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Freitag, 10. April 2015

Tai-Chi kastriert

Gestern habe ich zum ersten Mal Tai-Chi gemacht. Netter Lehrer, angenehme Bewegungen, kannste nix sagen.
Allerdings... "Wir machen das hier ganz ideologiefrei", beruhigte er uns. Auf die gleiche Weise habe ich früher mal Yoga gemacht, als reine Gymnastik. Warum auch nicht? Wenn's dem Körper gut tut, müssen wir uns mit Yin und Yang und dem Chi ja nicht belasten, oder?
In Lettland habe ich Katholiken kennengelernt, die fanden, dass man kein Yoga machen darf, weil das für einen Christen schädlich sein könnte. Vielleicht bringt einen die andere Philosophie vom rechten Weg ab, wer weiß? 
Das ist nicht mein Problem, im Gegenteil. Ich fand es immer schön, dass wir in Deutschland so frei sind, manches Gute anderer Kulturen zu übernehmen, auch wenn uns ihre Philosophie fremd bleibt. Allerdings hatte ich gestern sozusagen das gegenteilige Problem. Mir kam die Frage: Tun wir nicht denjenigen Unrecht, für die Tai-Chi eben viel mehr ist als Gymnastik, wenn wir über den ideologischen Hintergrund unwissend lächelnd hinweggehen?
Mir kommen die jungen Mädchen in den Sinn, die sich Rosenkränze als Halsketten umhängten (inzwischen scheint die Mode schon wieder vorbei zu sein), ohne zu ahnen, dass dies eine alte Gebets- und Meditationsform ist. Davon geht nicht die Welt unter, doch es berührt mich schon, dass wir immer sorgloser mit dem umgehen, was anderen Menschen wahr und heilig ist.
Ich werde jedenfalls künftig wieder vorzugsweise ordinäre Rückenschule machen und mich spirituell da verorten, wo ich zu Hause bin: im Christentum.

Freitag, 17. Oktober 2014

Exerzitien - Erholung auf dem Exerzierplatz

Nun bin ich also wieder da. 10 Tage war ich zu meinen jährlichen Exerzitien in einem Kloster in der norddeutschen Pampa.
Als ich losfuhr, haben manche Freunde und Kollegen nur verlegen gelächelt, manche haben mir beherzt "Gute Erholung" gewünscht und eine grinste: "dann exerzier mal schön".
Ja, was denn nun? Exerzierplatz oder Erholung?
Mein Impuls am ersten Tag war ein Text von Andreas Knapp. Er beginnt: "Übung nähert dich dem Meister". Darum geht es. Exerzitien sind geistliche Übungen, mit denen wir versuchen, uns Gott zu nähern. Natürlich geht es dabei nicht um die Überbrückung einer Distanz. Jesus Christus hat schon längst - und ein für allemal - den Graben zwischen Gott und Mensch überwunden. Er steht (so sagt er selbst) vor der Tür und klopft an. Wir müssen nur noch diese Tür (unseres Herzens) öffnen, dann wird er bei uns einkehren.
Naja, nur?
Das ist so eine Sache. Es kann tatsächlich ganz einfach sein. Ich bin da, Gott ist da - passt. Aber leider verrammeln wir selber diese Tür nur allzu oft und müssen sie dann mühsam wieder frei räumen.
Wir sind in unserem Alltag ja auch einfach nicht mehr an Stille gewöhnt. 10 Tage ohne Musik, Nachrichten, Internet..., das kann eine echte Herausforderung sein. Und selbst in der Kirche ist uns Stille und Leere fremd geworden. Wir machen unglaublich viele Worte und legen so viel Wert auf die äußere Form der Gottesdienste, dass kaum noch Raum und Kraft für die innere Sammlung bleibt.
In den Exerzitien gibt es die Chance, es anders zu machen. Einfach hinsetzen und still werden! In der Kapelle, im Zimmer oder, wenn das Wetter mitspielt, gerne auch draußen. 
Diese Form verbinden viele wohl eher mit dem Zen-Buddhismus. Dass auch das Christentum von Anfang an meditiert (schließlich ging Jesus 40 Tage zum Beten in die Wüste und wurde damit zum Vorbild der sogenannten Wüstenväter) und eine starke mystische Bewegung hat, ist leider kaum bekannt.
"Übung nähert dich dem Meister" - also war ich doch auf dem Exerzierplatz? Ja, irgendwie schon. Es war auch mächtig anstrengend! Andererseits sind 10 Tage Ruhe natürlich auch erholsam und v.a. dienen die Übungen ja dazu, die eingerostete Herzenstür zu öffnen. Je öfter man das versucht, desto weiter geht sie auf. Je weiter sie sich öffnet, desto mehr dringt Gott ein.
"Erholsam" ist vielleicht das falsche Wort... Schön war es, sehr schön. 

Freitag, 5. April 2013

Meditation


Nachdem nun Sr. Barbara ihren Umzug geschafft hat, bin ich dabei unsere Küche wieder auf Hochglanz zu bringen. (neue Küche)

Es braucht bei mir immer etwas länger, bis ich mich entschieden habe, eine Arbeit aufzunehmen.
Das Streichen hat für mich etwas Meditatives.

Erst abkleben. Jede Ecke, genau,  und dann mit dem Pinsel die schwierigen Stellen vorstreichen.


Bei der Arbeit dachte ich:
"Das geht mir auch oft im Gebet so.
Ich muss mich auf das Gebet einstellen.

Ich stelle mich den vielen kleinen Dingen, die in mir hoch kommen, die ich nach und nach an mir vorbeiziehen lasse.
Das Störende wird so beiseite geräumt und ich habe den Kopf frei für eine intensive Begegnung mit Gott.

Oft versuche ich schon früher im Gottesdienst zu sein,  mich zu sammeln und meine Gedanken zu ordnen,und frei zu sein für die Begegnung mit Gott.

Mal sehen wie es mit dem Boden verlegen ist.........

Samstag, 10. November 2012

Du bist

Das Vielerlei lasse ich hinter mir.
Auch meine Träume.
Auch meine unruhigen Pläne.

Ich will nicht mich, Herr,
das ist zu wenig,
ich will dir gegenüber sein,
dich finden.

Ich verlasse den Kreislauf
meiner kurzatmigen Hoffnungen
und meiner ungewissen
Selbstsicherheit.

Ich wende mich dir zu.
Ich warte auf dich.
Du bist.
Und ich bin in dir.
Nichts erwarte ich
als allein dich, Herr.

(aus "Am Ufer der Stille" von Jörg Zink)

Freitag, 26. Oktober 2012

Die Nonnen von Lage, Teil II: Nonnen? Schwestern?

 Als ich "Die Nonnen von Lage, Teil I" geschrieben habe, bin ich sofort gefragt worden: ja, was heißt das denn "monastisch, kontemplativ"? Und was ist "apostolisch tätig"? 
Nun, zunächst mal vorneweg: ich mag diese Begriffe nicht besonders, denn m.E. steckt man damit leicht Leute in Schubladen, und dann passen sie doch nie ganz. Ich werde mal versuchen, die beiden Kategorien zu erklären, aber ich orientiere mich hier v.a. an den Schwestern von Bethanien und an den Nonnen von Lage: es gibt so viele Ordensfrauen, dass es auf jeden Fall welche gibt, auf die das unten Stehende nicht genau zutrifft!
Apostolisch tätig nennt man die Ordensleute, die einer meist sozialen Arbeit außerhalb ihrer Gemeinschaft nachgehen. Sie haben ein "Apostolat", ein Werk, einen Auftrag, z.B. Krankenhäuser oder Schulen, Altenheime oder Kinderdörfer, sie arbeiten mit Menschen in Not oder in der Pfarrseelsorge etc.. Solche Ordensfreuen nennen sich "Schwestern". Die Kraft für ihre Arbeit kommt aus dem Gebet, meistens beten sie täglich zwei-dreimal gemeinsam, morgens die Laudes und abends die Vesper und nach Möglichkeit besuchen sie täglich die Heilige Messe. Außerdem meditieren sie individuell, das müssen sie irgendwo in ihren Arbeitsalltag einfügen.
Der Innenhof in Lage
"Nonnen" führen ein völlig anderes Leben, eben "monastisch und kontemplativ". Ihre erste Aufgabe ist das Gebet. Sie haben täglich sieben gemeinsame Gebetsweisen, ganz so, wie es sich schon vor Jahrhunderten in den Klöstern entwickelt hat. Dieses "Offizium" besteht aus Lesehore, Laudes, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet, dazu kommt täglich die Heilige Messe. Darüber hinaus haben die Nonnen täglich mehrere Stunden "Betrachtungszeit". Das ist in etwa vergleichbar mit den Meditationen der Schwestern, nur dass es fest in den Tagesablauf eingeplant ist: alle in der Gemeinschaft haben zur gleichen Zeit eine Stunde zum Beten frei. Und weil es so viel Zeit dafür gibt, ändert sich mit den Jahren auch die Art des Gebetes - es wird zur Kontemplation.
Natürlich müssen die Nonnen auch von irgendetwas leben. Manche haben eine Hostienbäckerei oder sie sticken Paramente (Priestergewänder usw.), das sind klassische Tätigkeiten für Nonnen, weil man dafür das Haus nicht verlassen muss. Denn das tun Nonnen nicht. Sie haben sich freiwillig eingesperrt und verlassen das Haus nur in wirklich wichtigen Fällen, wenn es gar nicht anders geht, z.B. für Arztbesuche. 
Das ist mal ein erster Versuch einer ziemlich groben Unterscheidung. In den nächsten Tagen möchte ich gerne zu dem einen oder anderen Punkt noch ein bisschen mehr schreiben. Aber eines kann ich jetzt schon sagen: überall gibt es Extremisten und Fanatiker. Aber die Nonnen von Lage sind weder das eine noch das andere. Sie betrachten die Gesetze und Regeln ihres Standes durchaus pragmatisch: was notwendig ist, wird getan, aber was das (geistliche) Leben behindert, wird geändert. Das gilt beim Gebet, bei der Klausur, beim Schweigen. Aber dazu später mehr...


Samstag, 20. Oktober 2012

Kontemplation

Hier ein Text von Andreas Knapp als kleines Mitbringsel aus meinen Exerzitien:

Kontemplation

Beim Zählen der Sterne
lachend immer wieder
von vorn beginnen

In der Zeitvergessenheit
der Brandung
Atem schöpfen

Den Zugvögeln
einfach nur zuschauen
wenn sie weiterziehen

Den Duft der Rose
ungepflückt
verschweben lassen

Lauschen auf die Stille
nach dem Wort

Nicht mehr fragen mussen
was bringt's

Warten ohne Erwartungen
absichtslos bei dir sein

Daran Genüge finden


Donnerstag, 21. Juni 2012

In Deine Hände lege ich mein Leben ...

Unter dem Motto "In Deine Hände lege ich mein Leben" habe ich mich  2010 bis zum Tod an die Kongregation der Dominikanerinnen von Bethanien gebunden. Dieses Bild hatte ich für die Einladungen ausgewählt, aber die Worte um ausdrücken, was ich dort gemalt hatte habe ich erst später gefunden und niedergeschrieben, das will ich gern teilen:

"Oh Herr, lass mich Dir ganz nahe sein, dort am Kreuz.
Hilf mir meine Arme auszubreiten und meine Hände in Deine zu legen.
Lass mich dort bei Dir sein, mal zu Deinen Füßen, Dich trauernd oder Schutz suchend umfassen. Mal Dein Haupt in meinen Händen bergend, mich anschmiegend, Dich im Arm haltend.
In Deine Hände lege ich mein Leben.
Deine Hände am Kreuz eröffnen mir meinen Lebensraum. Hilf mir, mich von Dir gehalten zu entfalten. Lass mich blühen in Deinen Armen. Lehre mich mein Kreuz in Deiner Liebe zu tragen und die zu lieben, die es mir gaben.
Mach mich brennen in Deiner und durch Deine Liebe.
Lehre mich Dir mit meinem Kreuz an Deinem liebend, zärtlich nahe zu sein. Amen."


Donnerstag, 3. Mai 2012

Dinge für wahr nehmen

Unser Kloster und Kinderdorf  in Waldniel liegen in einem kleinen Park. Seit einigen Wochen grünt und blüht es überall kräftig - ich liebe das. In Lettland ist der Frühling viel kürzer, deshalb genieße ich ihn dieses Jahr (zum ersten Mal wieder in Deutschland) ganz besonders. 
Einige der schöneren Stellen habe ich eifrig fotografiert und die Bilder auf Facebook in einem Album zusammengestellt. Es wird oft angesehen - anderen Menschen gefällt unser Park auch. Schön!
Allerdings habe ich irgendwann gemerkt, dass ich nur noch durch die Linse dachte. Alles was ich sah, beurteilte ich sofort danach, ob es fototauglich sei, und ob es wohl in eines meiner Internetalben passen würde. Ist das nicht absurd? Wird denn der Flieder erst als Foto auf Facebook real? 
Natürlich nicht - im Gegenteil! Hier und jetzt, direkt vor meiner Nase ist er, wie er realistischer nicht sein kann. Also habe ich mir eine Fotopause verordnet.- Was für eine Befreiung!
Plötzlich habe ich wieder neu entdeckt (denn eigentlich wusste ich es ja längst), dass es eine unglaubliche Fülle von Schönheiten gibt, die ich gar nicht richtig wahrgenommen hatte. Ich hatte sie frühzeitig aussortiert: "das wird nix" - auf einem Foto, soll das heißen.Aber ohne Foto ist es schon was: der Schmetterling auf dem dürren Busch, das Gänseküken, das sich von den anderen abgesondert hat, die unzähligen, klitzekleinen blauen Blümchen im Moos.
Sobald ich aufhöre, sie in Besitz nehmen zu wollen, kann ich anfangen, sie einfach nur wahr-zu-nehmen. Wahrnehmung heißt, die Dinge aufzunehmen, wie sie sind, ohne sie zu bewerten oder zu verzwecken. Wahrnehmung ist der Anfang aller Meditation. 
Ich werde künftig wieder ohne Kamera durch unseren Park gehen, ich habe jetzt schon gemerkt, dass ich plötzlich beim Betrachten der Knospen an Gott denke - und nicht mehr an mich.

Montag, 21. Februar 2011

Predigt mit dem Pinsel II - oder: ganz viel Farbe für den Meditationsraum



Tja, nicht nur Fra Angelico predigte mit dem Pinsel und mit Farben... wenn auch nicht so kunstvoll wie er, so machte es uns sehr viel Freude, in unserem Mediationsraum im Kinderdorf mit viel Farbe zu predigen.

Nur die weiße Wand war uns zu steril - da waren wir uns schnell einig: Hier muss mehr Farbe rein. Doch was wollen wir aussagen? Welche Botschaft wollen wir hier an der Wand verewigen? Und wie schaffen wir es, dass das Ergebnis die verschiedenen Gruppen, die diesen Raum nutzen, anspricht: Kinder, Jugendliche, Erwachsene,...?

Klar: ein Kreuz - die Mitte unseres Glaubens. Mit diesem Bild, das eine Mitarbeiterin gemalt hatte, fing alles an:

Die Farben des Regenbogens - sie erinnern uns an den Bund, den Gott mit Noah geschlossen hat, an sein JA zu uns, das ewig gilt.

Das weiße Kreuz bestätigt und bekräftigt diesen Bund Gottes. In Jesus Christus gibt uns Gott sein JA auf ganz einzigartige Weise, indem er selbst Mensch wird, indem er sich selbst mitteilt. In Jesus Christus streckt er uns seine Hand entgegen, wird er greif-bar. Ein Gott zum Anfassen: Da bekommt seine Liebe im wahrsten Sinne des Wortes Hand und Fuß.

Und so dürfen auch wir immer wieder unsere Hände nach Gott ausstrecken, dürfen wir uns in unserer Einzigartigkeit, in unserer Verschiedenheit auf ihn hin orientieren. So bunt und unterschiedlich wie wir sind, dürfen wir zu ihm kommen. Und in ihm werden wir (so wie die bunten Farben in dem weißen Kreuz) zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt.

Und wenn wir uns im Gebet nach Gott ausstrecken, füllt er unsere leeren Hände, so dass wir seine Liebe auch weitertragen dürfen, dass wir unsere Hände auch den Menschen um uns herum reichen können.

"Contemplari et contemplata aliis tradere" heißt das in der dominikanischen Tradition - "In der Kontemplation (im Gebet) betrachten und das in der Kontemplation Betrachtete anderen weitergeben". Und genau dafür ist ja unser Meditationsraum da - um einen Raum zu haben, wo man neue Kraft schöpfen kann, um dann wieder im Alltag einander die Hand zu reichen.

Und das Schönste an dieser Predigt mit Farben war, dass so viele Menschen mit uns gemeinsam dieses Bild entstehen ließen: Kinder, Jugendliche, pädagogische Mitarbeiter genauso wie Mitarbeiter aus der Verwaltung und Schwestern haben mit ihren Handabdrücken ganz deutlich gezeigt, wie bunt unser Kinderdorf ist und dass jeder seinen Platz darin hat.