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Montag, 1. April 2013

Neues Leben


Auf unserer Grabstelle ist ein frischer Erdhügel: vor kurzem ist unsere Sr. Alcide heimgegangen. Als die Schwestern jetzt hingingen, um das Grab ein bisschen schöner zu machen für Ostern, fanden sie einen Forsythienzweig, der aus der Erde sprosste - selbstgesät in die frischaufgeworfene Erde. Noch sehr klein und dürr, aber durchaus lebenswillig!
Das scheint mir ein wunderbares Bild für die ersten Jünger nach der Auferstehung zu sein: Sie wissen nicht, wie es nach dem Tod Jesu weitergehen soll. Sie ziehen sich zurück, zwei machen sich schon auf den Heimweg, nach Emmaus. Und dann erscheint ihnen der Auferstandene! Sie erkennen ihn nicht gleich. Maria Magdalena hält ihn für den Gärtner, die Emmausjünger für einen Fremden, Petrus und Johannes finden nur die Leinenbinden. Aber langsam, ganz langsam verbreitet sich der Ruf und die Hoffnung: Er lebt! Er ist auferstanden. Das Leben hat den Tod besiegt, ja, aus dem Tod ist neues Leben entstanden, besseres, verwandeltes Leben. Leben auch für uns? Ja, es ist noch ein bisschen wackelig, es muss noch wachsen und werden, aber ja: Das Leben hat gesiegt!

Donnerstag, 1. November 2012

Alle Heiligen

Gestern noch zu Gast in der reformierten Gemeinde - heute saß der reformierte Pfarrer als Gast in unserer Allerheiligenmesse. Wir haben uns so gefreut - und er fand wohl auch gar nicht so schlimm, was wir so erzählt und gesungen haben. Das freut mich dann nochmal mehr, denn schließlich hat unsere Heiligenverehrung ja ein festes biblisches Fundament und es ist gut, wenn man das merkt.
Eine der Lesungen war heute aus dem ersten Johannesbrief, Kapitel 3: "Jetzt sind wir Kinder Gottes, aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir Ihm ähnlich sein werden, wenn Er offenbar wird, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist. Jeder, der dies von Ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist."
Überhaupt war heute viel davon die Rede, dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind und dass das der Sinn des heutigen Tages ist, nicht nur die Verehrung der wenigen namentlich heiliggesprochenen Männer und Frauen. Der Apostel Paulus benutzt das Wort "Heilige" ja z.B. auch für alle Mitglieder der christlichen Gemeinde. Wir alle sollen heilig sein, denn Er ist heilig.
Als wir später zum Grab gingen, um Lichter aufzustellen, dachte ich das noch mal: dort ist eine Darstellung des auferstandenen Jesus mit Maria Magdalena. Er zeigt zum Himmel und sie sieht ihn verständnislos an. Es ist die Szene, wo er sagt: "Halte mich nicht fest. Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott." (Evangelium nach Johannes, Kapitel 20). Ich denke, genauso geht es uns oft: wir alle sind zur Heiligkeit berufen, nur verstehen wir oft nicht, wie nahe Gott uns ist und wie sehr er unser Leben und unsere Welt heiligen könnte, wenn wir ihn nur ließen. Allerheiligen ist eine gute Gelegenheit, sich wieder daran zu erinnern.

Montag, 25. April 2011

Verklärung

In Lettland gibt es den Brauch, in den Kartagen zwei Seitenaltäre in der Kirche zu errichten. Der eine soll das Gefängnis Jesu darstellen, in ihn wird am Gründonnerstagabend die Monstranz mit dem Allerheiligsten übertragen. Der andere stellt das Grab Jesu dar. Dorthin wird das Allerheiligste am Karfreitag gestellt, denn in Lettland dauert die Anbetung nicht nur die eine Nacht durch, sondern auch noch den ganzen Freitag und die zweite Nacht bis zum Samstag.
In manchen Kirchen wird eine richtige Grabhöhle aufgebaut oder ein lebengroßer Holzleichnam hingelegt - sehr naturalistisch. Bei uns geht es eher symbolisch-abstrakt zu. Letztes und auch dieses Jahr durfte ich die Altäre machen, und ich haben den Stil von meiner Vorgängerin, Sr. Diana übernommen.
Diesmal wollte ich allerdings auf einige kleine realistische Details nicht verzichten. Zu nah waren mir Lampedusa, Fukushima, Bahrain und so viel anderes Elend in der Welt. Also habe ich den Gefängnisaltar mit echtem Stacheldraht umwickelt und ein paar Lager- und Gefängnisbilder dazugelegt. Beim Grab habe ich mich auf Bilder von Japan und Tschernobyl konzentriert. Ich dachte mir, dass den Menschen in Lettland die Ukraine schließlich näher ist als Japan...

Zu Ostern werden die Altäre dann verändert. Dabei geht mir immer ein deutsches Lied durch den Kopf (das hier natürlich nicht gesungen wird, mir aber sehr lieb ist): "verklärt ist alles Leid der Welt, des Todes dunkel ist erhellt. Halleluja!"
Ja, es gibt das Leid noch und auch den Tod. Aber jetzt, nach Ostern, dürfen wir hoffen, dass das nicht das letzte Wort ist!

Freitag, 22. April 2011

Ölbergnacht

"Da ergriff ihn Angst und Traurigkeit, und er sagte zu ihnen:
Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir."


Dieser Bitte Jesu nachkommend haben in der letzen Nacht 14 Jugendliche aus unserem Kinderdorf die Nacht durchwacht.
Zu Beginn haben wir gemeinsam eine Stunde Anbetung gehalten. Einigen fiel es sehr schwer, so lange Stille auszuhalten, andere waren überrascht, wie schnell die Zeit verging.
"Man denkt dann ja nicht nur über Gott und Jesus nach, sondern dann kommen einem ja auch ganz viele Gedanken zum eigenen Leben."
Im Zentrum der Nacht stand die Angst. Die Angst Jesu am Ölberg, und unsere eigenen Ängste.
Was hat uns in unserem Leben bisher das Fürchten gelehrt? Was macht mir Angst? Wie reagiere ich, wenn ich Angst habe?
Und dann haben wir unsere Ängste an Sein Kreuz geschlagen,
in dem festen Vertrauen, dass er uns in diesen Ängsten zur Seite steht und uns hilft durch sie hindurch zu kommen. Was uns bewegte, haben wir in Bildern,Texten und den Osterkerzen mit Symbolen für das was uns hilft die Angst zu überwinden zum Ausdruck gebracht.
Am Ende der Nacht stand die Grablegung. Gesalbt und in ein Tuch gewickelt sanken sie alle in den Schlaf. - Doch nach einer kurzen Zeit wurden sie geweckt mit den Worten:
"Erwache aus deinem Schlaf, erhebe dich von den Toten!
Christus wird dein Licht sein."