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Samstag, 18. April 2015

noch'n Jubiläum

Gerade erst ist unser großes Jubiläumsjahr vorbei, 100 Jahre Dominikanerinnen von Bethanien Venlo, da gibt es schon wieder was zu feiern. Gut, zugegeben, dieses Jubiläum ist ein bisschen bescheidener, aber wir wollen es nicht unterschlagen: heute vor fünf Jahren haben wir angefangen zu bloggen!
Der Anfang von "Bethanien bloggt" war recht einfach, und er liegt in Lettland. Obwohl von Beginn an als Gemeinschaftsblog geplant, liegt der Gründungsimpuls doch vor allem darin begründet, dass mir nach meiner Versetzung ins Ausland gelegentlich meine Freunde und Familie fehlten. Das merkt man dem ersten Artikel durchaus an. 
Inzwischen hat eine ganze Reihe Autorinnen mitgeschrieben, von einigen Kandidatinnen über Schwestern verschiedener Häuser und Mitglieder unserer Laiengemeinschaft bis zur Generalpriorin. Manche nur einen Gastbeitrag, manche haben "Bethanien bloggt" sehr intensiv mitgetragen und -gestaltet. Dadurch sind unsere Themen vielfältiger geworden, und ich möchte mich bei ihnen allen bedanken, die unser Blog möglich gemacht haben - v.a. bei Sr. Sara, Hannah und Heidrun, ohne die es "Bethanien bloggt" nicht mehr gäbe. Und schließlich gilt mein Dank - last but noch least - den Leserinnen und Lesern - die dem Ganzen hier überhaupt erst einen Sinn geben.
Ad multos annos!

Sonntag, 9. November 2014

Ermutigung

Das Lied "Ermutigung", das Wolf Biermann im Bundestag gesungen hat, war eins der ersten, das ich auf der Gitarre gespielt habe. Nicht dass ich mit 14 schon sonderlich politisch interessiert gewesen wäre, eher im Gegenteil: es war einfach in einem meiner Liederbücher drin und klang schön nach Protest (das hat man in der Pubertät ja immer mal gerne). Verstanden habe ich es damals nicht wirklich und auch die Person Wolf Biermann sagte mir nicht viel. 
Geändert hat sich das eigentlich erst 1996. Damals kam das Buch "Abgehauen" von Manfred Krug heraus. Den kannte ich gut aus dem Fernsehen, v.a. aus der Anwaltsserie "Liebling Kreuzberg". Jetzt erfuhr ich zu meinem großen Erstaunen, dass Krug 1977 aus der DDR in den Westen gekommen war. Er war dort nicht nur Schauspieler sondern auch Sänger gewesen, und noch wesentlich populärer als hier. Aber dann war 1976 Wolf Biermann ausgebürgert worden.
Manfred Krug hatte als einer von etwa 70 Künstlern schriftlich gegen diese Ausweisung protestiert und war selber ins Visier der Stasi geraten. Nach Biermanns Ausbürgerung und dem Protest dagegen, hat Manfred Krug ein Jahr lang kein Engagement mehr bekommen. Er stellte einen Ausreiseantrag, ein bisschen trotzig, aber auch schweren Herzens, denn eigentlich wollte er nicht weg. Bei normalen Menschen bedeutete so ein Antrag meist Gefängnis, aber Krug war zu berühmt. Sie ließen ihn gehen. Das alles erfuhr ich aus "Abgehauen", dem Buch und seiner Verfilmung.
Von dieser Seite habe ich mich Wolf Biermann genähert. Ich dachte damals, was für ein seltsames Land die DDR gewesen sein muss: da kommen Menschen begeistert aus dem Westen (Biermann aus Hamburg, Krug aus Duisburg). Sie träumen von einer gerechteren Welt, von sozialer Gleichheit; Biermann war sogar Kommunist. Doch sobald sie anfangen, das System zu kritisieren, werden sie unter Druck gesetzt oder ausgewiesen. Gleichzeitig versuchten immer wieder Menschen, aus diesem Land zu fliehen - und landeten dafür im Gefängnis oder wurden sogar erschossen. So viel Leid - nur weil die Ideologie nicht stimmte.
Und jetzt steht dieser Wolf Biermann im Bundestag des wiedervereinten Deutschland, 25 Jahre nach dem Mauerfall und singt ein Lied, das er ein Jahr nach seiner Ausbürgerung schrieb. Er beschimpft die Abgeordneten der Linken wüst als "Drachenbrut" und als "elenden Rest von dem, was endlich überwunden ist", mit einem Zorn, der in diesem Vierteljahrhundert kein bisschen abgekühlt zu sein scheint. 
Ich wünsche den vielen Opfern des DDR-Regimes, den Biermanns und Krugs, den Angehörigen der Mauertoten, dass ihre Wunden endlich heilen. Ich wünsche und hoffe, dass die Nachkommen der SED sich vor allem innerlich aber dann auch äußerlich klar von den Verbrechen ihres Ursprungs lossagen. Es wäre auch nicht schlecht, wenn sie den Opfern mal bereitwillig zuhören würden, weil sie sie ernst nehmen, auch wenn sie persönlich keine Schuld tragen. 
Aber vor allem wünsche ich unserem Land zum 25jährigen Gedenken des Mauerfalls, dass dieser Tag ein Jubiläum sein möge, ein Jubeltag.  Spürt ihr noch die Spannung und Angst, als noch nicht klar war, ob in die Montagsdemonstration geschossen werden würde? Könnt ihr euch noch erinnern, wie wir vor Freude geweint haben, als die ersten Trabbis über die Grenze fuhren? Wisst ihr noch, wie sensationell das war, dass plötzlich Menschen auf der Mauer standen - am Brandenburger Tor? Wildfremde Leute lagen sich lachend in den Armen - erinnert ihr euch? Ich will diese Gefühle nicht vergessen und hoffe, dass sie tief im kollektiven Gedächtnis unseres Volkes verankert werden und dass wir sie den nächsten Generationen weitergeben.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Pommes für Pater Lataste

Heute abend hatten wir Gäste: die Kinderdorffamilie "Kranenbruch" (keine Ahnung, warum die so heißen, ich glaube nach der Straße, in der sie wohnen, ist nämlich eine Außenwohngruppe).
Sie kamen mit drei Erwachsenen und sieben Kindern sehr vergnügt an, es gab Pommes und Würstchen (das geht bei Kindern immer) und wir haben uns gut unterhalten. Ich glaube, sie haben es genossen, im Schwesternhaus zu Gast zu sein, in dieser Form ist das schon etwas Besonderes. Natürlich laden wir auch sonst schon mal Kinder ein, aber dann geht es einfacher zu, dazu sind es halt zu viele.
Den Kranenbruch haben wir besonders eingeladen, weil die ganze Gruppe einen Malwettbewerb gewonnen hat. Wir hatten anlässlich unseres 100jährigen Jubiläums Karten von unserem Gründer Pater Lataste an die Häuser des Kinderdorfes ausgegeben und sie gebeten, die möglichst schön auszumalen. 
Es war toll, was da alles zurückkam: von Pop Art bis zum Kleinkind-Gekritzel war alles dabei. Auch kam von einigen die Bitte nach einer zweiten Karte, weil manche Kinder Pater Lataste eigentlich lieber behalten wollten!
Aber die Kinder vom Kranenbruch, die haben definitiv den Vogel abgeschossen! Sie haben nicht nur die Karten ausgemalt, sondern jeweils die Figur ausgeschnitten und damit eine ganze DIN A4-Seite gestaltet. Offensichtlich hatte die Kinderdorfmutter ausführlich mit ihnen über Pater Lataste und die Entstehung Bethaniens gesprochen. Die entstandenen Bilder sind einfach großartig.
Ich meine, so ganz haben sie wohl nicht alles verstanden. Das merkt man an einem Bild, auf das ein Kind geschrieben hat: "Pater Lataste hat gesagt: jeder kann ein neuen Lebensweg gehen egal ob im Gefängnis oder im Heim." Das ist zwar nicht richtig - aber so nah an der Wahrheit, das man nicht viel dagegen sagen mag. 
(Übrigens dachte dieses Kind bei dem neuen Lebensweg offenbar nicht an sich selbst - sondern an andere, bedauernswerte Heimkinder, denn wir sind ja kein Heim, sondern ein Kinderdorf!)

Donnerstag, 25. September 2014

Die 100jährige - hat gefeiert!


Also, jetzt ist unsere Geburtstagsfeier schon eine Woche her und ich hab Dir immer noch nicht die Bilder gezeigt! Hier, schau mal: es war richtig schön! Zuerst haben wir Messe gefeiert in einer kleinen Kirche in Nunhem. Da haben wir gerade so eben alle reingepasst: 120 Schwestern. Im Altarraum war noch ein bisschen Platz übrig, da haben wir noch ein paar Priester eingeladen, damit es da vorne nicht so leer ist. Nein, nur Spaß. Vier Mitbrüder waren da: P. Karl, P. Diethard, P. Manuel und P. Marc und dazu lieber Freund von den Redemptoristen: Jan Hafmans. 
Wir haben ein neues Lied gesungen, das zwei unserer Schwestern geschrieben haben, inspiriert von einer Predigt von Pater Lataste: "Ich habe Wunder gesehen". Und dann mussten wir bei den Fürbitten nochmal sehr kreativ werden: Vorne stand unser Wappen aus Pappe. Das gleiche Wappen hatte eine Vorbereitungsgruppe vorher zu Puzzleteilen zerschnitten und jedem Konvent (Hausgemeinschaft) ein Teil gegeben. Darauf haben wir dargestellt, wofür wir nach 100 Jahren Bethanien dankbar sind. Und das haben wir dann wieder zum Wappen zusammengesetzt und dabei auch laut gesagt.
Nach der Messe sind wir in ein Lokal gegangen, haben gegessen und ein bisschen Programm gehabt. Und zum Abschluss sind wir auf den Friedhof des Mutterhauses gefahren, in Venlo. Das ist immer ganz komisch, denn wir mussten das Mutterhaus aufgeben: wir können in Venlo nur noch auf den Friedhof. Aber wir machen dort jedes Jahr eine Gräbersegnung und so haben wir auch diesmal eine schöne kleine Feier hingekriegt. Wir haben auf jedes Grab eine Rose gelegt und natürlich mit dem "Salve Regina" und dem "O lumen" - den lateinischen Gesängen zu Maria und zum Heiligen Dominikus - geendet.

P.S.: MEHR BILDER GIBT ES BALD IN UNSERER JUBILÄUMS-BILDERGALERIE!!!!

Dienstag, 16. September 2014

Meine lieben Schwestern!

Im Jahr 1864, also vor 150 Jahren, wurde ein junger französischer Dominikaner damit beauftragt, in einem Frauengefängnis in Cadillac dreitägige geistliche Exerzitien zu halten.
Er hatte keine Lust dazu, sogar Vorurteile diesen Verbrecherinnen gegenüber. Doch er hatte keine Wahl, ging hin - und erlebte eine Offenbarung. Die Frauen waren keineswegs verstockt und verdorben. Es waren Frauen, die gesündigt hatten, aber oft waren sie auch Opfer. Häufig gab es z.B. den Fall, dass ein junges Dienstmädchen von ihrem Herren vergewaltigt worden war. Wenn sie dann schwanger wurde, wusste sie in der Verzweiflung meist nicht, was sie tun sollte. Manche töteten dann in ihrer Not das Neugeborene. Diese saßen nun hier. Verzweifelt, von der Gesellschaft verdammt, sich ihrer Schuld wohl bewusst.
Der junge Priester erkennt, dass sie keine bösen Menschen sind - und spricht ihnen Mut zu. Er macht ihnen Hoffnung, dass Gott auch ihren guten Willen erkennt. Er sagt ihnen, dass Gott denen einen Neuanfang ermöglicht, die ehrlich bereuen - auch wenn die Gesellschaft es vielleicht nicht tut. Erster Ausdruck dieser neuen Haltung ist die Anrede in der ersten Predigt: der Pater nennt die Frauen "Meine lieben Schwestern". Vor Gott sind wir auf Augenhöhe, der Priester und die Zuchthäuslerin, wenn wir nur wahrhaft Gott suchen und lieben.
150 Jahre ist ein Jubiläum, das man nicht ignorieren darf. Weltweit begehen alle, die sich mit der Spiritualität dieses Dominikaners verbunden fühlen, in diesen Tagen Exerzitien nach den Texten, die Pater Jean Joseph Lataste damals den Frauen in Cadillac predigte. Inzwischen gibt es Gemeinschaften in ganz Europa und in Amerika, Frauen und Männer, Schwestern und Laien, im Kloster, in der Welt und im Gefängnis - eine große Familie von Bethanien.

Montag, 1. September 2014

Erntezeit

Ich kann es nicht lassen.
Ich finde den Sommer toll und ich liebe den Spätsommer und den Herbst.

Da zeigt die Natur, wieviel Kraft sie hat und wie fruchtbar sie ist.
Schade, dass das viele gar nicht mehr wahrnehmen können.

Kinder kommen nur noch selten in Berührung mit der Natur. Viele wissen nicht einmal, was für Früchte sie essen, wie sie heißen, geschweige wo und wie diese wachsen.

Das ist sicher gerade so, weil Eltern und Kinder nur noch in Supermärkten einkaufen und den Bauern nebenan so gut wie gar nicht kennen.
Oft habe ich erlebt, dass die Kinder, selbst wenn sie auf dem Land leben, den Bauern um die Ecke nicht mehr kennen.

Viele Bäume werfen ihre Früchte nun  ab, ohne dass jemand diese aufsammelt und verarbeitet.
So auch in dem Dorf, wo dieser Apfelbaum steht.
Er steht auf dem Grundstück meiner Schwester in einem kleinen Dorf.
Dort gibt es viele Obstbäume an den Feldern und Wiesen.
Gerade jetzt tragen auch die Pflaumenbäume ihre Früchte.
Selten kann man jemanden sehen, der die Pflaumen erntet. Schade finde ich das.

Der Apfelbaum meiner Schwester ist mehr als 100 Jahre alt.

100 Jahre!!!

Was der wohl alles gesehen hat!
Auch die Dominikanerinnen von Venlo werden in diesem Jahr 100.


Der Baum hat sicher viel erlebt und könnte viel erzählen.
Viel Gutes und viel Schlechtes, Merkwürdiges, Freudiges.....
Und doch!
Er lebt nach wie vor und bringt Jahr um Jahr seine Früchte hervor.

Die Dominikanerinnen haben nun auch ein erstes Jahrhundert geschafft und sind vielen Menschen Orientierung, Hoffnung und Nahrung gewesen.
Seelische Nahrung.

Vor einigen Jahren war ein Gärtner in diesem Garten, um den Baum zu beschneiden, damit er gestärkt wird und weiterhin gute Früchte trägt.

Der Gärtner erfreute sich so an diesem Baum, dass er fragte, ob er sich aus diesem Baum einen Ast schneiden kann, um für sich einen Baum daraus zu ziehen.
Er hat es gemacht und  nun wächst an anderer Stelle ein Ableger dieses Baumes, der andere Menschen erfreut.

So wie die Dominikaneriinen, die an unterschiedlichen Orten ihrem Apostolat folgen und Menschen begleiten. Die ihnen Stütze, Halt, Hoffnung, Freude und Nahrung sind.

Und wer weiß,
vielleicht erwächst aus diesem Apostolat heraus dann auch ein Ableger, der an einem anderen Ort wachsen und reifen kann, um seine Früchte großzügig weiter zu geben.

Donnerstag, 28. August 2014

Die 100jährige baut und baut...

Hallo, da bist du ja wieder, das ist aber schön!
Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja: Refrath! Manche sagen auch Bensberg. Wir haben das Kinderdorf damals genau auf die Grenze zwischen diesen beiden kleinen Orten gebaut - heute gehören beide zu Bergisch Gladbach.
Jedenfalls ging es wie in Schwalmtal-Waldniel und Eltville-Erbach auch: Mutter Imelda kaufte das Land, dann kamen wir Schwestern, bauten das Kinderdorf, und 1968 kamen dann die ersten Kinder. Ein Unterschied zu den anderen beiden Orten war aber, dass es in Refrath kein Haupthaus gab, das mit dem Gelände übernommen wurde, sondern nur Wald. So hatten wir die Möglichkeit, das ganze Kinderdorf architektonisch aus einem Guss zu gestalten. Gottfried Böhm machte den Entwurf, nach dem alle Häuser in der Form einer Schnecke gebaut wurden - im Zentrum die Kirche als ein großes Zelt. Böhm baute mit viel Beton und möglichst ohne rechte Winkel, seine Gebäude sind oft voller Symbolik. Das muss man nicht mögen, aber unser Kinderdorf ist jedenfalls was ganz Besonderes, warte, hier ist ein Bild.
Das Bethanien Kinderdorf in Bergisch Gladbach-Refrath:
1968 kamen die ersten Kinder
Am Anfang hatten wir in Refrath Platz für 120 Kinder und Jugendliche. Sie lebten damals in 11 Familien, die jeweils von einer Schwester geleitet wurden. Meine Güte, ich werde fast wehmütig, wenn ich daran denke.
Später haben wir dann zwei Außenwohngruppen gegründet und die Gruppen innerhalb verkleinert, es kamen die ersten Leiterinnen, die keine Schwestern waren, es entstanden die heilpädagogischen Tagesgruppen, und überhaupt hat sich eigentlich ständig irgendwas verändert. So ist wohl das Leben.
Das Bild hier ist aus den 60er Jahren - aber ein bisschen gepfuscht: es ist Sr. Gaudete, die war in Waldniel, nicht in Refrath. Unglaublich, dass wir damals noch in Habit mit den Kindern spazierengingen, nicht wahr? Aber das war halt normal. Unpraktisch, aber keiner hat sich was dabei gedacht. Später haben wir dann angefangen, normale Straßenkleidung - "Zivilkleidung" - zu tragen, damit man den Kindern nicht sofort ansah, dass sie im Heim groß werden. 
Sr. Gaudete:
"Wer kommt in meine Arme?"
Was meinst du? Ob wir noch mehr Kinderdörfer haben? In Deutschland nicht. Wir hatten eine ganze Reihe in den Niederlanden, in Belgien und eines in Italien. Wir waren sogar in Übersee und hatten unsere Häuser in den USA, Kanada und auf Aruba. Das waren nicht immer Kinderdörfer, oft haben wir auch mit jungen Mädchen oder in Gefängnissen gearbeitet, je nachdem... Inzwischen mussten wir fast alles wieder zumachen. Wir sind einfach nicht mehr so jung und so viele wie in den 60ern, verstehst du? Kinderdörfer haben wir jedenfalls nur noch die drei in Deutschland, und die werden jetzt ganz von Mitarbeitern geleitet. Klar, wir helfen noch mit, so gut wir können, es sind ja schließlich immer noch die Bethanien Kinderdörfer, und das sollen sie auch bleiben, nur können wir einfach nicht mehr die ganze Arbeit machen wie früher.
Man kann viel Gutes tun, auch wenn man nicht gleich ein ganz großes Werk auf die Beine stellen kann. Wir haben das immer wieder versucht, aber ich glaube, davon erzähle ich dir beim nächsten Mal. In Ordnung?

Mittwoch, 20. August 2014

Die 100jährige zieht gen Süden


Grüß Dich! Wo waren wir letzte Woche stehen geblieben? Ach ja, ich hatte von Waldniel erzählt. Das war unser erstes deutsches Haus - aber damit ging es eigentlich erst los. Mutter Imelda Esser war eine sehr rührige Generalpriorin. Mit ihrer Stellvertreterin Mutter Magdalena Nouwen ist sie durchs ganze Land gereist, um geeignete Häuser und Grundstücke für uns zu finden. Die beiden hatten ganz schön... wie sagt ihr jungen Leute? Power!
Na, jedenfalls kam 1960 die Diözese Limburg, der Caritasverband und das Landesjugendamt Wiesbaden und baten Mutter Imelda, ein Kinderdorf in Hessen zu bauen. Du erinnerst dich: in Waldniel waren gerade 1956 erst die ersten Kinder gekommen, fünf Häuser waren fertig, weitere in Planung, ebenso die Kapelle und das Schwesternhaus. Und in diese Bau- und Planungsphase hinein sagt Mutter Imelda: "Gut, warum nicht? Gehen wir nach Hessen!" 
Mutter Imelda mit ihrer Assistentin Mutter Magdalena:
auf zu frischen Taten!
Im Dezember 1960 kauft sie das Landhaus "Marienhöhe" in Erbach (das gehört heute zu Eltville) bei Wiesbaden. Wir sind mit drei Autos runtergefahren, das war 'ne ganz schöne Strecke vom Niederrhein in den Rheingau! Am 22. März 1961 war dann der offizielle Gründungstag des Konventes, und dann haben wir das Kinderdorf gebaut.
Es ist kleiner geworden als Waldniel, da oben in den Weinbergen ist nicht so viel Platz, aber immerhin 5 Häuser sind es doch geworden. Am 1. April 1965 kamen die ersten Kinder. Bald hatte jede Gruppenschwester 12 bis 15 Kinder im Haus, insgesamt waren es Ende 1966 schon 69.
Das war ein bisschen zu viel, die Heimreform erfasste auch uns, und 1974 durften wir nur noch 50 Kinder haben. Weil es aber leider einen viel zu großen Bedarf an Plätzen in Kinderdorffamilien gab und gibt, hat sich das danach immer mal wieder geändert. Wir haben Außenwohngruppen dazubekommen und so. Aber das war später und du wolltest ja wissen, wie es angefangen hat.
Luftaufnahme des heutigen
Bethanien Kinderdorfes Eltville-Erbach
A propos Anfang: Noch in der Anfangsphase von Erbach ging Mutter Imelda das nächste Projekt an, das Kinderdorf in Dahlheim-Röttgen, im Bistum Aachen. Aber darüber mag ich nicht so gerne reden, das hat nämlich nicht lange gehalten, dann mussten wir wieder da weg. In Dahlheim waren wir nur 10 Jahre: von 1962 bis 1972. Erfolgreicher war da schon das Bethanien Kinderdorf in Bergisch Gladbach-Refrath - aber davon erzähle ich dir nächste Woche...


Donnerstag, 7. August 2014

Die 100jährige erzählt weiter...

Oje, ich hab doch im Mai versprochen, dir zu erzählen, wie wir von Venlo nach Deutschland gekommen sind, aber ich hab dich ganz vergessen. Das kommt bei Hundertjährigen schon mal vor, dass sie was vergessen... Na, jetzt aber!
Wir hatten also 1914 im Kleinen Häuschen angefangen und ein Jahr darauf schon mit dem Bau des Mutterhauses begonnen. Wir haben uns immer schon - von der Gründung in Frankreich an - um strafgefangene Frauen gekümmert. Das ist unsere ureigene Aufgabe. Dabei geht es auch darum, Frauen nach der Haft eine echte Rehabilitation zu ermöglichen. Sie sollen wirklich neu anfangen können, ohne Vorurteile. Und wenn sie in Bethanien Schwester werden wollen, dann sollen sie vollkommen gleichberechtigt sein, so sehr, dass Außenstehende nicht einmal wissen dürfen, welche Schwester im Gefängnis war und welche nicht. (Das ist übrigens bis heute so.)
Aus der Gefangenenseelsorge erwuchs ein eigenes Haus für Frauen, die mit Bewährungsauflagen entlassen waren. Bald kamen immer mehr junge Frauen, da sich das Jugendschutzrecht veränderte. 1939 hatten wir in Rijsbergen das erste "Erziehungsheim" für minderjährige Mädchen (also unter 21 Jahren). Aber wir dachten auch mehr und mehr daran, präventiv zu arbeiten: warum denn erst eingreifen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist?
So entstanden dann die Bethanien Kinderdörfer. 
Haus Clee am Niederrhein,
von den Schwestern 1951 gekauft
Gleichzeitig wollten wir ja eigentlich immer noch - seit 1914 war das nicht vergessen - nach Deutschland. In den 30er und 40er Jahren war das nun kein besonders einladendes Land. Überhaupt der Krieg: wir mussten aus dem Mutterhaus raus, einige Schwestern sind bei Bombenangriffen gestorben und auch sonst mussten wir deutschen und niederländischen Schwestern zusammenleben und aushalten, dass unsere Väter und Brüder sich gegenseitig umbringen mussten! Kannst Du dir das vorstellen? Das war schon eine schreckliche Zeit. Da mussten wir wirklich viel beten, um uns noch als Schwestern lieben zu können.
Na, dann war der Krieg endlich glücklich vorüber und der Traum wurde wahr: Das erste Haus in Deutschland. Hier ist schon mal ein Bild, erzählen werd ich dann das nächste Mal davon...



Dienstag, 27. Mai 2014

Die 100jährige baut in Venlo...

Wo war ich stehen geblieben? Ach so ja, der Bischof! Wir waren ja 1914 in Venlo angekommen und hatten am 14. September das "Kleine Häuschen" bezogen. Das ist sozusagen unser Geburtstag: das Fest "Kreuzerhöhung". Du wolltest ein Bild vom "Kleinen Häuschen" sehen, hier, ich hab eins gefunden! Die französische Generalpriorin hatte es schon früher gekauft, weil sie schon länger Pläne hatte, ein Haus in Deutschland zu gründen. 
Das Kleine Häuschen
Wie? Es sieht gar nicht so klein aus? Aus  Montferrant waren 13 Schwestern geflohen, in Belgien waren noch andere dazugekommen, jetzt waren wir schon 22. Dafür war das Haus richtig klein! Und verwahrlost war es obendrein. Naja, ich will nicht lamentieren.
Also wie gesagt: die erste Zeit war hart. Mehrere von uns sind an der Schwindsucht gestorben damals. Aber wir haben es doch irgendwie geschafft - weil uns andere Ordensgemeinschaften geholfen haben und eben der Bischof von Roermond.
Das Mutterhaus in Venlo
wurde von 1915 bis 1929 gebaut.

Das Motto unseres Gründers, Pater Lataste, war "Hoffen wider alle Hoffnung" - und das haben wir getan. Wir haben uns einfach nicht unterkriegen lassen von der aussichtslosen Situation. Und als wir 25 Jahre alt wurden, 1939, da waren wir schon über 100 Schwestern mit Gelübden und 50 Schwestern in der Ausbildung!
Wo wir da gewohnt haben? Ach, hab ich vergessen zu erzählen: schon 1915 hatten wir angefangen, das Mutterhaus zu bauen. Das ging natürlich nicht an einem Stück, sondern in mehreren Bauabschnitten, aber 1929 war es dann fertig.
Was meinst Du? Wie wir nach Deutschland kamen? Und die Kinderdörfer? Ach so, das war nach dem zweiten Weltkrieg, aber das erzähle ich Dir beim nächsten Mal, ja?

Dienstag, 20. Mai 2014

Die 100jährige geht auf die Reise...

Da lehnen wir also im Fenster mit unsern 100 Jahren und simmelieren (Konrad Beikircher) über die Welt, die draußen vorbeihastet. Ne, als wir geboren wurden, da waren die Leute noch nicht so hektisch! Keine Handies, keine Computer, kein Fernsehen - sogar Telefon gab es nur selten.
Wenn man auf Reisen ging, dann konnte man nicht schon von der übernächsten Ampel aus zu Hause anrufen und sagen, dass man vergessen hat, das Bügeleisen auszumachen. Ne, ne...
Als wir damals auf Reisen gingen, da war das ein Abschied fürs Leben. Und das war so:
Das Kloster der Dominikanerinnen
in Montferrand
Eigentlich kommen wir nämlich aus Frankreich. 1866 hatte der fanzösische Dominikaner Jean Joseph Lataste in Montferrand eine kleine Ordensgemeinschaft gegründet: die Dominikanerinnen von Bethanien. Das ist eine andere Geschichte, auch ziemlich spannend, aber sie soll ein anderes Mal erzählt werden. 
Jedenfalls wuchs die Gemeinschaft in Montferrand und bald kamen auch einige deutsche Schwestern dazu. Das ging auch ganz prima, aber dann kam das Jahr 1914 und wie ihr alle wisst, hatte Deutschland da plötzlich die Idee, einen Krieg zu starten. Keine gute Rahmenbedingung für Deutsche, die im Ausland lebten. Also machten sich 13 junge Schwestern auf den Weg, verließen fluchtartig das Kloster in Montferrand und versuchten, in ihre Heimat Deutschland zu gelangen.
Im Garten von Montferrand:
Der heilige Josef
- Schutzpatron Bethaniens -
mit dem 5jährigen Jesus
Im niederländischen Venlo hatte die Gemeinschaft schon ein Grundstück, da machten sie eine Pause. Statt noch die letzte Grenze zu nehmen, richteten sie sich im sogenannten "Kleinen Häuschen" ein. Diese erste Zeit war keine "gute, alte", sondern einfach nur arm und hart.
Trotzdem dachte eigentlich niemand an eine Trennung von den Schwestern in Montferrand, aber der Krieg dauerte und dauerte... und wie gesagt: es gab weder Handies noch Skype! Der Bischof von Roermond kümmerte sich um die jungen Frauen. Schließlich half er ihnen, eine eigene, bischöfliche Kongregation zu gründen. Das sind wir, die Dominikanerinnen von Bethanien von Venlo. 
Immer noch war unser Leben dem der Schwestern in Montferrand sehr ähnlich. Die Gebetszeiten, sogar die Gestaltung der Gebäude und des Gartens (inklusive der Statue vom Hl. Josef mit dem 5jährigen Jesus) - alles sollte so sein wie zu Hause. Aber mit der Zeit drifteten wir auseinander. 
Daran hat der hilfreiche Bischof seinen Anteil - aber das erzählen wir beim nächsten Mal...

Sonntag, 18. Mai 2014

Die 100jährige, die aus dem Fenster sah...

... und noch lange nicht verschwinden wollte!
Kennen Sie Jonas Jonasson? Wie auch immer man seinen Roman vom 100jährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand, auch findet - der Ausgangspunkt ist einfach köstlich. Da flüchtet ein Mann an seinem 100. Geburtstag aus dem Altenheim, um seiner Geburtstagsfeier zu entgehen - und gerät dann in diverse Turbulenzen.
Wie komme ich darauf? Weil bei uns ein 100. Geburtstag bevorsteht und die Jubilarin keine rechte Lust zum Feiern hat. Wir Dominikanerinnen von Bethanien von Venlo sind 1914 gegründet worden, unser Jubelfest ist am 14. September. 100 Jahre sind für eine Ordensgemeinschaft jetzt nicht so überwältigend viel - aber doch auch nicht zu verachten. Jedenfalls Grund genug, zwar nicht aus dem Fenster zu steigen, aber doch mal rauszuschauen: wie sieht es denn so aus, bei uns und bei den Nachbarn? Und dann zu überlegen: ne, groß feiern wollen wir nicht - aber verschwinden? Auf keinen Fall! Dazu sind wir zu lebendig und haben zu viel vor.
Deshalb starten wir in diesem Blog jetzt eine Jubiläumsreihe. Kommen Sie an unser Fenster und feiern Sie über die Fensterbank hinweg mit uns Geburtstag!

Mittwoch, 29. August 2012

Nachlese

 


Gestern kam Sr. Dominika in mein Büro. Stellt mir ein Kästchen auf den Schreibtisch. "So!" "Was ist das?" "Das sind Pralinen, die hab ich zum Jubiläum geschenkt bekommen. Ich hab noch mehr gekriegt, die kann ich gar nicht alle allein essen. Und deiner Kollegin nebenan hab ich ein paar Blumen mitgebracht, auch von meinen Geschenken. Ich weiß doch, dass ihr im Büro sonst immer vergessen werdet!"
Wow! Danke schön!

Sonntag, 26. August 2012

260 Jahre in Bethanien

Drei der fünf Jubilarinnen warten
auf den Beginn der Messe.
Zusammen sind sie 260 Jahre in Bethanien! Sr. Antonia, Sr. Caritas, Sr. Dominika und Sr. Sabina haben gestern ihr goldenes Ordensjubliäum gefeiert, Sr. Helene sogar ihr Diamantenes.
Endlich geht es los: Zum Fest
mit Kreuzträger und Akolythen



Der Tag fing schon spannend an: wir sind von Zimmer zu Zimmer gegangen und haben die Festlinge mit Gesang geweckt und dem alten Ruf "benedicamus domino, Halleluja!" Die Antwort kam bei allen prompt und sicher (ist ja lang genug geübt, wenn auch in den letzten Jahren nur noch selten): "Deo gratias, Halleluja!"

Jede Jubilarin hatte ihre Kerze
auf dem Altar stehen.
Die Festmesse war um elf Uhr, schon eineinhalb Stunden vorher kamen die ersten Gäste. Die Kirche war natürlich rappelvoll. Für mich ist es immer wieder sehr bewegend, wenn alte Schwestern ihre Gelübde erneuern. Das ist nicht verpflichtend, sondern einfach nur ein schönes Ritual, dass bekräftigt: "Ja, auch nach 50 (60) Jahren bereue ich meine Entscheidung nicht." Genau das haben diese fünf Schwestern getan: sie haben noch einmal ihre Versprechen wiederholt, nach unseren Gelübden zu leben. Ich hoffe, sollte ich jemals mein Goldenes Ordensjubiläum erreichen, dann werde ich auch aus vollem Herzen sagen können, ich würde meine Gelübde jeder Zeit wieder ablegen!

Samstag, 25. August 2012

Jubiläum Drumherum

Eine der Jubilarinnen hatte ihre Schuhe
so schön geputzt, dass eine andere
Schwester das dekorierenswert fand.

Mit den Bildern von der eigentlichen Feier dauert es noch ein bisschen, denn da hat eine andere Schwester fotografiert. Ich habe wieder nur eines von vorher und eins von nachher. Aber ich kann schon verraten: es war ein wunderbares Fest! Sr. Helene ist 60 Jahre in Bethanien, Sr. Dominika, Sr. Caritas, Sr. Sabina und Sr. Antonia jeweils 50 Jahre. Das war schon sehr bewegend, diese fünf zu erleben: ihren Ernst bei der Gelübdeerneuerung - und ihre Freude bei der anschließenden Feier. Mehr darüber morgen. Hier nur noch ein Bild vom Aufräumen.
Sr. Rafaela und Sr. Vera Noel
erzählen beim Aufräumen der Aula
das Märchen vom Rotkäppchen
- synchron auf
tschechisch und koreanisch!

Freitag, 24. August 2012

Große Ereignisse...

Morgen haben wir ein großes Fest: fünffaches Ordensjubiläum! Wir werden an dieser Stelle natürlich noch berichten, aber bevor es fromm wird, haben wir erstmal 'ne Menge Arbeit. Wir erwarten einiges an Gästen und freuen uns darauf und damit nichts schief geht, hat Sr. Katharina, die Priorin, einen genauen Plan ausgetüftelt, wer was wann vorbereitet.
Soweit so gut.
Nur: Das Leben wäre ja furchtbar langweilig, wenn immer alles klappen würde, wie man es plant, nicht wahr? Ich sollte mit Sr. Maria (wie gesagt: bei mir heißen viele Schwestern Maria) zusammen einige Sachen vorbereiten, u.a. Tische schleppen und eindecken. Wir waren beide guten Mutes, bis klar wurde, dass wir keine gemeinsame Zeit dafür finden würden. Immer wenn die eine konnte, hatte die andere Termine!

Zum Glück sind wir ja nicht allein: rasch haben einige andere mit angepackt, u.a. eine unserer Postulantinnen, die extra für das Fest hergekommen ist. Sie ist so engagiert, dass ich mittendrin mal eben die Kamera holen musste. Jetzt ist fast alles fertig, der Rest kommt nach dem Abendessen, wenn das Refektorium gestellt werden kann.