Dienstag, 7. September 2010

Schon Abschied!

Heute Nachmittag haben wir nochmals die Gelegenheit, mit den Männern in Norfolk zu sprechen. Es ist das dritte Mal, dass wir hingehen. Die Männer sind uns schon sehr vertraut. Die Gesichter gehen mit uns. Phil hat diesmal seinen Hund mitgebracht. Im Gefängnis bilden Gefangene unter Anleitung Hunde zu Begleithunden für Behinderte aus. Sie nehmen sie überall mit hin und sorgen für sie, Phil ist stolz auf seinen Hund "Aristide".
Wir haben Fotos von der neuen Kapelle von Mont mitgenommen und erzählen den Männern davon. Einige haben ihre Portraits an den Künstler geschickt und werden später in der neuen Kapelle zu sehen sein. Man spürt das Bedauern, dass sie wohl nie die Gelegenheit haben werden, einmal selbst dorthin zu fahren. 
Richtig lebhaft wird das Gespräch, als es um die Seligsprechung geht. Die Kommission der Ärzte hatte das Wunder, die Heilung des Vaters einer Schwester auf Fürsprache von P. Lataste, bereits anerkannt, als die Theologen ihre Zweifel anmeldeten und neue Informationen verlangten. Das bringt die Männer geradezu in Rage. Sie haben selbst versucht, dem Heiligen Vater zu schreiben, und fragen immer wieder, ob sie nicht Wunder genug seien für eine Seligsprechung! Was kann es Größeres geben als die Bekehrung aufgrund der Worte von P.Lataste an diesem Ort?
Viele haben das Buch von Sr. Marie Emmanuelle "Maria Magdalena hat noch etwas zu sagen" gelesen, das ins Englische übersetzt wurde, und waren tief getroffen von den Worten der Predigt von P.Lataste. Und haben sie nicht Recht? Ist es menschlich erklärbar, dass Schwerverbrecher nicht nur neu ihren Glauben finden, sondern so weit gehen, Gemeinschaft leben und Profess ablegen zu wollen  und zwar nicht nur einige wenige? Wir können den Männern nur zustimmen!
Danach ist schon Abschied nehmen angesagt. Es ist schmerzhaft: Wir sind uns sehr nahe gekommen in diesen Tagen, und manche von ihnen werden ihr Leben hier verbringen müssen. Keine Chance, sich einmal zufällig irgendwo auf der Welt zu treffen. Manch einem stehen die Tränen in den Augen. Umarmen dürfen wir uns nicht - es ist den Männern verboten, Frauen zu umarmen -, aber wir haben uns auch so manches zu sagen.
Kathleen und Anne: "emotional erschöpft"
Wir lassen Brüder zurück: Josef, der auf das Urteil der Bewährungskomission wartet und vielleicht schon bald ins House of Hope ziehen kann. Moses, der am Sonntag Ewige Profess gemacht hat. Rocco, der schon seit 50 Jahren hier lebt und sich mit seinem Tod auseinander setzt. Michael, der gerade das Noviziat begonnen hat und hofft, nach 25 Jahren noch einmal eine Chance auf Bewährung zu bekommen. Frankie, der gerade seine Mutter verloren hat... Sie alle werden mit uns gehen in unserem Gebet und unserer Erinnerung.
Nghia, der im House of Hope lebt, hat für uns ein vietnamesisches Essen gekocht. Wir genießen den entspannten Abend, denn, wie Sr. Kathleen es ausdrückt, wir sind emotional erschöpft!
Saint-Exupéry hat im "Kleinen Prinzen" das bekannte Wort geprägt: "Du bist verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast". Unser Besuch in Norolk wird sicher nicht folgenlos bleiben!
Sr. Sara, z.Zt. Norfolk, USA

Montag, 6. September 2010

"Mahl mit den Sündern"

Sieger Köder hat ein berühmtes Bid gemalt, das er "Mahl mit den Sündern" genannt hat. Jesus hält Mahl mit allen Ausgestoßenen unserer Gesellschaft: Farbigen, Behinderten, Kranken, Stigmatisierten. Viele von uns haben dieses Bild schon oft meditiert. Aber noch nie habe ich dieses Bild gelebt!
Heute ist Labour Day, ein nationaler Feiertag zum Ende der Sommerferien, und Ruth und Kathleen haben die gesamte bethanische Gemeinschaft zu einem Barbecue eingeladen, bei dem jeder etwas mitgebracht hat. 
Wir beginnen um 12:00 h mit der Eucharistiefeier. P.Wayne lädt uns zu Beginn der Messe ein, uns kurz vorzustellen und zu sagen, was uns hierher geführt hat. Eine interessante Gesellschaft, Evangelium so konkret, wie ich es noch nie erlebt habe: der ehemalige Inhaftierte, der 29 Jahre gesessen hat, der Bruder eines Inhaftierten mit seiner Familie, die Freiwillige, die seit einigen Jahren nach Norfolk geht, der schwer behinderte Ex-Gefangene, der nun Laiendominikaner ist, der ehemalige Kriminelle, den P.Wayne im Gefängnis getauft hat, die Josephsschwester, das befreundete Ehepaar, das mit den Enkeln gekommen ist - eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft. Und alle haben dasselbe Recht, hier zu sein, an der Eucharistiefeier teilzunehmen und am anschließenden Festmahl, denn wir alle sind Sünder, die die Barmherzigkeit Gottes erfahren haben und aus seiner Gnade leben. 
"Ich bin zwar der, der als Priester der Eucharistie vorsteht, aber eigentlich sind wir alle es, die diese Eucharistie feiern, denn wir alle sind der Leib Christi", sagt P.Wayne bei der Eröffnung. Und so ist es: ein buntes Fest, das alle Grenzen sprengt, weil Christus alle Grenzen gesprengt hat. Das macht uns zu Schwestern und Brüdern. Die neue Wirklichkeit hat bereits begonnen, das Königreich Gottes ist schon da, mitten unter uns. P.Lataste hat es vor fast 150 Jahren bereits erfahren, und hier setzt es sich fort. Welche Gnade, daran teilhaben zu dürfen!
Sr. Sara, z.Zt. Norfolk, USA

Sonntag, 5. September 2010

"Wir haben Wunder gesehen"

Mit diesem Wort begann P. Lataste seine Predigt vor den Gefangenen in Cadillac, unter dem tiefen Eindruck dessen, was er in der Anbetungsnacht mit ihnen erlebt hatte.
Heute war ein solcher "Tag der Wunder". Zu Beginn der Festmesse sagte P.Wayne, dass jedes Ereignis für sich schon genug wäre, um Gott zu preisen: die Ewige Profess von Thomas und Linton, der Noviziatsbeginn von Michael und Dennis, die Aufnahme ins Postulat von Kim, Ryan und Frederick - die Tatsache, dass mit P. Nick ein Nachfolger als geistlicher Direktor der Laiengemeinschaft gefunden ist - der Besuch von Sr. Pia Elisabeth und mir - der Geburtstag von P. Lataste - und die Wahl des neuen Ordensmeisters P. Bruno Cadore am heutigen Tag. P. Bruno Cadore war bisher Provinzial in Frankreich und hat in dieser Eigenschaft viele Kontakte zu den Schwestern von Mont. Er gilt als Verehrer von P. Lataste, und nicht umsonst wird er an dessen Geburtstag gewählt worden sein! 
Gemalt von Mick, einem der "Lebenslänglichen"
Die Kapelle in Norfolk ist voll: ausser der Laiengemeinschaft ist auch die Spanisch sprechende Gemeinde anwesend, dazu viele Freiwillige, die diesen besonderen Tag nicht verpassen wollen. Die Seelsorge geniesst viel Vertrauen. Wir wundern uns, dass keine Wachleute anwesend sind, aber diese bleiben sehr diskret im Hintergrund und schauen nur ab und zu hinein, ob alles in Ordnung ist.
Die Aufnahme ins Noviziat verläuft geradezu klösterlich: die Kandidaten werden dreimal gefragt, ob sie bereit sind, und antworten auf „gut dominikanisch“: „Ich bin bereit, mit Gottes Hilfe und der Euren“. Sie erhalten ein sogenanntes kleines Skapulier, ein kleines Stoffstück, das ihnen umgehängt wird als Zeichen ihres Status als Novizen, und einen Ordensnnamen. Michael bleibt bei seinem Taufnamen, aber Dennis wählt: Johannes Josef Lataste. 
Mit den beiden Novizen hat es etwas Besonderes auf sich. Während Dennis eher zu den Schwachen zählt, die in der Gefängnisordnung ganz unten stehen, gehört Michael zu den Starken und Dominanten. Normalerweise schliesst ein Starker nicht mit einem Schwachen Freundschaft, das wäre ein Zeichen eigener Schwäche. Nun beginnen ausgerechnet diese beiden gemeinsam ihr Noviziat, und als sie vor Ruth und P. Wayne stehen, legt Michael seinen Arm um Dennis. Eine unerhörte Geste – eben „Bethanien“.
Thomas und Linton erhalten bei der Ewigen Profess das sog. Grosse Skapulier. 
In der Predigt spricht P. Wayne wiederum über die Bekehrung, die P. Lataste selbst in Cadillac erlebt hat. Er berichtet von den Frauen, die in Erwartung der üblichen Strafpredigt zu Beginn mit gesenkten Köpfen in den Bänken sassen. Als P. Latate seine Predigt begann und sie als seine lieben Schwestern ansprach, hoben sich langsam die Köpfe... Gottes Liebe kann man sich nicht vedienen. Sie ist schon da, einfach weil Gott Gott ist und sein Wesen Liebe. 
Eine solche Predigt in einem Gefängnis, in dem gerade Schwerverbrecher Gelübde ablegen, hat eine Wirkung, die nur schwer zu beschreiben ist. Jedes Wort trifft. P. Wayne hat Recht: das Reich Gottes hat schon begonnen, hier an diesem unglaublichen Ort. 
Nach der Kommunion tanzen drei Gefangene zusammen mit Sr. Anne, einer Josefsschwester, zu dem Lied über Bethanien, das wie ein von Gott gewebter Teppich ist, und dessen Muster wir nicht immer erkennen können.
 Es ist schwer zu beschreiben, was hier vor sich geht. Die Atmosphäre ist von Liebe geprägt, man kann es nicht anders ausdrücken. Die Männer sind sehr dankbar, dass wir sie für würdig befunden haben, die weite Reise zu machen, um heute bei ihnen zu sein. Dabei sind wir es doch, die sich so reich beschenkt fühlen! Hier in diesem Raum, unter den Augen Gottes, ist es nicht wichtig, was jemand getan und warum er „lebenslänglich ersten Grades“ bekommen hat. Was nicht bedeutet, dass hier einfach heile Welt ist, dazu haben die Männer viel zu viel zu tragen. Und doch hat sich für sie durch die Begegnung mit Gott ihr Leben grundlegend geändert. Sie sind nun im Gefängnis füreinander und für neu Hinzukommende Verkündiger der Botschaft von Gottes Barmherzigkeit geworden. 
Und wir durften heute Zeuginnen sein. Wir haben Wunder gesehen!
Sr. Sara, z.Zt. Norfolk, USA 

Samstag, 4. September 2010

Besinnung einmal anders!

Es war für uns eine große Überraschung, als Ruth uns gestern sagte, dass wir bereits heute mit ins Gefängnis gehen dürften. Zur Vorbereitung auf die Professfeiern am Sonntag sowie den Noviziatsbeginn zweier Postulanten sollte P. Wayne, der geistliche Leiter der Gemeinschaft, einen Besinnungstag halten. Welche Überraschung für uns! 
Das Bethany House
Ruth hatte uns genau instruiert: wir durften wirklich gar nichts mitnehmen, keine Armbanduhr, nur ein Kettchen mit Kreuz (für den Fall, dass wir zusätzlich noch eine Medaille trügen), nicht einmal ein Taschentuch war erlaubt! Leider auch kein Fotoapparat, so dass es von heute keine Fotos gibt. Morgen werden Fotos erlaubt sein, aber man ist im Gefängnis nun strenger geworden. 
In Norfolk sitzen etwa 1.500 Männer ein, mit unterschiedlichen Strafen. „Lebenslänglich“ ist unterteilt nach Schweregrad. Wer „lebenslänglich Grad 1“ hat, hat keine Chance, jemals wieder entlassen zu werden. Kathleen hat eine Gruppe mit 9 dieser Männer, die auch über Fragen sprechen wie „im Gefängnis alt werden und sterben“. Einer von ihnen ist Phil, der derzeitige Leiter der Gemeinschaft. Er war gerade mal 17 Jahre, als er zu „lebenslang Grad 1“ verurteilt wurde. Jetzt ist er etwa Mitte 40… Ein anderer erzählt uns, dass er seit 50 Jahren im Gefängnis ist! Aber die Männer, die zur Laiengemeinschaft gehören, haben einen Sinn in ihrem Leben gefunden, der ihnen ermöglicht, ihr Los zu tragen.
Die Begrüßung ist sehr herzlich, einfach brüderlich. Uns fällt sofort auf, dass viele der Männer den Frieden im Gesicht stehen haben. Nach und nach kommen noch einige Freiwillige, und hätten die Mitglieder der Laiengemeinschaft nicht die Anstaltskleidung – Jeans und T-Shirt – und das dominikanische Kreuz, wüssten wir nicht zu sagen, wer Freiwilliger und wer Inhaftierter ist. 
Wir beginnen mit der gemeinsamen Laudes. Die Band „Echo of Truth“ (Echo der Wahrheit) spielt „Amazing Grace“, das Lied über die unvorstellbare Gnade Gottes. Es ist bewegend, dieses Lied hier an dieser Stelle zu singen! So geht es auch mit dem Hören der Lesungen. Z.B. aus dem Römerbrief in den Laudes, der Text des heutigen Samstags: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Soweit es Euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden! Lasst Euch nicht vom Bösen besiegen, sondern besiegt das Böse durch das Gute!“
Nach den Laudes stellen sich die Männer kurz vor und sagen, wo sie auf ihrem Weg in die Laiengemeinschaft stehen. Etwa 40 Männer sind bereits Mitglied, viele haben Ewige Profess, und etliche Mitglieder leben nach ihrer Entlassung in einer anderen Laiengemeinschaft weiter.
Wir sind tief beeindruckt von dem, was die Männer teilen. Jemand sagt, das Bitterste einer langen Inhaftierung sei, dass man nach und nach sein soziales Netz außerhalb des Gefängnisses verliert und niemanden mehr hat, mit dem man Freude und Leid teilen kann. Dies sei die große Gnade der Laiengemeinschaft: wer zu ihr gehört, hat eine Familie im Gefängnis gefunden, die einander stützt und trägt. Ein anderer berichtet von den Gefühlen der Erniedrigung und Demütigung, die mit der Verurteilung und Inhaftierung einhergehen. Aber in der Laiengemeinschaft hat er erfahren, dass er so angenommen ist, wie er ist, als gleichwertiger, wertvoller Bruder. Es ist unglaublich, was die Gnade Gottes bewirken kann, wenn man sich ihr öffnet! 
Pater Jean Joseph Lataste, Gründer Bethaniens
Ein Mann erzählt, dass er in Kürze entlassen wird, und wenn der Bischof seine Zustimmung gibt, möchte er ins Priesterseminar gehen und Priester werden, um den Menschen von der großen, unendlichen Gnade Gottes zu verkünden. Ein anderer berichtet, dass er in einem Präventionsprojekt mitarbeitet, bei dem Jugendliche ins Gefängnis gebracht werden und Gefangene ihnen von ihrem Alltag erzählen und der ganzen Härte des Freiheitsentzugs, um Jugendliche vor dem Gefängnis zu bewahren.  Es ist ergreifend.
Nach dem Mittagessen, erzählen wir ein wenig von unseren Kongregationen. Wir haben für jeden ein Buchzeichen mit einem kleinen Stück Stoff mitgebracht, das mit P. Lataste in Berührung war, dazu eine Karte mit den Porträts von P. Lataste von Sr. Anne van der Putte und ein kleines Fotobuch mit Fotos von Montferrand. Die Freude ist groß. Aber Sr. Pia Elisabeth und ich haben das Gefühl, selber mindestens so reich beschenkt zu werden!
P. Wayne sagte in seiner Predigt gestern, das Reich Gottes sei schon gekommen, man müsse es nur sehen. Hier in Norfolk kann man es sehen: Gottes Liebe und Barmherzigkeit kann Menschen verändern, kann sogar ein Gefängnis in ein Kloster verwandeln, in dem Menschen trotz widrigster Umstände ein Leben der Nachfolge leben können. Wenn das nicht Reich Gottes ist!
Wir feiern noch gemeinsam Eucharistie. Danach müssen wir ziemlich überstürzt aufbrechen, weil wir die zugestandene Zeit schon überzogen haben. Aber morgen werden wir wieder hier sein und mit den Männern die Professmesse feiern – am Geburtstag von P. Lataste und an dem Tag, an dem der neue Ordensmeister in Rom gewählt wird!
Sr.Sara, z.Zt. Norfolk, USA 

Freitag, 3. September 2010

Bethanische Wunder

Beim Verfahren zur Seligsprechung unseres Gründers P. Lataste geht es derzeit vor allem um die Anerkennung des Wunders. Es wird eine physische nicht erklärbare Heilung verlangt, so sieht es das Kirchenrecht vor. Dagegen haben die Gefangenen in Norfolk, die hier im Geist von P. Lataste eine dominikanische Laiengemeinschaft bilden, ihre Einwände. Sie haben sogar dem Papst geschrieben und gefragt, ob es etwa kein Wunder sei, wenn Schwerverbrecher sich im Gefängnis bekehren und Gelübde ablegen?
Einige ergreifende Zeugnisse haben wir heute gehört.
Die Bethaniengemeinschaft ausserhalb des Gefängnisses, Bethany House Ministries, unterhält einen Second-Hand-Shop, in dem auch ehemalige Inhaftierte arbeiten. Sie haben einiges zu erzählen. Einer von ihnen fuhr zu einer Adresse, um dort gespendete Sachen für den Shop abzuholen. Die Frau, die ihm die Sachen geben wollte, fragte, für wen denn der Erlös bestimmt sei. Als er sagte, für die Gefangenen von Norfolk, sagte die Frau, damit wolle sie nichts zu tun haben, und es stellte sich heraus, dass sie selbst ein Kriminalitätsopfer war. Daraufhin gab der Mann zu erkennen, wer er war, und erzählte seine Geschichte – seine Karriere als Verbrecher, seine Bekehrung und seine Mitgliedschaft in der dominikanischen Laiengemeinschaft. Die Frau war von seinem persönlichen Zeugnis so berührt, dass sie selbst eine Bekehrung erfuhr und Frieden schließen konnte mit ihrem Schicksal.
Ein anderer ehemaliger Inhaftierter berichtet, dass er vorzeitig mit einer Bewährungsauflage entlassen werden sollte. Dazu musste er aber vor einer Kommission Rede und Antwort stehen, und auch die Opfer hatten das Recht, vor dieser Kommission zu sprechen und evtl. seine vorzeitige Entlassung zu verhindern. Und in der Tat – die Familie seines Opfers war zu dieser Sitzung gekommen. Aber anstelle ihn zu verurteilen, berichtete die Familie von ihrem grossen Schmerz, den er ihnen bereitet hatte, und sprach ihm Vergebung zu. Für ihn war es, als hätte er die Wunden Jesu am Kreuz berühren durfen. Eine grosse Stunde in seinem Leben, die ihn wirklich frei gemacht hat.
Wir sind gerade mal 24 Stunden hier, und wir haben schon so vieles gehört! 
P.Wayne feiert die Hl.Messe mit uns
Heute Nachmittag waren wir im Second – Hand – Shop und am House of Hope, einem Haus, in dem drei ehemalige Inhaftierte wohnen können. Der Shop bietet Arbeitsplätze fur einige Strafentlassene, und er wird sehr gut angenommen. Das Sortiment ist sehr vielfältig. Auch hier schlägt sich die Wirtschaftskrise nieder, denn viele Menschen sind auf preiswerte Waren angewiesen. Ruth zeigt uns auch noch das Haus, in dem die Schwestern von Mont viele Jahre gelebt haben. Millis ist eine typische Stadt in Neuengland. Ich hatte nicht erwartet, so viele Holzhäuser zu sehen. Schöne Bauten der Mittelschicht, aber viele stehen leer, weil die Kreditkrise viele gezwungen hat ihre Häuser aufzugeben. 
Am Nachmittag kommt P. Wayne, zusammen mit zwei Laien-Dominikanerinnen, und wir feiern gemeinsam die Eucharistie und essen zu Abend. Morgen werden wir erstmals mit nach Norfolk gehen. Wir hatten gar nicht damit gerechnet, aber wir dürfen am Besinnungstag der Gefangenen zur Vorbereitung auf die Feiern am Sonntag teilnehmen. Das wird sicher ein ganz besonderer Besinnungstag für uns!Aber erst mal hoffen wir auf eine gute Nacht – hier wird der Hurrican “Earl” erwartet, der zwar nur noch als Tropensturm gilt, aber immerhin dafür gesorgt hat, dass der Flughafen von Boston heute abend geschlossen wurde. Wären wir einen Tag später gereist, säßen wir jetzt vermutlich in Reijkjavik fest…So freuen wir uns auf unsere Betten, die Zeitverschiebung sitzt noch in den Kleidern.
Sr. Sara, z.Zt. Norfolk, USA 

Angekommen!


Sr.Pia Elisabeth (Beth. Montferrand) und Sr.Sara (Beth. Venlo)


Wir - Sr. Pia Elisabeth und ich - können immer noch nicht glauben, dass wir nun im Bethany House in Millis/Massachussetts sind. Gestern war Reisetag: von Düsseldorf (Sr. Sara) bzw. Paris (Sr. Pia Elisabeth) aus ging es über Reijkjavik, wo wir uns trafen und gemeinsam nach Boston weiterflogen. Neben uns saß eine junge Frau aus Chemnitz, zum erstenmal allein unterwegs mit dem Flugzeug, die nach Toronto weiterflog, um ein Jahr in einem Projet der Heilsarmee mitzuarbeiten! Ganz schön mutig! Gerade als der Kaffee serviert wurde, gab es massive Turbulenzen, so dass der Kaffee ein gewisses Eigenleben entwickelte, aber ansonsten hatten wir einen guten Flug.
In Boston erwartete uns Ruth Raichle, die Gründerin der Bethanien - Gemeinschaft in den USA, die uns gemeinsam mit einem guten Freund, Charly, abholte.
Erste Überraschung: das Wetter. Ungewöhnlich warm für August, 34 Grad bei der Landung, und das nach 14 Grad in Reijkjavik! Nach einer guten Stunde Fahrt erreichten wir schließlich Millis, wo auch Kathleen, eine Franziskanerin, die gemeinsam mit Ruth hier im Bethany House lebt, uns erwartete. Und natürlich Alex! Alex ist ein junger Hund, der eigentlich im Gefängnis von Norfolk zum Begleithund für Behinderte ausgebildet werden sollte, sich aber als ungeeignet erwies, und nun die Gemeinschaft hier im Bethany House verstärkt.
Bethany House - ein Wohnhaus in der kleinen Stadt Millis/Massachussets, von wo aus Ruth und Kathleen dieses wunderbare Werk der bethanischen Gemeinschaft im und um das Gefängnis von Norfolk in Gang gebracht haben. Heute morgen nach dem Morgengebet - im Freien - konnten wir mehr darüber erfahren. Gary und Nia, zwei Mitglieder der dominikanischen Laiengemeinschaft, die im Second-Hand-Shop der Gemeinschaft arbeiten, waren zum Gebet gekommen, und auch Sr. Anne, eine Josephsschwester, die ebenfalls mit der Gemeinschaft verbunden ist. Und Bethany, eine kleine Hündin, die Nia gehört und ebenfalls mitbeten musste!
Ruth Raichle und Sr. Pia Elisabeth
Nia gehört zu den ersten Mitgliedern der Laiengemeinschaft, die 1998 gegründet wurde. Ruth ist im Gefängnis von Norfolk Seelsorgerin, und sie hatte eine Gebetsgruppe dort. Inspiriert von P. Lataste und dem Eifer der Inhaftierten, hatte sie die Idee, die Männer einzuladen, einen Schritt weiter zu gehen und eine dominikanische Laiengemeinschaft anzufangen. Der Provinzial und der Promotor der dominikanischen Laien der St. Josephsprovinz fanden die Idee sehr gut, und Ruth begann, mit den Inhaftierten den Vorbereitungsweg für das Postulat. Das fand der Provinzrat der Laien aber keine gute Idee, und zur riesigen Enttäuschung der Männer im Gefängnis mussten sie das Projekt stoppen und die Ausbildungsordnung zurück geben.
In dieser Zeit gab es in Texas einen zum Tode Verurteilten, der Mitglied einer anderen Laiengemeinschaft war. Er starb im Ruf der Heiligkeit. Als Henkersmahlzeit bat er um die Eucharistie, und er starb am Rosenkranzfest mit dem Rosenkranz in der Hand und dem "Stille Nacht" auf den Lippen. Davon hörte die Vorsitzende des Provinzrates und brachte die Frage von Norfolk erneut zur Abstimmung, mit einem einstimmigen Ja als Ergebnis! Aber dann schaltete sich Kardinal Law ein und verbot erneut das Projekt. Bis er eines Tages in Norfolk einem Gefangenen die Firmung spendete, da war auch er überzeugt! Heute, nach 12 Jahren, zählt die Gemeinschaft etwa 40 Mitglieder im Gefängnis. Gary und Nea berichten, was diese Gemeinschaft ihnen bedeutet hat; die Begegnung mit der Liebe Gottes hat ihr Leben verändert. Sie berichten, dass nach und nach auch die Wachleute davon ergriffen wurden, einfach dadurch, dass sie, die Inhaftierten, sich anders verhalten haben und Hass ablegen konnten. Kathleen ergänzt diese Erzählung um ihre Erfahrungen aus den Anfangsjahren, als sie mancher Schikane ausgesetzt waren. Heute geniessen sie das volle Vertrauen vieler Beamter. Einer hat einmal gesagt: "Ich dachte, ich arbeite in einem Gefängnis. Aber das ist ja das reinste Kloster geworden." Genau das!
So, nun wollen wir noch ein paar Orte hier in Millis besuchen. Heute Nachmittag kommt P. Wayne, der bisherige geistliche Leiter der Gemeinschaft von Norfolk, und wir werden hier die Eucharistie mit ihm feiern. Morgen gibt es sicher wieder jede Menge zu erzaehlen!
Sr. Sara, z.Zt. Norfolk, Massachusetts

chatten, mailen, bloggen

Gestern habe ich zum ersten Mal am Kirchenchat im Funcity-Kloster teilgenommen. War ganz interessant und lustig - aber du meine Güte geht das schnell! Ich glaube, ich bin zu alt dafür.
Da stellt einer eine Frage, du denkst: "Oh, gute Frage! Mal drüber nachdenken..." Da haben schon zwei geantwortet!!!
Ich maile lieber. Da konzentriert man sich ganz auf sein Gegenüber.
Wenn ich in der Öffentlichkeit diskutieren will, tue ich das im Forum auf unserer homepage oder auf facebook. Da kann ich wenigstens in Ruhe überlegen, was der andere gesagt hat und was ich sagen will.
Oder ich blogge! Da kriegt man zwar nicht so viele Reaktionen, aber man kann wenigstens etwas ausführlicher schreiben, was einen bewegt. Nicht immer nur zwei halbe Sätze.

Ob Gott wohl auch chattet? Oder ist Er eher ein Blogger?
Im Prinzip glaube ich ja, dass Er sich uns und unseren Möglichkeiten anpasst, damit wir Ihn verstehen können. Vielleicht kann Er also alles: Ich kann Ihm lange und ausführlich erzählen, was ich erlebt habe - und er hält aus, wenn ich gar keine Antwort haben will.
Er kann wohl auch ein kurzes, atemloses "Hi, wie geht's Dir? Schön, dass Du da bist! Muss gleich weiter..." aushalten, dass ich Ihm manchmal im Alltag entgegenschleudere.
Aber ich meine, am liebsten ist Ihm, wenn ich Ihm meine Sorgen und Gedanken erzähle und dann still werde - um die Antworten zu hören, die Er mir geben möchte.