Posts mit dem Label Wunder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wunder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 13. Mai 2011

Die wunderbare Geldvermehrung

Heute habe ich ein Wunder erlebt! Ich habe eine Gruppe aus Deutschland zum Flughafen gebracht, die uns ein paar Tage besucht hatte. Jetzt mussten sie wieder nach Hause, großer Abschied. Plötzlich sagt einer: "Lass uns doch mit der Schwester noch einen Kaffee trinken, bevor wir durch die Kontrolle gehen." Wir also in ein kleines Restaurant, erste Frage: kann man hier auch mit Euro bezahlen? Nein, konnte man nicht! Ratlosigkeit. Alle hatten schon ihr lettisches Geld ausgegeben und waren auf Heimat gepolt. Sollten Sie nochmal neu Geld wechseln? Oder lieber doch erst durch die Sicherheitskontrolle? Die Lokale dahinter nehmen Euro! Aber da wäre ich dann dann nicht mehr dabei...
Kein Problem! "Ich lade Sie ein, für einen Kaffee wird es wohl noch reichen." hab ich gesagt und mein Portemonnaie gezückt. Waren aber nur etwa 15 Lats drin. Bei 12 Personen wäre das etwas knapp geworden. War ich wieder mal zu vorlaut... Aber es hatte auch sofort ein Sturm der Entrüstung eingesetzt: "Nein, Schwester, lassen Sie doch, ich hab doch bestimmt noch irgendwo ein paar Lat..." Und tatsächlich: einer nach dem anderen fand in irgendeiner vergessenen Tasche etwas Kleingeld, manchmal sogar einen großen Schein! Alle gaben mir das Geld, und ich holte davon die Getränke. Es wurde eine sehr fröhliche Abschiedsrunde.
Am Ende habe ich in mein Portemonnaie geschaut und gesehen: es ist so viel übriggeblieben! Ich denke sogar mehr, als die Getränke gekostet haben! Davon soll ich - so sagte mir die Gruppe - etwas für die schwangere Frau kaufen, die gerade bei uns wohnt. Sie ist bitterarm und freut sich bestimmt über einen Strampelanzug und ein Spielzeug für das Baby.

Sonntag, 5. September 2010

"Wir haben Wunder gesehen"

Mit diesem Wort begann P. Lataste seine Predigt vor den Gefangenen in Cadillac, unter dem tiefen Eindruck dessen, was er in der Anbetungsnacht mit ihnen erlebt hatte.
Heute war ein solcher "Tag der Wunder". Zu Beginn der Festmesse sagte P.Wayne, dass jedes Ereignis für sich schon genug wäre, um Gott zu preisen: die Ewige Profess von Thomas und Linton, der Noviziatsbeginn von Michael und Dennis, die Aufnahme ins Postulat von Kim, Ryan und Frederick - die Tatsache, dass mit P. Nick ein Nachfolger als geistlicher Direktor der Laiengemeinschaft gefunden ist - der Besuch von Sr. Pia Elisabeth und mir - der Geburtstag von P. Lataste - und die Wahl des neuen Ordensmeisters P. Bruno Cadore am heutigen Tag. P. Bruno Cadore war bisher Provinzial in Frankreich und hat in dieser Eigenschaft viele Kontakte zu den Schwestern von Mont. Er gilt als Verehrer von P. Lataste, und nicht umsonst wird er an dessen Geburtstag gewählt worden sein! 
Gemalt von Mick, einem der "Lebenslänglichen"
Die Kapelle in Norfolk ist voll: ausser der Laiengemeinschaft ist auch die Spanisch sprechende Gemeinde anwesend, dazu viele Freiwillige, die diesen besonderen Tag nicht verpassen wollen. Die Seelsorge geniesst viel Vertrauen. Wir wundern uns, dass keine Wachleute anwesend sind, aber diese bleiben sehr diskret im Hintergrund und schauen nur ab und zu hinein, ob alles in Ordnung ist.
Die Aufnahme ins Noviziat verläuft geradezu klösterlich: die Kandidaten werden dreimal gefragt, ob sie bereit sind, und antworten auf „gut dominikanisch“: „Ich bin bereit, mit Gottes Hilfe und der Euren“. Sie erhalten ein sogenanntes kleines Skapulier, ein kleines Stoffstück, das ihnen umgehängt wird als Zeichen ihres Status als Novizen, und einen Ordensnnamen. Michael bleibt bei seinem Taufnamen, aber Dennis wählt: Johannes Josef Lataste. 
Mit den beiden Novizen hat es etwas Besonderes auf sich. Während Dennis eher zu den Schwachen zählt, die in der Gefängnisordnung ganz unten stehen, gehört Michael zu den Starken und Dominanten. Normalerweise schliesst ein Starker nicht mit einem Schwachen Freundschaft, das wäre ein Zeichen eigener Schwäche. Nun beginnen ausgerechnet diese beiden gemeinsam ihr Noviziat, und als sie vor Ruth und P. Wayne stehen, legt Michael seinen Arm um Dennis. Eine unerhörte Geste – eben „Bethanien“.
Thomas und Linton erhalten bei der Ewigen Profess das sog. Grosse Skapulier. 
In der Predigt spricht P. Wayne wiederum über die Bekehrung, die P. Lataste selbst in Cadillac erlebt hat. Er berichtet von den Frauen, die in Erwartung der üblichen Strafpredigt zu Beginn mit gesenkten Köpfen in den Bänken sassen. Als P. Latate seine Predigt begann und sie als seine lieben Schwestern ansprach, hoben sich langsam die Köpfe... Gottes Liebe kann man sich nicht vedienen. Sie ist schon da, einfach weil Gott Gott ist und sein Wesen Liebe. 
Eine solche Predigt in einem Gefängnis, in dem gerade Schwerverbrecher Gelübde ablegen, hat eine Wirkung, die nur schwer zu beschreiben ist. Jedes Wort trifft. P. Wayne hat Recht: das Reich Gottes hat schon begonnen, hier an diesem unglaublichen Ort. 
Nach der Kommunion tanzen drei Gefangene zusammen mit Sr. Anne, einer Josefsschwester, zu dem Lied über Bethanien, das wie ein von Gott gewebter Teppich ist, und dessen Muster wir nicht immer erkennen können.
 Es ist schwer zu beschreiben, was hier vor sich geht. Die Atmosphäre ist von Liebe geprägt, man kann es nicht anders ausdrücken. Die Männer sind sehr dankbar, dass wir sie für würdig befunden haben, die weite Reise zu machen, um heute bei ihnen zu sein. Dabei sind wir es doch, die sich so reich beschenkt fühlen! Hier in diesem Raum, unter den Augen Gottes, ist es nicht wichtig, was jemand getan und warum er „lebenslänglich ersten Grades“ bekommen hat. Was nicht bedeutet, dass hier einfach heile Welt ist, dazu haben die Männer viel zu viel zu tragen. Und doch hat sich für sie durch die Begegnung mit Gott ihr Leben grundlegend geändert. Sie sind nun im Gefängnis füreinander und für neu Hinzukommende Verkündiger der Botschaft von Gottes Barmherzigkeit geworden. 
Und wir durften heute Zeuginnen sein. Wir haben Wunder gesehen!
Sr. Sara, z.Zt. Norfolk, USA 

Freitag, 3. September 2010

Bethanische Wunder

Beim Verfahren zur Seligsprechung unseres Gründers P. Lataste geht es derzeit vor allem um die Anerkennung des Wunders. Es wird eine physische nicht erklärbare Heilung verlangt, so sieht es das Kirchenrecht vor. Dagegen haben die Gefangenen in Norfolk, die hier im Geist von P. Lataste eine dominikanische Laiengemeinschaft bilden, ihre Einwände. Sie haben sogar dem Papst geschrieben und gefragt, ob es etwa kein Wunder sei, wenn Schwerverbrecher sich im Gefängnis bekehren und Gelübde ablegen?
Einige ergreifende Zeugnisse haben wir heute gehört.
Die Bethaniengemeinschaft ausserhalb des Gefängnisses, Bethany House Ministries, unterhält einen Second-Hand-Shop, in dem auch ehemalige Inhaftierte arbeiten. Sie haben einiges zu erzählen. Einer von ihnen fuhr zu einer Adresse, um dort gespendete Sachen für den Shop abzuholen. Die Frau, die ihm die Sachen geben wollte, fragte, für wen denn der Erlös bestimmt sei. Als er sagte, für die Gefangenen von Norfolk, sagte die Frau, damit wolle sie nichts zu tun haben, und es stellte sich heraus, dass sie selbst ein Kriminalitätsopfer war. Daraufhin gab der Mann zu erkennen, wer er war, und erzählte seine Geschichte – seine Karriere als Verbrecher, seine Bekehrung und seine Mitgliedschaft in der dominikanischen Laiengemeinschaft. Die Frau war von seinem persönlichen Zeugnis so berührt, dass sie selbst eine Bekehrung erfuhr und Frieden schließen konnte mit ihrem Schicksal.
Ein anderer ehemaliger Inhaftierter berichtet, dass er vorzeitig mit einer Bewährungsauflage entlassen werden sollte. Dazu musste er aber vor einer Kommission Rede und Antwort stehen, und auch die Opfer hatten das Recht, vor dieser Kommission zu sprechen und evtl. seine vorzeitige Entlassung zu verhindern. Und in der Tat – die Familie seines Opfers war zu dieser Sitzung gekommen. Aber anstelle ihn zu verurteilen, berichtete die Familie von ihrem grossen Schmerz, den er ihnen bereitet hatte, und sprach ihm Vergebung zu. Für ihn war es, als hätte er die Wunden Jesu am Kreuz berühren durfen. Eine grosse Stunde in seinem Leben, die ihn wirklich frei gemacht hat.
Wir sind gerade mal 24 Stunden hier, und wir haben schon so vieles gehört! 
P.Wayne feiert die Hl.Messe mit uns
Heute Nachmittag waren wir im Second – Hand – Shop und am House of Hope, einem Haus, in dem drei ehemalige Inhaftierte wohnen können. Der Shop bietet Arbeitsplätze fur einige Strafentlassene, und er wird sehr gut angenommen. Das Sortiment ist sehr vielfältig. Auch hier schlägt sich die Wirtschaftskrise nieder, denn viele Menschen sind auf preiswerte Waren angewiesen. Ruth zeigt uns auch noch das Haus, in dem die Schwestern von Mont viele Jahre gelebt haben. Millis ist eine typische Stadt in Neuengland. Ich hatte nicht erwartet, so viele Holzhäuser zu sehen. Schöne Bauten der Mittelschicht, aber viele stehen leer, weil die Kreditkrise viele gezwungen hat ihre Häuser aufzugeben. 
Am Nachmittag kommt P. Wayne, zusammen mit zwei Laien-Dominikanerinnen, und wir feiern gemeinsam die Eucharistie und essen zu Abend. Morgen werden wir erstmals mit nach Norfolk gehen. Wir hatten gar nicht damit gerechnet, aber wir dürfen am Besinnungstag der Gefangenen zur Vorbereitung auf die Feiern am Sonntag teilnehmen. Das wird sicher ein ganz besonderer Besinnungstag für uns!Aber erst mal hoffen wir auf eine gute Nacht – hier wird der Hurrican “Earl” erwartet, der zwar nur noch als Tropensturm gilt, aber immerhin dafür gesorgt hat, dass der Flughafen von Boston heute abend geschlossen wurde. Wären wir einen Tag später gereist, säßen wir jetzt vermutlich in Reijkjavik fest…So freuen wir uns auf unsere Betten, die Zeitverschiebung sitzt noch in den Kleidern.
Sr. Sara, z.Zt. Norfolk, USA