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Donnerstag, 14. August 2014

Genozide und andere Verbrechen

Eigentlich wollte ich während meines Urlaubs nicht bloggen, aber ich bin wütend. Das ist für eine Ordensfrau sicher nicht schicklich, aber ich stehe dazu: ich werde jeden Tag wütender!
Jetzt lassen Titel und Bilder dieses Beitrags schon vermuten, worum es geht, ja, richtig: die Yeziden. Allerdings muss ich sagen, ich bin nicht wütend, weil sie verfolgt werden. Das macht mich eher verzweifelt, traurig, ratlos. Doch es geschieht so viel Unrecht und Elend in der Welt, dass es für Wut nicht mehr reicht. Nein.
Wütend, wirklich wütend machen mich unsere Medien. Und unsere Politik.
Seit Wochen, nein, seit Monaten tippe ich mir die Finger wund und schreibe über die Verfolgung der Christen im Irak. Meine Informationen habe ich von den großen Hilfswerken aller christlichen Konfessionen und von der dominikanischen Familie: sie schreien schon lange nach Hilfe. (z.B. hier: http://www.kirche-in-not.de/aktuelle-meldungen/2014/08-07-christen-im-irak-droht-voelkermord ) Allmählich, so schien es, hat sich das Thema im Internet herumgesprochen, zuletzt durch das nicht nur auf Facebook weit verbreitete arabische "N", das Zeichen für "Nazarener", mit dem die Islamisten die christlichen Häuser markieren.
Als alle (!) Christen panisch aus Mossul geflüchtet waren, als dort die Kirchen in Flammen aufgingen, da endlich - so schien es - hatten auch die säkularen Medien entdeckt, dass irgendwas im Irak nicht optimal läuft. Erstmals (!) berichtete die Tagesschau davon, dass Christen verfolgt würden. Kurz darauf berichtete die ARD zwar noch im Internet von diesen Christenverfolgungen, in der Tagesschau war aber wieder knapp von der Verfolgung "religiöser Minderheiten" die Rede. 
Nun könnte man meinen, okay, sie haben halt nicht so viel Platz für diese Meldung. Dass die Christen, die von Mossul nach Karaqosh flüchten mussten, dort auch nicht mehr sicher waren und ins kurdische Erbil weiterzogen, war vielleicht zu kompliziert. Aber dann kamen die Yeziden. Sie werden von den Islamisten genauso verfolgt und in die Berge getrieben wie die Christen. Doch sie sind nicht nur eine religiöse Minderheit, sondern auch noch ein eigener Volksstamm - und plötzlich war vom drohenden Genozid die Rede.
Plötzlich beginnt jede Nachrichtensendung mit einer ausführlichen Meldung über Frauen und Kinder, die im Gebirge in der Sonne liegen und verdursten. Kein Wort davon, dass es sich auch um Christen handelt. Es sind immer nur Yeziden. 
Plötzlich diskutieren unsere Politiker darüber, ob man unter diesen Umständen Waffen in den Irak liefern kann - weil die ISIS die erobert hat, die früher mal geliefert wurden und die Kurden nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Und weil die Yeziden von Auslöschung bedroht sind - nicht etwa, weil das im Irak seit 2.000 Jahren ansässige Christentum vor der Auslöschung steht.
"Tausende"? "Kirche in Not" beziffert die Zahl der flüchtenden
Christen zur gleichen Zeit in der gleichen Gegend mit 100.000!
Plötzlich ist das alles wieder ein Thema. Wohlgemerkt: ich freue mich, wenn es denn endlich gelingen sollte, den Yeziden zu helfen. Aber: Wo sind die Journalisten und Politiker, die mal darauf aufmerksam machen, dass da noch mehr als nur die Yeziden systematisch verfolgt werden?
Da braucht es schon Cem Özdemir - ausgerechnet!!! - damit mal ein deutscher Politiker in die Kamera sagt "Yeziden und Christen"! Das hätte ich gerne von einem CDU-Menschen gehört! Warum fällt uns das so schwer? Was sind wir eigentlich für jämmerliche Christen, was sind wir nur für Heuchler, dass wir uns für andere einsetzen, aber unsere eigenen Geschwister nicht mal erwähnen, geschweige denn versuchen, sie zu schützen? 

Sonntag, 22. September 2013

Parteien

Heute morgen habe ich gewählt. Eigentlich dachte ich, da gäb es nichts besonderes zu entdecken, immer das Gleiche, Wahlbenachrichtigung abgeben, Perso, Wahlkabine, Kreuzchen, Urne, fertig.
Ich weiß auch schon seit einiger Zeit, was ich wählen wollte. Ich hab diesmal wirklich lange überlegt (tu ich eigentlich meistens), aber dann war es klar. Aber trotzdem schaue ich mir den Wahlzettel gerne ganz an, bis ganz runter, wo die Parteien stehen, die keine Chance haben, über die 5%-Hürde zu kommen. Manchmal findet man da echte Kuriositäten, Idealisten oder auch Fanatiker, jedenfalls Leute, denen Politik wichtig genug ist, dass sie eine ziemliche Anstrengung auf sich nehmen. Sie kandidieren für den Bundestag - das kostet Zeit, Kraft und Geld. Und ohne eine Aussicht auf Erfolg. Irgendwie nötigt mir das Respekt ab.
Und was finde ich da, fast ganz unten auf dem Wahlschein, unter der Nummer 20? Die "Partei der Nichtwähler"! Das scheint also die Alternative für all die zu sein, die eigentlich nicht wählen wollen, die aber verstanden haben, dass sie durch das Fernbleiben von der Urne auch die Wahl beeinflussen - und zwar u.U. nicht in ihrem Sinne. 
Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Meine tschechische Mitschwester konnte jedenfalls nur den Kopf schütteln. Sie ist erst Ende 30, aber sie hat selber noch erlebt, dass Menschen im Gefängnis landeten, weil sie nicht zur Wahl erschienen, oder die falsche Partei wählen wollten. 1989, so sagte sie mir eben, ist der letzte Dissident in Tschechien in Haft gestorben, weil er sich geweigert hatte, die Kommunisten zu wählen.

Dienstag, 6. August 2013

Pest und Cholera

In meinem Büro hängt ein Ausschnitt aus der "Welt" vom Juni diesen Jahres. Er zeigt eine Plakatkampagne der Organisation "Reporter ohne Grenzen" zum Thema Pressefreiheit. Was halten die Machthaber dieser Welt von Pressefreiheit? Eine eindeutige Antwort geben Kim Jong-un aus Nordkorea, die Herren Assad, Putin und Ahmadinedschad, sowie der Chinese Xin Jinping.
Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass in Deutschland das Presse- oder Politikparadies sei. Auch bei uns gibt es Korruption und Unfreiheit, meist verdeckt - was umso schlimmer ist.
Und trotzdem: wenn ich nochmal jemanden treffe - so wie neulich - der meint, er könne im September nicht zur Wahl gehen, denn wir hätten ja doch nur die Wahl "zwischen Pest und Cholera", dann möchte ich ihm ein one-way-ticket schenken: für einen Flug nach Nordkorea. Oder nach China. Oder nach Russland. Oder nach Kuba. Oder nach Syrien. Da braucht er dann nicht mehr über die schlimmen Parteien zu jammern. Erstens gibt es meist sowieso nur eine richtige und außerdem kommt man fürs Protestieren ganz fix ins Arbeitslager.
Eine echte Alternative scheint Simbabwe zu sein. Da funktioniert die Demokratie inzwischen richtig prima. Der alte (ziemlich alte) Regierungschef Mugabe ist nach 33 Jahre zum achten Mal mit so vielen Stimmen wiedergewählt worden, dass die Wahlbeobachter meinen, trotz aller Wahlfälschungen müsse man wohl davon ausgehen, dass ihn tatsächlich viele Menschen gewählt hätten. Hey! Schön, wenn ein Land klare Verhältnisse hat. 
Nicht so wie in Deutschland, wo wir nur die Wahl zwischen Pest und Cholera haben.