viel und vielerlei wahllos in meine Zeit zu stopfen. Viel wichtiger wird mir allmählich, eine bessere Auswahl zu treffen - und damit in die Tiefe zu gehen, mich davon verändern zu lassen. Denn in dieser Tiefe - dort wartet Gott.

Sonntag, 12. Juni 2011

beGEISTert


"Atme in uns, Heiliger Geist,
brenne in uns, Heiliger Geist,
wirke in uns, Heiliger Geist,
Atem Gottes, komm!"


So haben wir gerade in der Pfingstmesse gesungen. Pfingsten - das Fest des Heiligen Geistes, der Geburtstag der Kirche. Der Geist kommt mit Brausen und Feuerzungen auf die Jünger herab - nun bleiben sie nicht mehr hinter verschlossenen Türen. Sie werden befreit von ihrer Angst, sie haben Feuer gefangen, sie brennen, sie sind Feuer und Flamme, sie sind beGEISTert und diese BeGEISTerung können sie nicht für sich behalten. Es drängt sie hinaus, sie reden drauf los, verkündigen, was sie erlebt haben. Da stört es nicht mehr, dass die anderen sie für verrückt halten könnten, dass sie meinen, dass sie vom Wein betrunken wären. Da stört es nicht mehr, dass man eigentlich verschiedene Sprachen spricht. In dieser BeGEISTerung verstehen sie sich alle, da sprechen sie nur noch eine Sprache: die Sprache der Liebe.

Lassen auch wir uns jeden Tag neu beGEIStern und so andere anstecken?! Denn nur so kann ja der große Wunsch "Sende aus Deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu!" konkret werden. WIR sind es doch, die unserer Erde, unserer Gesellschaft, unserer Kirche... ein Gesicht geben - jeder und jede einzelne von uns!
Und zwar jeder auf genau seine Weise, so wie er oder sie ist. Die Apostel sprechen in ihrer eigenen Sprache - sie sind authentisch, echt, glaubwürdig, und gerade darin ansteckend überzeugend. Der Geist gibt uns verschiedene Gaben und genau diese verschiedenen Gaben dürfen wir austeilen, wir dürfen in unserer je eigenen Sprache sprechen. Gestern waren wir (d.h. fast der gesamte Konvent Haus Tabgha) in der Nachbargemeinde Hehler in der Vorabendmesse - da brachte die Band ihre BeGEISterung mit Schlagzeug, Gitarre, Querflöte usw. zum Ausdruck und riss die Gemeinde mit. Eine Sängerin, der die BeGEISTerung förmlich ins Gesicht geschrieben stand, meinte darauf nur: "Ich kann doch nichts singen, woran ich nicht glaube" - und man merkte ihr an, dass diese Musik ihre eigene Sprache ist.

Möge der Heilige Geist uns alle neu in Brand setzen, und jeden einzelnen von uns so beGEISTern, dass er in seiner Sprache reden kann und ihn alle anderen verstehen können, möge er in uns atmen und brennen und uns erneuern, so dass wir unserer Erde ein neues Gesicht geben können.

Samstag, 7. Mai 2011

Liedwettbewerb für den Weltjugendtag in Madrid

Im August ist der nächste große Weltjugendtag in Madrid. Eine Freundin von mir hat dafür ein Lied komponiert. Unter http://madridmeencanta.org/ficha.php?id=106275403 kann man im Internet dafür voten. Vielleicht hört man sie dann in Madrid...
Ich finde das eine gute Möglichkeit, dass der Weltjugendtag nicht nur ein "Event" für Jugendliche wird, sondern dass sie diese Tage selbst mitgestalten können und ihrem Glauben Ausdruck verleihen können, sich selbst einbringen können - auch schon im Vorfeld. Vielleicht können dann mit Bine gemeinsam noch mehr junge Menschen spüren und erleben: "Ich bin tief verwurzelt..."

Freitag, 24. Dezember 2010

Stille Nacht

Eben in der Christmette haben wir als erstes Lied "Stille Nacht" gesungen. Eigentlich mag ich das nicht so gern, aber diesmal...
Ich
glaube, dieses Lied wird auf der ganzen Welt gesungen. Es ist so vertraut, gehört so sehr zu Weihnachten. Es war schön, dieses Lied auf lettisch zu singen, es passte. Ich leide normalerweise nicht besonders an Heimweh, aber als die Musik "Stille Nacht" anstimmte, dachte ich: jetzt ist der richtige Zeitpunkt um gerührt zu sein und an Deutschland zu denken.
Frohe und gesegnete Weihnachten!

Donnerstag, 4. November 2010

Impressionen aus Deutschland: Stille II

Während meines Urlaubs war ich auf einem Symposium der katholischen Publizisten in Bonn. War spannend, hab auch einige Facebookfreunde persönlich kennengelernt - sehr witzig!
Auf dem Podium saß ein Blogger. In der Abschlussrunde musste jeder einen Satz vervollständigen. Er bekam: "Wenn ich eine Woche nicht ins Internet könnte, dann..." Und er sagte: "das wäre schwer für mich. Einen Tag habe ich mal geschafft, aber eine Woche...?"
Kurz danach bin ich ja dann in die Exerzitien gefahren. Eine Woche kein Internet. Kein Telefon. Kein Fernsehen, keine Musik.
Ich habe es genossen. Das Wetter war gut, ich konnte fast jeden Tag mindestens einen längeren Spaziergang über die Felder machen. Aber auch im Zimmer zu bleiben, ist inzwischen kein Problem mehr für mich. Inzwischen? Ja, ich erinnere mich noch gut, wie schwierig das anfangs war. Was macht man denn bloß, wenn man eine ganze Stunde still sitzen und über einen Bibeltext "meditieren" soll? Und das 4x am Tag! Eine Woche lang!!!
Heutzutage vertreiben wir die Stille systematisch. Man kann ja fast nirgendwo mehr hingehen, wo nicht irgendwelche Musik gespielt wird. Und wenn doch, dann hat man die eigene Musik längst im Ohr eingestöpselt. Kein Wunder, dass für viele der Gedanke an eine Woche Stille erschreckend ist. Aber wenn man sich mal darauf oder überhaupt auf Momente der Ruhe einlässt und sie übt, kann man Dinge entdecken, die man im Lärm unserer Tage niemals findet. Es lohnt sich!

Donnerstag, 22. Juli 2010

Tica aus Aruba


Das ist Tica, Arubanerin, ganz berühmte Sängerin und Schülerin von unserer Sr. William. Gestern haben wir sie abgeholt für einen kurzen Besuch bei uns in Thorn.
Heutemorgen, am Magdalenenfest, hat sie einige Solos gesungen in unserer Kapelle, während der hl. Messe.
Da habe ich mich erinnert: als ich im Februar in Aruba war haben Tica, eine Freundin und ich einen Tagesspaziergang gemacht in einem Naturgebiet, Arikok. Wir mussten Stöcke mitnehmen, denn es gibt dort ganz viele Boa Constrictor. Aber wir haben keine gesehen. Wohl - unter anderen - einen kleinen Salamander. Tica wußte, daß diese Tierchen ganz verrückt nach Musik sind. Und dann hat sie angefangen zu singen..... und der Salamander kam ganz nahe und hat richtig still gesessen und gelauscht.
Gottes Natur ist voller Wunder......