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Dienstag, 6. Januar 2015

Frag doch mal ... die Schwester Barbara!

In der letzten Zeit sind verschiedene Menschen mit ganz unterschiedlichen Fragen auf mich zu gekommen. Manchen war es unangenehm, fundamentales Wissen zu erfragen, aber ich finde es immer wieder spannend zu erfahren, was die Leute überhaupt an Kirche, Religion und Glauben interessiert. Außerdem gibt es ja keine doofen Fragen, sondern höchstens doofe Antworten. Deshalb beginne ich hier und jetzt die Reihe "Frag doch mal die Schwester Barbara". (Ich meine, ihr könnt es mit euren Fragen natürlich auch bei der Maus versuchen oder bei Wikipedia. Aber wer zu mir kommt, dem werde ich so gut ich kann antworten.)

Die erste Frage - passend zum heutigen Fest Dreikönige - bezieht sich auf diese Karikatur. 
Leider kann ich die Bildquelle nicht korrekt angeben, ich habe die Zeichnung auf facebook gefunden und dort geteilt. So kam dort auch die Frage auf, wer denn bitte der Araber sein sollte. Maria, Josef und Jesus sind die Flüchtlinge, die Hirten auf dem Feld sind die Juden, aber Neger und Araber?
Gemeint sind die "Heiligen drei Könige". Wenn in diesen Tagen die Kinder als Sternsinger durch die Gemeinden gehen, sehen wir sie ja auch: einer immer schwarz geschminkt. Aber die Frage ist trotzdem berechtigt: wo steht denn in der Bibel was von Negern und Arabern?
Man muss es ganz deutlich sagen: in der Bibel steht davon nichts. Dort werden nur die "Sterndeuter aus dem Osten" erwähnt. Die haben einen Stern gesehen, kommen nach Jerusalem und fragen dort den König Herodes, wo der neugeborene König der Juden sei. Der fragt die Hohenpriester, die gucken in die heiligen Schriften, da steht Bethlehem. Also gehen die Sterndeuter nach Bethlehem, unterwegs sehen sie auch wieder den Stern und folgen ihm bis zum Stall (weil in den heiligen Schriften nur der Ort stand, aber nicht die Straße und Hausnummer). Sie bringen dem kleinen Jesus Gold, Weihrauch und Myrrhe und gehen wieder. Allerdings vermeiden sie es, Herodes noch einmal zu begegnen, der den neugeborenen König als mögliche Konkurrenz gerne umbringen würde. Soweit die Erzählung des Evangelisten Matthäus, Kapitel 2.
Warum aber behaupten wir heute, diese Sterndeuter seien die drei Könige Caspar, Melchior und Baltasar? Warum schminken sich unsere Sternsinger schwarz?
Ein klarer Fall: da die biblische Vorlage in dieser Hinsicht nichts hergibt, haben sich im Laufe der Jahrhunderte die unterschiedlichsten Traditionen herausgebildet. Weder die Zahl der Könige noch ihre Namen sind festgelegt oder überprüfbar, erst recht nicht ihre Nationalität. 
Eine Tradition, die mir sehr gefällt, ist die Darstellung der drei als junger, mittelalter und alter Mann aus drei verschiedenen Erdteilen. Das soll nämlich bedeuten, dass alle Heiden (also alle Menschen, die keine Juden waren), Jesus suchen und finden - weltweit. (Heute müssten es fünf Könige sein, aber als die Legende entstand, waren dort, wo sie entstand, nur drei Erdteile bekannt: Europa, Asien und Afrika!)
In diesem Sinne ist meine Antwort: Der Araber ist eigentlich nicht nur ein Araber, sondern auch ein Jugoslawe, ein Rumäne und ein Bulgare. Und dann hat der Zeichner noch den dritten vergessen: den Vietnamesen, Chinesen oder Japaner.

Wer möchte, kann mir gerne eine Frage schicken, am besten per email (sr.barbara@bethanien-op.org), ich versuche dann, sie einigermaßen richtig zu beantworten - gerne auch anonym.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Dreikönigssingen

Am Montag waren die Kinder unseres Kinderdorfes ins Schwesternhaus eingeladen - zum traditionellen Dreikönigssingen. Wir waren so ungefähr 100 kleine und große Leute, das Wohnzimmer war rappelvoll. 
Fast jedes Haus hatte etwas vorbereitet:
Von Haus Kranenbruch kamen drei Sternsinger. Vom Birkenhaus kam Julia (Kindernamen alle geändert) und spielte "Ihr Kinderlein kommet" am Klavier. Klar: da konnten alle mitsingen, auch als andere Kinder mit Flöte oder Klavier die ganz bekannten Weihnachtslieder spielten.
Und dann gab es viele, die ein Gedicht konnten. Für manche war es gar nicht so einfach, sich vor den Tannenbaum zu stellen und es aufzusagen. Rosi hatte vor Aufregung alles vergessen! Aber... "Lucy! Du weißt das doch auch, kannst du nicht helfen?" Aber Lucy traute sich nicht, erst als das ganze "Publikum" sie bat vorzusagen, hat sie Rosi schnell den Anfang ins Ohr geflüstert und - schwupps - wusste die den ganzen Text wieder fehlerfrei.
Die kleine Lisa konnte ihr Gedicht auch - musste sich dabei aber an ihrer großen Gruppenschwester festhalten. Nur zur Sicherheit.
Vom Schwesternhaus stellte sich Sr. Laetitia vor den Tannenbaum und erzählte eine Geschichte, vom vierten König. Dann haben wir noch gemeinsam "Stern über Betlehem" gesungen und zum Abschied gab es für jedes Kind eine kleine Süßigkeit.

Es ist nur eine einfache Feier, aber ich mag sie sehr.


Dienstag, 8. Januar 2013

Nachgedacht....

Am Sonntag feierten wir die Erscheinung des Herrn.
Ich habe mich oft gefragt, warum die Hl.  drei Könige wohl Sterndeuter sind und keine Könige.

Immer wieder, wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich mich, was der Schreiber mir mit diesem Text sagen will und dann erschließen sich für mich neue Wege.
Ich glaube, es geht nicht darum, alles bis ins Kleinste zu verstehen.  

Wenn ich darüber nachdenke, stolpere ich darüber, daß die Schriftgelehrten sehr wohl wußten, worum es geht.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer sahen sich aber wohl eher dafür aus, anderen zu sagen was zu tun ist, denn als Vorbild voran zu gehen.
Ich glaube, das kennen wir alle, auch aus unserem Alltag, und wenn wir genauer hinsehen, haben wir auch was von den Pharisäern und Schriftgelehrten in uns.

Manchmal wollen wir uns auch nicht bewegen, weil es anstrengend ist, weil wir keine Position beziehen wollen, um leichter durchs Leben zu gehen.
Und wenn ich genauer hinschaue, dann kann ich jeden Tag ein wenig davon auch  in meinem täglichen Leben finden.

Gut aber ist es, sich dem zu stellen und es in die Hand Gottes zulegen.
Es ist gut, um Gottes Hilfe zu bitten, im Vertrauen darauf, daß er mich an meinen Aufgaben wachsen läßt. Er hilft mir jeden Tag ein wenig mutiger zu werden.

Und entsteht durch die Lesung von Sonntag mich die Bitte:

Herr, steh mir bei, bei all dem, was auf mich zukommt. Hilf mir bei dem, was für mich scheinbar schwierig ist, denn im Tiefsten meines Inneren weiß ich, daß Du willst, daß ich an meinen Aufgaben wachse.
Danke dafür!

Sonntag, 6. Januar 2013

Gutes Kind

Heute waren etwa 90 Kinder, Jugendliche und Erzieher von unserem Kinderdorf in unserem Wohnzimmer zu Besuch. Es war unser traditionelles Dreikönigstreffen: jede Gruppe oder Familie bereitet ein Lied, Gedicht, Instrumental- oder Theaterstück vor und es wird auch viel gemeinsam gesungen. Zum Abschied kriegen alle Kinder noch eine süße Kleinigkeit.
Die Stimmung war in diesem Jahr richtig schön, das Programm vielseitig. 90 Gäste und dazu wir Schwestern, das war schon eng. Ich war extra in Jeans, damit ich mich leichter auf den Boden setzen konnte. Dazu ein orangefarbener Pulli und bunte Socken - wenn schon, denn schon. Beim Abschied riesiges Gewusel. Wir haben im Moment viele ganz Kleine, die kenne ich (noch) nicht alle. Und wie ich da am Boden hocke und einem von den Jungs in die Schuhe helfe, kommt eins von diesen klitzekleinen Mädels doch wirklich und fragt: "Bist du eine Jugendliche oder eine Schwester?"
Gutes Kind!

Samstag, 5. Januar 2013

Dreikönigsingen

Morgen feiern wir "Erscheinung des Herrn". Ein Hochfest! Jesus ist unserer Welt erschienen, um uns besser und deutlicher als jeder vor ihm zu erklären, wie Gott ist und wie sehr er uns liebt. Damit sind wir auch schon fast wieder am Ende der Weihnachtszeit angelangt.
Bekannter ist das morgige Fest natürlich wegen etwas ganz anderem: den Königen! Morgen ist Dreikönigssonntag und schon seit Tagen ziehen die Sternsinger in kleinen Grüppchen durch ganz Deutschland und sammeln als Könige kostümiert mit Liedern und gelernten Sprüchen Geld für Kinder in Tansania. Im letzten Jahr haben sie 42 Mio € zusammenbekommen, Schwerpunktland war Nicaragua.
Drei Könige sind es der Tradition nach und sogar ihre Namen werden überliefert: Caspar, Melchior und Balthasar. Sie werden als drei Männer unterschiedlichen Alters dargestellt und vor allem aus unterschiedlichen Ländern. Ein Schwarzer muss immer dabei sein, einer sieht oft ein bisschen asiatisch oder orientalisch aus und der dritte eher europäisch.
Um es klar zu sagen: die drei hat es nicht gegeben.
Die Bibel spricht von Sterndeutern. Nix Könige! Keine Namen. Kein Alter. Keine genauen Herkunftsländer. - Was soll das dann?
Nun, wie die Tradition entstanden ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich finde einleuchtend, warum wir daran festhalten. Es geht um eine symbolische Aussage. Wer kommt und verneigt sich vor dem Kind in der Krippe? Wer anerkennt, dass dieses hilflose Bündel der Herrscher der Welt ist? Es sind die Könige, die Machthaber, und zwar aus allen (früher bekannten) Kontinenten. Alte und Junge, schwarze, braune und weiße - ganz egal: alle, alle kommen zur Krippe, vergessen ihre Macht, alles, was uns sonst so wichtig ist und verehren das kleine Kind.
Kein Wunder, dass das bis heute ein Motiv für das Kindermissionwerk ist - und für all die kleinen Sternsinger, die uns in diesen Tagen den Segen an die Türen malen. Und wer Caspar, Melchior und Balthasar jetzt nicht mehr mag, weil sie unhistorisch sind, der kann beruhigt sein: 20+C+M+B+13 heißt ja eigentlich "Christus mansionem benedicat" - Christus segne dieses Haus!