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Freitag, 22. Mai 2015

Alles hat seine Zeit




Mögen Sie Buchen?
Ich liebe Buchen!

Ich finde es faszinierend, dass Buchen ihre Blätter erst abwerfen, wenn die neuen kommen. Selten habe ich das so deutlich und bewusst wahrgenommen, wie in diesem Frühjahr, und einmal habe ich es auch auf dem Foto eingefangen: obwohl das frische Grün schon sehr kräftig ist, hängt fast an jedem neuen Blatt auch noch ein altes, verwelktes. Einen Tag später waren sie dann abgefallen, ein kräftiger Regen hatte nachgeholfen.
Es ist, als wollte uns die Buche daran erinnern, dass wir jung und alt, Leben und Tod nicht voneinander trennen können. Hier wird sichtbar, dass das nur Alte stirbt, weil das Leben ein Kreislauf von Werden und Vergehen ist. Es kann nicht immer nur Neues dazukommen, sehr schnell wäre kein Platz mehr, kein Wasser, kein Licht. Es muss das Alte immer wieder gehen. Manchmal fällt uns das schwer. Aber die Buche zeigt uns auch, was die Aufgabe des Alten ist: das Junge zu schützen, bis es alleine leben kann und das Leben erhält und weiterträgt.
Ich liebe Buchen!


Donnerstag, 28. Februar 2013

Papa Benedetto

Nein, ich war nicht Papst.
Ich fand es zwar witzig, als die Bild-Zeitung titelte "Wir sind Papst", und stolz war ich irgendwie auch, dass ein Deutscher gewählt worden war - aber eher so wie ich auch stolz bin, wenn "wir" Fußballweltmeister werden. Und so hatte es die Bild ja wohl auch gemeint.
Inhaltlich war ich Joseph Ratzinger gegenüber skeptisch. Ich erwartete nichts Gutes von ihm - und war überrascht von seinem Auftreten beim Weltjugendtag in Köln 2005. Die Herzen der jungen Leute flogen ihm zu, die "Benedetto"-Rufe kamen auch in Deutschland auf, und er genoß es sichtlich, wenn auch zunächst etwas schüchtern und fast ungläubig.
Ich habe in Köln beschlossen, "Papa Benedetto" eine Chance zu geben und ich bin froh, dass er uns gezeigt hat, dass er mehr war als Kardinal Ratzinger. Auch wenn ich in den folgenden Jahren seines Pontifikates längst nicht mit allem einverstanden war, so glaube ich doch, dass wir in ihm einen guten Papst hatten. Einen mit Stärken und Schwächen - die wird der nächste zweifellos auch haben.
Vielleicht zeigt sein Rücktritt eine seiner größten Stärken: sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Er trat sein Amt schon an mit Äußerungen der Demut, er habe nicht gewählt werden wollen, fühle sich nicht würdig, zu alt usw. Seine Kritiker sagen jetzt, das habe er sagen müssen, reine Show. Ich glaube das nicht. Ich halte ihn für wirklich bescheiden und eben demütig, wenn er jetzt von seinen Grenzen spricht und freiwillig die Macht aus der Hand gibt.
Aber egal ob echt oder Show: er schreibt damit Geschichte. Er gibt uns ein Beispiel, wie man mit schwindenen Kräften und mit Verantwortung umgehen kann, und er hat das Verständnis des Petrusdienstes verändert, das Amt menschlicher gemacht, bzw. das Amt deutlicher vom Amtsträger getrennt. Noch weiß niemand, was für Folgen das haben wird, sie könnten bis hinein in die Ökumene reichen.
Nein, ich war nicht Papst. Aber ich zolle "Papa Benedetto" großen Respekt für diesen Schritt und wünsche ihm Gottes Segen für seinen Lebensabend.

Dienstag, 18. September 2012

Wegkreuzung

Neulich bin ich Sr. Desideria begegnet. Ich kam aus dem Ort, wo ich einige Besorgungen erledigt hatte, und musste jetzt vor der Vesper rasch noch mal eine Stunde in mein Büro im Haupthaus. Sie kam vom Schwesternhaus und ging in Richtung Kapelle, wo zu dieser Zeit das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt ist.
So kreuzten sich unsere Wege, ich ein bisschen eilig, sie ruhiger. Wir begrüßten uns und sie sagte unvermittelt: "Wie du das alles so kannst. Ich wünschte manchmal, ich könnte das auch noch, aber die Zeit ist vorbei." Sr. Desideria ist 82 Jahre alt, das Laufen fällt schwer, das Hören auch und offensichtlich meinte sie jetzt nichts Bestimmtes, sondern einfach ganz allgemein meinen Schwung. - Was sagt man dazu? Wie wird es sein, wenn die Kraft nachlässt? 
Schließlich fiel mir nur eines ein: "Weißt du, Desideria" habe ich geantwortet "du gehst dafür jetzt in die Anbetung - das wünsche ich mir manchmal anstatt hier rumzuflitzen, aber das kann ich jetzt nicht."
Da hat sie mich mit ihrem wunderbaren Lächeln beschenkt und versprochen, mich ins Gebet mitzunehmen.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Auf der Höhe der Zeit

Gestern habe ich versucht, Sr. Maria zu helfen. (Bei mir heißen ziemlich viele Schwestern Maria - aus Gründen der Diskretion.) Sie hatte mich gebeten, mal nach ihrem Computer zu schauen: "Es sieht alles ganz anders aus als sonst, ich finde mich gar nicht zurecht" sagte sie.
Sr. Maria ist 83 und hat sich seit einigen Jahren mit dem PC angefreundet. Sie benutzt eifrig ihren email-account und ihr word-Programm - allerdings muss die Benutzeroberfläche übersichtlich sein und eben am liebsten immer gleich, damit sie sich orientieren kann. Sie konnte mir ein paar Dinge sagen, die ihr fehlten und ich konnte die verschwundene Symbolleiste wieder hervorholen - anderes blieb im Nebel. Wahrscheinlich hat ihr jemand einen anderen Browser eingerichtet, aber das konnten wir nicht klären. Ich bin ja auch kein Computercrack.
Ich habe großen Respekt vor Sr. Maria! Sie ist 40 Jahre älter als ich, geboren zu einer Zeit, als es noch keine Fernseher gab, für Privatleute auch keine Fotoapparate oder Telefone. Als die Computer in die Privathaushalte einzogen, war sie schon längst im Kloster, wo man nicht jede neue Spielerei mitmacht. Als dann das Internet für zivile Zwecke nutzbar gemacht und nach und nach in der Arbeitswelt unverzichtbar wurde, da war sie schon längst im Rentenalter. Trotzdem hat sie sich auf diese völlig neue, virtuelle Welt eingelassen, in der es so ganz anders zugeht als in der realen.
Ich finde das großartig und will ihr gerne dabei helfen, wenn ich kann. Vor allem wenn ich daran denke, wie unsere so technikbegeisterte Welt wohl nach weiteren 40 Jahren aussehen wird. Falls ich mal 83 Jahre alt werde - werde ich dann umgeben sein von jungen Menschen mit winzigen Geräten, die mir ständig sagen: "Aber das ist doch ganz einfach"? Werde ich dann noch auf der Höhe der Zeit sein? 

Freitag, 3. September 2010

chatten, mailen, bloggen

Gestern habe ich zum ersten Mal am Kirchenchat im Funcity-Kloster teilgenommen. War ganz interessant und lustig - aber du meine Güte geht das schnell! Ich glaube, ich bin zu alt dafür.
Da stellt einer eine Frage, du denkst: "Oh, gute Frage! Mal drüber nachdenken..." Da haben schon zwei geantwortet!!!
Ich maile lieber. Da konzentriert man sich ganz auf sein Gegenüber.
Wenn ich in der Öffentlichkeit diskutieren will, tue ich das im Forum auf unserer homepage oder auf facebook. Da kann ich wenigstens in Ruhe überlegen, was der andere gesagt hat und was ich sagen will.
Oder ich blogge! Da kriegt man zwar nicht so viele Reaktionen, aber man kann wenigstens etwas ausführlicher schreiben, was einen bewegt. Nicht immer nur zwei halbe Sätze.

Ob Gott wohl auch chattet? Oder ist Er eher ein Blogger?
Im Prinzip glaube ich ja, dass Er sich uns und unseren Möglichkeiten anpasst, damit wir Ihn verstehen können. Vielleicht kann Er also alles: Ich kann Ihm lange und ausführlich erzählen, was ich erlebt habe - und er hält aus, wenn ich gar keine Antwort haben will.
Er kann wohl auch ein kurzes, atemloses "Hi, wie geht's Dir? Schön, dass Du da bist! Muss gleich weiter..." aushalten, dass ich Ihm manchmal im Alltag entgegenschleudere.
Aber ich meine, am liebsten ist Ihm, wenn ich Ihm meine Sorgen und Gedanken erzähle und dann still werde - um die Antworten zu hören, die Er mir geben möchte.