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Samstag, 20. Juni 2015

Normal

Heute hatte ich im Kölner Priesterseminar zu tun. Als ich anschließend meinen Wagen wieder von dem Grundstück runter auf die Kardinal-Frings-Straße Richtung Heimat fuhr, kam mir ein Fußgänger entgegen. "Armer Kerl, so müde und abgekämpft, wie Du aussiehst, hast Du heute bestimmt schon einiges hinter Dir" dachte ich so, da merkte ich, dass er mein Nummernschild scannte. Er wollte wohl wissen, ob er die Schwester, die da aus dem Priesterseminar kam, kennen musste. Auch ich sah mir jetzt das Gesicht an. Mmh, kam mir irgendwie bekannt vor! Und dann passierte etwas Komisches: mein Gehirn schickte mir einen Namen zu dem Gesicht, bestätigte ihn und geriet dann in Verwirrung. Der Name war Woelki, und mein Gehirn beharrte darauf, dass der zu dem Gesicht gehört. Aber eine andere Abteilung meines Gehirns widersprach: "Zu 'Woelki' gehört aber auch 'Kardinal' und Kardinäle schleppen sich nicht müde zu Fuß durch Köln!"
Natürlich hat diese Verwirrung tatsächlich nur etwa eine Sekunde angedauert. Es ist ja bekannt, dass Kardinal Woelki anders lebt, normaler, bescheidener. Natürlich passt dazu, dass er zu Fuß geht! Und dass er am Ende der Woche müde ist (war nicht gerade erst gestern abend diese riesige Flüchtlingsgedenkfeier auf dem Roncalliplatz? Ja klar!), das wundert mich nicht wirklich.  
Rainer Maria Kardinal Woelki
Foto: Erzbistum Berlin
Trotzdem ist mir seither dieses Bild nicht aus dem Kopf gegangen. Ich finde es ja gut, dass Rainer Maria Woelki so normal wie möglich leben möchte. Nein, das ist zu schwach. Ich habe großen Respekt davor! 
Ich frage mich nur, wie er das durchhalten will. Er führt halt kein normales Leben, denn er hat ja keinen normalen Beruf. Ich meine damit nicht, dass er aufgrund der besonderen Weihe besondere Privilegien beanspruchen müsste oder so etwas. Solche Gedanken sind mir fremd. Mir geht es schlicht und einfach um das Arbeitspensum. Kardinal von Köln, das macht man nicht nebenbei. 
Und so hoffe ich, Kardinal Woelki nimmt genug Hilfe in seinem Alltag an, dass er noch lange für die Menschen in seinem Bistum da sein kann. Und uns Gläubigen wünsche ich immer mehr Bischöfe, die möglichst normal und nah bei den Menschen sein möchten. Back to the roots!

Dienstag, 15. Juli 2014

Demokratie auf anglikanisch

Jetzt haben sie es also endlich geschafft: mit 351 Ja- zu 72 Nein-Stimmen hat die anglikanische Kirche von England Frauen auch zum Bischofsamt zugelassen (bei 10 Enthaltungen).
Bildquelle: de.radiovaticana.va
Priesterinnen haben sie schon lange. Und interessanterweise gibt es in vielen anderen anglikanischen Kirchen (USA, Australien, Neuseeland, Kanada) teilweise schon seit den 80er Jahren auch schon Bischöfinnen. Kein Wunder also, dass in England manche ungeduldig wurden. (Andere anglikanische Kirchen der Welt haben noch nicht einmal Priesterinnen, aber das nur in Klammern.)
Ich persönlich bin da leidenschaftslos. Ich bin ja katholisch, es ist also nicht mein Problem. Allerdings scheint es mir logisch, dass man Frauen, wenn man sie schon zum Priestertum zulässt, dann auch die höheren Weihen ermöglicht, nicht nur die niederen. Aber wie gesagt: ich betrachte das aus der Distanz.
Weshalb ich trotzdem darüber schreibe?
Weil mich eine Sache daran dann doch aufregt.
Da wird über diese Frage abgestimmt. Auf einer Synode. Es gibt drei Kammern, die stimmberechtigt sind: Die Geistlichen inklusive Bischöfe, die Vertreter der 44 Diözesen und die Laien. Das finde ich demokratisch im echten Wortsinn: Das Kirchenvolk wählt seine Abgesandten und die bestimmen stellvertretend über die wichtigen Fragen. Ist es nicht genau das, was in der katholischen Kirche oft vermisst wird? Wie sehr wünschen wir uns, dass bei uns mal gefragt würde, ob das Kirchenvolk Priesterinnen haben möchte oder ob die Priester eigentlich noch den Pflichtzölibat wollen. Keine Chance: die katholische Kirche ist eben nicht demokratisch organisiert. Mit Blick auf die Anglikaner in England könnte man also schon ein bisschen neidisch werden, die sind uns echt voraus...
2012, also gerade mal vor zwei Jahren, waren bei denen die Geistlichen und 42 der 44 Diözesen für die Zulassung der Frauen zum Bischofsamt. Interessanterweise waren ausgerechnet die Laien dagegen. Wenn auch mit knapper Mehrheit. Damit war das Ganze abgelehnt. Mehrheit ist Mehrheit, auch wenn sie knapp ist und von den Laien kommt. Das ist eben Demokratie.
Das schmeckt uns aufgeklärten, modernen Menschen natürlich nicht. Wie kann man Frauen eine Entwicklungsmöglichkeit und ein höheres Amt vorenthalten?! Das ist doch mittelalterlich!!! Damit machen wir uns lächerlich vor der Welt!!! - solche Kommentare gab es von Seiten der anglikanischen Bischöfe damals und heute.
Was ist da zu tun?
Ganz einfach: wir wiederholen die Abstimmung, falls nötig so lange, bis uns das Ergebnis gefällt. Zwei Jahre später, 2014, haben sie dann alle Abweichler überzeugt und die Synode bringt das gewünschte Ergebnis. 
Plötzlich schwindet mein Respekt vor der anglikanischen Kirche und ihrer demokratischen Verfasstheit. Ja, das Kirchenvolk darf mitbestimmen. Aber nur, solange es das will, was die Bischöfe wollen und solange es in den Zeitgeist passt. Wenn das Volk konservativer ist als die Geistlichen, wenn das Volk die Modernisierung der Kirche bremst, dann wird eben nachgeholfen. Manchmal muss man die Menschen eben zu ihrem Glück zwingen. Offenbar auch in einer Demokratie. Haben uns die Anglikaner wirklich etwas voraus? Ich bin mir nicht mehr so sicher...

Montag, 2. Juni 2014

Noch eine Frage, Herr Bischof...

Also, lieber Herr Bischof Voderholzer, Ihr Impulsreferat am vergangenen Samstag auf dem Katholikentag in Regensburg, genauer gesagt im Kolpinghaus, das fand ich sehr eindrucksvoll. Wirklich. Das Zweite Vatikanische Konzil betont die Würde der Laien in besonderer Weise und stellt heraus, wie unverzichtbar sie für uns und den Aufbau des Reiches Gottes sind. Sie haben das Konzilsdekret "Lumen Gentium" zitiert, ich liebe diesen Text.
Aber dann schloss sich eine Podiumsdiskussion an, sehr interessant, leider zu kurz. Und da wurde mir klar, dass Sie zwar finden, die Laien hätten eine wichtige und unverzichtbare Rolle in der Welt, dass Sie aber damit noch keine Aussagen über die Rolle der Laien in der Kirche machen.
Ich hatte eine Frage aufgeschrieben, die der Anwalt des Publikums leider nicht mehr vorgetragen hat, jetzt möchte ich Sie Ihnen noch nachträglich stellen: Sie haben gesagt, dass das Zweite Vatikanum keine Klerikalisierung der Laien wollte und keine Laisierung des Klerus. Es sollten sich nicht "alle im Altarraum auf die Füße treten". Das ist sicher richtig und ich bin damit auch völlig einverstanden. Nur kenne ich Kirchen, da tritt der Laie keinem Priester auf die Füße, denn er ist im Altarraum völlig alleine. Dieses Thema kam am Samstag leider zu kurz. Daher meine Frage:
Was würden Sie einer Gemeinde sagen, in der routinemäßig Laien die Beerdigungen vornehmen, weil die wenigen Priester von einer Messe zur anderen hetzen und auch sonst völlig überlastet sind? 
Was würden Sie den Bewohnern des Altenheimes sagen, die am Sonntag schon lange keine Messe mehr haben, aber sehr zufrieden mit den Wortgottesfeiern sind, die alle 14 Tage stattfinden?
Was würden Sie den Männern und Frauen sagen, die sich als Tauf-, Kommunion- oder Firmkatecheten engagieren? Sie haben in Ihrem Referat von der Bedeutung der Religionslehrer an den Schulen gesprochen und wie nötig die Kompetenz der Laien dort sei - und was ist mit dieser Glaubensweitergabe innerhalb unserer Kirchen und Gemeindezentren?
So könnte ich noch mehr Beispiele bringen, aber ich denke, meine Frage ist deutlich: Ja, wir brauchen die Laien und ihre Kompetenz zum Aufbau des Reiches Gottes, unbedingt! Es fragt sich nur, welche Kompetenzen die Laien schon haben, noch erwerben können, von der Amtskirche zugestanden bekommen - und ob manche Amtsträger mit ihren Ansichten nicht längst von der Realität überholt wurden.
Für eine Antwort wäre ich ausgesprochen dankbar, mit freundlichen Grüßen, Sr. Barbara.

Dienstag, 20. Mai 2014

Die 100jährige geht auf die Reise...

Da lehnen wir also im Fenster mit unsern 100 Jahren und simmelieren (Konrad Beikircher) über die Welt, die draußen vorbeihastet. Ne, als wir geboren wurden, da waren die Leute noch nicht so hektisch! Keine Handies, keine Computer, kein Fernsehen - sogar Telefon gab es nur selten.
Wenn man auf Reisen ging, dann konnte man nicht schon von der übernächsten Ampel aus zu Hause anrufen und sagen, dass man vergessen hat, das Bügeleisen auszumachen. Ne, ne...
Als wir damals auf Reisen gingen, da war das ein Abschied fürs Leben. Und das war so:
Das Kloster der Dominikanerinnen
in Montferrand
Eigentlich kommen wir nämlich aus Frankreich. 1866 hatte der fanzösische Dominikaner Jean Joseph Lataste in Montferrand eine kleine Ordensgemeinschaft gegründet: die Dominikanerinnen von Bethanien. Das ist eine andere Geschichte, auch ziemlich spannend, aber sie soll ein anderes Mal erzählt werden. 
Jedenfalls wuchs die Gemeinschaft in Montferrand und bald kamen auch einige deutsche Schwestern dazu. Das ging auch ganz prima, aber dann kam das Jahr 1914 und wie ihr alle wisst, hatte Deutschland da plötzlich die Idee, einen Krieg zu starten. Keine gute Rahmenbedingung für Deutsche, die im Ausland lebten. Also machten sich 13 junge Schwestern auf den Weg, verließen fluchtartig das Kloster in Montferrand und versuchten, in ihre Heimat Deutschland zu gelangen.
Im Garten von Montferrand:
Der heilige Josef
- Schutzpatron Bethaniens -
mit dem 5jährigen Jesus
Im niederländischen Venlo hatte die Gemeinschaft schon ein Grundstück, da machten sie eine Pause. Statt noch die letzte Grenze zu nehmen, richteten sie sich im sogenannten "Kleinen Häuschen" ein. Diese erste Zeit war keine "gute, alte", sondern einfach nur arm und hart.
Trotzdem dachte eigentlich niemand an eine Trennung von den Schwestern in Montferrand, aber der Krieg dauerte und dauerte... und wie gesagt: es gab weder Handies noch Skype! Der Bischof von Roermond kümmerte sich um die jungen Frauen. Schließlich half er ihnen, eine eigene, bischöfliche Kongregation zu gründen. Das sind wir, die Dominikanerinnen von Bethanien von Venlo. 
Immer noch war unser Leben dem der Schwestern in Montferrand sehr ähnlich. Die Gebetszeiten, sogar die Gestaltung der Gebäude und des Gartens (inklusive der Statue vom Hl. Josef mit dem 5jährigen Jesus) - alles sollte so sein wie zu Hause. Aber mit der Zeit drifteten wir auseinander. 
Daran hat der hilfreiche Bischof seinen Anteil - aber das erzählen wir beim nächsten Mal...

Montag, 24. März 2014

Freude des Evangeliums: der Bischof

In der Enzyklika "Die Freude des Evangeliums" von Papst Franziskus sind wir in Kapitel 1 "Die missionarische Umgestaltung der Kirche", Abschnitt II "Seelsorge in Neuausrichtung":
31. Der Bischof muss immer das missionarische Miteinander in seiner Diözese fördern, indem er das Ideal der ersten christlichen Gemeinden verfolgt, in denen die Gläubigen ein Herz und eine Seele waren (vgl. Apg 4,32). Darum wird er sich bisweilen an die Spitze stellen, um den Weg anzuzeigen und die Hoffnung des Volkes aufrecht zu erhalten, andere Male wird er einfach inmitten aller sein mit seiner schlichten und barmherzigen Nähe, und bei einigen Gelegenheiten wird er hinter dem Volk hergehen, um denen zu helfen, die zurückgeblieben sind, und – vor allem – weil die Herde selbst ihren Spürsinn besitzt, um neue Wege zu finden. In seiner Aufgabe, ein dynamisches, offenes und missionarisches Miteinander zu fördern, wird er die Reifung der vom Kodex des Kanonischen Rechts [34] vorgesehenen Mitspracheregelungen sowie anderer Formen des pastoralen Dialogs anregen und suchen, in dem Wunsch, alle anzuhören und nicht nur einige, die ihm Komplimente machen. Doch das Ziel dieser Prozesse der Beteiligung soll nicht vornehmlich die kirchliche Organisation sein, sondern der missionarische Traum, alle zu erreichen.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Bischöfliche Kleideranprobe

Trara!
Okay, vielleicht noch
ein bisschen zu groß...
 
Nun kann ich endlich auch noch ein bisschen erzählen, was Weihbischof Borsch denn eigentlich bei uns gemacht hat. Natürlich haben wir miteinander Messe gefeiert, er hat bei uns Schwestern gefrühstückt und mit uns geredet. Dabei ging es sehr entspannt zu und er hat uns Mut gemacht - naja, nach der nächtlichen Begegnung hat mich das eigentlich nicht mehr überrascht.
Am Nachmittag hat er dann unser Kinderdorf besucht. In einer Kinderdorffamilie hat er den Kindern gezeigt, woraus der Bischofsornat besteht - und das durften die Kinder dann auch gleich mal probieren.
...und jetzt krieg ich
auch noch die Mütze, ja?
Zur Kleideranprobe kam eine Ratestunde: Wieviel Knöpfe hat wohl so eine Soutane? Ganz klar: 33 - und wieso? Na, weil Jesus 33 Jahre alt geworden ist. Da blieb sogar manchem Erwachsenen der Mund offen: Wir wussten gar nicht, was unsere Kinder alles wissen!
Umgekehrt waren die Kinder ebenfalls sehr beeindruckt, dass auch der Bischof eine ganze Menge wusste. Er kannte sogar die Geschichte von Jesus und Zachäus, die in der Messe dran gewesen war! Und er konnte erklären, warum der Bischof so eine komische Mütze trägt und noch so manches mehr.
Zum Schluss meinte einer der Jungen, eigentlich könnte der Bischof doch jetzt jede Woche kommen. Leider haben wir vergessen, ihn danach zu fragen. Jetzt müssen wir wohl auf die nächste reguläre Visitation warten. Schade.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Runtergefahren

Arbeiten Sie viel am Computer? Dann ist Ihnen vielleicht auch schon mal der Vergleich in den Sinn gekommen, dass der Mensch genauso "runterfährt" wie sein Rechner.
Bei mir jedenfalls ist das so: Wenn ich abends noch länger arbeiten muss, dann brauche ich anschließend eine ganze Weile, um von "volle Leistung" in den Ruhemodus umzuschalten. Dazu gehört das Aufräumen des Schreibtischs, das Runterfahren des PCs, Fenster schließen und Licht ausmachen im Büro. Auf dem Weg durchs Treppenhaus und rüber zum Schwesternhaus bin ich dann schon wesentlich ruhiger. Auch hier gibt es noch Lichter zu löschen und Türen ab- und aufzuschließen, aber das passiert alles mehr oder weniger automatisch: ich bin schon auf "standby".
In diesem Moment sollte man mich besser nicht mehr stören. Ich bin dann einfach nicht mehr so recht zu sozialen Aktionen fähig, nicht mehr flexibel und schon deutlich in den Reaktionen verlangsamt.
Wieso erzähle ich das? Vorgestern kam ich in diesem standby-Modus die Treppe des Haupthauses runter, 22:00, schon alles dunkel. Plötzlich höre ich Stimmen. Männerstimmen. Mein armes, verlangsamtes, schon halb schlafendes Gehirn begann mühsam einen Sicherheitscheck: Einbrecher? - Zu laut. Mitarbeiter vom Kinderdorf? - Zu spät. Private Gäste? - Mir sagt wieder keiner was! Offizielle Gäste? - Mmh? Moment! Da war doch was! Ich weiß... ich weiß... wer... das... ist...
In dem Moment stand ich zwei freundlichen Herren ganz in Schwarz gegenüber. "Guten Abend! Sie sind Schwester...?" "Barbara." Das kann mein Gehirn auch im Tiefschlaf. Und dann hat mein Gehirn aus den Tiefen seiner demokratisch-bürgerlichen Erziehung etwas hervorgekramt, das ich ihm nicht so schnell verzeihen werde. Ich habe nämlich gelernt, dass sich der Herr zuerst vorstellt. Nicht die Dame. Also so von wegen Knigge und Höflichkeit und so. Deshalb hat mein Gehirn reflexartig an meine Sprechwerkzeuge den Befehl geschickt zu sagen: "Und Sie sind ...?"
Der Gedanke war noch nicht ganz in Schallwellen umgewandelt, da hatte der andere Teil meines Gehirns seinen Sicherheitscheck beendet und meldete triumphierend: Es ist der Bischof! Weihbischof Borsch mit seinem Fahrer, der während seiner Visitation ja bei uns wohnt - was für eine Ehre!!!
Ne, ne, ne, das war ein Neustart! Zum Glück ist dieser Bischof die Freundlichkeit in Person, einer, der die Situation rettet und sich tatsächlich vorstellt und dann später nichts krumm nimmt. Eben jemand, dem man getrost auch im Dunkeln begegnen kann...

Donnerstag, 1. September 2011

Profess-Feier

Gerade habe ich die Bilder vom Fotografen bekommen. Hier also ein paar Appetitmacher. Ein ausführlicheres Fotoalbum habe ich auf facebook veröffentlicht (da schreibe ich unter "SchwesterBarbara Offermann").
Die Kapelle war so voll, dass wir zuerst nicht wussten, ob wir einen Einzug schaffen, oder ob die Priester nicht einfach durch die Sakristei reinkommen sollten.
Aber es waren doch so viele, dass es schade gewesen wäre: vier Dominikaner, darunter unser Mitbruder Bischof Vilhelms Lapelis, zwei befreundete Priester aus Südlettland und dazu die beiden, die sonntags abwechselnd zu uns kommen. Mit den Messdienern, uns Konventsschwestern und der Generalpriorin, das gab schon eine ganz ordentliche Prozession. Also haben wir uns einen Weg durch die Menge gebahnt.
Nachdem alle ihre Plätze gefunden hatten, hat der Bischof die Messe eröffnet und Sr. Sara die Gäste begrüßt - auf lettisch! Sie hat auch später die gesamte Professformel auf lettisch abgenommen, das war schon toll.
Zunächst kam nur der kurze erste Teil: "Sr. Diana?" "Hier bin ich." "Was erbittest Du?" usw. In diesem Teil werden auch die anwesenden Schwestern gefragt, ob sie bereit sind, Diana aufzunehmen. Es war abgesprochen, dass der Text erst auf lettisch gelesen wird, dann auf deutsch. Erst dann sollten alle antworten (auf lettisch oder in ihrer eigenen Sprache): "Wir sind bereit".
Ich gestehe: Ich hab's verpatzt! Ich war so ergriffen, dass ich die Absprache einfach vergessen habe. Ich hab gar nicht mehr dran gedacht, dass die Gäste den Text ja nicht verstehen können und auf die Übersetzung warten. Nach dem lettischen Text habe ich mit großer Überzeugung gesagt: "Mees esam gatavas!" und mich ein wenig gewundert, dass nur so wenig Schwestern zu hören waren. Mmh. Ich bin bereit - ihr nicht? Sozusagen ein klassischer Frühstart - ohne Wiederholungsmöglichkeit.
Naja, dann ging der Wortgottesdienst weiter und nach der Predigt folgte dann der Hauptteil: Diana bekam ihre Professkerze, dann folgte die Anrufung des Heiligen Geistes, während der Diana die Venia machte, das traditionsreiche Zeichen der Ganzhingabe.
Der nächste Ritus ist das Sprechen der Professformel - in die Hände der Generalpriorin. In unserer Kongregation können wir uns aussuchen, ob wir das im Stehen oder im Knieen tun wollen. Diana hat gekniet, trotzdem war es ein Gelübde auf Augenhöhe: Sr. Sara saß, auf dem Schoß eine aufgeschlagene Bibel. So wird deutlich, dass das Fundament unserer Profess nicht etwa der Wille der Generalpriorin ist, sondern der Wille Gottes, nachdem auch sie sich ausrichtet.
Dann bekam Diana ihr Professkreuz ("Es stärke dich und sei im Tod das Zeichen deiner Treue") und musste schließlich noch den Vertrag unterschreiben - das Ganze hat ja immerhin auch rechtliche Konsequenzen.
Dann ging die Messe normal mit der Eucharistiefeier weiter und nach dem Schlusssegen kam draußen noch die Gratulation. Es war einfach ein wunderschönes Fest - Dank sei Gott!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Der Neue

Jetzt am Sonntag war unser neuer Erzbischof bei uns zu Besuch. Andere würden das eine Visitation nennen, aber bei diesem Mann fällt es mir schwer, ein solches Wort zu gebrauchen. Nicht, dass er nicht ehrwürdig wäre. Wenn er mit Mitra und Hirtenstab den Segen erteilt, nimmt man ihm den Erzbischof durchaus ab. Und auch sonst ist er jemand, der sich innerhalb kürzester Zeit Respekt verschafft - er besitzt natürliche Autorität. Aber vielleicht gerade deshalb leistet er es sich, unglaublich freundlich auf die Menschen zuzugehen. Mit den Kindern unserer Sonntagsschule war er sofort im Gespräch, sie reagierten auch während der Predigt schon lebhaft auf seine Fragen.
Völlig unkompliziert kam er in unsere neue Kleiderkammer, stand da zwischen den Leuten, um die Räume einzusegnen. Und anschließend? Wir haben noch im kleinen Kreis etwas gegessen, ganz einfach. Da stellten wir dann fest, dass er neben seinen normalen Sprachen lettisch, russisch und polnisch auch fließend englisch, italienisch, französisch und deutsch spricht! Auch sonst ist er ein beeindruckender Mann: ursprünglich Ingenieur, erst mit 35 zum Priester geweiht, 20 Jahre später schon Erzbischof. Sehr an der Ökumene interessiert. Er hat uns Mut gemacht und Unterstützung zugesagt und auch über allgemeinere Themen mit uns gesprochen. Wir haben ihn verabschiedet wie jeden anderen Gast auch: im Hausflur, wo er sich warm einpackte und dann seinen Autoschlüssel rauskramte - er war allein gekommen, ohne Fahrer!