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Sonntag, 13. April 2014

Palmsonntag: Jubel und Schrecken

Heute ist Palmsonntag. Eigentlich erinnern wir uns an den umjubelten Einzug Jesu in Jerusalem.
Aber immer wieder bin ich erschrocken darüber, dass an diesem Tag bereits die ganze Passionsgeschichte gelesen wird. Wir wissen heute schon, was passieren wird. Hat Jesus es auch schon so klar gesehen? Seine Jünger jedenfalls hatten noch in der Nacht der Verhaftung keine Ahnung, da sind sie eingeschlafen! Jesus selber hat mit Sicherheit das Ende kommen sehen. Er hatte sich vorher manchmal dem Zorn der Menge entzogen, wenn sie ihn steinigen wollten. Jetzt ging er bewusst in die Höhle des Löwen. Jetzt würde er die Wechsler aus dem Tempel vertreiben und Klartext reden. Dass das Folgen haben würde, konnte er sich an fünf Fingern ausrechnen, aber die Zeit der Wanderungen über Land war vorbei.
Wie muss es sich angefühlt haben, umjubelt zu werden und gleichzeitig zu ahnen, dass die Stimmung bald umschlagen würde? Daneben die Freunde, die sich freuen, weil sie so begeistert aufgenommen werden, die nichts verstehen, wie sie so oft nichts verstanden haben! Wie einsam muss Jesus in diesem Moment gewesen sein...


Sonntag, 6. April 2014

Misereorsonntag

Heute ist der fünfte Fastensonntag, der Passionssonntag. Die Kollekte geht in den deutschen Bistümern an das Hilfswerk Misereor.
Der Kampf gegen den Hunger braucht uns alle als Verbündete. Wir dürfen nicht achselzuckend hinnehmen, dass alle 5 Sekunden ein Kind an Unterernährung stirbt - 6,5 Mio im Jahr. 

Die diesjährige Fastenaktion stellt Uganda in den Mittelpunkt und die Frage, was unser Lebensstil mit der dortigen Armut zu tun hat. Allmählich dämmert es ja immer mehr Menschen, dass es da einen Zusammenhang gibt, aber die Augen zu öffnen und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten in Frage zu stellen, das erfordert Mut. 
Es ist sicher nicht einfach gegen den Strom zu schwimmen - aber es ist genau das, was Jesus von uns verlangt. Öffnen wir unsere Augen, Ohren und Herzen für unseren Nächsten - ob er nun neben uns in der Kirchenbank sitzt oder in Uganda um die nächste Ernte kämpft.

Sonntag, 30. März 2014

4. Fastensonntag: Freut euch!

Der heutige Sonntag - der vierte in der Fastenzeit oder österlichen Bußzeit - heißt in der Kirche "Laetare", d.h. "Freut euch!" Ostern ist schon in Sicht, daran darf man ruhig schon mal erinnern.
Zu dieser Freude passt ganz hervorragend, was ich heute in der Kirche erlebt habe. Der Priester sammelte die Kinder um das Taufbecken (ein offenes, nicht ein Weihwasserkrug wie auf dem Foto), denn das Thema war Taufe und fragte, was da drin sei. "Wasser." Klarer Fall. "Und wozu braucht man Wasser?" Na, da könnte einem ja jetzt verschiedenes einfallen, nicht wahr? Aber die erste Antwort, wie aus der Pistole geschossen: "zum Taufen!"
Schlaue Kinder wissen ja, was von ihnen erwartet wird, egal, ob sie das jetzt richtig finden oder nicht. Klar könnte man Wasser trinken oder sich damit waschen, darin baden oder damit kochen. Aber in der Kirche antwortet man eben im Zweifelsfall am besten was frommes. Immer wieder gern genommen werden auch: Jesus, Liebe, Freundschaft, teilen, helfen.
Unwillkürlich kommt einem der alte Witz in den Sinn von der Schwester, die im Kindergarten die Kinder fragt: "Was ist das: es hat ein rotbraunes Fell, spitze Ohren, einen buschigen Schwanz und hüpft von Ast zu Ast?" Fritzchen sagt mürrisch: "Also, ich würd ja sagen, es ist ein Eichhörnchen, aber wie ich den Laden hier kenne, war es bestimmt das liebe Jesulein."

Sonntag, 23. März 2014

3. Fastensonntag: vom falschen Fasten

Neulich habe ich eine Predigt über das richtige und das falsche Fasten gehört. Mit Erlaubnis von Pater Manuel OP veröffentliche ich hier einen kleinen Ausschnitt, sozusagen das opening:

"Ein Igel stieß auf einen Garten, prall gefüllt mit herrlichen Früchten. Aber der Garten war von allen Seiten mit stabilem Maschendraht umzäunt. An einer Ecke freilich entdeckte der Igel eine winzige Öffnung. Durch die wollte er eindringen. Allein der mögliche Durchschlupf war zu eng. Da beschloss er, so lange zu fasten, bis er sich hindurch zwängen könne. Es dauerte geraume Zeit und kostete wohl auch einige Anstrengung bis der Igel hinreichend abgespeckt hatte. Endlich im Garten angekommen, schug er sich ein ums andere Mal mit den wunderschön reifen Früchten den Bauch voll - und, wie sollte es anders sein, zügig nahm er zu. Irgendwann sehnte sich der Igel zu seinen Gefährten zurück. Aber als er den Garten verlassen wollte, stand er vor demselbern Problem wie zuvor, als er hinein gewollt hatte: er war zu fett. Erneut war Fasten angesagt. Als er es endlich hinaus geschafft hatte, drehte er sich noch einmal um und sagte: "Garten, Garten! Du bist schön und deine Früchte schmecken herrlich. Nutzen aber hat man von dir nicht, denn hungrig nur kommt man in dich hinein und hungrig nur schafft man es wieder heraus!" 
Und die Moral von der Geschicht'? - Falsches Fasten lohnt sich nicht!"

Was richtiges Fasten ist, kann man nachlesen in der Bibel, beim Propheten Jesaja, Kapitel 58 - oder demnächst in diesem Blog.

Sonntag, 16. März 2014

2. Fastensonntag: Aufbruch

Am heutigen zweiten Fastensonntag lesen wir aus dem Buch Genesis: Abraham wird von Gott gerufen. Er soll aus seiner Heimat aufbrechen und in ein Land gehen, das er nicht kennt.
Obwohl diese Lesung mir so vertraut ist, hat sie mich diesmal doch sehr getroffen, denn wir sind gerade im Umzug. Natürlich ist unser Aufbruch im Vergleich zu dem Abrahams winzig, aber immerhin. Abraham war schon alt, das wird in der Bibel extra betont - und das sind viele meiner Schwestern auch. Die meisten kommen gut damit klar, einmal alles ein- und wieder auszupacken. Aber für ein paar ist es auch eine echte Herausforderung. Alles kriegt einen neuen Ort, nichts ist mehr, wie es vorher war. Das kann schon verwirrend sein. Und anstrengend.
Plötzlich wird so richtig deutlich, wie groß die Zumutung Gottes war, als er Abraham rief.
Ist Gott also ein harter, rücksichtsloser Gott? Ich denke nein. Ich glaube, er kennt nur unser Potential (manchmal besser als wir) und lässt uns so lange nicht ruhen, wie wir hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben. 
Überfordern will er uns aber nicht, deshalb hat er uns ja u.a. den Ruhetag gegeben. Einen erholsamen Sonntag!

Sonntag, 9. März 2014

1. Fastensonntag: Anspannen - entspannen

Festtage sind keine Fastentage
Diesen Satz habe ich schon als Kind gelernt und je ernster ich das Fasten nehme, desto wichtiger wird er mir. Früher klang das fast schon wie ein Scherz, wie eine Ausrede: "Wir schlagen der strengen Kirche ein Schnippchen!"
Heute sind die Pausen in der Fastenzeit für mich notwendig, um meine Vorsätze dann wieder mit Freude und (meistens auch) Leichtigkeit durchhalten zu können.
Etwas anderes ist natürlich das Heilfasten, das hat sein eigenes Timing und seine eigenen Regeln. Wenn man da einen Tag aussetzt, macht man sich den Effekt kaputt und bekommt erst recht Hunger. Ich habe in manchen Jahren die Fastenzeit mit einer Woche Heilfasten begonnen, eine wertvolle Erfahrung.
Aber die ganze Fastenzeit nutze ich anders. Sie dient mir nicht zur körperlichen Entschlackung. Wichtiger ist mir inzwischen die Überprüfung und Korrektur schlechter Gewohnheiten. Und wenn man sich etwas versagt, was einem lieb geworden ist, kann es eben sehr ermutigend sein, wenn der Zeitraum überschaubar ist. In diesem Sinne: einen entspannten Sonntag!

Sonntag, 10. März 2013

Wunscherfüller, die Erste

Wenn ich durch Roermond nach Waldniel fahre, muss ich 9 Ampeln passieren, und die Schwestern wissen, wie sehr es mich ärgert, wenn ich an manchen Tagen an mindestens 7 davon bei Rot halten muss, weil die Nebenstraßen immer Vorfahrt haben! Manchmal hadere ich dann mit Gott, der meine Fahrt auf diese Weise ausbremst und immer wieder unterbricht, so dass ich nicht so schnell vorwärts komme, wie ich geplant hatte. Dann muss ich über mich selbst lachen. Denn was ist das für ein Gottesbild, wenn ich mir Gott nur als Wunscherfüller vorstellen kann, der dafür sorgt, dass alle Ampeln in meine Richtung Grün haben!
Diese Fahrt durch Roermond hat mich viel gelehrt. Auch wenn ich die Richtung kenne, heißt das nicht, dass ich mein Ziel ohne Unterbrechungen und Störungen erreichen kann. Es sind die „Nebenstraßen“, die unerwarteten Ereignisse, es sind die Menschen, die meinen Weg von Links oder Rechts kreuzen und mich dazu bringen, langsamer zu werden und meine Aufmerksamkeit zumindest zeitweise auf etwas anderes zu lenken als mein Ziel. Ich darf nur nicht aus dem Blick verlieren, wohin ich unterwegs bin!
So ist es wohl in jedem menschlichen Leben; Sie alle werden diese Erfahrung kennen.
Die Fastenzeit kann uns helfen, das Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren! Wir sind unterwegs nach Ostern, zum Fest der Auferstehung und neuen Lebens. Immer wieder werden wir von diesem Ziel abgelenkt, durch die vielen „Nebenstraßen“, die unser Leben kreuzen und uns oft genug auch das Glauben schwer machen. Nicht zuletzt ist es auch das persönliche Leiden, aneinander und am eigenen Leben, das die Ampel auf „Rot“ springen lässt. Aber Gott ist keine „Versicherung gegen Schicksalsschläge“. Mag Sein Wille auch oft unergründlich für uns sein, mag die Ampel auch noch so oft auf „Rot“ springen – behalten wir das Ziel vor Augen: die Begegnung mit dem lebendigen und Leben schaffenden Gott, der für uns gelitten hat, gestorben und auferstanden ist.
Ich wünsche Ihnen allen noch eine gute Fastenzeit!

Sr. Sara, Generalpriorin

Sonntag, 3. März 2013

Kreuz ist nicht schön....

Von Freitag auf Samstag war ich auf einer Tagung, die sich mit Vereinssachen auseinandersetzte.
Ich habe die Gelegenheit genutzt, um in der freien Zeit die Kirche anzusehen. Eine Kirche, die sehr oft von Jugendlichen genutzt wird.
Dort hing ein Kreuz, dass ich mir eine Zeit lang angesehen habe.

Ich dachte:
Das Kreuz ist schön, kreativ gestaltet und modern.
Im selben Moment kam dann in mir hoch:
Das Kreuz ist nicht schön!
Dennoch müssen wir alle unser Kreuz tragen.
Heute werde ich das erste Mal alleine Patienten im Krankenhaus die Kommunion bringen. 
Viele sind sehr krank, sogar sterbenskrank.
Als ich die ersten Male, gemeinsam mit dem Pastoralreferenten, die Kranken besuchte, fehlten mir oft die Worte.
Ich durfte bei den begleiteten Besuchen erleben, wie diese Patienten ihr Kreuz schulterten, im Blick auf Gott.
Mit Angst und Hoffnung auf das, was für sie in den nächten Tagen und Wochen, vielleicht Monaten auf sie zu kommt.
Ich habe Menschen erlebt, die Ihren Glauben leben und ein Glaubenszeugnis geben, das ansteckt und mich fragen lässt, wer hier wem einen Dienst erweist.
Es ist nicht immer leicht, so klar seinen Glauben zu leben, gerade wenn man weiß, dass man sich in einer Umgebung befindet, die der Kirche sehr kritisch gegenüber steht.
Dennoch haben sich viele Mitpatienten anstecken lassen und mitgebetet, haben das Kreuz des anderen ein wenig mitgetragen und auf ihre Weise Hoffnung gegeben.
So hoffe ich, dass auch ich heute mit den Patienten ein Stück ihres Weges gehen kann, im Vertrauen darauf, dass Gott unser Kreuz tagtäglich mitträgt.

Samstag, 23. Februar 2013

2.Fastensonntag: Wer Ohren hat.....

Vor ein paar Tagen habe ich gemeinsam mit einer Laienschwester einen Gottesdienst gestaltet.
Thema war: „Vater Unser“
In einer Meditation zu dem Gebet hatte jede/r die Möglichkeit, sich mit den unterschiedlichen Teilen des Gebetes  auseinander zu setzen.
Mir kam immer wieder in den Sinn, dass wir, oft mehrmals am Tag,  dieses Gebet sprechen: Mehr und mehr rückte in dieser Meditation für mich der Satz „Dein Wille Geschehe“  in den Vordergrund.

Heute im Sonntagesevangelium höre ich dann:
Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“
Hmmm.
Das scheint für mich dann wohl ein Thema der Fastenzeit zu werden……

Hinhören.

Hören auf die Stimme Gottes in mir und herausfinden was gut für mich ist.
Herausfinden, wie sehr ich bereit bin, das Wort Gottes zu hören.
Meinen Widerstand, meine Sturheit und meine Trägheit überwinden und mich, vertrauensvoll, auf das, was Gott mir zu sagen hat, einlassen.

Fragen neu zu klären, die da heißen:
Was will ich?
Was will Gott von mir?
Will ich das, was Gott von mir will?
Will Gott etwas von mir?
Und….
Was ist mein ureigenster Wunsch, im Hinblick auf meine Gottesbeziehung?

Da gibt’s also noch Arbeit.
Allen einen schönen Sonntag!

Sonntag, 17. Februar 2013

1. Fastensonntag

Sonntage sind keine Fastentage! Das habe ich schon als Kind gelernt. Mir war diese Regel immer wichtig, denn sie zeigt mir etwas von der Menschenfreundlichkeit unseres Gottes. Ja, Fasten ist gut und bringt uns Gott näher, aber der Sonntag ist ein heiliger Tag. Er ist sowieso Gott geweiht, er ist Gottes Geschenk an uns. 
Die katholische Kirche kennt eine ganze Reihe von Fastengeboten - und mindestens ebenso viele Ausnahmen davon. Heutzutage gehen wir an Ge- und Verbote der Kirche eher rational heran: bringen sie mich Gott näher? Dann ist es gut. Getreu der Weisung Jesu: "Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat."
Deshalb habe ich ein ziemlich entspanntes Verhältnis zum Fasten. Aber ich mag es nicht, wenn Leute eigentlich fasten wollen, aber dann jede Gelegenheit suchen, um doch nicht fasten zu müssen. Man sollte schon klar haben, was man will und sich selber gegenüber ehrlich sein.
Damit bin ich wieder beim Sonntag: Sonntage sind keine Fastentage! Sechs Tage versuche ich, meine Fastenvorsätze durchzuhalten - aber sonntags bin ich meist sehr dankbar für die Pause. Eine große Tasse Kaffee mit Keks! Ah! Da habe ich dann wirklich eine Ahnung von dem biblischen "und Gott ruhte am siebten Tag".