In Dresden gehen Tausende PEGIDA-Anhänger auf die Straße, um zu demonstrieren. Aber auf die Frage "Wohin des Wegs?" gibt PEGIDA erst mal keine Antwort. Sie sagen vor allem, wohin sie NICHT wollen. Sie wollen nicht in ein islamisiertes Europa.
Nun könnte man einwenden, dass der Anteil der Moslems in Sachsen (laut Rheinischer Post) ganze 0,1% beträgt. Unter uns: ich fürchte mich nicht vor einer Islamisierung Dresdens. Aber sei's drum.
Diese Patrioten Europas sind also gegen eine Islamisierung des Abendlandes, das muss man ernst nehmen. Ich halte mich auch für eine Patriotin, ich bin sehr gerne Deutsche (das weiß ich vor allem, seit ich mal ein paar Jahre im Ausland gelebt habe), und ich möchte nichts anderes sein als Europäerin. Ich will auch nicht, dass das Abendland islamisiert wird (was auch immer das konkret heißen soll, es klingt jedenfalls nicht gut).
Trotzdem würde ich mich niemals einer PEGIDA-Demo anschließen. Warum nicht? Weil die nicht wissen, wohin sie wollen!
Liebe PEGIDAs!
Wisst ihr, was ich glaube? Ihr merkt, dass das Abendland den Bach runter geht. Das macht euch Angst. Und damit habt ihr verdammt recht.
Aber es ist nicht irgendein Abendland, dass sich da auflöst, es ist das christliche Abendland. Den Ausdruck verwendet ihr schon gar nicht mehr, und damit tragt ihr selber zu dem bei, was ihr verhindern wollt. Es ist nämlich nicht der böse Islam, der das arme Abendland bedroht. Wir selber sind es, die wir unsere kulturelle Identität einfach zum Fenster rauswerfen.

Wir machen aus Weihnachtsmärkten Wintermärkte. Wir haben schon lange den Bischof Nikolaus (eine historische Figur, die uns ein Vorbild in Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft war) durch eine Coca-Cola-Werbefigur ersetzt, die eine Erfindung zur Steigerung des Konsums ist und in immer absurderer Form durch unsere Städte turnt. Unsere Martinsumzüge machen wir zu Lichterfesten - aber nicht, weil die bösen Moslems uns dazu zwingen. Die finden den Heiligen Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt, oft toll. Schließlich gilt es auch in ihrer Kultur als hoher Wert, Bedürftigen zu helfen. Nein, es sind ganz normale Deutsche, die all das Christliche irgendwie aufdringlich finden und meinen, man sollte das doch besser ein bisschen neutralisieren.
Kann man machen. Man kann unsere gesamte Kultur entchristlichen. Übrig bleibt dann McDonalds, "Geiz ist geil", die Banken, seichte Fernsehserien - und eine Bevölkerungsminderheit, Juden, Moslems und Christen, die sich ihren Glauben zum großen Ärger der anderen einfach nicht austreiben lassen. Diese Christen sind dann einfach nur noch Spinner, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Gegen die Juden darf man ja nix mehr sagen. Aber die Moslems - ja, das sind böse Eindringlinge, die uns unser europäisches Abendland kauputtmachen wollen.
Liebe PEGIDAs,
nehmt's mir nicht übel, aber vielleicht solltet ihr erstmal überlegen, wo ihr hin wollt. Und wenn euer Ziel die Rettung des Abendlandes ist, dann braucht ihr nicht gegen den Islam zu kämpfen. Dann legt euch lieber mit den Typen an, die nicht mehr wissen, was wir an Weihnachten und Ostern eigentlich feiern. Kämpft doch mal gegen die Kulturvergessenheit der Deutschen! Bringt uns unsere kulturelle Identität in Erinnerung. Da wäre ich sofort dabei.
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