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Sonntag, 28. Juni 2015

Wackelzahn

Manchmal ist es ganz schön schwierig, in der Kirche ernst zu bleiben. Auch wenn es eigentlich um tiefere Dinge geht... Ich erzähl mal der Reihe nach:
Heute in der Messe  bin ich wie üblich zur Kommunion gegangen. So richtig können wir Menschen ja nicht verstehen, welches Wunder dort passiert, aber wenigstens versuchen wir es. Gott wird Brot, er macht sich winzig klein, um uns nahe zu sein. Mit solchen oder ähnlich frommen Gedanken stehe ich also in der Reihe, bin dran: "Der Leib Christi." "Amen." Schon will ich wieder zurück an meinen Platz, da sehe ich aus den Augenwinkeln neben mir Moritz*. 
Moritz ist fünf und weiß natürlich, dass er da vorne noch nicht dieses komische Plätzchen bekommt. Er geht trotzdem mit, weil der Priester allen Kleinen immer die Hand auf den Kopf legt. "Segnen" nennt das seine Kinderdorfmutter. 
Ich sehe also, wie er vor Pater Manuel steht, einem dominikanischen Mitbruder, der heute zur Messe gekommen war. Und bevor ich noch abdrehen und meiner Wege gehen kann, höre ich ein lautes: "Guck mal!" Da steht der Knirps und zeigt stolz einen Wackelzahn! Wer will denn gesegnet werden? Manchmal gibt es einfach Wichtigeres! Und Pater Manuel? Guckt sich das an und antwortet freundlich: "Oh ja, der muss aber bald raus!"
Den weiteren Dialog habe ich dann nicht mehr verfolgt, ich fand, anstandshalber sollte ich wenigstens so tun, als würde ich beten. Es ist mir natürlich nicht richtig gelungen, dazu hat mich diese kleine Szene zu sehr beschäftigt.
Ich fand das so beispielhaft für unsere Spiritualität: so sollen wir Dominikaner/innen sein. Wenn einer kommt und den Leib Christi erfragt, gibst du ihm den Leib Christi. Wenn aber einer kommt und dir etwas völlig anderes zeigt, das ihn bewegt, dann drängst du ihm Gott nicht auf, sondern interessierst dich erst mal für das, was diesen Menschen umtreibt. Wer weiß, vielleicht kommt ihr später noch auf Gott zu sprechen. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. 
Na, und plötzlich war ich dann doch noch bei meiner Meditation angekommen, wenn auch ganz anders als gedacht: Gott macht sich klein. Er wird Brot, er wird Mensch. Er unternimmt alles, um uns nahe zu sein. Darum können wir ihm auch immer und überall begegnen. Auch in einem Kind mit Wackelzahn. 
Wenn das kein Wunder ist...

*Name wie immer bei unseren Kinderdorfkids geändert

Freitag, 8. August 2014

Kontemplation leben und die Früchte weitergeben...



 
Heute feiern die Dominikanerinnen und Dominikaner das Fest des Hl. Dominikus. http://www.heiligenlexikon.de/BiographienD/Dominikus.htm

So richtig bin ich mit dem Hl. Dominikus erst in Berührung gekommen, als ich an einem „Glaubenskurs“ der Dominikanerinnen von Bethanien teilgenommen habe. 

In einem der Räume hing ein übergroßes Bild von Dominikus in vielen unterschiedlichen Farben, das mich seitdem begleitet. 

Am meisten hat mich Dominikus angesprochen, weil es ihm ein Herzensanliegen war, die Menschen aufzuklären und ihnen die 
FROHE BOTSCHAFT  zu verkünden.
Dominikus wollte den  Irrlehren ein Ende setzen und hat dabei auch schwierige Gespräche nicht gescheut. Bis tief in die Nacht hat er diskutiert und sich als Wanderprediger auf den Weg gemacht.   

All das ging sicher nicht ohne das Gebet. Die Brüder berichten, dass er oft und bis spät in die Nacht gebetet hat.
Mit ihm taten und tun es auch heute, nach  fast 600 Jahren, viele Brüder, Schwestern und Laien. 

Gerade in unserer heutigen Zeit brauchen wir Menschen, die mutig sind und sich auf den Weg zu den Menschen begeben, die ihnen Mut machen und sagen, dass sie wertvoll sind, dass Gott sie bedingungslos liebt, ohne dafür etwas tun zu müssen.
Ich glaube, dass wir mehr denn je Christen brauchen, die bereit sind, sich kritischen Fragen zu stellen und bereit sind, von dem zu erzählen, was sie trägt und was sie stärkt.
Um das tun zu können ist es gut, die dominikanische Familie um sich zu wissen, die trägt und stärkt. 
Allen einen schönen Dominikustag!

Sonntag, 3. August 2014

Dominikanische Bücher - dominikanischer Handel

Gestern hat unsere Gemeinschaft einen Konventsausflug nach Maastricht gemacht. Ich war von der Stadt begeistert, so viele schöne alte Häuser und Kirchen und dabei so lebendig!
Allerdings sind von den schönen großen Kirchen viele nicht mehr in Gebrauch, bzw. in ihrem ursprünglichen Gebrauch. Eine Kirche fanden wir ganz verschlossen, sie sei einige Jahre lang als Diskothek genutzt worden, erzählte uns der Stadtführer, jetzt probe hier ein bekannter Chor.
Dann kamen wir an die ehemalige Dominikanerkirche, ein imposanter, gotischer Bau und - wie es sich für Dominikaner gehört - mitten im Zentrum in eine Häuserzeile eingezwängt. 
Die Tür war offen und die Menschen strömten rege ein und aus - Dominikaner gibt es aber nicht mehr in Maastricht. Was war aus dieser Kirche geworden? Eine Mitschwester klärte mich auf und dann habe ich es mir selber angesehen:
Eine Buchhandlung!
Über drei Etagen verteilen sich die Bücher, in der Apsis gibt es ein Café, die Atmosphäre war ruhig aber ungezwungen. Der Kirchenraum wird in seiner Schönheit durchaus genutzt und präsentiert, es wird dabei deutlich auf die dominikanische Identität hingewiesen. Das finde ich sehr angemessen und was würde besser zu einer Dominikanerkirche passen als eine Buchhandlung? Trotzdem bleibt ein kleiner Beigeschmack, wenn ich über die Grabplatten laufe. Ich kann nicht mehr erkennen, wer hier liegt, so abgewetzt sind die Steine. So viele Menschen besuchen diese Kirche - jetzt. War das vorher auch so? Wohl kaum, sonst hätte man sie nicht umwidmen müssen. Man hätte die Grabplatten auch mit Teppich abdecken können, aber so wird man sehr deutlich darauf gestoßen, dass man sich eben in einer ehemaligen Kirche befindet. 
Nein, so seltsam das alles im ersten Augenblick wirken mag: wenn Kirchen schon umgewidmet werden müssen, dann ist diese Form sicher eine der gelungensten. Die Frage, warum Kirchen überhaupt anders als für Gottesdienste genutzt werden, ist eine andere. 
Ich bin zwar optimistisch, aber auch Pragmatikerin. Es nützt nichts, den vollen Gottesdiensten hinterher zu weinen. Wenn die Kirchen leerer und immer leerer werden, habe ich irgendwann die Wahl zwischen abschließen und verrotten lassen, gleich abreißen, verkaufen (d.h., dass u.U. eine Disko reinkommt) oder eben eine Buchhandlung. Dieser hier wünsche ich weiterhin viel Erfolg!
 

Donnerstag, 8. August 2013

in alle Welt...

So fühlen sich im Moment die meisten von uns: ziemlich ausgebrannt. Das Generalkapitel in Trogir endete mit dem Fest des Heiligen Dominikus und einer Eucharistiefeier in der Dominikanerkirche in Split, in der ein kroatischer Mitbruder seine Ewige Profess in die Hände des Ordensmeisters ablegte, und zwei kroatische Mitbrüder und ein amerikanischer Frater cooperator - ein Bruder, der nicht Priester werden wird - ihre zeitliche Profess erneuerten. Ein großes Fest!
2 1/2 Wochen Diskussion, geschwisterliche Begegnung, gemeinsames Beten, Ringen um Texte und Formulierungen, und das alles bei meistens mehr als 36 Grad Außentemperatur. Eine großartige Erfahrung!
Nun zerstreuen wir uns wieder buchstäblich in alle Welt. Rolando reist nach Manila, Dominic nach Kinshasa, Wijbe nach Zwolle, Peter nach Fribourg, Pako nach Chile, Augustin nach Oakland, Rick nach Grenoble, Richard nach Sidney, Josef nach Saigon, und ich in den Bayrischen Wald - dort wartet das nächste dominikanische Treffen: Studienwoche der deutschsprachigen Dominikanerinnen.
Wenn unsere Kerzen sich  ein wenig erholt haben, sind sie hoffentlich wieder in der Lage, die Welt zu entflammen!

Samstag, 27. Juli 2013

Kontrastprogramm (?)

Die Touristen in Trogir, die es in der Ferienzeit natürlich zuhauf gibt, wundern sich immer wieder, wenn Scharen von weißen Gestalten aus dem Hotel kommen und in den Plenarsaal oder die kleine Kirche auf der anderen Straßenseite gehen. Während sie, die Touristen am Strand, so wenig wie möglich bekleidet sind, tragen wir, die Dominikaner und Dominikanerinnen, lange Gewänder, die so gar nicht sommerlich frisch scheinen! Ein echtes Kontrastprogramm.

Obwohl - als ich heute morgen um viertel vor sieben zur Kirche ging, stürzte mir auf der Treppe ein Bruder entgegen, der offensichtlich beim Baden die Zeit vergessen hatte. Und er sah in seiner Badehose mit Schwimmbrille so gar nicht kontrastmäßig aus!
An der Kleidung liegt es also nicht. Und trotzdem stellen wir einen Kontrast dar. Hoffen wir zumindest! Es ist allerdings leichter, dies durch die Kleidung auszudrücken als durch die persönliche Haltung. Die ist nicht so leicht zu erkennen. So müssen wir immer wieder darüber nachdenken, in welcher Weise wir ein "Kontrast" sein können und wollen und wie wir die Spannung von "einer wie die anderen" und "anders sein" leben können. Glaubhaft, ohne uns von der Lebenswelt der Menschen zu weit zu entfernen. Eines der wichtigen Themen dieses Kapitels. Die Brüder nennen es "Erneuerung des Lebens als Predigerbruder". Manchmal hilft da ein kühles Bad, um für die Kapitelsarbeit wieder klaren Kopf zu bekommen!

Mittwoch, 24. Juli 2013

Nichts ist wie es scheint...

Fr. Olivier, einer der Übersetzer auf dem Generalkapitel, liebt es, darauf hinzuweisen, dass die Übersetzer ein wahres Sklavenleben führen... In der Tat haben sie es nicht leicht. Die Kapitelteilnehmer sprechen zu schnell, zu undeutlich, die Kabinen sind zu heiß - sie könnten einem wirklich leid tun. Wenn nicht alles anders wäre, zumindest heute!
Unser Kapitelsaal. Alle 58 Diffinitoren, das heißt die gewählten Abgeordneten, sitzen im großen Kreis, die Mitglieder der Ordens-leitung und die Gäste haben ihre Plätze in der zweiten Reihe.
Nur heute nicht. Heute war der Saal verwaist. Aber nicht etwa, weil es endlich Zeit für ein erfrischendes Bad in der Adria gab, die ja schließlich sozusagen direkt vor unseren Füßen liegt! Das durften heute nur die "armen" Übersetzer, denn heute war Kommissions-arbeit angesagt. Das bedeutet, dass wir uns in thematischen Gruppen trafen und an der Vorbereitung von offiziellen Kapitels-texten arbeiteten.
Es gibt Kommissionen zu allem, was den Orden konkret bewegt: Predigt und Verkündigung, Ausbildung, Studium, Restrukturierung des Ordens, Finanzen, Konstitutionen - und schließlich: das Jubiläumsjahr und die Erneuerung des Ordens. In dieser Kommission arbeite ich mit. Wir haben genug zu tun, um das reichhaltige Material vorzusortieren. Unsere Kommissionssprache ist Französisch, aber heute durften wir uns durch einen umfangreichen Vorschlag zum Jubiläumsjahr in Spanisch arbeiten!
Sprache ist ein Dauerthema, denn bei weitem nicht jeder der Kapitelsteilnehmer spricht einer der drei offiziellen Sprachen des Ordens - Englisch, Französisch und Spanisch - wirklich fließend. Da gönnt man den Übersetzern den Sprung ins kühle Nass, denn dann sind sie morgen hoffentlich wieder fit für die Übersetzerkabine!

Dienstag, 23. Juli 2013

Die Welt entflammen - nur welche?


Wer schon mal auf der Website unserer Kongregation war (www.bethanien-op.org), kennt den Hund mit der Fackel und die Legende der Mutter des Heiligen Dominikus. Sie träumte, dass sie einen Hund zur Welt bringen würde, der mit seiner Kraft die ganze Welt in Brand stecken würde.
Dominikus wurde 1172 geboren - also lange vor der Entdeckung Amerikas! Die Welt, die Johanna von Aza, die Mutter des Dominikus, kannte, war aus unserer heutigen Sicht beschränkt. Ganze Kontinente kamen später hinzu.
Jetzt während des Generalkapitels erfahren wir, was das konkret bedeutet. Aus allen Kontinenten sind Brüder gekommen (und zwei Schwestern...), am Tisch sitze ich mit einem jungen Kanadier mit deutschen Wurzeln, in der Kommission mit zwei Afrikanern aus Kongo - Brazzaville und der Republik Kongo, einem Vietnamesen der kanadischen Provinz, der derzeit in Houston/Texas arbeitet, einem Kroaten, der in Hannover tätig ist,
P. Timothy, der sich als Wanderprediger bezeichnet - die ganze Welt ist hier, Dominikus hat "die ganze Welt entflammt"!
Und doch - in den heutigen Diskussionen kam immer wieder das
Gespräch auf die Welt - oder besser: die Welten - in denen wir leben.
Ja, die geographische Welt ist erobert. Aber das bedeutet noch lange
nicht, dass es uns Dominikanerinnen und Dominikanern gelungen
ist, die vielen Welten des Heute zu entflammen. Die Welt der Jugendlichen, der Sprachlosen, der an den Rand Gedrängten, die Welt der Suchenden und der Hoffnungslosen, ... Als Schwestern und Brüder müssen wir uns immer wieder fragen, in welche konkrete Welt wir gesandt sind. Welten, die wir vielleicht erst noch erforschen müssen, die uns unbekannt sind, deren Sprache wir nicht beherrschen. Diese Welten sind es, die heute auf unsere "flammende Verkündigung" warten!
Eine Herausforderung, dieser Hund mit der Fackel.

Montag, 22. Juli 2013

Gebetsweisen

Dominikanische Existenz ist betende Existenz - das hat Dominikus uns in seinen Gebetsweisen vorgemacht! Neun verschiedene Weisen des Gebetes mit dem ganzen Körper sind von ihm überliefert; auch Studium und Pilgerfahrt gehören dazu. Betrachten und das, was mir in der Betrachtung aufgegangen ist, an andere weitergeben - das ist das Wesen des Ordens.

Heute begann das Generalkapitel des Ordens, und jeder der teilnehmenden Priester bekam eine Stola, die extra fürs Generalkapitel entworfen wurde. Die 9 Gebetsweisen sind darin verarbeitet. Wenn dieses Generalkapitel etwas bewirken kann, dann in Gebet und Besinnung!
Das zog sich durch diesen ersten Tag, der am Morgen mit der Heiligen Messe begann. Vom Fest der Heiligen Maria Magdalena bis zum Fest des Heiligen Dominikus am 8. August spannt sich der Bogen. "Geh und verkünde", das war es, was Jesus an Ostern der Heiligen Maria Magdalena auftrug. Das ist auch unser Auftrag als Dominikanerinnen und Dominikaner heute, so der Ordensmeister Bruno Cadoré in seiner Festpredigt.
Der Tag endete dann wiederum mit dem Gebet: feierliche Vesper vom Fest, und danach gemeinsame Anbetung, während der die Möglichkeit zur Beichte bestand. Wie funktioniert das in einer so großen Gruppe von etwa 100 Patres, einigen Laienbrüdern, Schwestern und Gästen? Ganz einfach: wer beichten wollte, sprach einen Priester seines Vertrauens an und ging mit ihm nach draußen! Viele machten von dieser Möglichkeit Gebrauch, im wahrsten Sinne des Wortes "aufgeräumt" in die kommenden Tage gehen zu können!
Wir sind im kroatischen Trogir, wunderschöne Umgebung direkt
am Meer, die mindestens so viel zum Baden einlädt wie zum
Tagen! Was wir hier so machen und wer hier alles ist, erzähle ich
später.
Aber es ist ein großes Geschenk, so mittendrin sein zu dürfen im
Geschehen des Ordens! Ich freue mich schon auf die nächtliche
Gebetsstunde auf meinem Balkon mit Blick aufs Meer...

Übrigens: http://trogir.op.org!

Mittwoch, 22. August 2012

Hunde des Herrn

Wir haben zur Zeit eine tschechische Gastschwester. Sie hat mir von einem Heimatbesuch ein Armband mitgebracht, wohl ein Werbegag der dominikanischen Jugend: auf dem weißen Band steht "Hledej Pravdu" - was soviel bedeutet wie "Such die Wahrheit!"
Daneben sind vier Pfotenabdrücke zu sehen und noch "Domini canes" - das ist eine alte Verballhornung von Dominicanes (lat. für Dominikaner). Wenn man die Anhänger des Hl. Dominikus im Lateinischen nämlich trennt, werden daraus die "Hunde des Herrn" - wohl eine Anspielung auf die Inquisition. Eigentlich war das also nicht gerade schmeichelhaft. Aber im Laufe der Jahrhunderte hat der Name seinen Schrecken offensichtlich verloren.
Heute spielen wir gerne damit. Schließlich haben sich die Zeiten geändert (zum Glück tun sie das immer wieder). Aber eines bleibt gleich: wir suchen immer noch die Wahrheit! Such mit!

Donnerstag, 5. Januar 2012

Männer sind neugierig

"Männer sind neugierig!"
so begann der junge Dominikaner seine Predigt.
"Entgegen der landläufigen Meinung sind Männer neugierig - zum Glück! Sonst hätten die Jünger nie an Jesus die Frage gestellt: 'Meister, wo wohnst Du?' - 'Kommt und seht', ist die Antwort Jesu und die Einladung, etwas Neues und Entscheidendes für das eigene Leben zu erfahren."

Männer sind neugierig.
Und ich? Will ich Neues erfahren, kennen lernen? Ja, klar, tue ich doch ständig, täglich werde ich von Neuigkeiten überflutet.

Männer sind neugierig.
Ich auch, aber... Will ich das Neue auch an mich heran lassen? Darf es mich berühren, vielleicht sogar verändern? Oder bleibt alles Neue besser auf Bildschirm-Distanz?

Männer sind neugierig.
Ich auch. Auf das Leben. Auf den, der es mir täglich gibt. Auf Gott. Er darf mein Inneres anrühren - und mein Leben verändern.

Donnerstag, 1. September 2011

Profess-Feier

Gerade habe ich die Bilder vom Fotografen bekommen. Hier also ein paar Appetitmacher. Ein ausführlicheres Fotoalbum habe ich auf facebook veröffentlicht (da schreibe ich unter "SchwesterBarbara Offermann").
Die Kapelle war so voll, dass wir zuerst nicht wussten, ob wir einen Einzug schaffen, oder ob die Priester nicht einfach durch die Sakristei reinkommen sollten.
Aber es waren doch so viele, dass es schade gewesen wäre: vier Dominikaner, darunter unser Mitbruder Bischof Vilhelms Lapelis, zwei befreundete Priester aus Südlettland und dazu die beiden, die sonntags abwechselnd zu uns kommen. Mit den Messdienern, uns Konventsschwestern und der Generalpriorin, das gab schon eine ganz ordentliche Prozession. Also haben wir uns einen Weg durch die Menge gebahnt.
Nachdem alle ihre Plätze gefunden hatten, hat der Bischof die Messe eröffnet und Sr. Sara die Gäste begrüßt - auf lettisch! Sie hat auch später die gesamte Professformel auf lettisch abgenommen, das war schon toll.
Zunächst kam nur der kurze erste Teil: "Sr. Diana?" "Hier bin ich." "Was erbittest Du?" usw. In diesem Teil werden auch die anwesenden Schwestern gefragt, ob sie bereit sind, Diana aufzunehmen. Es war abgesprochen, dass der Text erst auf lettisch gelesen wird, dann auf deutsch. Erst dann sollten alle antworten (auf lettisch oder in ihrer eigenen Sprache): "Wir sind bereit".
Ich gestehe: Ich hab's verpatzt! Ich war so ergriffen, dass ich die Absprache einfach vergessen habe. Ich hab gar nicht mehr dran gedacht, dass die Gäste den Text ja nicht verstehen können und auf die Übersetzung warten. Nach dem lettischen Text habe ich mit großer Überzeugung gesagt: "Mees esam gatavas!" und mich ein wenig gewundert, dass nur so wenig Schwestern zu hören waren. Mmh. Ich bin bereit - ihr nicht? Sozusagen ein klassischer Frühstart - ohne Wiederholungsmöglichkeit.
Naja, dann ging der Wortgottesdienst weiter und nach der Predigt folgte dann der Hauptteil: Diana bekam ihre Professkerze, dann folgte die Anrufung des Heiligen Geistes, während der Diana die Venia machte, das traditionsreiche Zeichen der Ganzhingabe.
Der nächste Ritus ist das Sprechen der Professformel - in die Hände der Generalpriorin. In unserer Kongregation können wir uns aussuchen, ob wir das im Stehen oder im Knieen tun wollen. Diana hat gekniet, trotzdem war es ein Gelübde auf Augenhöhe: Sr. Sara saß, auf dem Schoß eine aufgeschlagene Bibel. So wird deutlich, dass das Fundament unserer Profess nicht etwa der Wille der Generalpriorin ist, sondern der Wille Gottes, nachdem auch sie sich ausrichtet.
Dann bekam Diana ihr Professkreuz ("Es stärke dich und sei im Tod das Zeichen deiner Treue") und musste schließlich noch den Vertrag unterschreiben - das Ganze hat ja immerhin auch rechtliche Konsequenzen.
Dann ging die Messe normal mit der Eucharistiefeier weiter und nach dem Schlusssegen kam draußen noch die Gratulation. Es war einfach ein wunderschönes Fest - Dank sei Gott!

Samstag, 14. Mai 2011

OP-Studienwoche I: Jordan und Diana - oder: dominikanische Freundschaft

Ich komme gerade zurück von meiner ersten dominikanischen Studienwoche für die dominikanischen Noviziate im deutschsprachigen Raum. Von Montag bis Mittwoch ging es erst mal um Jordan von Sachsen und Diana von Andalo. Ausgehend von dieser dominikanischen Freundschaft ganz in den Anfängen unseres Ordens beschäftigten wir uns auch damit, was Freundschaft in der dominikanischen Familie für uns heute bedeutet.

Weil jeder von uns Freund(in) Gottes ist, können wir auch untereinander befreundet sein, denn diese Gottesfreundschaft quillt über, so dass wir auch Freundschaften mit Gottes anderen Freunden knüpfen.

P. Franz und Sr. Raphaela begeisterten uns für das Thema und brachten unserer heiteren Runde sowohl mit großem Ernst als auch mit ansteckendem Humor das Thema Freundschaft, die Biographien unserer beiden Heiligen und besonders Jordans Briefe an Diana näher. Und neben all dem Studieren setzten wir das Gelernte gleich in die Praxis um und er-lebten Freundschaft in unserem Orden. Wir kamen in Speyer, im Institut, zusammen als Schwestern und Brüder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz - optimale Voraussetzungen für dominikanische Begegnung! Und was lag da näher als zum Abschluss der gemeinsamen Tagung die Einladung der Schwestern von St. Magdalena anzunehmen, wo wir mit leckeren Torten verwöhnt wurden und spontan noch Edith Steins Zimmer und die Ausstellung besuchen konnten? Anschließend begleiteten wir Frater Jonas, Frater Julian und Frater Sebastian nach Worms, wo wir im Noviziatskonvent der Brüder nicht nur gemeinsam Vesper beteten, sondern noch spontan zum Grillen eingeladen wurden. Das waren einfach rundum gelungene Tage!!! Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!
Wie schön, dass wir noch nicht abreisen mussten, sondern im Kreise der Schwestern uns in der zweiten Wochenhälfte noch einem weiteren Thema zuwenden konnten...

Donnerstag, 31. März 2011

Getanztes Gebet - Exerzitien in Riga

Gestern bin ich aus Riga zurückgekommen. Ich durfte einige Tage dort verbringen, um gemeinsam mit m. Diana Tanzexerzitien zu halten. Wie immer kreiste alles um das Sonntagsevangelium, in diesem Fall also um die Begegnung am Jakobsbrunnen. Wir haben uns in diesen Tagen der Quelle genährt, die unseren Durst stillen kann.
Es ist immer wieder bewegend zu sehen, wie sich die Gesichter der Teilnehmer verändern. Zu Beginn wird noch viel über die Schritte und Bewegungen nachgedacht, aber schon am zweiten Tag ist zu bemerken, dass die Menschen tief in das Gebet hineinkommen und das Geschehen durch die Bewegung verinnerlichen. Nicht selten fließen Tränen, aber die Gruppe ist dann schon so zusammengewachsen, dass sie stark genug ist, auch die weinenden Beter im Tanz zu halten.
Natürlich gehört die Feier der Messe ebenso dazu wie die begleitenden Gespräche und Gottes Geist wirkt mit beeindruckender Kraft. Im Geschehen der Messe dürfen wir in jenes Wasser eintauchen, welches Jesus am Jakobsbrunnen zu geben verspricht. Wer kennt das nicht, Wüsten im eigenen Herzen? Um so mehr lassen wir uns davon ergreifen, dass Jesus, der Quell unseres Lebens, diese Wüsten zum Blühen bringen will.
Wenn wir uns in seine Hände geben, dann wird er in uns zur Quelle werden, die ins Ewige Leben hinüberfließt.
Dabei sehen wir uns in guter dominikanischer Tradition, da doch auch Dominikus in verschiedenen Haltungen zu beten pflegte.In diesen Exerzitien war Raum und Zeit dafür, dass jeder dies auch mit seinem Körper zum Ausdruck bringen konnte.
Jeder durfte hier seiner eigenen Wirklichkeit etwas näher kommen, so wie die Frau am Jakobsbrunnen. Und wir vertrauen darauf, dass unser Weg zu Gott ebenso wie ihrer auch anderen Menschen die Begnung mit unserem Herrn ermöglichen wird, auf dass auch sie eines Tages sagen können: "Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt."

Montag, 21. März 2011

Das Kapitel X: Der Abschluss

Jetzt haben wir so viel vom Kapitel berichtet - und hätten fast das Ende verpasst. Das ist im Trubel des Aufbruchs einfach untergegangen. Inzwischen sind alle wieder zu Hause, auch die lettische "Delegation" ist glücklich in Riga gelandet.

Offiziell beendet war das Kapitel schon am Samstag. Am Sonntag wurde es dann noch einmal feierlich: in einem großen Festgottesdienst haben wir Gott für die vergangenen Tage gedankt und seinen Segen für die Umsetzung der Beschlüsse erbeten.
Ein großer Teil unserer Schwestern war gekommen, so dass fast alle Konvente vertreten waren. Besonders schön fand ich, dass zwei unserer Mitbrüder gekommen waren: der niederländische und der norddeutsche Dominikanerprovinzial zelebrierten die Messe.
Sr. Sara wies in ihrer Ansprache hin auf das Spannungsfeld zwischen unserer kleinen Welt - die hier beim Kapitel weitergestaltet werden sollte - und der großen Welt, in der im Moment scheinbar alles aus den Fugen gerät.
Bei den Fürbitten brachte jede Schwester ein Licht nach vorne - symbolisch für die Menschen und Anliegen, die sie vor Gott tragen will. Am Schluss der Messe haben wir diese Lichter wieder mitgenommen, hinaus in unseren Alltag.

Donnerstag, 17. März 2011

Das Kapitel VIII: Da hilft nur noch beten

Gerade hatten wir Abendmesse mit einem Mitbruder aus Düsseldorf, P. Manuel. Er hat mir seine Notizen gegeben, so dass ich einen Auszug aus seiner Einführung zitieren kann:
"Wer in diesen Tagen Radio hört oder fernsieht, dem fällt auf, dass die Reporter und Reporterinnen reihum einen Satz in den Mund nehmen, der, zumindest in der außerkirchlichen Öffentlichkeit, längst ad acta gelegt schien: 'Jetzt hilft nur noch beten.' Sie beziehen ihn auf die Opfer des Tsunami in Japan, die den Menschen dort und, in abgeschwächter Form, uns allen drohende Atomkatastrophe, aber auch auf die Situation der um ihre Freiheit kämpfenden Menschen in Libyen und verschiedenen Golfstaaten. 'Da hilft nur noch beten.' Davon ist auch Ester überzeugt - wir hören das gleich in der Lesung. ... 'Da hilft nur noch beten.' Das ist es, wozu wir zusammengekommen sind und was wir jetzt miteinander tun wollen. Wir verbinden uns in der Eucharistiefeier mit dem Gebet und Opfer Jesu Christi und wenden uns an seinen und unseren Vater mit der Bitte: 'Dein Wille geschehe auf dieser Erde, wie er im Himmel schon geschieht.'"
Hier noch ein Auszug aus der Lesung aus dem Buch Ester:
"In jenen Tagen wurde die Königin Ester von Todesangst ergriffen und suchte Zuflucht beim Herrn, und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels: Herr unser König, du bist der einzige. Hilf mir! Denn ich bin allein und habe keinen Helfer außer dir; die Gefahr steht greifbar vor mir. ... Denk an uns, Herr! Offenbare dich in der Zeit unserer Not und gib mir Mut, König der Götter und Herrscher über alle Mächte!"

Mittwoch, 16. März 2011

Das Kapitel VII: dominikanische Familie

Heute hat uns Sr. Sara einen Brief vorgelesen. Die dominikanischen Nonnen in Japan schreiben ihn an ihren Promotor (also den für sie zuständigen Mitbruder in der Generalkurie des Ordens). Sie sind - Gott Dank! - nicht so schwer getroffen. Und doch wird uns wieder bewusst: wir haben Familie überall in der Welt, auch in Japan.
Die Messe haben wir gestern und heute auch ganz im Zeichen der dominikanischen Familie gefeiert: ein Mitbruder aus Mainz, P. Diethard, war angereist, den die meisten von uns gut kennen. Er feierte die Messe dreisprachig, und hatte u.a. ein Gebet rausgesucht, das ich besonders schön fand und das ich deshalb hier zitieren möchte:
"Du, unser Gott, wir sind oft sprachlos, wenn wir das eine Wort sagen sollen, das Menschen heilen kann;
wir sind oft ratlos, wenn wir den einen Schritt tun sollen, der unhaltbare Zustände beseitigen kann.
Die Welt, in der wir leben, ist voll Unrecht und Unterdrückung.
Um dagegen bestehen zu können, um dagegen anzugehen,
feiern wir das Fest mit Brot und Wein, feiern wir Jesus, der mit allen teilt."

Donnerstag, 17. Februar 2011

Predigen mit dem Pinsel - Fra Angelico

Heute Gedenken wir unseres Mitbruders "Fra Angelico", eigentlich hieß er Johannes von Fiesole, aber unter diesem Namen kennen ihn glaube ich nur wenige. Er wurde um 1400 in Vicchio bei Florenz geboren und erlernte bereits in seiner Jugend das Malerhandwerk. In seinem geistlichen Leben wurde er durch den heiligen Antonin angeleitet. - Sein Handwerk wurde ihm zur Ausdrucksmittel seiner Gottesbeziehung, seine Bilder waren "gemaltes Gebet" und trugen ihm seinen Beinamen "Angelico" ein. Seine Bilder schmücken nicht nur zahlreiche Kirchen und Kapellen, sondern er malte seine Predigten auch in die Zellen seiner Mitbrüder und half ihnen so in der ständigen Präsenz des Heilsgeschehens zu leben und es zu verinnerlichen.
Im Hymnus der Laudes zu seinem Gedenktag heißt es:


Geh hin und künde, gib es weiter,
was dir gezeigt, was du gesehen,
was du erkannt in tiefem Schweigen,
es soll vor aller Auen stehn.

Es gilt, die Botschaft einzufangen,
die frohe, die uns Hoffnung gibt,
in heilgen Bildern zu verkünden,
wie der Erlöser uns geliebt.

Das Leben seines großen Meisters
war Fra Angelico vertraut,
er hat es betend oft betrachtet
und tief im Seelengrund geschaut.

Mit Bildern, die in zarten Farben
in strahlend hellem Licht erblühn,
lenkt uns der Künstler gottbegnadet
zur Herrlichkeit des Himels hin.





Fra Angelico war ein vorbildlicher Dominikaner, denn er predigte mit seinen von Gott gegebenen Begabungen und so wendet seine Predigt noch heute die Herzen der Menschen Gott zu.
Er verstarb am 18 Februar 1455 in Rom, mit seinen gemalten Predigten beschenkt er uns aber noch heute. Wir denken voll Dankbarkeit an unseren "großen Bruder" und hoffen ihm immer ähnlicher darin zu werden, das in der Kontemplation Geschaute an die Menschen weiter zu geben.

Sonntag, 13. Februar 2011

Jordan von Sachsen – Ordensmeister und Gottverliebter.

Heute ist der Gedenktag von Jordan von Sachsen, damit er wegen des Sonntags nicht einfach verloren geht, hier ein paar Worte über und ein paar mehr von ihm:
Jordan wurde Ende des 13. Jahrhunderts in Burgberg in der Grafschaft Dassel geboren. Mit 25 Jahren kam er als Student nach Paris, wo er mit den Brüdern des Dominikanerordens in Berührung kam. 1220 wurde er eingekleidet und wurde Mitglied des Predigerordens. Nach dem Tod des Heiligen Dominikus wählten ihn die Brüder 1222, obwohl erst 2 Jahre dabei, zum Ordensmeister. Als Ordensmeister trug er Verantwortung für alle Zweige des Dominikanerordens. Er verstarb 1237 bei einem Schiffsunglück auf dem Weg zur Visitation der Konvente im Heiligen Land.
Ihm verdanken wir nicht nur das Büchlein über die Anfänge des Predigerordens, in denen wir einiges über Dominikus selbst und die ersten Brüder erfahren, sondern auch sein Briefwechsel mit Sr. Diana und den Nonnen vom Konvent Sr. Agnes zu Bologna ist uns erhalten geblieben. Dieser gibt Zeugnis von der innigen Liebe Jordans zum Herrn. - Hier der 11. Brief in Auszügen:
„Allzu unähnlich sind im Vergleich die Worte, die der Freund des Bräutigams spricht, und die, die aus dem Mund des Bräutigams selbst hervorgehen. Ihr, geliebte Töchter, habt das süße Geflüster eures Bräutigams selbst gehört, ihr freut euch zu tiefst über seine Stimme. Daher ist das, was ich euch schreibe, gering, weil ich nur der Freund des Bräutigams zu sein scheine, obwohl ich es nicht wirklich bin. Ich erfülle die Pflicht des Freundes des Bräutigams und bin aufgrund seines Vertrauens der Brautführer. Ich bin vom Eifer Gottes entbrannt und ich versprach, euch als keusche Jungfrau dem einen Mann Christus zu überliefern.Als solcher rate ich, dass ihr euch seinen Umarmungen würdig darbietet, indem ihr das Schlafgemach eures Herzens schmückt, um Christus, den König, aufzunehmen, der eure Schönheit begehrt, die ihr ihm ein blühendes Bett bereitet im reinen Herzen, im guten Gewissen und nicht im vorgetäuschten Glauben. Die Blumen aber werden die Tugenden sein: eine gute Blume ist die Demut, eine gute die Geduld, eine gute der Gehorsam, eine gute die Güte, eine gute die Bescheidenheit […] besser aber als diese ist die Liebe. Häufig und gerne wird der Bräutigam das Brautgemach des Herzens besuchen, das er mit diesen Blumen bestreut und mit Schmuck erfüllt findet.“

Donnerstag, 27. Januar 2011

Wanderpredigerin

Als der Heilige Dominikus vor 800 Jahren seine Brüder zu zweit ausschickte und damit den Orden der Wanderprediger begründete - ob er sich da wohl ausgemalt hat, wie das Wanderpredigen im 3. Jahrtausend so aussehen würde? Ich vermute, dazu hätten seine kühnsten Träume nicht ausgereicht.
Dominikus hat seine Brüdern angewiesen, immer zu Fuß zu gehen. Reiten oder mit der Kutsche fahren war verboten. Die Frauen, die sich ihm anschlossen, saßen damals sowieso fest hinter Gittern. Sie waren ja bekehrte Katharerinnen und wollten ein strenges Leben führen, da war das anders gar nicht vorstellbar.
Und heute? Längst fahren Brüder, Schwestern und auch die eigentlich hinter Gittern lebenden Nonnen nicht nur mit der Bahn, sondern auch mit dem Auto. Und immer öfter gehört auch das Flugzeug selbstverständlich dazu. Das Wandern war ja kein Selbstzweck, es war ein Mittel, um näher bei den Menschen zu sein. Während ich dies schreibe, sitze ich am Flughafen Frankfurt und warte darauf, dass der Schalter meines Billigfliegers öffnet.
Wanderpredigt 2011.

Donnerstag, 11. November 2010

Pater Lataste - immer bei den Menschen

Vor ein paar Tagen fand in Montferrand die Übertragung von unserem Stifter, Pater Lataste, in die neue gestaltete Kapelle statt. Es beschäftigt mich schon länger, dass man bei P.Lataste wohl kaum von einer "letzten Ruhestätte" sprechen kann. Immerhin ist die neue Kapelle nun schon sein viertes Grab: nachdem die Schwestern ihn 1869 in Frasne-le-Chateau begraben hatten, nahmen sie ihn 1871 nach Montferrand mit. Dort fand er zunächst auf dem Friedhof seine Ruhestätte, wurde aber 1937 umgebettet in die Kapelle von Mont, bevor er nun am 27. Oktober erneut umziehen musste. Für mich sind diese verschiedenen Grabstätten zu einem Sinnbild geworden: P.Lataste gehört zu den Menschen. Am Anfang waren "die Seinen" seine Schwestern. Bei ihnen wollter er sein, auch im Tod. Bethanien aber breitete sich mehr und mehr aus: Bethanien-Mont bekam neue Konvente, der niederländisch-deutsche Zweig Bethanien-Venlo wurde gegründet, die Laiengemeinschaft im Gefängnis in Norfolk, die Fraternités Latastes, zahlreiche Bewegungen vor allem in Frankreich - und es scheint, dass es nun wirklich die Zeit ist, P.Lataste mehr und mehr zu den Menschen zu bringen. Aber was bedeutet das anderes als seine Weise der Verkündigung der Frohen Botschaft fortsetzen? Bethanien gehört zum Dominikanerorden, für uns gehört beides untrennbar zusammen. Bethanien hat dabei etwas ganz eigenes in den Orden einzubringen: den starken Akzent auf der Würde des Einzelnen, die gegründet ist in der unendlichen Barmherzigkeit Gottes. Wenn wir dies verkünden, dann bringen wir auch Pater Lataste zu den Menschen.
Sr.Sara, Thorn