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Freitag, 10. Juli 2015

Ach, Thomas!

Ab sofort rede ich nur noch in kurzen Hauptsätzen.
Ich werde Fremdworte und schwierige Satzstellungen vermeiden.
Meine Texte werden höchstens drei Sätze haben.

Naja, vielleicht kann ich hier im Blog noch mal eine Ausnahme machen...? Sonst kriegt man ja echt nichts gesagt!
Mein Problem ist nur: Immer wieder treffe ich auf Leute, die einfach nicht richtig lesen, was ich schreibe. Und dann regen sie sich auf, was ich Schreckliches behauptet hätte - dabei habe habe ich gar nicht sie persönlich angesprochen oder was ganz anderes geschrieben. Oder so. Oder sie wiederholen ständig dieselben Argumente, weil sie nicht wahrnehmen, dass in der Diskussion schon drei Leute stichhaltige Gegenargumente gebracht haben. Oder so.
Ich finde solche Diskussionen anstrengend.
Vielleicht bin ich ja ein bisschen überempfindlich. Ich meine, heutzutage ist die Aufmerksamkeit eben nicht mehr so hoch. Im Internet schreibt man leicht mal schneller als man liest und der Ton ich auch rau. Muss ich das einfach als normal abhaken? - Nein, ich denke dann immer wieder an meinen Thomas.
Nicht was Sie jetzt denken! An meinen Bruder Thomas, also meinen dominikanischen Mitbruder: Thomas von Aquin. Der hat nämlich mindestens so gerne diskutiert wie ich - und zwar professionell.
Zu seiner Zeit, also im 13. Jahrhundert, war an den Universitäten eine bestimmte Form wissenschaftlicher Arbeiten weit verbreitet, die der Quaestiones. Er selber hat seine "Summe der Theologie" in dieser Art abgefasst, die als eine der größten theologischen Schriften gelten kann. Der Aufbau solcher Quaestiones besteht aus der Ausgangsfrage (Quaestio), den Argumenten pro und contra und schließlich der Auflösung.
Der Witz dabei ist, und deshalb muss ich beim Surfen manchmal an "meinen" Thomas denken: man muss erst versuchen, das Argument des Gegners zu verstehen, bzw. man muss selber pro- und contra-Argumente beibringen, bevor man schließlich die Frage auflöst. 
Genau das ist es aber, was uns in unseren hitzigen Debatten oft fehlt. Wir reden drauf los ohne den echten Willen, die Position des anderen zu verstehen, bevor wir unsere Antwort formulieren. Aber wer nicht verstehen will, der kann sich nicht verständigen. Wieviel fruchtbarer wäre manche unserer Diskussionen, wenn wir es wagen würden, einmal die "gegnerische" Position einzunehmen, nur probehalber, nur um uns in unseren Gesprächspartner hineinzufühlen!


Mittwoch, 27. Mai 2015

Schwestern wie ich

"Wenn es mehr Schwestern wie Sie gäbe, würde ich aus der Kirche austreten!"
Zugegeben: ich habe mich daran gewöhnt, dass der Umgangston im Internet rau ist, aber so etwas hatte mir auch dort bis dahin noch niemand gesagt.
Eine billige Retourkutsche lag mir schon auf der Tastatur, zum Glück konnte ich sie mir verkneifen. Statt dessen habe ich angefangen, über die Aussage nachzudenken.
Zuhören ist eine unserer
wichtigesten Aufgaben.
Man sollte sie nicht zu wörtlich nehmen, denn sie war zu später Stunde und im Eifer eines verbalen Gefechts geschrieben worden. Doch dahinter steckt ja mehr. Eine Haltung, eine Sicht auf unsere Kirche. 
"Wenn es mehr Schwestern wie Sie gäbe..."
Ich habe die gute Frau nicht darauf hingewiesen, dass es durchaus noch mehr Schwestern wie mich gibt. Sogar sehr viel mehr. Eigentlich wäre es sogar ausgesprochen vermessen von mir, wenn ich behaupten wollte, ich sei etwas Besonderes. Ich bin nur eine von vielen - vielleicht ein bisschen lauter. Ja, wir sind nicht alle so brav und demütig und wir haben auch nicht alle dieselbe kirchenpolitische Einstellung. Sind wir deshalb schlechte Christen? Schlechte Katholiken? Schlechte Schwestern? Ich glaube, das Problem lag vor allem bei der Schwester. Ein normaler Katholik darf alles mögliche. Eine Schwester sollte eigentlich heilig sein. Ist sie es nicht, dann gilt sie manchen sofort als scheinheilig.
"...dann würde ich aus der Kirche austreten!"
Was ist unsere Kirche nur für ein seltsamer Verein! Einerseits sagen wir, sie sei "die Braut Christi" und sie werde in Ewigkeit nicht von den Pforten der Hölle verschlungen werden (so steht es immerhin im Evangelium) - andererseits treten wir mal eben lustig aus, weil sie sich in eine Richtung entwickelt, die uns nicht passt. Ich weiß ja umgekehrt auch, dass es mehr Frauen wie meine Dialogpartnerin in unserer Kirche gibt. Das macht mich in solchen Momenten etwas ratlos und traurig, aber deswegen verlasse ich meine Kirche doch nicht. 
Im Gegenteil: ich bin froh, dass unsere Kirche so groß ist, dass sie sowohl Schwestern wie mich als auch Frauen wie diese in sich vereint. Jesus Christus hat uns alle gerufen. Er hat gerne diskutiert und um die rechte Art des Glaubens gerungen. Aber dabei hatte er Gott im Sinn und war voller Liebe zu seinen Mitmenschen. Wenn wir ihm folgen, wenn wir auf ihn schauen, dann könnten wir eigentlich
das Interesse an Flügelkämpfen verlieren.

Samstag, 18. April 2015

noch'n Jubiläum

Gerade erst ist unser großes Jubiläumsjahr vorbei, 100 Jahre Dominikanerinnen von Bethanien Venlo, da gibt es schon wieder was zu feiern. Gut, zugegeben, dieses Jubiläum ist ein bisschen bescheidener, aber wir wollen es nicht unterschlagen: heute vor fünf Jahren haben wir angefangen zu bloggen!
Der Anfang von "Bethanien bloggt" war recht einfach, und er liegt in Lettland. Obwohl von Beginn an als Gemeinschaftsblog geplant, liegt der Gründungsimpuls doch vor allem darin begründet, dass mir nach meiner Versetzung ins Ausland gelegentlich meine Freunde und Familie fehlten. Das merkt man dem ersten Artikel durchaus an. 
Inzwischen hat eine ganze Reihe Autorinnen mitgeschrieben, von einigen Kandidatinnen über Schwestern verschiedener Häuser und Mitglieder unserer Laiengemeinschaft bis zur Generalpriorin. Manche nur einen Gastbeitrag, manche haben "Bethanien bloggt" sehr intensiv mitgetragen und -gestaltet. Dadurch sind unsere Themen vielfältiger geworden, und ich möchte mich bei ihnen allen bedanken, die unser Blog möglich gemacht haben - v.a. bei Sr. Sara, Hannah und Heidrun, ohne die es "Bethanien bloggt" nicht mehr gäbe. Und schließlich gilt mein Dank - last but noch least - den Leserinnen und Lesern - die dem Ganzen hier überhaupt erst einen Sinn geben.
Ad multos annos!

Freitag, 7. November 2014

I-Pad auf benediktinisch

Gerade war ich auf einer Tagung zur Medienarbeit der Ordensgemeinschaften. Die meisten Teilnehmer gehören zu den sogenannten "tätigen" Orden, also zu denen, die in Pfarren, Krankenhäusern, Altenheimen, Kinderdörfern usw. arbeiten. Insofern war Sr. Antonia eine Ausnahme: sie ist Benediktinerin, also keine "tätige" Schwester, sondern eine beschaulich lebende Nonne. Natürlich arbeitet sie auch - aber nur innerhalb des Klosters. Ihre Gemeinschaft hat eine Hostienbäckerei und eine Stickerei für liturgische Stoffe und Gewänder.
Die Benediktiner geloben die "stabilitas", d.h. sie treten in ein Kloster ein und bleiben dann bis zu ihrem Tod an diesem Ort. Heute sind sie nicht mehr so streng, sonst hätte Sr. Antonia nicht zu dieser Tagung kommen können, aber auch sie wird - wenn alles gut läuft - ihr Leben lang an ihrem jetzigen Standort bleiben. Stabilitas, Stabilität eben.
Mitgebracht hatte Sr. Antonia ihr I-Pad nicht. Wozu auch?
Warum erzähle ich das?
Sr. Antonia hat ein I-Pad. Kein neues, sie hat es gebraucht gekriegt. Eigentlich eine feine Sache, es hat nur eine kleine Macke: wenn sie damit von ihrem Zimmer in ihr Büro geht (das sind etwa fünf Meter), dann sucht sich das I-Pad die nächste W-Lan-Verbindung. Nichts Besonderes? Naja, eigentlich nicht, nur braucht Sr. Antonias I-Pad eine geschlagene Stunde, bis es wieder im Netz ist.
Der Freund, der es ihr geschenkt hat, wusste um die Macke. Er dachte wohl, bei ihrer Lebensweise würde es nicht stören. Irgendwie hat er ja recht: es ist vermutlich der Prototyp der Nonnen-I-Pad, das Apple dann doch nicht in Serie gegeben hat. Mit Stabilitas-App.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Schwester Robusta

Das ist schon so was mit der Eitelkeit... Natürlich wissen wir als brave Ordensfrauen, dass wir schön demütig sein sollen und nicht so sehr darauf schauen, was andere von uns halten, aber... Man kann auch alles übertreiben!

Das Robusta-ArchivUnd deshalb erlauben wir uns einen Hinweis:
In der Blogoezese, der katholischen Bloggerszene, tobt z.Zt. ein Wettkampf, äh... wollte sagen, findet zum wiederholten Male der Wettbewerb mit dem Namen "Schwester Robusta" statt.
Wer das nicht kennt: in 15 Kategorien sind die verschiedensten Blogs nominiert worden und können bald von den Lesern zu Siegern gewählt werden. (Der genaue Wahltermin ist noch nicht bekannt.) Ziel ist es einfach, die Blogs etwas bekannter zu machen.
Warum erzählen wir das alles? Klar: auch "Bethanien bloggt" ist nominiert worden, und zwar in den Kategorien "Alltag" und "Mauerblümchen".
Die Konkurrenz ist allerdings gewaltig (es gibt etwa 300 deutschsprachige katholische Blogs, knapp ein Drittel ist in irgendeiner Kategorie nominiert), und deshalb gilt es, die Leser rechtzeitig zu sammeln. Im Moment geht es nur darum, sich überhaupt mal anzuschauen, was so läuft und deshalb verweisen wir hier auf den Blog totaliter-aliter, der die ganze Sache schiebt und gerade über die Nominierungen informiert hat! Hier findet ihr also alle Info. 
Aber wenn es zur Wahl kommt, melden wir uns natürlich auch noch mal - schon weil wir es mit der Demut nicht übertreiben wollen. Man soll schließlich in allen Dingen Maß halten!

Sonntag, 21. September 2014

Face To Face

Dieses Wochenende war ich in Erfurt. Eine schöne Stadt, so wie ich es sehen konnte und meine Zeit es zuließ.
Anlass meines Besuchs in Erfurt war ein Bloggertreffen. Für mich das 2. Mal.
Ich habe mich darauf gefreut denen zu begegnen, die man eigentlich nur vom Lesen her kennt.
Face to Face.
16 sehr unterschiedliche Teilnehmer mit unterschiedlichen Zielen hinsichtlich des Bloggens.
Herr Prof.  Matthias Sellmann ( Ruhruniversität Bochum / Pastoraltheologie) gab eine kurze Einführung in die Pastoraltheologie.
Frau Heiliger berichtete über Ihre Umfrage und die Auswertung ihrer Arbeit, die sie im Rahmen ihres Studiums gemacht hatte.
Interessant war die Positionierung der Blogger hinsichtlich der „Blogezoese“. Viele wollen sich nicht zu dieser Gruppierung zugeordnet wissen.
Der Begriff scheint missverständlicher zu sein, als das ursprünglich beabsichtigt war.
Ursprünglich wurde der Begriff  mit einem ironischen Augenzwinkern geprägt.
Nun wird der Begriff sehr ernst genommen und stößt bei einigen Nutzern und Lesern eher auf Ablehnung.
Eine Wirkungsweise, die sich die Mitglieder der kath. Bloggerszene wohl noch mal stellen müssen.
Vieles wurde diskutiert, vor allem aber, inwieweit die Blogs „missionarisch" wirken sollen, welche Möglichkeiten man schaffen kann, um höhere Zugriffzahlen zu erreichen, auch aber, wie Facebook für diese Zwecke eingesetzt wird oder werden kann.
Gut waren die Begegnungen in den Pausen und bei den Mahlzeiten, ebenso das gemeinsame Gebet, das immer wieder ein Zusammengehörigkeitsgefühl  gab und zeigte, dass kath. Blogger auch in der realen Welt den Glauben leben und praktizieren.
Das zeigte sich besonders im Stundengebet und vor allem beim Singen des SALVE REGINA, das - wie ich fand - gut gelang.
Leider war das Wochenende für mich auch von intensiven Kopfschmerzen geprägt, so dass ich am Nachmittag für
2 Stunden aussteigen musste und so den Vortrag von Peter Winnemöller  verpasste. (Sehr schade)
Und doch gab es in der Abschlussdiskussion noch einige wichtige Informationen, an denen wir gemeinsam arbeiten können.
Es wurde auch die Frage aufgeworfen, warum viele kath. Institutionen nicht bloggen.
Gerade für die Diözesen wäre es eine gute Möglichkeit, Menschen auf anderen Wegen zu erreichen. 
Die kath. Bloggerszene wird wahrgenommen, auch von der ofiziellen Kirche. Einige sehen das mit Sorge, andere sind da eher entspannt.
So könnten sich auch die Amtsträger innerhalb der Kirche mehr zeigen und ihre Botschaft verbreiten, denn in der Studie wurde deutlich, dass es kaum Seiten von Bloggern gibt, die für die Bistümer bloggen, obwohl das Bloggen enorme Möglichkeiten bietet. (...wäre da nicht die Angst vor den „neuen“ Medien)
Wer weiß, vielleich bloggt bald unser neuer Kardinal in Köln? Das wäre doch ein spannender Anfang!
Das Bloggen ist ein guter Weg, um Menschen aus allen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu erreichen.
Es ist ein guter Weg, um Menschen von dem zu erzählen,  was unsere Hoffnung ist.
Insgesamt eine gute Veranstaltung und ich freue mich schon auf die nächste, 2015.
Und um es nicht zu vergessen:
Vielen Dank an Norbert Kebekus und Andrea Imsweiler für die gute Vorbereitung und Durchführung!!!




Donnerstag, 18. September 2014

Prüde

Kinderpornographie ist ekelhaft. Ich denke, soweit sind wir uns einig. Jetzt sollen die einschlägigen Gesetze zum Schutz der Kinder verschärft werden. Gut so, sollte man meinen - aber nicht alle sind damit glücklich.
Zunächst mal zur Sache: Bisher waren Bilder strafbar, die sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten, nicht einfach nur nackte Kinder am Strand oder so. Deutlich wird der Unterschied am Fall des Politikers Edathy: Er besaß große Mengen von Bildern nackter Kinder (vielleicht zum Zwecke anatomischer Vergleichsstudien, keine Ahnung), aber sagte zu seiner Verteidigung: "alles legal erworben". 
Das soll sich jetzt also ändern. Künftig soll überhaupt der Besitz und das Verbreiten von Nacktbilder von Kindern strafbar sein, sofern sie ohne Erlaubnis der Eltern gemacht wurden. Kritiker nennen das "unverhältnismäßig" und befürchten nun eine neue Prüderie.
Dazu möchte ich etwas sagen. Als Erzieherin. Und als Öffentlichkeitsbeauftragte einer Gemeinschaft, die Trägerin dreier Kinderdörfer ist.
Ja, Prüderie ist nicht toll, wir wollen alle nicht in unsere verklemmte Kindheit zurück. Und nein, wir wollen auch nicht, dass jetzt lauter Nachbarn einander verklagen, weil sie sich gezankt haben und ihnen einfällt, dass die anderen doch noch Bilder haben müssen vom letzten Kindergeburtstag im Hochsommer. Aber - hallo? - es geht hier nicht um die Erwachsenen! Es geht um den Schutz von Kindern.
Kinder haben Rechte. In der UN-Kinderrechtskonvention ist sogar ausdrücklich das Recht der Kinder auf Privatsphäre festgehalten. In diesem Fall heißt das: ein Kind hat das Recht darauf, selber zu entscheiden, welche Bilder von ihm veröffentlicht werden. Ist es dazu noch zu klein, liegt die Entscheidung bei den Eltern. Die stehen dann vor der Frage:
Wenn mein Kind nackt rumläuft (wogegen ja erstmal nichts zu sagen ist), muss ich es dann auch in jeder Situation fotografieren?
Wenn ich mein Kind nackt fotografiert habe (wogegen erstmal nichts zu sagen ist), muss ich dieses Foto dann auch veröffentlichen? Oder wird mein Kind später einmal etwas dagegen haben, sich selber so im Internet zu finden?
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es hier nicht um die Frage von Prüderie oder von einer drohenden Klagewelle geht, sondern vielmehr darum, dass wir uns selber beschränken müssen: nicht alles, was wir ganz harmlos in unserem Alltag erleben und auf Bildern festhalten, gehört in die Öffentlichkeit. Nur gibt es leider inzwischen immer mehr Menschen, die diese simple Tatsache als Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit betrachten und deshalb nicht akzeptieren wollen.

Donnerstag, 14. August 2014

Genozide und andere Verbrechen

Eigentlich wollte ich während meines Urlaubs nicht bloggen, aber ich bin wütend. Das ist für eine Ordensfrau sicher nicht schicklich, aber ich stehe dazu: ich werde jeden Tag wütender!
Jetzt lassen Titel und Bilder dieses Beitrags schon vermuten, worum es geht, ja, richtig: die Yeziden. Allerdings muss ich sagen, ich bin nicht wütend, weil sie verfolgt werden. Das macht mich eher verzweifelt, traurig, ratlos. Doch es geschieht so viel Unrecht und Elend in der Welt, dass es für Wut nicht mehr reicht. Nein.
Wütend, wirklich wütend machen mich unsere Medien. Und unsere Politik.
Seit Wochen, nein, seit Monaten tippe ich mir die Finger wund und schreibe über die Verfolgung der Christen im Irak. Meine Informationen habe ich von den großen Hilfswerken aller christlichen Konfessionen und von der dominikanischen Familie: sie schreien schon lange nach Hilfe. (z.B. hier: http://www.kirche-in-not.de/aktuelle-meldungen/2014/08-07-christen-im-irak-droht-voelkermord ) Allmählich, so schien es, hat sich das Thema im Internet herumgesprochen, zuletzt durch das nicht nur auf Facebook weit verbreitete arabische "N", das Zeichen für "Nazarener", mit dem die Islamisten die christlichen Häuser markieren.
Als alle (!) Christen panisch aus Mossul geflüchtet waren, als dort die Kirchen in Flammen aufgingen, da endlich - so schien es - hatten auch die säkularen Medien entdeckt, dass irgendwas im Irak nicht optimal läuft. Erstmals (!) berichtete die Tagesschau davon, dass Christen verfolgt würden. Kurz darauf berichtete die ARD zwar noch im Internet von diesen Christenverfolgungen, in der Tagesschau war aber wieder knapp von der Verfolgung "religiöser Minderheiten" die Rede. 
Nun könnte man meinen, okay, sie haben halt nicht so viel Platz für diese Meldung. Dass die Christen, die von Mossul nach Karaqosh flüchten mussten, dort auch nicht mehr sicher waren und ins kurdische Erbil weiterzogen, war vielleicht zu kompliziert. Aber dann kamen die Yeziden. Sie werden von den Islamisten genauso verfolgt und in die Berge getrieben wie die Christen. Doch sie sind nicht nur eine religiöse Minderheit, sondern auch noch ein eigener Volksstamm - und plötzlich war vom drohenden Genozid die Rede.
Plötzlich beginnt jede Nachrichtensendung mit einer ausführlichen Meldung über Frauen und Kinder, die im Gebirge in der Sonne liegen und verdursten. Kein Wort davon, dass es sich auch um Christen handelt. Es sind immer nur Yeziden. 
Plötzlich diskutieren unsere Politiker darüber, ob man unter diesen Umständen Waffen in den Irak liefern kann - weil die ISIS die erobert hat, die früher mal geliefert wurden und die Kurden nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Und weil die Yeziden von Auslöschung bedroht sind - nicht etwa, weil das im Irak seit 2.000 Jahren ansässige Christentum vor der Auslöschung steht.
"Tausende"? "Kirche in Not" beziffert die Zahl der flüchtenden
Christen zur gleichen Zeit in der gleichen Gegend mit 100.000!
Plötzlich ist das alles wieder ein Thema. Wohlgemerkt: ich freue mich, wenn es denn endlich gelingen sollte, den Yeziden zu helfen. Aber: Wo sind die Journalisten und Politiker, die mal darauf aufmerksam machen, dass da noch mehr als nur die Yeziden systematisch verfolgt werden?
Da braucht es schon Cem Özdemir - ausgerechnet!!! - damit mal ein deutscher Politiker in die Kamera sagt "Yeziden und Christen"! Das hätte ich gerne von einem CDU-Menschen gehört! Warum fällt uns das so schwer? Was sind wir eigentlich für jämmerliche Christen, was sind wir nur für Heuchler, dass wir uns für andere einsetzen, aber unsere eigenen Geschwister nicht mal erwähnen, geschweige denn versuchen, sie zu schützen? 

Mittwoch, 30. Juli 2014

Faszination des Schreckens

Menschen sind grausam. Das ist leider nichts Neues.
Es gibt Menschen, die andere Menschen erschießen, erhängen, bei lebendigem Leib verbrennen... Manchmal machen die Täter sogar noch Bilder und stellen sie ins Netz, um sich damit zu brüsten.
Ich kann das nicht wirklich verstehen, obwohl ich mich immer bemühe, mich in andere hineinzuversetzen - hier klappt es nicht so richtig.
Was ich aber ganz und gar nicht verstehe, ist, weshalb manche Menschen die Bilder und Videos mit diesen Grausamkeiten auch noch weiterverbreiten mit Kommentaren wie: "Guck mal, wie schrecklich!" "Nein, wie menschenverachtend!" und (Originalzitat) "Nicht zu fassen, dass man das überhaupt auf Facebook teilen darf!" 
In einer einschlägigen Diskussion meinte jemand, man müsse diese Verbrechen doch anklagen, auf ihre Menschenverachtung hinweisen. Richtig. Das kann ich aber auch ohne Bilder.
Ich habe mich dadurch wieder neu an eine alte Wahrheit erinnert:
Ich kann nicht die Grausamkeit der Welt verändern. Aber ich kann die Grausamkeit in meinem Herzen verändern. Also fange ich bei mir an - und teile solche Bilder nicht.

Montag, 30. Juni 2014

Fußball im Kloster

Ordensfrauen sollen beten. Und arbeiten. 
Für die Menschen da sein und das Reich Gottes bauen.
So wird es uns öfter entgegen gebracht und es ist ja auch richtig.
Ja, wir beten und arbeiten, wir versuchen, mehr für andere dazu sein als für uns selbst und wollen damit am Reich Gottes bauen.
Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch ein bisschen Spaß haben dürfen, oder?
Die meisten Ordensleute, die ich kenne, leben mitten in der Welt. Auch viele sogenannt "Kontemplative" in der päpstlichen Klausur nehmen interessiert Anteil am Weltgeschehen. Wir wissen, dass es mehr und Wichtigeres gibt als diese Welt, aber solange wir noch Teil davon sind, ziehen wir uns nicht ganz aus ihr zurück. Wir sind im Himmel verwurzelt, dadurch können wir Bodenhaftung bewahren. 
Warum erzähle ich all das? 
Wir stehen im Achtelfinale der WM, heute Abend spielt Deutschland gegen Algerien. Das muss man nicht wissen. Dafür muss man sich nicht interessieren. Aber ich verfolge die Spiele mit einiger Begeisterung (und mit großer Anteilnahme für die Gastgeber, für die wir eifrig beten). 
Und nur wegen dieses Interesses habe ich eine Sonderaktion entdeckt und konnte heute in einer online-Druckerei einen WM-Rabatt mitnehmen: An jedem Spieltag der DFB-Elf gibt es für online-Bestellungen 11% Ermäßigung.
Schön, dass ich noch eine größere Bestellung geplant hatte! Und auf das Spiel heute abend freue ich mich jetzt noch ein bisschen mehr. 

Dienstag, 11. März 2014

Gewinn statt Verlust

Fortsetzung von "Verzicht auf den Verzicht"

Wie gesagt: ich will mich beim Fasten nicht überfordern. Dazu gehört für mich, dass die Fastenzeit eine Zeit des Gewinns ist, nicht des Verlustes. 
Besonders deutlich wird mir das, wenn ich mir irgendwelche Aktivitäten verbiete. Auf Facebook sehe ich manchmal Leute, die sich zu Beginn der Fastenzeit für sechs Wochen verabschieden. Bewundernswert. Aber wenn ich meinen Internetkonsum einschränke (was mir auch gut tut!), ist die entscheidende Frage für mich: was mache ich mit der gewonnenen Zeit?
Wenn ich dann gelangweilt rumhocke und missmutig meinen virtuellen Freunden hinterhertrauere, wenn ich anfange, stattdessen fernzusehen oder sonstwie die Zeit totzuschlagen, ist nichts gewonnen. Erst wenn ich die Zeit sinnvoll nutze, für die Beziehungen zu meinen Nächsten und zu Gott, erst dann hat der Verzicht einen Wert.
Ich habe mal einen wundervollen Spruch gehört, der mich nicht mehr loslässt:
"Wieso läuft mir nur ständig die Zeit davon?"
"Vielleicht hat sie Angst, dass Du sie totschlägst, wenn Du sie erstmal hast." 


Fortsetzung folgt...

Mittwoch, 23. Oktober 2013

ebay schwarz-weiß

Vor einiger Zeit bekamen wir eine Anfrage: "Lebt eigentlich Sr. Theresia noch?" Die Sekretärin im Schwalmtaler Kinderdorf ist noch recht neu und so gab sie das Telefonat an mich weiter.
Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Ehemalige handelte: in den 50er Jahren hatte sie in unserem Kinderdorf in Waldniel (damals hieß es noch nicht Schwalmtal) gelebt. Sie kannte Sr.Theresia noch von damals, auch wenn sie in einem anderen Haus war. Wieso erkundigte sie sich aber gerade nach dieser Schwester und nicht nach der, bei der sie aufgewachsen war?
"Oh, ich war bei Sr. Gaudete - aber zu der hatte ich immer Kontakt. Wissen Sie, ich habe bei ebay eine Postkarte entdeckt, da war das Haus drauf, wo wir gewohnt haben und daneben Gaudete. Jedenfalls dachte ich das. Als ich sie dann gekauft hatte, habe ich gesehen, dass es nicht unsere Gruppe war, sondern Sr. Theresias. Da habe ich mich gefragt, wie es ihr geht."
Sr. Theresia ist leider schon vor Jahren verstorben, aber als ich beim Abendbrot von dieser Geschichte erzählte, fragte Sr. Helene: "Wie heißt sie denn?" Sr. Helene und Sr. Gaudete waren die beiden ersten Kinderdorfmütter in Waldniel. Helene ist 84, aber als ich den Namen sagte, wusste sie sofort, um wen es sich handelte. "Die ersten Kinder kenne ich alle noch!"
Weil das Ganze ja mit dem Kauf einer Postkarte begonnen hatte, dachte ich, dass unsere Ehemalige vielleicht gerne ein paar Fotos hätte und habe sie danach gefragt. Da sagte sie, sie habe aus den wenigen Jahren bei uns keine Bilder von sich selber. Nun war Helene nicht zu stoppen: sie holte die alten Alben heraus und kreuzte mir alles an, was für diese Frau von Interesse sein konnte, Häuser, Gruppen, Einzelpersonen. Ich habe dann die ganzen Schwarzweiß-Fotos eingescannt und ihr zugemailt.
Es war eine gelungene Abrundung dieser virtuellen Begegnung. Sie erkannte sich und andere Kinder auf den Bildern und freute sich über diese Erinnerung. Dafür erzählte sie mir von ihrem Leben, das weiß Gott nicht gerade einfach war. Von verschiedenen Heimen und davon, dass sie in Bethanien die schönste Zeit ihrer Kindheit verbringen konnte - obwohl sie nur kurz und auch nicht ohne Enttäuschungen war. Nun haben wir ihr ein paar kleine digitale Puzzlestückchen schicken können - und wünschen ihr Gottes Segen auf dem weiteren Lebensweg!

Mittwoch, 31. Juli 2013

Moses 2.0


Wer schon einmal in einer Sprache gebetet hat, die nicht die eigene ist, weiß, dass es dabei zu tiefen Erkenntnissen kommen kann. Die fremde Sprache verfremdet, was ich höre, und das gibt manchmal neue Blickrichtungen.
Gestern war ich an der Reihe, in der Messe die Tageslesung in Englisch zu lesen. Es ging darum, dass Mose von Angesicht zu Angesicht wie ein Freund mit Gott sprechen konnte. Schließlich ging er auf den Gottesberg, und dann heißt es im Englischen: "Moses climbed the mountain and took with him - the two tablets"!
Merke: tablets machen nur einen Sinn, wenn man empfangsbereit ist... Mose 2.0!

Montag, 13. Mai 2013

Bloggertagung Teil II


So, wie schon berichtet war ich am Wochenende zu Bloggertagung.
Die Medienpastoral  Freiburg hat in Kooperation mit katholisch.de diese Veranstaltung möglich gemacht.
Vertreter von katholisch.de und der Pressesprecher der deutschen Bischofskonferenz haben sich auf das Wagnis eingelassen, mit den Bloggern der „Blogoezese“ ins Gespräch zu kommen.
Es wurde beherzt diskutiert  und überlegt, wie wir voneinander profitieren können.
Eine zentrale Frage, die sich mir stellte, war :
Was ist gemeint mit:
"Das ist nicht katholisch"
Meiner  Erfahrung nach ist es gefährlich, solch eine Aussage zu treffen, meinem Gegenüber gar abzusprechen, dass er / sie nicht katholisch sei.
Wenn solche Aussagen getroffen werden und ich jemanden das  "katholisch sein" abspreche, werte ich mich auf und erkläre in einem Atemzug,  dass ich genau weiß, was richtig und was falsch ist.
Sehr bedenklich, wie ich finde.

Jeder Mensch hat spezifische Glaubenserfahrungen. Diese sind sehr individuell und  persönlich.
Der Mensch hat ein Gewissen und wer suchend ist, der wird seinen Weg mit Gott machen.
Er wird Menschen suchen, die von sich behaupten „katholisch“ zu sein und im besten Fall  einen Ansprechpartner finden,  der ihm durch sein Tun seine Vorstellung von „Katholisch sein“ veranschaulicht.
Sicherlich haben wir oft andere Vorstellungen davon, wie es genau geht und doch ist Gott viel kreativer, als wir uns vorstellen können.

Vertrauen wir darauf,  dass Gott  für uns sorgt und lassen wir uns leiten vom Heiligen Geist!

Als Blogger sind wir aus unterschiedlichen Gründen im Internet unterwegs.
Sehr deutlich wurde aber, gerade in den Gebetszeiten, dass wir eine gemeinsame Wurzel haben. Gott ist für uns Wegweiser und Hilfe, auch wenn es mal kontrovers zugeht.
Und  so ist man dann doch gemeinsam unterwegs auf dem Weg der Wahrheit.
Viele Teilnehmer haben zu dieser Tagung gebloggt und so kann jeder, der Lust hat, noch ein wenig weiterlesen unter:
http://sende-zeit.de/2013/05/13/bloggertreffen-in-bonn/
Für mich war es ein bereicherndes Treffen und schön zu sehen wie vielfältig die katholische Kirche sein kann!

Freitag, 10. Mai 2013

Bloggertagung Teil 1


Heute Abend bin ich nach Bonn zur Bloggertagung gefahren.
Ich habe mich dort angemeldet, weil ich hier blogge und es spannend finde, andere Blogger zu treffen, um  mit ihnen in den  Austausch zu gehen über das, was wir tun.

Als erstes packten einmal viele ihre Notebooks, I-Pads etc. aus.
Ich war mit einem Schreibblock und einem Füller bewaffnet, was mir die Bemerkung meiner Nachbarin einbrachte: "Das gefällt mir".
Ich dachte, ja sehr vorsintflutlich, aber gut..

Gut, zugegeben,  den Abend habe ich verkürzt und auf das gemütliche Beisammensein verzichtet, denn ich will morgen wieder früh raus: Wir beten miteinander die Laudes, frühstücken und arbeiten dann inhaltlich weiter.  
Für mich war es heute spannend zu sehen, wer dort vertreten ist und welche Menschen hinter den Blogs stehen, die ich oft oder teilweise mitlese.

Da wird die virtuelle Welt plötzlich real!

Menschen mit ihren eigenen Geschichten und Ihren Ideen, die das Wort Gottes  verkünden. Die Beweggründe sind unterschiedlich, doch scheint es, als wollen viele den Menschen ein Gegenüber anbieten um zu zeigen, dass es sich lohnt, Christ zu sein.
Ein Gegenüber, das einen Teil von sich preis gibt und an dem man sich reiben kann.
Ein Gegenüber, das mir die Möglichkeit gibt, in den Austausch zu gehen über das, was mich berührt.

Jesus hat das auch getan.
Er ist den Menschen an unterschiedlichen Orten begegnet und hat Begegnung zugelassen.
Von Angesicht zu Angesicht.
Das war sicher nicht immer angenehm, sicher kontrovers und oft auch anstrengend. Und doch sind ihm viele gefolgt, weil sie spürten, dass das, was er verkündete,  echt war.

Echt war es auch heute Abend und das hat mich beeindruckt, so dass ich mich sehr auf morgen freue!  

Samstag, 6. April 2013

Verbindung

Mitten im Satz brach die Verbindung plötzlich ab. Zuerst dachte ich, es sei eine Störung in meinem Telefon, weil gerade was in der Schaltzentrale repariert wurde, aber eine Weile später kam die Nachricht: es ist alles viel schlimmer! 
Bei Bauarbeiten auf dem Kinderdorfgelände hatte der Bagger unbemerkt ein Kabel durchgeschnitten. Das ganze Kinderdorf inklusive aller Schwestern sind seit Donnerstag (und voraussichtlich noch bis Montag abend) ohne Telefon und Internet. Jetzt sitze ich an einem fremden PC und sinniere über das merkwürdige Lebensgefühl, das ich inzwischen entwickelt habe: Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es kein Internet. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern! Es gab auch eine Zeit, da habe ich nicht ständig telefoniert. Wie habe ich damals gelebt? Was ist heute so anders?
Klar: meine Arbeit kann ich nicht so einfach umorganisieren. Heutzutage erwartet man, dass ein Büro per email zu erreichen ist, und auf eine email erwartet man innerhalb kürzester Zeit eine Antwort. Und manche Sachen sind einfach praktisch: Adresssuche, Routenplaner oder so.
Aber privat? Brauche ich das Netz wirklich? Wozu?
Ich merke, dass ich seit Donnerstag eigentlich gar keine Zeit fürs Internet hatte. Jede freie Minute war ausgefüllt mit unterschiedlichsten Begegnungen: Jugendliche vom Kinderdorf, Mitschwestern, eine alte Schulfreundin, Familie. Wieso sollte ich also etwas vermissen? Wieso ist die virtuelle Welt so verlockend? 
Ich denke, ich werde künftig ein wenig mehr versuchen, mir bewusst zu machen, wie viele "kabellose" Verbindungen ich habe. Und an erster Stelle steht da natürlich der Draht nach oben!

Dienstag, 19. März 2013

Internetfasten

Tja, nun ist es soweit!
Seit Samstag weiß ich, was es heißt, keine elektronischen Hilfsmittel zur Verfügung zu haben.
Ich habe mich daran gewöhnt.
Jetzt, wo unsere Frizbox kaputt ist, zeigt sich mir deutlich, wie sehr ich auf diese Hilfsmittel, wie Internet und Telefon, angewiesen bin.

Nun, jetzt muss ich dann wohl mehr in den direkten Kontakt gehen und wenn es wichtig ist, erst mal echte Briefe und Karten schreiben.
Und wer sich fragt, wieso ich das jetzt schreiben kann....
Ich hab einen Freund, der mir gerade für diesen Post sein Internet zur Verfügung stellt.

Wieder ein Fingerzeig Gottes(?!), der mir in der Fastenzeit die Möglichkeit einräumt, klar zu sehen.
Und zum Beginn in den Tag möchte ich mit einem Gebet starten, das mir vielleicht bewusst macht, auf was es im Leben ankommt.
So ganz undigital....

Herr, ich  danke Dir für diesen Tag.
Lass mich mit meinen Fähigkeiten nicht herrschen, sondern dienen.
Hilf mir auch mit denen auszukommen, die ich nicht leiden kann.
Bewahre mich davor, immer recht haben zu wollen.
Lass mich zuhören können.
Lass mich ehrlich und gewissenhaft sein.
Lass mich in allem Dir allein Ehre sein.
Segne mich und alle, die ich heute treffe!
Amen.

Freitag, 17. August 2012

Mauerblümchen

Bis heute abend habt ihr noch die Wahl! Gewählt wird Robusta 2012, der beste Blog der Blogozese. Wer mitmachen will, kann noch bis zum Abend des Freitag, 17.8., seine Stimme bei http://blog.derherralipius.com/2012/08/es-darf-abgestimmt-werden.html abgeben.
Der Witz dabei: die Blogs sind in verschiedene Kategorien eingeteilt: "Qualität", "Spiritualität", "Papsttreue", "Zwerchfell" usw. Na, was meint ihr, unter welcher Kategorie "Bethanien bloggt" einsortiert wurde?

Kategorie "Mauerblümchen" - kein Witz!

Dienstag, 14. August 2012

Funkloch

Gestern bin ich aus Ilanz zurückgekommen. Die Tagung über die Verkündigung mit vertrauten und neuen Medien war ausgesprochen anregend und eigentlich ein paar Blogbeiträge wert. Auf der Rückfahrt wollte ich direkt einen schreiben. Während der Tage war keine Zeit dazu, aber die Fahrt von der Schweiz an den Niederrhein dauert mindestens 10 Stunden - da kann man schon einiges erledigen.
Also habe ich mich zuversichtlich mittels Surfstick ins Netz begeben. Zuerst musste ich nach einem Anschlusszug suchen, weil wir wegen eines "Personenschadens" (welch zynisches Wort für einen Suizid!) Verspätung hatten. Noch während dieser Suche, brach die Verbindung ab. Ein Funkloch. Mist!
Natürlich habe ich es nochmal versucht. Und nochmal. Und nochmal. Immer wieder bekam ich für kurze Zeit eine Verbindung, aber bevor ich richtig loslegen konnte, war ich wieder aus dem Netz geflogen. Schließlich habe ich aufgegeben und was gelesen.
Später dachte ich, dass es mir mit meinem Gebet, dem "Draht nach oben" oft genauso geht. Ich beginne, mit Gott zu sprechen, vielleicht habe ich eine Bitte, oder ich will für etwas danken. Aber noch bevor ich wirklich in ein tieferes Gebet komme, bricht die Verbindung ab, weil ich mich von irgendetwas stören lasse.
Dabei ist das Auf-Gott-einreden ja nur der erste Schritt. Natürlich: Dank und Bitte ist wichtig. Aber Ruhe und Kraft erfahre ich im Gebet erst, wenn ich zum Schweigen finde, zum Hören. Wenn ich mich loslassen kann. Dafür brauche ich Zeit - und den festen Vorsatz, in dieser Zeit nichts anderes wichtiger zu nehmen als dieses Hören auf Gott.
Wenn die Verbindung dauernd unterbrochen wird - vom Telefon, von der Fliege an der Wand, vom Einkaufszettel, den ich in Gedanken schreibe - dann werde ich vielleicht irgendwann frustiert aufgeben. Manchmal ist das sogar besser als krampfhaft weiter zu funken, wenn man doch eindeutig im Funkloch sitzt. Dann muss man eben einen günstigeren Moment abwarten, mit mehr äußerer Ruhe. Wichtig ist nur, dass man es später noch mal versucht. Gott ist immer "online"! Er wartet nur darauf, dass wir endlich soweit sind.

Donnerstag, 9. August 2012

Verkündigung 2.0

Heute beginnt die Jahrestagung 2012 der deutschsprachigen Dominikanerinnen in Ilanz (Schweiz). Dieses Jahr ist das Thema "Wege der Verkündigung - das Wort Gottes auf vertraute und neue Weise weitertragen".
Ich bin eingeladen, einen Workshop über "Twitter, Chat und Foren" zu halten. Bin mal gespannt. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Frohe Botschaft zu verkünden - auch für Frauen, ganz sicher für Ordensfrauen. Die neuen Medien sollten unbedingt ihren Platz finden. Aber welchen?
Muss man alles mitmachen? Kommunikation auf Teufel komm raus?
Die Halle des virtuellen Klosters in funcity
Früher hieß es: "Rede nicht von deinem Glauben, wenn du nicht gefragt wirst. Aber lebe so, dass du gefragt wirst." - zweifellos ein weiser Satz. Gilt er heute noch, in Zeiten des Internet, wo jeder seine aktuelle Befindlichkeit und seine tiefsten Überzeugungen gleichermaßen in die digitale Welt hinausposaunt und selbst Kirchen und Klöster virtuelle Präsenzen haben?
Vielleicht bin ich am Ende dieser Tagung mit meinen Überlegungen weiter.