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Mittwoch, 7. November 2012

Studium heißt nicht nur pauken

Ich studiere nun schon seit einigen Jahren Theologie, doch jetzt steht das Ende vor der Tür.
Nur noch ein paar Monate und ich habe es hoffentlich geschafft, aber was denn eigentlich?
Im Moment freu ich mich darauf, dass das Pauken ein Ende haben wird, aber "Studium" ist so viel mehr als Wissen in meinen Kopf zu stopfen, gerade wenn es um Theologie geht.
Für uns als Dominikanerinnen meint Studium auch nicht nur das Studieren an einer Hochschule. Studium meint das zu lernen, was gewusst werden muss, um den Menschen auf ihrem Weg zu Gott zur Seite stehen zu können. - Das reicht von Kochen über Pädagogik, Musik  und Psychologie bis hin zur Theologie. 
Aber all das Wissen, was wir uns aneignen, ist nicht für jeden Menschen nötig. Nur wenn wir die Fragen der Menschen und ihre konkrete Situation mit unserem Wissen zusammen vor Gott bringen, werden wir erkennen, was wir durch Wort und Tat verkünden sollen. Dann ist es möglich, dass aus dem "gepaukten Zeug" Frohbotschaft, ja Heilswort Gottes wird.
Damit dies gelingt, hilft es ungemein, auch schon das Pauken auf Gott hin zu öffnen, sozusagen "auf den Knien" bzw. im Gespräch mit Gott zu studieren. Darum ist das Studium selbst eine der Gebetsweisen des Heiligen Dominikus gewesen.
Mir hilft dabei ein Gebet des Heiligen Thomas von Aquin:

Gebet vor dem Studium

"Über alle Worte erhabener Schöpfer, du hast aus den Schätzen deiner Weisheit [alles erschaffen] und die Teile des Universums in höchster Harmonie geordnet.
Du, so sage ich, der du die wahre Quelle des Lichtes und der Weisheit und der überragende Ursprung genannt wirst, du wollest über die Dunkelheiten meines Verstandes den Strahl deiner Klarheit ergießen und von mir die doppelte Dunkelheit nehmen, in der ich geboren bin, nämlich die Sünde und die Unwissenheit. Du, der du die Zungen der Kinder beredt machst, mögest meine Zunge formen und durch deinen Segen Anmut auf meine Lippen ausgießen. Schenke mir beim Erkennen Scharfsinn, beim Behalten Merkfähigkeit, beim Hinzulernen Weite und Leichtigkeit, beim Interpretieren feines Gespür und beim Formulieren die Gnade, mühelos die rechten Worte zu finden.
Du mögest dem Beginn die rechte Grundlage schenken, den Fortgang lenken und den Ausgang vollenden. Du, der du wahrer Gott und wahrer Mensch bist und der du lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen."

Sonntag, 4. Dezember 2011

Überraschender Besuch: Sint & Piet !

Ich bin grad wegen meines Studiums in den Niederlanden. Hier bin ich zu meiner Überraschung auf etwas gestoßen, was ich gar nicht erwartet habe.
"Eintritt verboten! Arbeitsplatz vom Nikolaus! "
Natürlich! Nikolaus! - Da ich zu Beginn meines Klosterlebens einige Monate in den Niederlanden leben durfte, war mir sofort klar, dass das AUSNAHMEZUSTAND bedeutet! Wie konnte ich das nur vergessen? Also habe ich mich auf die Lauer gelegt und habe doch tatsächlich vom Sint und einem seiner Gehilfen die Erlaubnis bekommen das Zimmer mit den Geschenken zu betreten!

So viele schöne Geschenke!
Auf dem runden Tisch sind die ganzen wirklichen Gaben, die gibt es erst heute Abend. Auf dem anderen Tisch liegen die Geschenke, die auf humoristische Weise ein Geschehen aus dem letzen Jahr aufgreifen,
alle mit einem Begleitschreiben in Versmaß!
Die Schwestern werden sicher viel Freude daran haben! Und ich, naja, ich bin ja zum Arbeiten hier...






Aber, als ich wieder an die Arbeit gehen wollte, wartete auch eine kleine Überraschung auf mich! Ohne Reime zwar, aber mit viel Liebe. Sogar den obligatorischen Schoko-Buchstaben habe ich bekommen. Allerdings, nich das H, wie es eigentlich sein müsste, da man den Anfangsbuchstaben seines Namens bekommt. Sondern das J. - Aber der Sint war um eine Erklärung nicht verlegen. "Du hast doch auch einen Namen unter dem Habit?" (Gemeint ist der Namen, den ich vor meinem Klostereintritt hatte). "
Also hab ich das Schoko - J meines Taufnahmens mit Freuden entgegengenommen und lasse es mir mit Kaffee auf der Zunge zergehen. Gesegnet Nikolausfest auch euch!

Mittwoch, 30. November 2011

Himmlische Heerscharen... immer gut für eine Überraschung

Mein heutiger Tag an der Uni barg einige Überraschungen. In der Vorlesung zum Neuen Testament ging es heute unter anderem um die Himmlischen Heerscharen, die bei der Geburt Jesu in Erscheinung treten. Naja, eigentlich stärken sie dem Engel den Rücken, als er den Hirten die Frohe Botschaft überbringt. - Ich durfte lernen, dass sie bei Lukas mit Bedacht erwähnt werden, sie sind das "Gegenheer" zu den römischen Truppen auf der Seite von Kaiser Augustus.
Nach dieser kurzen Erhellung meines Geistes ging der Tag normal weiter, ich stürzte mich in die Lektüre für meine Diplomarbeit. Und nach ein paar Stunden riss mich der Summton meines vibrierenden Mobiltelefons aus meiner niederländischen Lektüre. - Mir liebe und vertraute Menschen waren überraschend angereist und wollten mich gerne auf einen Kaffee ins Café Göttlich einladen, bevor sie wieder abreisten. Juhuuuu, eine Pause! Genau das, was ich brauchte, noch dazu in meinem Lieblingscafé.
Und dann kam der Knaller! Da waren sie wieder, die himmlischen Heerscharen!!!Wir haben dann sehr vergnügt, von Engeln umschwebt, eine nette halbe Stunde verbracht. Eine schöne Begegnung mit einem spürbaren Hauch von SEINER Gegenwart.

Mittwoch, 2. November 2011

Der Leviatan ... oder: Mein ganz persönliches Prüfungsmonster

In letzter Zeit war hier nicht viel von mir zu lesen, ich war versunken in einem Wust von Papier und darauf befindlichen Informationen.... Ich habe für den ersten Teil der Diplomprüfung im Fach Theologie gelernt.
Jetzt ist es geschafft, der erste Teil ist bestanden.
Und endlich habe ich die Unterlagen in Ordnern abgelegt und Ordnung in mein chaotisches Zimmer gebracht.
Und auf den Ordnern thront ein Gummi-krokodil....
















der Leviatan.... mein persönliches "Prüfungsmonster"
, welches mir feierlich zu meinem "Sieg", dem Bestehen des 1. Prüfungsblocks, überreicht wurde. Ich solle nie vergessen, dass Gott den Leviatan ja, wie der Psalmist sagt, geschaffen habe, damit er mit ihm spielen kann. - Die Erklärung für dieses reizende Geschenk hat mich echt beeindruckt:
"Nur weil es dir vorkommt wie ein Monster, heißt das nicht, dass du davor Angst haben musst. Ist nur halb so wild, wie es aussieht. Und mit der Leichtigkeit des Spiels kommst du auch über schwere Hindernisse drüber. Damit du das bei der Diplomarbeit und dem zweiten Prüfungsblock nicht vergisst, schenk ich dir dies ´Prüfungsmonster`."

Mittlerweile haben wir uns angefreundet, ich streichle ihm jeden Morgen auf dem Weg zur Uni über sein aufgerissenes Maul und schmunzle: "Ja, geschaffen, um damit zu spielen ... Möge Gott mir die Leichtigkeit geben, die ich brauche um den "Monstern meines Tages" nicht gelähmt gegenüber zu stehen."
Danke für diesen super Mutmacher!

Montag, 18. Juli 2011

Diplomfeier à la Bethanien

Wie bereits angekündigt, hielt der Grillabend am vergangenen Samstag noch ein paar Überraschungen bereit:

Zuerst erfreuten wir uns an einer Aufführung des polnisch-koreanischen Duetts "Die Schönsten" mit ihrer phantastischen Darbietung von "Warum bin ich so fröhlich?", die unsere Fröhlichkeit noch mal steigerte und lautes Lachen und Jubeln hervorrief. Mit dieser Überraschung bedankten sich die Studentinnen für die gute Zeit, die sie hier bei den Schwestern in Leipzig verbringen durften.

Doch auch die nächste Feierlichkeit ließ nicht lange auf sich warten: Zur Feier des Tages überreichte Sr. Angela den Studentinnen, die ihr Studium nun abgeschlossen haben, feierlich das Diplom der Eisenbahnstraße und den Doktorhut. Die drei staunten nicht schlecht, als Sr. Angela noch eine weitere Absolventin aus dem Hut zauberte: mich. Meine Schwestern hatten damit, ohne es zu wissen, den Nagel auf den Kopf getroffen (zum Glück nur im übertragenen Sinn!): Denn genau an diesem Tag feierten auch die Absolventen in Bonn ihr Diplom beim großen Universitätsfest, in feierlichen Roben und mit Doktorhut... doch in meinem Hut hier in Leipzig steckt auch noch eine besondere Portion Liebe meiner Schwestern, die ihn selbst gebastelt haben und sich ganz besonders mit mir freuen. Und hier durfte ich mit mehr als nur 3 Angehörigen feiern - meine bethanische Familie hätte selbst im engsten Kreis diese Einschränkung von Bonn bei weitem gesprengt;-)

Es ist so schön, dass ich in diesen Wochen immer wieder erleben darf, wie meine Schwestern aus den verschiedensten Konventen und Ländern meinen Weg begleiten, wie sie mich durch ihr Gebet und ihre alltägliche Unterstützungen durch die Prüfungsphase getragen haben und sich jetzt riesig mit mir freuen, mir Glückwünsche schicken und mit mir feiern - sei es mit Kevelaer-Wallfahrt und Ausflug ins Irrland, mit Milchreis oder Grillen... DANKE!!!

Freitag, 15. Juli 2011

"Heute hier, morgen dort"

"Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort..." - dieses Volkslied haben wir in der Schule unzählige Male gesungen. Und es kam mir nun wieder in den Sinn, als ich mal wieder meine Sachen packte. Ja, das Studium ist rum. Wieder ein Abschnitt geschafft! Und Zeit für einen neuen Aufbruch... Bis vorgestern war ich noch in unserem Noviziatskonvent Haus Tabgha in Waldniel, wo ich die letzten Wochen zum Lernen verbacht habe, und mich gerade richtig gut eingelebt hatte.
Vorgestern Abend fuhr ich dann mit Sr. Angela nach Refrath. Unser kleines grünes Auto war voll mit meinen Lernsachen, die Sr. Hannah-Rita vielleicht noch für ihre Prüfungen brauchen kann, und den anderen Kisten mit Kleidung, Laptop und all dem, was ich in den nächsten Wochen noch brauchen könnte... Liebevoll wurde ich mit einem "Herzlichen Glückwunsch zum Diplom"- Schild an meiner Zimmertür, einer leuchtenden Sonnenblume und einer Schüssel leckeren Milchreis empfangen. Nach dem Abendessen hieß es dann schon wieder packen: Raus aus den Kisten, rein in den Rucksack, Schlafsack und Isomatte dazu,... startklar für den nächsten Morgen.
Denn gestern früh ging es sofort weiter. Sr. Hannah-Rita brachte Sr. Angela und mich noch mit dem berühmten kleinen Flitzer nach Köln zum Bahnhof und dann saßen wir stundenlang im Zug bis wir endlich unser Ziel am Nachmittag erreichten: Eisenbahnstraße 112, Leipzig. Mein erster Besuch hier, in meiner neuen Heimat, wohin ich ab September versetzt werde. Eine Woche bleibe ich jetzt hier, um den Konvent und die Stadt kennen zu lernen, ehe ich wieder meinen Rucksack packe und erst mal in meinen Urlaub aufbreche. Ich bin schon sehr gespannt! Hier gibt es viel neues zu entdecken. Und obwohl ich zum ersten Mal in Leipzig bin, hat es etwas von Heim-Kommen. Denn ich komme bei meinen Schwestern an, auch hier ist Bethanien und damit mitten in der fremden Stadt ein Stückchen Heimat.

Sonntag, 10. Juli 2011

Dogmatik -> Diplom -> Dankwallfahrt!

Juhu! Ich kann es noch gar nicht fassen... Nach der gestrigen Dogmatik-Prüfung hab ich es tatsächlich geschafft: Ich habe mein Theologie-Studium mit dem Diplom abgeschlossen. Das wochenlange Lernen hat ein Ende. Noch türmen sich Prüfungsunterlagen, Ordner, Skripte und Bücher in meinem Zimmer - aber: es ist tatsächlich vorbei. Das muss natürlich gefeiert werden! Und drum bin ich heute mit meinen Schwestern aus Haus Tabgha, bei denen ich mich in den letzten Wochen zum Lernen einquartiert habe und die mich in der Prüfungsphase so liebevoll begleitet haben, zur Dankwallfahrt nach Kevelaer aufgebrochen.

Einfach wunderbar! Festmesse mit Weihrauch und einem Chor aus Oxford – an Feierlichkeit kaum zu überbieten. Und dann auch noch eine sehr bethanische Überschrift über der Predigt: „berufen zur Hoffnung“. Ja, in unseren Konstitutionen heißt es: In jeder Situation der Einzelnen und der Gemeinschaft gilt als Leitmotiv der Wahlspruch P. Latastes: „Hoffen gegen alle Hoffnung“.

Ohne diese Hoffnung hätte ich es bestimmt nicht geschafft. Ich erinnere mich noch daran, wie ich die gesammelten Dogmatik-Skripte erstmals gesammelt vor mir liegen sah und angesichts der Stoffmenge dachte: Das schaff ich nie! Immer wieder kam ich beim Lernen an Punkte, wo ich meinte, dass wäre hoffnungs-los, das kann ich mir eh nicht alles merken. Und als ich in der Woche vor den Prüfungen mit vereiterten Nebenhöhlen krank im Bett lag und zwei Tage vor Beginn der Klausuren beim ärztlichen Notdienst statt an meinem Schreibtisch saß, sah ich meine Hoffnung auf ein baldiges Ende des Studiums schon schwinden...

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg – so sagt man sprichwörtlich. Ich würde es heute umformulieren in: Wo eine Hoffnung ist, da ist auch ein Weg. Und wo noch kein Weg ist, da kann durch die Hoffnung einer entstehen.

Meine große Hoffnung, dass ich das Studium jetzt abschließen kann, hat sich erfüllt – und damit ist nun der Weg frei für all die Fragen, die mir kein theologisches Lehrbuch beantworten kann, weil sie meine ganz persönliche Berufung und meinen ganz eigenen Weg mit Gott betreffen. Jetzt geht es weiter mit dem lebenslangen Studium, das eine wichtige Säule in unserer dominikanischen Spiritualität ist. Gott sei Dank!

Montag, 27. Juni 2011

"Die Hungernden sättigt er mit seinen Gaben" oder: Baby im Kloster

4:50h Mein Wecker klingelt. Nein - so früh beten wir hier nicht! Aber ich hatte heute meine vorletzte schriftliche Diplom-Prüfung in Bonn...

5:30h Frühstück. Es gibt noch selbst gebackenes Brot von Sr. Sofia - lecker! Und Sr. Judith ist - wie bei jeder Klausur in diesen Tagen - extra auch so früh aufgestanden, um mir beim Frühstück Gesellschaft zu leisten und mich mit dem Segen zu verabschieden.

7:05h Strahlender Sonnenschein in Bonn, eine Parkbank vor der Uni und das Skript von Moraltheologie - letzte Gelegenheit, um den Stoff in mein Kurzzeitgedächtnis zu bekommen.

8:30h Die Klausurbögen werden verteilt. 4 Stunden Moraltheologie... meine Banknachbarin hat extra einen Kühlakku mitgebracht, um ihre duplos zu kühlen. Ich entscheide mich für die Strategie, die Schokolade vor dem Schmelzen zu retten, indem ich sie sofort esse.

13:40h Juhu! Geschafft! Vorbei! Sr. Hannah nimmt mich vor dem Prüfungsraum in Empfang, nachdem sie uns während der Klausur alle eifrig "bebetet" hat. Wir gehen zusammen Eis essen.

15:10h Heiß!!! Nach 1 1/4 Stunden im heißen Auto komme ich völlig verschwitzt wieder in Waldniel an. Schon den ganzen Tag hab ich darauf gewartet: Ich tausche den Autoschlüssel gegen den Kinderwagen und nehme ein Baby in Empfang. Der Kleine aus dem Kinderdorf darf heute den Tag im Kloster verbringen, weil seine Kinderdorfmutter mit allen Leiterinnen auf Klausurtagung unterwegs ist.

16:00h Wir starten unseren Spaziergang in den Wald. Kühler Schatten - wie wohltuend in der Hitze, und endlich Bewegung nach dem vielen Sitzen :-)

17:30h Zeit für das Fläschchen. Dass die Flasche erst auf Trinktemperatur abkühlen muss, stößt auf lautes Protestgeschrei. Doch dann zufriedenes Nuckeln... und der Kampf zwischen Hunger und Müdigkeit.

18:30h Wir beten Vesper. Die Flasche ist noch halbvoll. Das Baby ist noch halbwach. Also nehme ich den Kleinen samt Milchflasche kurzerhand mit in die Kapelle. Während wir die Psalmen beten, nuckelt er friedlich vor sich hin. Es gelingt ihm nicht ganz, mir mein Stundenbuch wegzustrampeln, so dass ich die Lesung doch bis zu Ende lesen kann. Glück gehabt! Wir stimmen - wie jeden Abend - das Magnificat an: "Die Hungernden sättigt er mit seinen Gaben" - und das Baby stimmt mit genussvollem Schmatzen und den letzten Zügen aus der Milchflasche in unser Gebet ein.

Montag, 6. Juni 2011

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser...

O, wie wohltuend war diese Dusche! Das frische, kühle Wasser... ich fühle mich "wie neu geboren" nachdem ich den ganzen Tag über meinen Büchern geschwitzt hab. Und der Regen letzte Nacht, der nach einem schwülen Sommertag die Luft ganz rein und klar werden ließ... oder die kurze Pause mitten im Lernen, am Fluss inne halten und die Füße im Wasser baumeln lassen...

In diesen Sommertagen erlebe ich das Wasser ganz besonders als Element des Lebens.

Heute stand Dogmatik, genauer gesagt Sakramentenlehre, auf meinem Lernplan. Und da ging es u.a. auch um die Taufe - und um die Bedeutung des Symbols Wasser. Ja, Wasser ist Leben. Aber nicht nur! Wasser kann auch den Tod bringen. Das Neugeborene muss schreien, um das Fruchtwasser aus der Lunge zu stoßen und atmen zu können. Hochwasser, Überschwemmungen, Tsunami,... - Wasser kann auch bedrohend und vernichtend sein.

Diese ambivalenten Bedeutungen von Wasser finden wir schon in der Bibel. Da betet der Psalmist: "Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach Dir." und es heißt "Alle meine Quellen entspringen in Dir". Und zugleich erfahren wir von der Vernichtung eines Großteils der Menschheit durch die Sintflut, und von der Vernichtung der Ägypter durch die Wasserfluten, nachdem Mose das Volk Israel durchs Rote Meer geführt hat.

Und genau diese Spannbreite zwischen Leben und Tod behält das Wasser in der Taufe. Die Taufe schenkt uns neues Leben, aber wir sind getauft auf Jesus Christus - der am Kreuz für uns gestorben ist. Wenn wir getauft werden, tauchen wir gleichsam mit ein in seinen Tod. Doch er hat den Tod durch seine Auferstehung ein für alle Mal besiegt und ihn in Leben verwandelt. Und so verleiht er auch uns schon in der Taufe Anteil an diesem neuen, ewigen Leben, dem Leben in Fülle. Und daher können wir in der Osterzeit singen:

"Wir sind getauft auf Christi Tod
und auferweckt mit ihm zu Gott.
Uns ist geschenkt sein Heilger Geist,
ein Leben, das kein Tod entreißt."


Donnerstag, 3. März 2011

Vollkornnudeln - mit und ohne Schleier

Zur Zeit bin ich in unserem Ausbildungskonvent zu Gast. Hier in Waldniel leben ungefähr 30 unserer Schwestern, der größere Teil in einem Haus, in dem der Tagesrhythmus der Mehrheit der alten Schwestern angepasst ist und vier in einem Haus, dem das Noviziat angegliedert ist: "Haus Tabgha". Ich habe in beiden Gemeinschaften schon gelebt und wohne, wenn ich jetzt als Gast an den Niederrhein komme, mal in der einen, mal in der anderen.
Gleichzeitig mit mir kamen noch zwei andere Gäste an: Sr. Hannah und unsere Kandidatin Maria, beide aus unserem Konvent in Refrath. Dort wird in diesen Tagen heftig Karneval gefeiert, und die beiden brauchen Ruhe für ihre Prüfungsvorbereitungen. Da ist ein kleiner Konvent wie Haus Tabgha ideal: man kann leichter auf individuelle Bedürfnisse Rücksicht nehmen und gerade Studenten auch mal die nötigen Dispensen von der allgemeinen Tagesordnung geben.
Donnerstags hat der große Konvent Abendmesse. Haus Tabgha ist dann nicht nur zur Messe, sondern ausdrücklich auch zum anschließenden Abendbrot eingeladen. Ich war also nach der Messe noch kurz mit in den großen Konvent rübergegangen. Als ich wieder nach Haus Tabgha kam, waren Hannah und Maria in der Küche höchst vergnügt am Nudeln kochen.
"Wir können einfach so kochen, was wir wollen! Das können wir sonst nie!" Ich meinerseits musste natürlich in den Topf gucken und fand - Vollkornspaghetti! Ich glaube, seit ich in Lettland lebe, habe ich die nicht mehr gegessen. Natürlich musste ich probieren - mit einigen Schleierschwierigkeiten! Hannah hatte sich der Einfachheit halber vor dem Kochen umgezogen.
Die beiden haben mich dann eingeladen, mich dazuzusetzen, aber ich merkte, dass sie eigentlich weiterlernen wollten. "Macht mal ruhig, mich stört das nicht." "Echt? Ja dann..." und schon gings weiter: Hannah hörte Maria ihren Prüfungsstoff ab.
Es war ein interessantes Essen: Nudeln mit Tomatensoße, gewürzt mit Oregano und den Klageliedern des Propheten Jeremia.

Samstag, 5. Februar 2011

Thomas kommt!!!

So lautete die Betreffzeile einer Mail letzte Woche. Und ja, mittlerweile ist er angekommen, Thomas von Aquin, vielmehr sein Buch „Summa contra Gentiles“, das ich so dringend für meine Diplomarbeit brauche. Leider war genau die Ausgabe, mit der ich schon zu arbeiten begonnen hatte, inzwischen vergriffen. Wie gut, wenn man weiß, in welchen Bücherregal das gesuchte Buch steht und man Freunde hat, die es einem zuschicken:-)

Nun kann es losgehen mit der Arbeit! Und welches Gebet könnte eine Diplomarbeit über Thomas von Aquin besser begleiten als das, das er selbst täglich vor Beginn seiner Studien gesprochen hat?


Über alle Worte erhabener Schöpfer, du hast aus den Schätzen deiner Weisheit drei Ordnungen der Engel bestimmt und ihnen über dem Ätherhimmel in wunderbarer Ordnung einen Platz gegeben und die Teile des Universums in höchster Harmonie geordnet.

Du, so sage ich, der du die wahre Quelle des Lichtes und der Weisheit und der überragende Ursprung genannt wirst, du wollest über die Dunkelheiten meines Verstandes den Strahl deiner Klarheit ergießen und von mir die doppelte Dunkelheit nehmen, in der ich geboren bin, nämlich die Sünde und die Unwissenheit. Du, der du die Zungen der Kinder beredt machst, mögest meine Zunge formen und durch deinen Segen Anmut auf meine Lippen ausgießen. Schenke mir beim Erkennen Scharfsinn, beim Behalten Merkfähigkeit, beim Hinzulernen Weite und Leichtigkeit, beim Interpretieren feines Gespür und beim Formulieren die Gnade, mühelos die rechten Worte zu finden.

Du mögest dem Beginn die rechte Grundlage schenken, den Fortgang lenken und den Ausgang vollenden. Du, der du wahrer Gott und wahrer Mensch bist und der du lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen.