Für die Familienmesse am Aschermittwoch hatte die Kinderdorffamilie Kastanienhaus einen Aschenmann gemalt.
Thema war: was bedeutet Asche? Wozu benutzt man sie? Warum beginnen wir die Fastenzeit mit einem Aschenkreuz auf der Stirn?
Mittwoch, 30. April 2014
Dienstag, 29. April 2014
Im Kreuz ist Leben 1
In unserem Kinderdorf wechseln sich die Familien und Gruppen damit ab, die Familienmessen vorzubereiten. Jede kann "ihre" Messe so gestalten, wie sie es wichtig findet: manche Familien haben viele kleine Kinder, da singen wir ihre Lieder, aber die Jugendwohngruppe kommt auch mal dran - mit ihren Themen und ihrer Musik.
Für die besonderen, "geprägten" Zeiten Advent/Weihnachten und Fastenzeit/Ostern denkt sich der Liturgiekreis dann immer ein Thema aus, eine Art Überschrift, die alle Familienmessen dieser Wochen verbindet.
In dieser Fastenzeit war es schlicht und einfach das Kreuz. Jede Gruppe hat passend zum Evangelium ein Bild gemalt und auf ein anfangs leeres Kreuz aufgelegt. Das ist so schön geworden, dass ich gerne hier davon erzählen möchte, auch wenn die Fastenzeit schon vorbei ist. Auch in der Osterzeit gilt ja schließlich weiterhin: im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben!
Samstag, 26. April 2014
Hochzeit im - nein: am Kloster
Heute ist Samstag. Der Samstag vor dem Weißen Sonntag. Der 26. April.
Das ist sozusagen der ideale Hochzeittermin.
Unsere Gemeinschaft wohnt in einem großen Haus. Viele Klöster sind groß. Aber unser Haus ist besonders prächtig, weil es einmal eine Villa war, die wir vor über 60 Jahren sehr günstig kaufen konnten.
Das merkt man aber nicht, wenn man ein Fotomotiv sucht. Dann sieht man nur ein riesiges Haus im englischen Landhausstil inmitten von z.T. exotischen Bäumen und z.Zt. blühendem Flieder.
Wir teilen unsere schöne Fassade und auch unseren Flieder gerne mit allen Frischvermählten, die für ihr Hochzeitsalbum einen dekorativen Bildhintergrund suchen. Klar, kein Thema! Nur, ihr lieben Brautpaare, eine Bitte hätten wir:
Ach, und Gottes Segen für euer gemeinsames Leben.
Sonntag, 20. April 2014
Osterjubel - Schokohasen
| Unsere Kapelle in Riga in der Osternacht |
Der Herr ist auferstanden!
Nie habe ich diesen Satz mit solcher Freude und echtem Jubel gesagt und gesungen wie in meinem ersten Jahr im Kloster. Wir hatten uns durch endlos lange Kartage mit Fasten und düsterer Liturgie gequält (so schien es mir damals, inzwischen bin ich daran gewöhnt und freue mich sogar darauf). Jetzt der Osterjubel - eine Erlösung! Endlich wieder "Halleluja" singen, laut und fröhlich. Licht und Leben in der Kirche, die Orgel erklingt wieder. Zu Hause dann das Festmahl. Endlich! Jesus lebt, der Herr ist da, er hat den Tod überwunden - was für ein Grund zum Feiern, was für eine Freude!
Irgendwie tun mir die Menschen leid, für die heute nur Hasenfest ist: ein normaler Sonntag, an dem zusätzlich zum üblichen Wohlstand noch Schokolade in Hasenform auf den Tisch kommt. Ich würde ihnen gerne von meiner Freude abgeben.
Freitag, 18. April 2014
Karfreitag
Bei unserem Umzug habe ich ein Kreuz auf dem Speicher gefunden. Es war wohl einem der Handwerker runtergefallen, nur so kann ich mir erklären, dass die Arme abgebrochen daneben lagen.
Sofort fiel mir der erste Satz des bekannten Gebetes ein: "Jesus hat keine Arme, nur unsere Arme, um..." Ich kenne ein Kloster, dass einen Jesus ohne Arme in der Kapelle hängen hat, vielleicht wegen dieser Aussage.
Aber ich musste auch an das "zerschlagene Gebein" denken. Plötzlich wurde an diesem kleinen Stück Holz so deutlich, was der echte Jesus von Nazareth damals erlitten hat. Rohe Gewalt. Folter. Bis zum Äußersten der Willkür ausgeliefert. Schutz- und wehrlos. Entblößt und in den Dreck getreten.
Ich danke Gott, dass er in diese Tiefe hinabgestiegen ist. So viele Menschen müssen leiden. Sie alle können wissen: wenn es am schlimmsten ist, ist Er immer noch da.
Sr. Barbara
Donnerstag, 17. April 2014
Gründonnerstag
Diese Nacht ist anders als alle Nächte...
In unserem Kloster ist die Liturgie der Kartage immer von den traditionellen dominikanischen Gesängen geprägt. Ich finde das wunderschön, aber wir haben ja auch ein Kinderdorf und dafür lassen wir uns gerne auch andere Sachen einfallen.
Für die Stunden in der Kirche haben wir einiges vorbereitet, damit die Kids nicht wie die Jünger einschlafen. Welche falsche Anklagen hängen wir einander an? Was gibt uns Halt, wenn andere uns im Stich lassen? Was hält mich gefangen? Was ist mir heilig? usw.
Damit die Jugendlichen auch nachvollziehen können, was geschieht, haben wir für sie eine Ölbergnacht vorbereitet. Es ist ja gar nicht so leicht, sich wirklich vorzustellen und an sich herankommen zu lassen, was Jesus damals erlebt hat. Deshalb versuchen wir, das Ganze möglichst lebendig werden zu lassen.
Wir werden mit einem Paschamahl beginnen, ganz wie die Jünger damals. Wie haben die Juden das gemacht? (Also so ungefähr, denn ganz richtig können wir es natürlich nicht.)
Manches davon könnte ziemlich cool werden - wie es hoffentlich überhaupt krass ist (oder wie die das heute nennen), eine ganze Nacht durchzumachen und dann auch noch in der leeren Kirche. Zum Schluss gehen wir einen Kreuzweg durch den Park - aber mit richtigem Kreuz (das hat uns einer der Hausmeister zusammengebaut).
Wenn wir dann nachmittags die Karfreitagsliturgie feiern, haben die Jugendlichen, die nachts dabei waren, doch wenigstens eine Vorstellung, wovon die Rede ist.
Mittwoch, 16. April 2014
Freude des Evangeliums: neue religiöse Bewegungen
Im
apostolischen Schreiben "Die Freude des Evangeliums" sind wir inzwischen
in Kapitel 2 "In der Krise des gemeinschaftlichen Engagements", Absatz I
"Einige Herausforderungen in der Welt von heute", Abschnitt "Einige kulturelle Herausforderungen":
63. Der katholische Glaube vieler Völker steht heute vor der
Herausforderung der Verbreitung neuer religiöser Bewegungen, von denen
einige zum Fundamentalismus tendieren und andere eine Spiritualität ohne
Gott anzubieten scheinen. Das ist einerseits das Ergebnis einer
menschlichen Reaktion auf die materialistische, konsumorientierte und
individualistische Gesellschaft und andererseits eine Ausnutzung der
Notsituation der Bevölkerung, die an den Peripherien und in den
verarmten Zonen lebt, die inmitten großer menschlicher Leiden überlebt
und unmittelbare Lösungen für die eigenen Bedürfnisse sucht. Diese
religiösen Bewegungen, die durch ihr subtiles Eindringen gekennzeichnet
sind, füllen innerhalb des herrschenden Individualismus eine Leere aus,
die der laizistische Rationalismus hinterlassen hat. Außerdem müssen wir
zugeben, dass, wenn ein Teil unserer Getauften die eigene Zugehörigkeit
zur Kirche nicht empfindet, das auch manchen Strukturen und einem wenig
aufnahmebereiten Klima in einigen unserer Pfarreien und Gemeinden
zuzuschreiben ist oder einem bürokratischen Verhalten, mit dem auf die
einfachen oder auch komplexen Probleme des Lebens unserer Völker
geantwortet wird. Vielerorts besteht eine Vorherrschaft des
administrativen Aspekts vor dem seelsorglichen sowie eine
Sakramentalisierung ohne andere Formen der Evangelisierung.
Hiermit endet unsere Fastenreihe mit Papst Franziskus, denn morgen beginnen die Kartage. Da wir mit unseren Zitaten mitten in der Enzyklika aufhören müssen, sogar mitten im Kapitel, den Text aber sehr schön finden, werden wir den Faden vielleicht nach Ostern noch einmal aufnehmen.
Dienstag, 15. April 2014
Freude des Evangeliums: Herausforderungen
Im
apostolischen Schreiben "Die Freude des Evangeliums" sind wir inzwischen
in Kapitel 2 "In der Krise des gemeinschaftlichen Engagements", Absatz I
"Einige Herausforderungen in der Welt von heute":
Einige kulturelle Herausforderungen
61. Wir evangelisieren auch dann, wenn wir versuchen, uns den verschiedenen Herausforderungen zu stellen, die auftauchen können.[56]
Manchmal zeigen sie sich in echten Angriffen auf die Religionsfreiheit
oder in neuen Situationen der Christenverfolgung, die in einigen Ländern
alarmierende Stufen des Hasses und der Gewalt erreicht haben. An vielen
Orten handelt es sich eher um eine verbreitete relativistische
Gleichgültigkeit, verbunden mit der Ernüchterung und der Krise der
Ideologien, die als Reaktion auf alles, was totalitär erscheint,
eingetreten ist. Das schadet nicht nur der Kirche, sondern dem
Gesellschaftsleben allgemein. Geben wir zu, dass in einer Kultur, in der
jeder Träger einer eigenen subjektiven Wahrheit sein will, die Bürger
schwerlich das Verlangen haben, sich an einem gemeinsamen Projekt zu
beteiligen, das die persönlichen Interessen und Wünsche übersteigt.
62. In der herrschenden Kultur ist
der erste Platz besetzt von dem, was äußerlich, unmittelbar, sichtbar,
schnell, oberflächlich und provisorisch ist. Das Wirkliche macht dem
Anschein Platz.[...]
Montag, 14. April 2014
Freude des Evangeliums: Nein zu sozialer Ungleichheit
Im apostolischen Schreiben "Die Freude des Evangeliums" sind wir inzwischen in Kapitel 2 "In der Krise des gemeinschaftlichen Engagements", Absatz I "Einige Herausforderungen in der Welt von heute":
Nein zur sozialen Ungleichheit, die Gewalt hervorbringt
59. Heute wird von vielen Seiten eine
größere Sicherheit gefordert. Doch solange die Ausschließung und die
soziale Ungleichheit in der Gesellschaft und unter den verschiedenen
Völkern nicht beseitigt werden, wird es unmöglich sein, die Gewalt
auszumerzen. Die Armen und die ärmsten Bevölkerungen werden der Gewalt
beschuldigt, aber ohne Chancengleichheit finden die verschiedenen Formen
von Aggression und Krieg einen fruchtbaren Boden, der früher oder
später die Explosion verursacht. [...]
60. Die Mechanismen der
augenblicklichen Wirtschaft fördern eine Anheizung des Konsums, aber es
stellt sich heraus, dass der zügellose Konsumismus, gepaart mit der
sozialen Ungleichheit das soziale Gefüge doppelt schädigt. Auf diese
Weise erzeugt die soziale Ungleichheit früher oder später eine Gewalt,
die der Rüstungswettlauf nicht löst, noch jemals lösen wird. Er dient
nur dem Versuch, diejenigen zu täuschen, die größere Sicherheit fordern,
als wüssten wir nicht, dass Waffen und gewaltsame Unterdrückung,
anstatt Lösungen herbeizuführen, neue und schlimmere Konflikte schaffen.[...]
Sonntag, 13. April 2014
Palmsonntag: Jubel und Schrecken
Heute ist Palmsonntag. Eigentlich erinnern wir uns an den umjubelten Einzug Jesu in Jerusalem.
Aber immer wieder bin ich erschrocken darüber, dass an diesem Tag bereits die ganze Passionsgeschichte gelesen wird. Wir wissen heute schon, was passieren wird. Hat Jesus es auch schon so klar gesehen? Seine Jünger jedenfalls hatten noch in der Nacht der Verhaftung keine Ahnung, da sind sie eingeschlafen! Jesus selber hat mit Sicherheit das Ende kommen sehen. Er hatte sich vorher manchmal dem Zorn der Menge entzogen, wenn sie ihn steinigen wollten. Jetzt ging er bewusst in die Höhle des Löwen. Jetzt würde er die Wechsler aus dem Tempel vertreiben und Klartext reden. Dass das Folgen haben würde, konnte er sich an fünf Fingern ausrechnen, aber die Zeit der Wanderungen über Land war vorbei.
Wie muss es sich angefühlt haben, umjubelt zu werden und gleichzeitig zu ahnen, dass die Stimmung bald umschlagen würde? Daneben die Freunde, die sich freuen, weil sie so begeistert aufgenommen werden, die nichts verstehen, wie sie so oft nichts verstanden haben! Wie einsam muss Jesus in diesem Moment gewesen sein...
Samstag, 12. April 2014
Freude des Evangeliums: Geld soll dienen
Im apostolischen Schreiben "Die Freude des Evangeliums" sind wir in Kapitel 2 "In der Krise des gemeinschaftlichen Engagements", Absatz I "Einige Herausforderungen in der Welt von heute":
Nein zur neuen Vergötterung des Geldes
55. Einer der Gründe dieser
Situation liegt in der Beziehung, die wir zum Geld hergestellt haben,
denn friedlich akzeptieren wir seine Vorherrschaft über uns und über
unsere Gesellschaften. Die Finanzkrise, die wir durchmachen, lässt uns
vergessen, dass an ihrem Ursprung eine tiefe anthropologische Krise
steht: die Leugnung des Vorrangs des Menschen! [...]
56. Während die Einkommen einiger
weniger exponentiell steigen, sind die der Mehrheit immer weiter
entfernt vom Wohlstand dieser glücklichen Minderheit. Dieses
Ungleichgewicht geht auf Ideologien zurück, die die absolute Autonomie
der Märkte und die Finanzspekulation verteidigen. [...] Zu all dem kommt eine verzweigte
Korruption und eine egoistische Steuerhinterziehung hinzu, die weltweite
Dimensionen angenommen haben. Die Gier nach Macht und Besitz kennt
keine Grenzen. In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um
den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos
gegenüber den Interessen des vergötterten Marktes, die zur absoluten
Regel werden.
Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen
57. Hinter dieser Haltung verbergen
sich die Ablehnung der Ethik und die Ablehnung Gottes. Die Ethik wird
gewöhnlich mit einer gewissen spöttischen Verachtung betrachtet. Sie
wird als kontraproduktiv und zu menschlich angesehen, weil sie das Geld
und die Macht relativiert. Man empfindet sie als eine Bedrohung, denn
sie verurteilt die Manipulierung und die Degradierung der Person.
Schließlich verweist die Ethik auf einen Gott, der eine verbindliche
Antwort erwartet, die außerhalb der Kategorien des Marktes steht. Für
diese, wenn sie absolut gesetzt werden, ist Gott unkontrollierbar, nicht
manipulierbar und sogar gefährlich, da er den Menschen zu seiner vollen
Verwirklichung ruft und zur Unabhängigkeit von jeder Art von
Unterjochung. [...]
58. Eine Finanzreform, welche die
Ethik nicht ignoriert, würde einen energischen Wechsel der
Grundeinstellung der politischen Führungskräfte erfordern, die ich
aufrufe, diese Herausforderung mit Entschiedenheit und Weitblick
anzunehmen, natürlich ohne die Besonderheit eines jeden Kontextes zu
übersehen. Das Geld muss dienen und nicht regieren! Der Papst liebt
alle, Reiche und Arme, doch im Namen Christi hat er die Pflicht daran zu
erinnern, dass die Reichen den Armen helfen, sie achten und fördern
müssen. Ich ermahne euch zur uneigennützigen Solidarität und zu einer
Rückkehr von Wirtschaft und Finanzleben zu einer Ethik zugunsten des
Menschen.
Freitag, 11. April 2014
Freude des Evangeliums: Wegwerfkultur
Im apostolischen Schreiben "Die Freude des Evangeliums" sind wir inzwischen in Kapitel 2 "In der Krise des gemeinschaftlichen Engagements", Absatz I "Einige Herausforderungen in der Welt von heute":
Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung
53. Ebenso wie das Gebot „du sollst
nicht töten“ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen
Lebens zu sichern, müssen wir heute ein „Nein zu einer Wirtschaft der
Ausschließung und der Disparität der Einkommen“ sagen. Diese Wirtschaft
tötet. Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter
Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine
Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht. Das ist
Ausschließung. Es ist nicht mehr zu tolerieren, dass Nahrungsmittel
weggeworfen werden, während es Menschen gibt, die Hunger leiden. Das ist
soziale Ungleichheit. Heute spielt sich alles nach den Kriterien der
Konkurrenzfähigkeit und nach dem Gesetz des Stärkeren ab, wo der
Mächtigere den Schwächeren zunichte macht. Als Folge dieser Situation
sehen sich große Massen der Bevölkerung ausgeschlossen und an den Rand
gedrängt: ohne Arbeit, ohne Aussichten, ohne Ausweg. Der Mensch an sich
wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen
kann. Wir haben die „Wegwerfkultur“ eingeführt, die sogar gefördert
wird. Es geht nicht mehr einfach um das Phänomen der Ausbeutung und der
Unterdrückung, sondern um etwas Neues: Mit der Ausschließung ist die
Zugehörigkeit zu der Gesellschaft, in der man lebt, an ihrer Wurzel
getroffen, denn durch sie befindet man sich nicht in der Unterschicht,
am Rande oder gehört zu den Machtlosen, sondern man steht draußen. Die
Ausgeschlossenen sind nicht „Ausgebeutete“, sondern Müll, „Abfall“.
54. [...] Fast ohne es zu merken, werden wir unfähig, Mitleid zu empfinden
gegenüber dem schmerzvollen Aufschrei der anderen, wir weinen nicht mehr
angesichts des Dramas der anderen, noch sind wir daran interessiert,
uns um sie zu kümmern, als sei all das eine uns fern liegende
Verantwortung, die uns nichts angeht. Die Kultur des Wohlstands betäubt
uns, und wir verlieren die Ruhe, wenn der Markt etwas anbietet, was wir
noch nicht gekauft haben, während alle diese wegen fehlender
Möglichkeiten unterdrückten Leben uns wie ein bloßes Schauspiel
erscheinen, das uns in keiner Weise erschüttert.
Donnerstag, 10. April 2014
Freude des Evangeliums: eine verbeulte Kirche
Wir sind in der Enzyklika "Die Freude des Evangliums" von Papst Franziskus in Kapitel 1, Absatz V "Eine Mutter mit offenem Herzen":
49. Brechen wir auf, gehen wir hinaus, um allen das Leben Jesu Christi
anzubieten! Ich wiederhole hier für die ganze Kirche, was ich viele Male
den Priestern und Laien von Buenos Aires gesagt habe: Mir ist eine
„verbeulte“ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die
Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer
Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen
Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum
besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein, und schließlich in einer Anhäufung
von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist. Wenn uns etwas in
heilige Sorge versetzen und unser Gewissen beunruhigen soll, dann ist es
die Tatsache, dass so viele unserer Brüder und Schwestern ohne die
Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus
leben, ohne eine Glaubensgemeinschaft, die sie aufnimmt, ohne einen
Horizont von Sinn und Leben. Ich hoffe, dass mehr als die Furcht, einen
Fehler zu machen, unser Beweggrund die Furcht sei, uns einzuschließen in
die Strukturen, die uns einen falschen Schutz geben, in die Normen, die
uns in unnachsichtige Richter verwandeln, in die Gewohnheiten, in denen
wir uns ruhig fühlen, während draußen eine hungrige Menschenmenge
wartet und Jesus uns pausenlos wiederholt: » Gebt ihr ihnen zu essen! « (Mk 6,37).
Mittwoch, 9. April 2014
Freude des Evangeliums: Zollstation oder Vaterhaus?
Wir sind in Kapitel 1, Abschnitt V: Eine Mutter mit offenem Herzen
47. Die Kirche ist berufen, immer das offene Haus des Vaters zu sein.
Eines der konkreten Zeichen dieser Öffnung ist es, überall Kirchen mit
offenen Türen zu haben. So stößt einer, wenn er einer Eingebung des
Geistes folgen will und näherkommt, weil er Gott sucht, nicht auf die
Kälte einer verschlossenen Tür. Doch es gibt noch andere Türen, die
ebenfalls nicht geschlossen werden dürfen. Alle können in irgendeiner
Weise am kirchlichen Leben teilnehmen, alle können zur Gemeinschaft
gehören, und auch die Türen der Sakramente dürften nicht aus irgendeinem
beliebigen Grund geschlossen werden. Das gilt vor allem, wenn es sich
um jenes Sakrament handelt, das „die Tür“ ist: die Taufe. Die
Eucharistie ist, obwohl sie die Fülle des sakramentalen Lebens
darstellt, nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein
großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen.[51]
Diese Überzeugungen haben auch pastorale Konsequenzen, und wir sind
berufen, sie mit Besonnenheit und Wagemut in Betracht zu ziehen. Häufig
verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre
Förderer. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus,
wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.
Dienstag, 8. April 2014
Urlegende regenbogenfarben
Noch einmal muss ich über "Noah" schreiben. Dieser Film beschäftigt mich.
In der Bibel steht die Erzählung doppelt: eine Fassung ist 2.900 Jahre alt, die andere etwa 400 Jahre jünger. Beide Versionen sind im Buch Genesis ineinander verwoben. Es gibt ein paar Unterschiede, aber im Wesentlichen sind sie sich einig: es geht um die Deutung einer Flutkatastrophe (wahrscheinlich in Mesopotamien) als Strafe Gottes für menschliche Schuld. Die wesentlichen Elemente und Aussagen:
1. Die Menschen sind schlecht und Gott beschließt, alles zu vernichten, weil es ihn reut, es erschaffen zu haben. 2. Nur Noah ist gottesfürchtig und findet Gnade. Mit ihm schließt Gott einen Bund. 3. Noah soll eine Arche bauen und folgende Lebewesen vor der Flut retten: von allen Tieren je ein Paar und seine Familie, d.h. sich selbst, seine Frau, seine drei Söhnen und deren drei Frauen. 4. Dann kommt die Flut, vernichtet alles außerhalb der Arche. Nach 40 Tagen geht die Flut zurück. Verschiedene Vögel werden auf der Suche nach festem Land ausgesandt. 5. Als sie welches finden, gehen alle an Land und Gott segnet Noah so, wie er einst Adam und Eva segnete: seid fruchtbar und mehr euch und bevölkert die Erde. 6. Gott verspricht Noah: nie wieder will er die Erde vernichten. Als Zeichen dafür setzt er den Regenbogen in die Wolken.
So wird es seit 2.900 Jahren im Judentum und seit 2.000 Jahren auch im Christentum tradiert.Seit letzter Woche haben wir ein neues Element in die Legende eingeflochten. Der Kinofilm Noah erzählt uns, dass Noah sich weigert, für seine beiden jüngeren Söhne Frauen zu suchen. Er glaubt, Gott habe auch die Vernichtung des Menschen befohlen. Ob er sich irrt, oder ob Gott seinen Willen ändert, wird nicht deutlich. Dieses Element ist zwar völlig unbiblisch, aber es verschafft dem Film eine Menge zusätzlicher Dramatik. Ob die zusätzlichen Handlungsstränge ein Gewinn sind, sei mal dahingestellt.
Jedenfalls nimmt nur der älteste Sohn Set seine Frau Ila mit, die als unfruchtbar gilt.
Der zweite Sohn Ham findet ein Mädchen, darf sie aber nicht mitnehmen, was ihn dem Vater entfremdet. Und da wird es merkwürdig. Es kommt zu Sätzen wie (Ham zu seinem Vater Noah): "Du willst ja nur nicht, dass ich ein richtiger Mann werde." Später tötet Ham dann einen Feind und dieser haucht mit seinem letzten Atemzug: "Jetzt bist du ein richtiger Mann." Nach der Flut ist Ham alleine, während Set und Ila, wider Erwarten doch mit Kindern, die Zukunft der Menschheit bauen. Er verlässt die Gruppe mit den Worten "Ich gehöre nicht hierher." und geht alleine in eine ungewisse Zukunft.
Nun ist die biblische Vision, dass die Menschheit aus drei Paaren neu ersteht, zwar genetisch gesehen auch etwas kühn, aber die Bibel ist ja schließlich kein Biologiebuch. Es geht um eine Glaubensaussage: Gott hat unser Leben gewollt und gesegnet, Er hat uns alles Leben auf der Erde anvertraut - und die ganze Menschheitsfamilie gehört zusammen.
Die Filmversion, dass der älteste und der jüngste Bruder, Set und Jafet gemeinsam mit einer Frau Stammeltern der Menschheit werden, ist biologisch betrachtet noch absurder. Also: was will uns der Regisseur sagen?
Als Noah wenig später einsieht, dass Gott doch den Neuanfang menschlichen Lebens will, bestätigt Gott diese Erkenntnis nicht (wie in der Bibel) mit einem Regenbogen, den er in die grauen Wolken setzt, sondern mit einem Himmel, der von einem Horizont zum anderen vollständig in allen Regenbogenfarben strahlt. Eine Art Wink mit dem Zaunpfahl.
Die Assoziation ist fast zwangsläufig: eine heile Welt der drei Söhne mit ihren drei Frauen zum Schluss wäre heute einfach nicht mehr politisch korrekt. Die Vision des neuen Lebens nach dem Tod, die fast 3.000 Jahre lang tradiert wurde, stimmt heute so nicht mehr. Der Regenbogen steht im Jahr 2014 nicht mehr für das Versprechen Gottes, die Menschheit nicht zu vernichten und seinen Bund mit den Menschen "Seid fruchtbar und vermehrt euch", sondern gleichberechtigt für einen alleinstehenden Mann, dem ebenfalls gesagt wird "bevölkert die Erde".
Montag, 7. April 2014
Urlegende postmodern
Am Wochenende war ich mit einer Freundin im Kino: "Noah".
Ich hatte die Vorschau gesehen und ahnte, dass der Film möglicherweise etwas ... speziell sein würde. Aber schon vor Beginn, nämlich als die Vorschau von "Godzilla" gezeigt wurde, wurde uns klar, wie übel es werden könnte.
Ganz so schlimm war es dann eigentlich doch nicht. Zumindest Anthony Hopkins war genial und Emma Watson fand ich auch klasse.
Naja, die gefallenen Engel, die zu Steinmonstern werden, das war schon... äh, originell. Aber wenn man sich erst mal an den Gedanken gewöhnt hatte, dass der Film sich nun einfach nicht entscheiden will, ob er eher zur Kategorie "Transformers" oder "Wunder der Erde" gehört, dann ist das schon okay.
Ansonsten ist die Idee ja nicht schlecht, eine Urlegende der Menschheit mal postmodern auf die Leinwand zu bringen und sich im Detail auszumalen, wie das denn eigentlich so gewesen sein könnte. Es gibt ja schließlich so vieles, was die Bibel nicht erzählt, was wir aber gerne wüssten, warum darf man darüber nicht ein bisschen spekulieren?
Aber Obacht! Wer mit diesem Film sein Bibelwissen auffrischen möchte, sei gewarnt, dass der Drehbuchautor wohl eine Privatoffenbarung hatte oder eine ausgesprochen seltene Übersetzung oder so. In allen Bibelübersetzungen, die ich kenne, steht deutlich drin, dass Noah an Bord der Arche geht mit seiner Frau, seinen drei Söhnen und ihren drei Frauen.
Mmh. Das hat der Regisseur den beiden jüngeren Söhnen nicht gegönnt, sie mussten ohne Frauen mit in die Arche. Mir ist schon klar, was der Meister damit sagen wollte und der Film wäre wohl eine halbe Stunde kürzer geworden, wenn er sich an die biblische Vorlage gehalten hätte.
Aber... Hätte das dem Film geschadet?
Nö.
Sonntag, 6. April 2014
Misereorsonntag
Der Kampf gegen den Hunger braucht uns alle als Verbündete. Wir dürfen nicht achselzuckend hinnehmen, dass alle 5 Sekunden ein Kind an Unterernährung stirbt - 6,5 Mio im Jahr.
Es ist sicher nicht einfach gegen den Strom zu schwimmen - aber es ist genau das, was Jesus von uns verlangt. Öffnen wir unsere Augen, Ohren und Herzen für unseren Nächsten - ob er nun neben uns in der Kirchenbank sitzt oder in Uganda um die nächste Ernte kämpft.
Samstag, 5. April 2014
Freude des Evangeliums: offene Türen
In der Enzyklika "Die Freude des Evangeliums" von Papst Franziskus sind wir inzwischen in Kapitel 1, Abschnitt V:
V. Eine Mutter mit offenem Herzen
46. Eine Kirche „im Aufbruch“ ist eine Kirche mit offenen Türen. Zu den
anderen hinauszugehen, um an die menschlichen Randgebiete zu gelangen,
bedeutet nicht, richtungs- und sinnlos auf die Welt zuzulaufen. Oftmals
ist es besser, den Schritt zu verlangsamen, die Ängstlichkeit abzulegen,
um dem anderen in die Augen zu sehen und zuzuhören, oder auf die
Dringlichkeiten zu verzichten, um den zu begleiten, der am Straßenrand
geblieben ist. Manchmal ist sie wie der Vater des verlorenen Sohns, der
die Türen offen lässt, damit der Sohn, wenn er zurückkommt, ohne
Schwierigkeit eintreten kann.
Donnerstag, 3. April 2014
Freude des Evangeliums: das missionarische Herz
Im Schreiben von Papst Franziskus sind wir in Kapitel II, Abschnitt IV:
Die Mission, die in den menschlichen Begrenzungen Gestalt annimmt.
45. So sehen wir, dass der evangelisierende Einsatz sich innerhalb der Grenzen der Sprache und der Umstände bewegt. Er versucht immer, die Wahrheit des Evangeliums in einem bestimmten Kontext bestmöglich mitzuteilen, ohne auf die Wahrheit, das Gute und das Licht zu verzichten, die eingebracht werden können, wenn die Vollkommenheit nicht möglich ist. Ein missionarisches Herz weiß um diese Grenzen und wird » den Schwachen ein Schwacher […] allen alles « (vgl. 1 Kor 9,22). Niemals verschließt es sich, niemals greift es auf die eigenen Sicherheiten zurück, niemals entscheidet es sich für die Starrheit der Selbstverteidigung. Es weiß, dass es selbst wachsen muss im Verständnis des Evangeliums und in der Unterscheidung der Wege des Geistes, und so verzichtet es nicht auf das mögliche Gute, obwohl es Gefahr läuft, sich mit dem Schlamm der Straße zu beschmutzen.
Frühschicht: Mut zu helfen
Gestern morgen hatten wir wieder unsere Mittwochs-Frühschicht. Diesmal war die rechte obere Ecke des Hungertuches dran, das letzte Abendmahl. Allerdings haben wir uns auf die Fußwaschung konzentriert, die Eucharistie kommt nächste Woche.
Unsere Frühschichten haben den Obertitel von der Misereor-Aktion "Mut ist, zu geben, wenn alle nehmen."
Was hat das jetzt damit zu tun? Braucht es etwa Mut, um zu helfen? Ich meine, manchmal schon. Manchmal ist es gar nicht so einfach, einem anderen beizustehen, der gerade ausgelacht wird oder Druck kriegt. Wieviel Überwindung kostet es viele Menschen, bis sie sich einem Menschen, der sie um Geld bittet, wirklich zuwenden, ihn ansehen - statt nur eine Münze in den Pappbecher zu werfen? Und manchmal haben wir auch Angst uns selbst zu verlieren und können uns deshalb nicht verschenken. Dann braucht es Mut, auch nur zu sagen: "Aber klar hab ich Zeit für Dich! Ich bin ganz Ohr!"
Genau diesen Mut will Jesus uns schenken. Er ermutigt uns, uns einzusetzen für die Menschen, denen wir Tag für Tag begegnen.
Mittwoch, 2. April 2014
Unwürdig, verbeult und hässlich
Letzten Sonntag bin ich nach Köln zur Messe gefahren.
Derzeit fallen mir besonders Wegkreuze auf, an den unterschiedlichsten Stellen. Oft frage ich mich, ob diese wohl auch von anderen Fußgängern, Fahrradfahrern und Autofahrern wahrgenommen werden.
Dieses Kreuz steht an einem Straßenrand in einem Vorort von Köln.
Ein Papierkorb steht davor, verbeult und hässlich. Alles irgendwie schmuddelig. Ein unwürdiger Ort…
An dieser Straße stehen regelmäßig Frauen, die ihren Körper für Geld verkaufen.
Ich fahre hier oft vorbei und muss an diese Frauen denken. Frauen, die ausgenutzt werden, keinen anderen Weg zu nehmen wussten, die nicht die Kraft hatten gegenzusteuern, die verzweifelt waren und nicht zuletzt auf Menschen vertraut haben, die ihnen ein gutes Leben versprochen haben.
An dem Kreuz steht eine Laterne.
Zweideutig.
Gott scheut die hässlichen Orte nicht.
Er geht dahin, wo Menschen in Not sind und gibt ihnen Zuspruch.
Jesus hatte ein Herz für die Ausgegrenzten, für Frauen in Notsituationen, für Frauen, die sich für Geld verkauften. Er hat ihnen ihre Würde wieder gegeben und sich vom Gerede der anderen nicht beeindrucken lassen.
Und auch an diesem Platz spendet er Licht in der Dunkelheit. Tag für Tag und Nacht für Nacht.
Derzeit fallen mir besonders Wegkreuze auf, an den unterschiedlichsten Stellen. Oft frage ich mich, ob diese wohl auch von anderen Fußgängern, Fahrradfahrern und Autofahrern wahrgenommen werden.
Dieses Kreuz steht an einem Straßenrand in einem Vorort von Köln.
Ein Papierkorb steht davor, verbeult und hässlich. Alles irgendwie schmuddelig. Ein unwürdiger Ort…
An dieser Straße stehen regelmäßig Frauen, die ihren Körper für Geld verkaufen.
Ich fahre hier oft vorbei und muss an diese Frauen denken. Frauen, die ausgenutzt werden, keinen anderen Weg zu nehmen wussten, die nicht die Kraft hatten gegenzusteuern, die verzweifelt waren und nicht zuletzt auf Menschen vertraut haben, die ihnen ein gutes Leben versprochen haben.
An dem Kreuz steht eine Laterne.
Zweideutig.
Gott scheut die hässlichen Orte nicht.
Er geht dahin, wo Menschen in Not sind und gibt ihnen Zuspruch.
Jesus hatte ein Herz für die Ausgegrenzten, für Frauen in Notsituationen, für Frauen, die sich für Geld verkauften. Er hat ihnen ihre Würde wieder gegeben und sich vom Gerede der anderen nicht beeindrucken lassen.
Und auch an diesem Platz spendet er Licht in der Dunkelheit. Tag für Tag und Nacht für Nacht.
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Dienstag, 1. April 2014
Freude des Evangeliums: Vielfalt
IV. Die Mission, die in den menschlichen Begrenzungen Gestalt annimmt
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