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Dienstag, 29. Juli 2014

Martha, Martha...

Heute feiern wir den Gedenktag der heiligen Martha von Bethanien. Jesus war gerne in Bethanien zu Gast, bei den drei Geschwistern Martha, Maria und Lazarus. Ja, nach diesem Bethanien sind wir benannt.
Martha hat zwei große Auftritte im Evangelium. Einmal als Jesus kommt und berichtet wird, dass Maria ihm zu Füßen sitzt und zuhört, während Martha in der Küche ganz allein arbeitet (Lukas 10, 38-42). Da geht sie doch tatsächlich zu Jesus und beschwert sich über ihre Schwester. Und was sagt der darauf? "Martha, Martha, du machst dir viele Mühen und Sorgen. Maria hat das Gute gewählt, das soll ihr nicht genommen werden." Na, toll!
Der dominikanische Mystiker Meister Eckehard interpretiert diese Szene, indem er Martha als die Reifere darstellt. Maria ist noch beim Hören, bei der Kontemplation. Das soll ihr auch nicht genommen werden. Aber Martha ist schon einen Schritt weiter, sie hat genug gehört, um handeln zu können: von der Kontemplation zur Aktion.
Damit ist sie unser großes Vorbild, denn das wollen wir ja auch. Uns festmachen am Wort Gottes - und dann dieses Wort in die Welt tragen, zum Heil der Menschen.
Die andere Szene ist der Tod des Lazarus (Joh 11, 20-27). Als der Bruder stirbt und Jesus zu spät kommt, zieht sich Maria zurück und weint, Martha geht auf Jesus zu und sagt: "Wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben." Ein Vorwurf? Wohl eher ein Ausdruck des Vertrauens, denn sie fährt fort: "Aber auch jetzt weiß ich: alles, worum du Gott bittest, wird er dir geben." Damit hat sie recht: Jesus ruft den Toten aus dem Grab heraus.
Martha, Martha - was für eine kluge und starke Frau du doch bist.

Freitag, 29. Juli 2011

Zwei ungleiche Schwestern

Heute ist der Festtag der heiligen Martha von Bethanien.
Aus diesem Anlass habe ich heute abend in der Vesper gepredigt:


Martha lebte mit ihrer Schwester Maria und ihrem Bruder Lazarus in Bethanien, wo sie mehrfach von Jesus besucht wurden. Einer dieser Besuche wird ausführlich beschrieben, im Johannesevangelium, Kapitel 11, 17-27:

Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Bethanien war nahe bei Jerusalem, etwa 15 Stadien entfernt. Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Maria erscheint hier als die Passivere der beiden Schwestern: sie bleibt im Haus, um alleine zu trauern. Martha dagegen wird aktiv, sie spricht Jesus an: "Wärest Du hier gewesen..." Ist das ein Vorwurf? Eine Tatsache? Ein Glaubensbekenntnis?
Jesus antwortet jedenfalls ganz ruhig, es entspinnt sich ein fast theologisch-abstraktes Gespräch über die Auferstehung. Es endet mit Martas großartigem Glaubensbekenntnis: "Ich glaube, dass du der Messias bist."

Vers 28/29:
Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen. Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm.

Ob Jesus wirklich nach Maria gerufen hat, wird nicht berichtet, eher sieht es so aus, als habe sich Martha das nur ausgedacht. Jedenfalls schafft sie es: endlich kommt Leben in ihre Schwester.

Vers 32-35:
Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr komm und sieh! Da weinte Jesus.

Jesus hatte schon auf dem Weg nach Bethanien mit seinen Jüngern über die Auferweckung gesprochen, ähnlich nüchtern wie mit Martha. Aber erst jetzt, als Maria weint, fängt er an, echten Anteil zu nehmen.
Erst jetzt kann es auch tatsächlich zur Auferweckung des verstorbenen Bruders kommen. Martha alleine konnte Jesus nicht bewegen zum Grab zu gehen. Ihr ganzer Glaube und ihre Kraft haben ihr nicht geholfen.
Dass Maria im Haus blieb und still und alleine trauern wollte, hat auch nichts genützt.

Erst als Martha ihre Schwester holt, als Maria ihre Tränen offen zeigt und als klar wird, dass die beiden ungleichen Schwestern das gleiche Glaubensbekenntnis haben: "Herr, wenn Du hier gewesen wärst, wäre unser Bruder nicht gestorben" - erst da wird aus Tod neues Leben.

Freitag, 25. März 2011

Postulatsbeginn


Gestern Abend war es endlich so weit: Ich durfte mit dem Postulat beginnen und bin damit ganz offiziell in Bethanien eingetreten. Juhuuuuuu!

Zur Vorbereitung auf diesen Schritt gehörte natürlich noch mal ein Besinnungstag. Nach der intensiven Prüfungsphase im Studium konnte ich diesen Tag der Stille noch einmal ganz besonders genießen. In der Messe am Dienstag Abend hörten wir schon den Text, der auch beim Postulatsbeginn im Mittelpunkt steht: Jesus zu Besuch in Bethanien, bei Martha und Maria (Lk 10, 39-42). Während Martha ganz davon in Anspruch genommen ist, für Jesus zu sorgen, sitzt Maria dem Herrn zu Füßen und hört ihm zu. An diesem Besinnungstag durfte ich mich wie Maria Jesus zu Füßen setzen und ihm zuhören, einfach vor und mit ihm sein.

Dieser Text wurde dann auch bei der Aufnahme ins Postulat vorgelesen. Und dann kam die entscheidende Frage unserer Generalpriorin: "Liebe Maria! Da sie heute das Postulat beginnen, frage ich Sie: Sind Sie bereit, sich zu prüfen und prüfen zu lassen, ob Sie zu einem Leben in Bethanien berufen sind?" Und nachdem ich meine Bereitschaft mit den Worten "Ja, ich bin bereit." erklärt hatte, überreichte sie mir die Regel des heiligen Augustinus sowie die Konstitutionen und Bestimmungen unserer Kongregation, nach denen wir leben.

Und als erstes äußeres Zeichen der Zugehörigkeit bekam ich das Dominikanische Wappen als Anstecknadel. (Beim nächsten Schritt ins Noviziat wartet dann der Habit...)

Es folgten der Friedensgruß mit allen anwesenden Schwestern und dann wurde der Postulatsvertrag unterschrieben.

Und dann gingen wir alle gemeinsam in die Kapelle und beteten gemeinsam die Vesper. Wie alle großen kirchlichen Feste, beginnt das Fest "Maria Verkündigung", das wir heute feiern, schon am Vorabend mit der 1. Vesper. Und es kann ja kaum ein passenderes Datum für den Ordenseintritt geben als den Tag, an dem wir uns erinnern, wie Maria, die Mutter Jesu, zur Botschaft des Engels JA gesagt hat, so dass Gott Mensch wurden konnte.