Posts mit dem Label Bahn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bahn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 24. Dezember 2012

24. Türchen: Maria in der ersten Klasse

In jedem Jahr gibt es in der Advents- und Weihnachtszeit in mehreren deutschen Bahnhöfen menschengroße holzgeschnitzte Krippen, die junge Leute von verschiedenen Kunstgymnasien in Polen geschnitzt haben. Von Jahr zu Jahr wandern sie in einem Kreislauf weiter von Bahnhof zu Bahnhof und immer wieder kommt eine neue Krippe dazu. In Frankfurt findet sich diese Krippe in der B-Ebene des Hbf und wird zum Gottesdienst am Heiligen Abend auf dem Querbahnsteig vor Gleis 4/5 aufgebaut.
In einem der letzten Jahre brachten fleißige, ehrenamtliche Helfer eine der Krippen von Freiburg/Breisgau auf der Autobahn nach Frankfurt. Während sie noch unterwegs waren, kam der Anruf: "Ihr habt die Muttergottes vergessen!" Da war guter Rat teuer, denn zurückzufahren wäre zu aufwendig gewesen.
Wir überlegten, dass ja die Bahnhofsmission (BM) Frankfurt und die BM Freiburg durch das Schienennetz der DB verbunden sind und dass es stündlich einen durchgehenden Zug - von Basel kommend - gibt. Gäbe es eine Chance, dass die Muttergottes per Zug nach Frankfurt reist?
Der ICE Kurierdienst erwies sich als zu teuer. Einen Zugführer, der Maria im Führerstand mitnimmt, fanden wir auch nicht. Alle Versuche liefen ins Leere. Maria stand in Freiburg und sehnte sich bestimmt nach ihrer entflohenen Familie.
Am späten Nachmittag der erlösende Anruf: Maria ist im ICE 870 im Wagen 12, Ankunft Frankfurt Hbf um 19:08 auf Gleis 9. Ein Zugbegleiter hatte sie unter seine Reisenden aufgenommen! In unserem Bahnsteigplan der Bahnhofsmission trugen wir ein: "Maria, Muttergottes - Aussteigehilfe aus 1. Klasse"
In den Tagen des Advents freuten wir uns immer wieder an dieser getrennten und wiedervereinigten Heiligen Familie.


nach Sr. Klarissa Watermann, Frankfurt

Montag, 8. Oktober 2012

Viel Lärm um nichts?

Heute abend ist eine unserer Schwestern verloren gegangen. In den Zug gestiegen, aber nicht zur rechten Zeit am rechten Ort angekommen. Eigentlich keine große Sache, möchte man meinen. Vielleicht war nur der Zug verspätet und sie hat den Anschluss verpasst. Aber: inzwischen ist es dunkel, sie ist in einer fremden Stadt und auch nicht mehr die Jüngste - und außerdem hat sie kein Handy.
Also fangen wir hier an, uns kollektiv Sorgen zu machen. Erschwerend kommt hinzu, dass alle, die irgendetwas Relevantes wissen könnten, gerade außer Haus sind und ebenfalls keine Handies dabei haben. Sozusagen extrem erschwerte Kommunikationsbedingungen.
Als ich von der Sitzung des Gemeindeausschusses zurück kam, hing ein Zettel an meiner Tür: sie ist wieder aufgetaucht. Die Details werde ich wohl morgen erfahren, aber vermutlich war es viel Lärm um nichts. Und ich frage mich: wie haben wir Jahre und Jahrzehnte ohne Handies überlebt? Waren unsere Mütter jedes Mal so aufgeregt, wenn wir mal nicht pünktlich waren? Oder waren wir vielleicht einfach immer pünktlich, weil es noch eine andere Bahn war? Ich weiß es nicht, ich weiß es einfach nicht mehr...