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Freitag, 8. Mai 2015

Der Löwenzahn

Ein Mann suchte Rat bei seiner Nachbarin, die sich mit Pflanzen aller Art auskannte. Er sagte: "Mein Garten ist wirklich gut gepflegt und ich habe viel Freude daran. Aber eines ärgert mich: immer und immer wieder steht Löwenzahn auf der Wiese. Ich habe ihn ausgerissen, ich habe sogar Gift gesprüht, ich habe alles versucht, er kommt immer wieder. Kannst Du mir nicht sagen, wie ich ihn wegbekomme?"
Die Frau hörte sich das an, überlegte einen Moment und antwortete dann bedächtig: "Wenn Du wirklich alles versucht hast und er trotzdem immer wieder kommt, dann..." "Ja?" "...dann musst du eben anfangen, Deinen Löwenzahn zu lieben."

Ich weiß leider nicht, von wem diese wunderbare Geschichte ist, aber ich sehe in ihr eine tiefe Wahrheit und Aussage über unser Inneres. Jede/r von uns hat etwas "Löwenzahn" in sich, d.h. irgendeine Macke, eine Schwäche, eine Verletzung, die er oder sie gerne loswerden würde. Viele Leute denken darüber nicht so gerne nach. Sie kümmern sich lieber um die Bäume, Büsche und Beete ihres Gartens, legen immer mehr an und lassen die Wiese verwildern - dann sieht man den Löwenzahn nicht so. Man kann sich ja auch prima ablenken, mit Musik und Fernsehen, mit Arbeit und täglichen Pflichten. Nur nicht nachdenken. 
Wer seinen Garten sorgfältig pflegt und nicht nur rumhetzt, dem fällt der Löwenzahn schon eher auf. Manches Unkraut kriegt man gejätet, und es ist wichtig, dass wir das tun. Unsere Psyche (oder Seele) ist viel zu kostbar als dass wir sie verwildern lassen dürften! Aber manches "Unkraut" bleibt eben. Selbst wenn man professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, wird man nicht zum perfekten Menschen - den gibt es nämlich nicht. Jeder von uns ist fehlerhaft, jeder unserer "Gärten" hat seinen Löwenzahn oder seinen Maulwurf oder einen anderen Schönheitsfehler. Eine Weile kämpfen wir dagegen an, aber dann müssen wir uns damit anfreunden, dass wir sind wie wir sind, sonst kämpfen wir gegen uns selber und finden keinen Frieden.

Montag, 2. September 2013

Novene, 6. Tag

aus einem Brief von Pater Lataste an eine Dame, undatiert:

Wenn Gottes Barmherzigkeit sich nicht über unsere Seelen erbarmt und uns erleuchtet hätte, wären wir dann nicht alle mehr oder weniger gefallen, vielleicht noch tiefer als die anderen?

Sonntag, 1. September 2013

Novene, 5. Tag


aus einem Brief von Pater Lataste an Mutter Stifterin, undatiert:

Ich sähe es lieber, dass ihr, anstatt für unser Werk und die Seelen zu arbeiten und dadurch für Gott, an eurer eigenen Heiligung arbeiten würdet mit dem einen Ziel: Gott zu gefallen und mit ihm immer inniger, stärker und tiefer vereinigt zu sein.
Der Rest: das Heil der Seelen und das Werk sind eine notwendige Folge. Gott ist unser erstes Ziel und die Seelen nur um seinetwillen.

Samstag, 31. August 2013

Novene, 4. Tag

aus einem Brief von Pater Lataste an die Schwestern, 2. Juni 1868:

Vergesset nie, dass die Arbeit nur ein Mittel ist um eure Tage zu heiligen, aber nicht das Ziel. Man kann auch von unzureichenden Verdiensten leben, denn die Vorsehung wacht und verlässt die gottgeweihten Seelen nie. Aber mit einem Zuwenig an religiösem Leben ist alles verloren.
Wenn die Seelen ihre Nahrung und ihren Unterhalt entbehren, werden sie bald entmutigt sein, weil sie unterernährt sind. Ihr seid keine besoldeten Dienstmägde, sondern die Bräute Jesu Christi und darum frei, in der Freiheit der Kinder Gottes.

Montag, 15. Juli 2013

Auf zu neuen Ufern - Versetzung per Schiff

Als ich Dominikanerin wurde, wusste ich, dass ich dem Orden der WanderpredigerInnen beitrete, aber dass ich so oft zu neuen Ufern aufbrechen würde, hätte ich nicht gedacht.
Und jetzt war es wieder einmal so weit. Ich wurde nach Lettland versetzt, genauer gesagt in unsere Gemeinschaft in Riga. 
Ich durfte schon einmal 1 1/2 Jahre in dieser Gemeinschaft leben und habe mich daher sehr darauf gefreut, nach Lettland zurück zu kehren.
Mittlerweile weiß ich, dass ich meiner Seele Zeit geben muss, um bei einer Versetzung mitzukommen. Wenn ich das nicht mache, dann werde ich auch für andere ungenießbar. Alle und alles, was ich zurücklasse, bleibt dann zwischen mir und den Menschen ,zu denen ich gesandt bin. 
Damit ich auch innerlich mitkommen konnte, hieß es diesmal:
"Leinen los!" 
Mit dem Schiff nach Riga, naja eigentlich ging es mit dem Schiff nach Litauen und dann mit dem vollgepackten Auto weiter bis Riga. Es war meine erste längere Schiffsreise (etwa 24 Stunden) und ich habe auch direkt etwas geboten bekommen. In der Nacht wurde der Seegang stärker und beim Frühstück waren deutlich weniger Menschen als beim Abendessen. Eine meiner zwei Begleiterinnen und ich haben richtige Wackelbeine bekommen, die dritte im Bunde war da eindeutig seetauglicher.
Nun bin ich sicher an Land gegangen und mit Leib und Seele angekommen. Die Kisten sind ausgepackt und die Gemeinschaft hier ist nun vier Schwestern stark.
Ich bin gespannt, was Gott mit uns vor hat.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Mutter Stifterin

Heute feiern wir das Fest unserer Stifterin, Mutter Henri Dominique (1822-1907). Hier ein Zitat von ihr, geschrieben anlässlich einer Visitation:
Was tun wir eigentlich in der Gegenwart des Allerheiligsten? Jesus scheint uns zu sagen: Sprich, was willst du? ... Und doch, wie oft überhört unsere Seele seine Stimme! Kalt kommen wir zur Anbetung, mit leeren Händen verlassen wir die Kapelle und wir erlangen nichts, weil wir nicht verstehen, etwas zu verlangen. Wo ist das Hindernis? Wir sind es, unser Egoismus, der sich über eine Bemerkung, eine scheinbare Kälte, über Fragen verletzter Eigenliebe grämt: man beschäftigt sich mit seiner Gesundheit, mit den eigenen Interessen und lässt die Interessen Gottes beiseite. Oh, nicht dafür hat Gott uns in seinen Diest genommen. Er will treue Seelen, die ihm ihr ganzes Leben weihen und die er jederzeit überfallen kann ...

Mittwoch, 12. September 2012

Wie ein kleines Kind...

Neulich im Zug saß ich neben einer jungen Familie. Die Eltern waren so liebevoll mit den beiden Kleinen, es war richtig schön anzusehen. Doch trotz aller Liebe und Kreativität war die Reise für Lutz und Lilo einfach anstrengend. Vor allem die Kleine war offensichtlich völlig übermüdet, konnte aber nicht schlafen. Sie fing an zu quengeln und schließlich zu weinen.
Ich mag Kinder! Babies wie Lilo sind einfach nur süß und Kinder allgemein sind toll, wahrscheinlich die beste Erfindung Gottes überhaupt. Aber zwei Stunden lang neben einem weinenden und manchmal brüllenden Säugling zu sitzen - das zehrt schon an den Nerven.
Nur hin und wieder ließ sich Lilo beruhigen, so dass alle ringsum aufatmen konnten: das war immer dann, wenn es ihrer Mutter gelang, sie an ihre Brust zu legen. Dann war sie sehr bald zufrieden und still - wenigstens für einige Zeit.
Dabei kam mir ein Psalm in Erinnerung, der 131.: "Ich ließ meine Seele ruhig werden und still. Wie ein kleines Kind bei der Mutter, so ist meine Seele still bei Gott."
Manchmal geht es mir wie der kleinen Lilo: Ich hopse glücklich durch mein Leben, bis ich irgendwann quengelig werde. Irgendwas fehlt, aber ich weiß selber nicht, was. Ich habe Nahrung, Kleidung, Wohnung, freundliche Menschen um mich. Warum quengele ich?
Dann erinnere ich mich daran, woher ich komme. Ich bringe mich selber und meine Unzufriedenheit vor Gott und merke: Er lässt mich zur Ruhe kommen. Bei Ihm wird meine Seele still und ich kann wieder durchatmen.