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Mittwoch, 24. Juni 2015

Jona, geh nach Ninive!


Viele Menschen überall auf der Welt bemühen sich um die Ökumene und den interreligiösen Dialog. Das ist manchmal ganz leicht und manchmal ziemlich mühsam, aber immer lohnend. Wenn ich mich in meinem Glauben wohlfühle und ihn als wahr und richtig erkannt habe, hindert mich das nicht, mit Menschen anderen Glaubens zusammen zu kommen. Im Gegenteil: es kann überaus bereichernd sein zu erfahren, wie andere Gott und die Welt sehen.
Bildquelle: Radio Vatikan/AP
Da finde ich es einfach wunderbar, wenn es Orte gibt, die von Menschen verschiedener Religion gemeinsam als Pilgerstätte betrachtet werden. Ein solcher Ort war das Grab des Propheten Jona. 
Jona hatte nach jüdisch-christlicher Überlieferung von Gott den Auftrag bekommen, die Menschen in der Stadt Ninive zur Umkehr zu rufen. Mit Erfolg. Die Bevölkerung zeigte Reue und Gott verschonte Ninive - soweit die Erzählung der Bibel. Auch im Koran wird der Prophet Jona erwähnt, sein Grab war ein Pilgerziel für Muslime ebenso wie für Christen. Es lag in den Ruinen der antiken Stadt Ninive, in der Nähe der heutigen Stadt Mossul. 
Heute berichtete Radio Vatikan über die Zerstörung und Planierung dieses Grabes durch die Fanatiker des sogenannten Islamischen Staates. 
Natürlich: Der IS richtet viel Zerstörung an und begeht sicherlich schlimmere Verbrechen als ein antikes Grab zu planieren. Aber ich finde, hier wird der Fanatismus besonders deutlich: Ohne Sinn und Verstand zerstören sie brutal und barbarisch einfach alles, was nicht in ihre enge Vorstellung von Religion passt. Ich hoffe, dass wir ihnen nicht auf den Leim gehen. Lassen wir uns nicht blenden von ihrem Hass! Wichtig sind bei dieser Meldung nicht die Fanatiker des IS, sondern die Gläubigen von zwei Religionen, die an denselben Ort gepilgert sind - und beide Opfer wurden.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Ist Religion wirklich Privatsache?

 
Ausschnitt aus einem Wahlplakat
der Regensburger Kommunalwahl
Auf dem Katholikentag war ich bei einer Podiumsdiskussion zum Thema: "Mehr als Ideologie und Blasphemie? - Zum Streit um Religion im öffentlichen Raum".
Sehr spannend! Dürfen wir in Deutschland noch unbefangen zu unserem Glauben stehen, oder werden wir dann sofort angegriffen bzw. mindestens für bescheuert erklärt? Gehört Religion in die privaten vier Wände (Leutheusser-Schnarrenberger)? Oder ist die christliche Religion die Wurzel all der freiheitlichen Werte, auf die sich ausgerechnet diejenigen berufen, die die Religion am liebsten abschaffen möchten (Gerl-Falkowitz)? Überaus spannend war für mich auch, dass auf dem Podium 5 Christen unterschiedlicher Konfession und ein Moslem saßen (Ayman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland). Dieser sagte am Anfang noch, die Gesellschaft würdige die Religion und ihre Errungenschaften z.B. in der sozialen Arbeit zu wenig. Super! Aber was war das? Schwupps - drehte sich das Gespräch plötzlich praktisch ausschließlich um die Stellung des Islam in Deutschland. Ich war eigentlich gekommen, weil ich finde, dass ich als Katholikin und Ordensfrau immer wieder in Rechtfertigungsdruck gerate.
Gerade hatten wir die Diskussion ja für ganz Europa. Martin Schulz, Sie erinnern sich. Jetzt also auf dem Katholikentag der schwache Versuch eines halben Podiums, sich gegen ein aggressiv-liberales "Religion ist Privatsache" und einen freundlichen aber umso selbstbewussteren und dominanteren Islamvertreter zu behaupten. Entspricht das der gesellschaftlichen Realität in Europa?
Laut Radio Vatikan sind etwa 273 Mio (54%) der EU-Bürger römisch katholisch. Über 80 % der EU-Bürger gehören einer christlichen Konfession an: katholisch, evangelisch oder orthodox. 13-22 Mio Muslime gibt es in Europa, das sind also 2,5-4,4 %. Der Anteil der Konfessionslosen nimmt zu: es sind etwa 16%, genaue Zahlen gibt es nicht.
(http://de.radiovaticana.va/news/2014/05/20/eu:_kein_gottloser_zusammenschluss/ted-800733)
Bei diesen Zahlen lehne ich mich zurück und frage mich - worüber diskutieren wir eigentlich? Über eine Minderheitendiktatur?

Ökumene geht längst auf allen Ebenen!
Bildquelle: offizielle facebook-Seite des Katholikentages 2014
Warum haben die Christen das Gefühl, in einer zunehmend säkularen Gesellschaft um ihr Existenzrecht kämpfen zu müssen, während gleichzeitig der Islam Minderheiten-schutz genießt?
Sind die 16% Konfessionslosen zu aggressiv?
Werden wir tatsächlich von 4% Moslems überflutet?
Oder ist es vielmehr so, dass die Christen Europas sich nicht als Mehrheit wahrnehmen, weil ein großer Teil von ihnen den Glauben weder kennt noch praktiziert?
Hinzu kommt, dass die aktiven Gläubigen nur teilweise ökumenisch denken und leben, weil wir uns lieber in konfessionellen Grabenkämpfen verlieren. Haben wir immer noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt? Können wir es uns heute wirklich noch leisten, unsere Geschwister in Christus verächtlich zu machen? Manche scheinen das zu glauben.
Und wenn wir mit den evangelischen und orthodoxen Nachbarn klarkommen, dann zanken wir uns ganz sicher innerhalb unserer eigenen Gemeinde: die "Ewiggestrigen" mit den "Altliberalen" und den "Kaputtreformierern" usw. Das gibt dann ein wirklich überzeugendes Bild der frohen Botschaft und der Jüngerschaft Christi!
Ja, ich gebe zu: Salafisten in deutschen Städten erschrecken mich.
Ja, auch der Satz "Religion ist Privatsache" aus dem Mund von deutschen Politikern macht mir Sorgen.
Nacht der Lichter
Bildquelle: offizielle facebook-Seite des Katholikentages 2014
Aber ich fürchte, dass wir vollkommen falsch ansetzen, wenn wir gegen die bösen Moslems und die schrecklichen Atheisten kämpfen. Wäre unser Zeugnis glaubwürdig, könnten uns weder die einen noch die anderen etwas anhaben. Schon die Urgemeinde in Jerusalem hatte es wahrhaft nicht leicht, doch sie hat alle Widerstände überwunden, denn:
"alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt." (Apg 2, 44-47) 
Ich bin sicher: je näher wir diesem Urbild christlichen Lebens kommen, desto weniger brauchen wir uns um unsere Rolle in Europa zu sorgen.

Mittwoch, 13. März 2013

Stummer Jubel

Wir Dominikanerinnen in Waldniel sind in einer großen Verlegenheit! Das Konklave hat begonnen, bald, vielleicht schon sehr bald wird in Rom weißer Rauch aufsteigen. "Habemus papam", "Wir haben einen Papst!" wird ausgerufen werden. Alle katholischen Kirchen auf der ganzen Welt werden läuten, was die Glocken eben hergeben - nur wir nicht. Die kleine Glocke unserer Kapelle wird stumm bleiben. 
Wieso?
Ist es irgendeine seltsame Art des Protestes? Nein. Die Glocke ist schlicht und einfach wieder einmal kaputt. Die Reparatur (vorläufig) zu teuer.
Nun kann man "mit ohne" Glockengeläut leben (auch wenn es für ein Kloster echt komisch ist) - aber beim "Habemus papam" nicht läuten zu können... Eine schreckliche Vorstellung!
Was ist da zu tun?
Wir haben verschiedene Möglichkeiten erwogen: mit der Handglocke durchs Kinderdorf laufen usw. Es war nichts Gescheites dabei. Aber jetzt machte eine Schwester einen wirklich guten Vorschlag: vielleicht sollten wir mal unseren Freund Arne fragen, der könnte für uns läuten. Ob er das wohl tun würde? Er ist wirklich nett, wir kennen ihn gut, er wohnt direkt nebenan. Aber irgendwie habe ich doch Hemmungen, ihn zu fragen...
Arne ist der evangelische Pastor des Ortes...  :-)