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Dienstag, 12. November 2013

Mein Gott!

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen,
bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?
Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort;
ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.
Aber du bist heilig,
du thronst über dem Lobpreis Israels.
Dir haben unsere Väter vertraut,
sie haben vertraut, und du hast sie gerettet.

aus Psalm 22

Samstag, 2. März 2013

Das Ziel gibt dem Weg seinen Sinn.

Es war mal wieder so weit, ich habe meinen Wohnort verändert.
Nach Abschluss meines Studiums bin ich in die Niederlande übergesiedelt. Hier widme ich mich dem Archiv unserer Gemeinschaft.
Ein anderes Land, andere Menschen und eine andere Sprache. Als Kandidatin, also ganz zu Beginn meiner Ordensausbildung, habe ich bereits einige Zeit in den Niederlanden verbracht, doch das liegt nun auch schon einige Jahre zurück. Seit ich den Weg in Bethanien begonnen habe, habe ich im Schnitt nicht länger als 2 Jahre an einem Ort verbracht. "Tja, Dominikaner sind Wanderprediger." - Das bekomme ich dann oft mit einem Augenzwinkern zu hören.
Es ist ein enormer Reichtum, der mir durch die Erfahrungen der verschiedenen Kulturen und Mentalitäten geschenkt wurde und wird. Mir hat das sehr dabei geholfen, mich selbst und meine Ansichten immer neu zu hinterfragen. Auch meine Gottesbeziehung wurde jedes mal hinterfragt, veränderte sich, fand neue Ausdrucksformen.
Doch das Wichtigste und Schönste: Gott war immer mit unterwegs, begleitete mich und kam mir entgegen.
Es ist mir nicht immer leichtgefallen weiter zu gehen und alles hinter mir zu lassen. - Gerade dann waren und sind mir die Psalmen treue Gebetshelfer.
Auch bei diesem Umzug berührten mich einige Verse aus Psalm 45, die wir in der ersten gemeinsamen Gebetszeit im für mich neuen Land beteten:
"Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, vergiß dein Volk und dein Vaterhaus! Der König verlangt nach deiner Schönheit; er ist ja dein Herr, verneig dich vor ihm!"
Auf einem Pilgerstab, den ich geschenkt bekommen habe, steht: "Das Ziel gibt dem Weg seinen Sinn." Das ist es, was ich immer wieder erleben darf. Das Ziel, die Begegnung zwischen Gott und den Menschen mit zu ermöglichen, ist jeden Weg wert, ob im Schatten oder im Licht.

Freitag, 9. November 2012

Versprecher - Meditation: Machwerk - Machtwerk

Immer wenn wir im Stundengebet den Psalm 135 beten, betet die Schwester die Neben mir sitzt an einer Stelle mit einem Versprecher. Als ich den Psalm heute alleine betrachtet habe habe ich sie innerlich gehört.
Im Psalm heißt es:
"Die Götzen der Heiden sind nur Silber und Gold, ein Machwerk von Menschenhand." 
Aber meine Mitschwester betet immer: "ein MACHTwerk von Menschenhand."
In den Gebetszeiten hat mich das meist irritiert oder sogar genervt, aber heute hat es mich tief berührt, denn ich habe den "Versprecher" in  Verbindung mit den folgenden Versen betrachtet.
Dort heißt es:
"Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen und sehen nicht; sie haben Ohren und hören nicht; auch ist kein Hauch in ihrem Mund."
Natürlich trifft das auf Handgefertigte Götzenfiguren zu, keine Frage. Aber in Verbindung mit dem Versprecher ging mir auf:
Viele unserer Machwerke sind "Machtwerke". Werke um über andere zu herrschen. Wenn sie sich auf  unserer "Machtwerke" einlassen, wenn sie die Götzen anbeten, die wir aufstellen, dann gewinnen wir etwas, sei es nun Einfluss, Geld oder Anerkennung. Und natürlich laufen auch wir selbst Gefahr den "Machtwerken" anderer zu verfallen. Und werden wir dann nicht selbst genau so wie es in den Versen heißt? 
Wenn wir uns einlassen auf Machtwerke, dann verschließen wir unsere Augen und Ohren für unsere Mitmenschen und für Gott, wir werden orientierungslos in all unseren anderen Beziehungen, weil dann nicht mehr die Liebe sondern die Macht diese Beziehungen bestimmt.
Wie reich einen doch ein Versprecher beschenken kann. Ich habe heute dadurch einen neuen Anstoß bekommen mich von der Liebe und nicht von Machtstrukturen bestimmen zu lassen. - Danke.

Mittwoch, 7. November 2012

Zufälle

Am Sonntag war ich in unserer Kirche und fand im Gotteslob einen Gebetszettel.
Ein schönes Bild mit Pastellfarben, stehend auf einem Hügel, die Arme weit geöffnet und den Blick gen Himmel gerichtet.
Als ich den Zettel aufschlugn bekam ich zu lesen:

Der auf uns zukommt

Nicht im heftigen Sturm kommt Gott auf Elias zu, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer.
Dem sanften Säuseln ausgesetzt, vernimmt Elias Gottes Stimme. ( Vgl. 1Kön. 19, 9a, 11-13)

Es hat mich nachdenklich gemacht. Der Alltag bei mir ist oft laut und schnell.
Ich kann Gott dann oft nicht mehr wahrnehmen. Der Alltag rennt an mir vorbei, und ich kann Gottes Nähe nicht spüren.

Dann ist es gut für mich, mich in die Stille zu begeben und zu hören.
Dann kann ich vielleicht auch die Fragen beantworten, die weiter auf dem Zettel stehen.
Ein Trost bei all dem, was in mir aufkommt, ist dann der Psalm 23, 1-4, der auf der letzten Seite steht:

Der Herr ist mein Hirte, nichts ist mir fehlen......