Dienstag, 12. Juni 2012

Wenn man von Gott spricht....


Heute habe ich eine Bekannte getroffen und wir haben lange miteinander erzählt, wie man das so tut, wenn man sich lange nicht gesehen hat.
Als ich dann von unsere Fahrt zur Seligsprechung von P. Lataste voller Begeisterung erzählte und davon, dass ich zu den vieren gehöre, die ihr Versprechen als Laiendominikanerinnen von Bethanien ablegt haben, meinte sie: Ich wusste ja gar nicht, dass so sehr glaubst! Das ist aber schön! Ich freu mich so für Dich!
Sie war erstaunt, weil sie nicht wusste, dass ich jetzt zur großen dominkanischen Familie gehöre, und erfreut und offenbarte mir sogleich, dass sie jetzt auch auf dem Weg ist, Laiendominikanerin zu werden in einer anderen Gruppe.
Ja, wenn man von Gott und Glauben spricht, dann bin ich immer wieder erstaunt, wie viele Menschen sich darüber freuen, nachfragen und oft auch bitten, für sie zu beten. Und wieviele Menschen dann selbst anfangen von Glauben und Gott und ihren Erfahrungen mit Gott zu erzählen.
Von Gott und mit Gott sprechen, das wird auch vom Hl. Dominikus erzählt und wie sehr er die Menschen für Gott begeistern konnte.
Wenn man von Gott spricht, steckt man andere an!

Sonntag, 10. Juni 2012

JUPPIDOOOO !




Jupidoooo, es hat geklappt.
Ab heute blogge ich hier mit!



Ach ja, vielleicht sollte ich mich kurz einmal vorstellen.
Mein Name ist Heidrun.

Seit einiger Zeit bin ich in der kath. Kirche unterwegs, in den letzten Jahren deutlich intensiver.
Das ganze gipfelte dann in der Begegnung mit den Dominikanerinnen von Bethanien von Venlo. In einem Glaubenskurs..............
Angesprochen von all dem was mir dort und in der Gemeinschaft mit den Schwestern begegnete, habe ich mich dann auf den Weg gemacht und mit drei weiteren Frauen eine Laiengemeinschaft gegründet.

Seit der Seligsprechung von Pater Lataste bin ich nun Laiendominikanerin von Bethanien und freue mich sehr darüber.
Jetzt habe ich Lust hier mitzuschreiben und hoffe, dass ich auch die Zeit dafür finde. Themen gibt es ja genug!
Also, auf Bald!

Montag, 4. Juni 2012

Was für ein Tag!

Der 3. Juni war für uns ein bewegender Tag, den wir nicht so schnell vergessen werden.
v.l.n.r.:Irmgard, Heidrun,
der Ordensmeister Bruno Cadore,
die geistliche Begleiterin Sr. Sofia,
Sabine und Marlene
Am Morgen nach der Anbetung in den Laudes haben wir vier unser erstes Versprechen abgelegt. Ein Moment, der unter die Haut ging. Es war schön, dass so viele dabei waren, hinter uns stehen und unsere noch kleine Gemeinschaft mittragen.
Der zweite Höhepunkt des Tages war dann am Nachmittag die Seligsprechung von P. Jean Joseph Lataste in der Messehalle. Der Moment der Seligsprechung, die Reliquienprozession und das Enthüllen seines Portraits haben uns sehr angerührt und bewegt. Bei all dem haben wir gespürt, dass wir in der dominikanischen Familie willkommen und aufgehoben sind.

Freitag, 1. Juni 2012

Familia Bethania

Zur sogenannten Dominikanischen Familie gehören die Nonnen, die Brüder, die Schwestern und die Laien. Brüder ist klar, Nonnen sind die Ordensfrauen, die in der Klausur leben, Schwestern die, die eine äußere Arbeit haben (grob gesprochen). Aber Laien? Das sind Ordenschristen, die sich einer bestimmten Spiritualität verpflichten, auch Gelübde ablegen, aber dabei nicht in einem Kloster leben, sondern einem normalen Beruf nachgehen, eine eigene Wohnung haben und teilweise auch verheiratet sind.
Zum Dominikanerorden gehören viele tausend Laien in der ganzen Welt. Sie sind normalerweise in Gruppen organisiert, die sich regelmäßig treffen. Aber jetzt gibt es etwas neues: die erste dominikanische Laiengruppe, die sich speziell an der bethanischen Spiritualität orientieren will. Sozusagen eine dominikanisch-bethanische Gruppe. Sie treffen sich schon seit längerem und wollen sich jetzt im Rahmen der Seligsprechung unseres gemeinsamen Gründers Pater Lataste offiziell konstituieren.
Wir sind zusammen im gleichen Bus zu den Feierlichkeiten nach Besancon gefahren. Auf dem Weg habe ich dieses Bild geschossen, gerade nachdem drei von den vieren gesagt hatten, dass sie demnächst auch in diesem Blog mitschreiben möchten.
Herzlich willkommen in der Familie!

Mittwoch, 30. Mai 2012

Von Mauern und Windmühlen

Vor einiger Zeit hatten wir mal einen Bethanientag unter dem Motto "Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen". Ich finde dieses Wort immer wieder passend, vor allem um Pfingsten herum. Wir beten um das Wirken des heiligen Geistes, um Sein kräftiges Wehen der Erneuerung. Aber manchmal ist die Versuchung groß, sich in den Schatten einer Mauer zu verkriechen und sich vor der Energie, die da frei kommen kann, zu schützen! Sich für die Windmühle entscheiden, heißt ja schließlich auch, bereit zu sein, sich kräftig durchpusten zu lassen.

Wir leben in einer Zeit der Veränderungen. Wir merken das überall um uns herum: unsere Gesellschaft verändert sich stark, und nicht nur in den Orden nimmt die Zahl der Alten gegenüber den Jungen zu. Der Glaube schwindet, die Kirche befindet sich in einer tiefen Krise. Wenn wir um das Wirken des Heiligen Geistes beten, heißt das: lasst uns Windmühlen bauen. Lasst uns bereit sein, uns vom Geist Gottes bewegen zu lassen. Lasst uns aufmerksam sein, wo dieses Wirken uns hinführt, auch wenn es uns vielleicht zunächst ängstigt oder nicht gefällt. Erneuerung kommt durch Bewegung. Lassen wir uns vom Heiligen Geist bewegen - um der Erneuerung unseres Lebens, unserer Kirche, unserer Welt willen.

Sr. Sara, Generalpriorin der Dominikanerinnen von Bethanien

Sonntag, 20. Mai 2012

Katholisch: bunt statt schwarz

Ich liebe die deutschen Katholikentage!
Diese Jugendgruppe "Tabgha" verteilte
Glückskekse mit Bibelsprüchen
Klar, alle Jahre wieder gibt es dieselben Probleme: die einen reisen gar nicht erst an, weil sie schon vorher wissen, dass das alles viel zu progressiv und aufrührerisch wird - und ohnehin nichts bringt. Die anderen veranstalten einen Parallelkatholikentag, wo sie die gleichen Themen zur gleichen Zeit besprechen - nur viel progressiver, offener und kontroverser als auf der spießigen und konservativen offiziellen Veranstaltung.

Rosenkranzknüpfen am Stand
der Dominikanischen Familie
Otto-Normalbeter steht dazwischen, wühlt sich durchs Programm und durch den Mannheimer Stadtplan und kämpft wie jedes Mal mit einer Überfülle an Angeboten und zu langen Wegen.
Aber wenn man das alles mal nicht als Probleme ansieht, sondern ganz neutral, dann kann man entdecken, was Alois Glück, der Präsident des ZDK, zum Abschluss sagte: die Katholikentage zeigen die ganze Vielfalt der Kirche. Er fügte hinzu, das sei eine Bereicherung und keine Bedrohung, und ich finde das auch.

Diese Gruppe möchte möglichst radikal
wie die Urgemeinde leben.
Die ganze Vielfalt der katholischen Kirche...? Interessanterweise ziehen die Katholikentage immer auch jede Menge Propheten anderer Überzeugungen an. Die Ökumene gehört ja fest ins Programm, Juden, Moslems, Orthodoxe - alle offiziellen Religionen sind auch reguläre Gesprächspartner. Darüber hinaus gibt es aber auch noch so viele selbsternannte Heilsbringer, Einzelne, die mit dem Mikro in der Fußgängerzone die Erlösung verkünden, tanzende Urgemeindenimitatoren, singende Apokalyptiker, usw. Das spirituelle Angebot ist riesig.
Zu Hause noch mal in voller Pracht:
das wilde Sammelsurium der Souvenirs
Ich liebe es, bei gutem Wetter über die Kirchenmeile zu bummeln, mir all die offiziellen Stände mit ihren oft gegensätzlichen Angeboten anzusehen und zu hören und zu wissen: unsere Kirche ist reich - reich an Menschen und Ideen. Und sie ist groß, viel größer als die Minigrüppchen der Endzeitpropheten. Eigentlich müsste sie groß genug sein, um gelassen auszuhalten, was sich da alles unter ihrem Namen vereint.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Dinge für wahr nehmen

Unser Kloster und Kinderdorf  in Waldniel liegen in einem kleinen Park. Seit einigen Wochen grünt und blüht es überall kräftig - ich liebe das. In Lettland ist der Frühling viel kürzer, deshalb genieße ich ihn dieses Jahr (zum ersten Mal wieder in Deutschland) ganz besonders. 
Einige der schöneren Stellen habe ich eifrig fotografiert und die Bilder auf Facebook in einem Album zusammengestellt. Es wird oft angesehen - anderen Menschen gefällt unser Park auch. Schön!
Allerdings habe ich irgendwann gemerkt, dass ich nur noch durch die Linse dachte. Alles was ich sah, beurteilte ich sofort danach, ob es fototauglich sei, und ob es wohl in eines meiner Internetalben passen würde. Ist das nicht absurd? Wird denn der Flieder erst als Foto auf Facebook real? 
Natürlich nicht - im Gegenteil! Hier und jetzt, direkt vor meiner Nase ist er, wie er realistischer nicht sein kann. Also habe ich mir eine Fotopause verordnet.- Was für eine Befreiung!
Plötzlich habe ich wieder neu entdeckt (denn eigentlich wusste ich es ja längst), dass es eine unglaubliche Fülle von Schönheiten gibt, die ich gar nicht richtig wahrgenommen hatte. Ich hatte sie frühzeitig aussortiert: "das wird nix" - auf einem Foto, soll das heißen.Aber ohne Foto ist es schon was: der Schmetterling auf dem dürren Busch, das Gänseküken, das sich von den anderen abgesondert hat, die unzähligen, klitzekleinen blauen Blümchen im Moos.
Sobald ich aufhöre, sie in Besitz nehmen zu wollen, kann ich anfangen, sie einfach nur wahr-zu-nehmen. Wahrnehmung heißt, die Dinge aufzunehmen, wie sie sind, ohne sie zu bewerten oder zu verzwecken. Wahrnehmung ist der Anfang aller Meditation. 
Ich werde künftig wieder ohne Kamera durch unseren Park gehen, ich habe jetzt schon gemerkt, dass ich plötzlich beim Betrachten der Knospen an Gott denke - und nicht mehr an mich.