Samstag, 27. Dezember 2014

"Scheiß Christen"

Nachdem ich mich öffentlich ziemlich deutlich gegen Pegida positioniert habe, fühle ich mich verpflichtet, auch zu dem Vorfall in Mönchengladbach-Rheydt am Heiligabend Stellung zu nehmen. Sie haben es vielleicht in der Rheinischen Post gelesen: 5 muslimische Kinder/Jugendliche hatten eine katholische Krippenfeier gestört und "Scheiß Christen" gerufen. Eine Mutprobe? Ein "Dummerjungenstreich"?
Mein erster Gedanke war: der Pfarrer hat gut reagiert. Er will mit den Eltern sprechen, hat aber auch die Polizei eingeschaltet wegen Störung der Religionsausübung. Signal: wir nehmen die Sache ernst, wollen aber vor allem Dialog und keine Konfrontation.
Zweiter Gedanke: Was würde wohl passieren, wenn in Istanbul fünf christliche Jungs in eine Moschee liefen und "Scheiß Moslems" schrien? 
Pfarrer Manfred Riethdorf
Foto: Raupold, Isabella
Dritter Gedanken (beim Lesen eines längeren einschlägigen Artikels): Der Pfarrer hat guten Kontakt zu Muslimen in der Nachbarschaft. Von denen kommen dann auch prompt welche und äußern sich bedauernd. Ich will mich schon freuen, da lese ich: "Die Sache schadet UNSEREM Ruf." Vielleicht hat die Zeitung schlecht zitiert, aber ich vermisse: "Tut uns leid, dass IHR Gottesdienst gestört wurde."
Ich bin immer dafür, Einzelfälle nicht zu sehr zu generalisieren, aber ich finde diese Szene schon verstörend. Viel hängt jetzt m.E. davon ab, wie die Erwachsenen und v.a. die muslimischen Erwachsenen mit dem Verhalten dieser Kinder umgehen.

Kommentare:

  1. Eine Entschuldigung habe ich von den Islamvertretern nicht erwartet. Eher die Aussage, daß das alles nichts mit dem Islam zu tun hat.

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  2. Das waren keine offiziellen Vertreter, sondern einfach Nachbarn.

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  3. Ein gesegnetes neues Jahr erstmal!

    Ich komme vom Dorf. In meiner Kindheit war "das schadet dem Ruf" tatsächlich noch wichtig und ein Argument. Die eigene Respektabilität war ein Gut, das man wahren mußte. Als der Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie (das hieß damals ja noch so) sich einmal mit den anderen Dorfjungs betrank und besoffen laut wurde, gab es schrecklichen Ärger zu Hause, da der Junge den Ruf der Familie gefährdet hatte. Ich war mit der Tochter eng befreundet, da bekam ich das gut mit. Für's Protokoll: niemand aus dem Dorf nahm es dem Jungen übel, dass er getrunken hatte, und er war auch nicht lauter geworden als seine Kumpels. Aber als "Fremde" mußte man doppelt respektabel sein, fand Vater Türke.

    Die Frage, wie das Verhalten auf die "eigenen Leute" zurückfällt, zu stellen, ist auch wichtig. Klar sollte der erste Satz "Tut mir leid" sein, aber allein zu kommen sagt auch was.
    Ich finde es gut, dass Nachbarn vorbeikommen. Über die Wortwahl kann man streiten, aber lieber ein Nachbarsvater als "Prominenz", die mit Kameras redet.

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  4. Liebe Cassandra, auch Ihnen erstmal ein frohes und gesegnetes Neues Jahr!
    Ich kann Ihren Kommentar gut nachvollziehen und will auch nicht zu kritisch sein. Die Äußerung ist halt typisch, das bestätigen Sie ja auch, und je nachdem, wer sie macht, wirkt es schon etwas seltsam. Aber Arminius hat mich drauf gebracht, dass es eben schon ein Unterschied ist, ob es die offiziellen Vertreter der muslimischen Gemeinde sind, die so reden, oder die Nachbarn. Die Mutter von zwei der Jungen hat sich übrigens sofort sehr betroffen geäußert.

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