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Donnerstag, 16. September 2010

Dein Reich komme

Goldene Ketten
In einem Juwelierladen sehe ich eine Figur, die geradezu sinnbildlich für New York steht: alles ist machbar, alles ist käuflich, alles gehört dem, der genügend Geld hat. Die Figur stellt eine Frau dar, die nichts trägt - außer goldener Ketten an den Füßen...
Der heutige Tag steht im Zeichen des Eröffnungsgottesdienstes der 65. Vollversammlung der Vereinten Nationen. Am Nachmittag gibt es ein Treffen der NGO's mit dem Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Monsignore Kuriakose. Bei ihm ein Priester, der mit ihm zusammenarbeitet. Thema der diesjährigen Vollversammlung sind die 8 Milleniumziele, im Zentrum die Abschaffung der Armut in der Welt. Davon sind wir noch weit entfernt! Msgr. Kuriakose unterstreicht die Bedeutung, für die Entwicklung im ganzheitlichen Sinn einzustehen.
Briefing der Vertreter des Heiligen Stuhl
Der Heilige Stuhl hat bei der UNO nur Beobachterstatus, und das ganz bewußt: wer abstimmen kann, verliert seine Neutralität, weil er sich zu einer Seite schlägt. Aber die Vertreter des Heiligen Struhl haben viel Einfluss, den sie auch nutzen, wenn es darum geht, Themen wie Menschenrechte, Afrika, Klima-gerechtigkeit, Human Trafficking etc. ins Gespräch zu bringen. Es tut gut, zwei so engagierte Vertreter der Kirche vorzufinden, die die Sache des Evangeliums vertreten wollen.
Generalsekretär Ban Ki-Moon
Am Abend ist der Eröffnungsgottesdienst, zu dem der Erzbischof von New York eingeladen hat. Vertreter vieler Religionen und Konfessionen sind der Einladung gefolgt, ebenso Mitglieder des Diplomatischen Korps, Josef Daiss, der Präsident der Vollversammlung - und Ban Ki-Moon, der Generalsekretär. 
Im Zentrum steht der Text aus dem Matthäusevangelium: ich war hungrig, und ihr habt mir nicht  zu essen gegeben. Ich war nackt und ihr habt mich nicht bekleidet... Wenn wir dies endlich ernst nähmen, wenn wir wahr machen könnten, was Jesus uns vorgelebt hat - dann könnte das Reich Gottes schon heute Wirklichkeit werden!
Dies ist der letzte Bericht meiner USA-Reise. Ich hoffe, diejenigen, die die Berichte verfolgt haben, konnten damit etwas anfangen. Danke für Ihr Interesse! Bis auf ein Wiederlesen!
Sr.Sara, z.Zt. New York

Mittwoch, 15. September 2010

Laus im Pelz

Das ist wohl die beste Umschreibung der Arbeit der NGO (Nicht-Regierungs-Organisationen) bei der UNO! Dank Sr. Margaret Meace habe ich die Gelegenheit, an zwei Komitee-Sitzungen teilzunehmen. Es ist harte Arbeit: wie finden wir den besten Weg, um irgendwie die Regierungen der Welt auf die Probleme der Zivilgesellschaft - sprich: der einfachen Menschen - hinzuweisen?
Trinity Church -
die älteste Kirche von New York
Ich lerne, dass dies grundsätzlich nur gemeinsam geht. Einzelkämpfer und Leute, die persöliche Erfolge verbuchen wollen, sind in den NGOs fehl am Platz. Es wird abgesprochen, zu welchen Themen z.B. wer ein Statement verfasst, das dann entweder mündlich bei einer offiziellen Kommissionssitzung der UN vorgetragen werden kann oder schriftlich eingereicht wird. Es wird versucht, Texte vorzubereiten, die der Generalsekretär evtl. in seinen Reden mit verarbeitet, so dass die Regierenden damit in Kontakt kommen. Es wird versucht, Best-Praxis-Beispiele aufzubereiten, denn manch gutwillige Regierung vor allem kleinerer Staaten ist dafür dankbar, weil man schlicht nicht weiß, wie manches Problem anpacken.
Sr. Margaret im Büro der NGO
Hier in New York geht es dabei um alle möglichen Themen von sozialer Gerechtigkeit: Rechte der Frauen, dauerhafte Arbeitsplätze, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Armutsbekämpfung, kaum ein Thema, das nicht die Aufmerksamkeit der NGO's hat. Es ist spannend, dies hautnah mitzubekommen. Die Arbeitsbedingungen sind sehr einfach, und der Platz in den Konferenzräumen begrenzt.
Nächste Woche werden die Regierungschefs erwartet. Dann hätte ich keine Chance gehabt, hier irgendwo mitzugehen, auch wenn die NGOs nicht in den UNO-Räumen arbeiten. Während der nächsten Woche wird das Gelände rings um die UNO hermetisch abgeriegelt. Heute konnte ich wenigstens einen Blick in den Plenarsaal werfen und an einer Führung teilnehmen.
Ground Zero
Am Nachmittag gehen wir zu Ground Zero. Es ist bedrückend. Sr. Margaret macht mich darauf aufmerksam, dass es ein Wunder in allem Elend war, dass die Türme in sich zusammengefallen und nicht explodiert oder umgekippt sind. Es ist unglaublich, dass die Häuser rundum noch stehen. Eine große Wunde in dieser Stadt, nicht nur äußerlich!
Beim Rundgang durch die Stadt kommen wir an der Trinity-Church vorbei. Sie erinnert mich an die Arbeit der NGOs. Scheinbar bedeutungslos, wird diese Kirche schon lange von den Wolkenkratzern überragt. Und trotzdem...
Sr. Sara, z.Zt. New York