Sonntag, 30. November 2014

Auf dem Weg: erster Adventssonntag

In diesem Advent möchten wir unseren Blog-Adventskalender zum Thema "Wege" gestalten. Gott will Mensch werden und macht sich auf den Weg nach Betlehem - gehen wir ihm entgegen!

"Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, so dass wir dich nicht mehr fürchten?"
So fragt der Prophet Jesaja, wir lesen es heute, am ersten Adventssonntag in der Messe (in Kapitel 63). Israel hat sich verlaufen, es hört nicht auf die Stimme Gottes. "Uns geht es, als wärest du nie unser Herrscher gewesen, als wären wir nicht nach deinem Namen benannt."
Ist es mit uns nicht auch manchmal so? Hand aufs Herz: Wer kann schon behaupten, immer Gottes Stimme klar zu hören - und seinen Willen auch immer zu tun? 
Jesaja nimmt kein Blatt vor den Mund: Wer sich nicht an das Wort Gottes hält, vergisst, wessen Namen er trägt. Das gilt für Israel - aber auch für uns. Wir Christen tragen den Namen von Jesus Christus. Wenn wir gegen seinen Geist leben - wieso sollten wir uns noch Christen nennen?
Spannend finde ich Jesajas Folgerung. Es ist (zumindest an dieser Stelle) kein Aufruf an das Volk, sich zu bekehren, sondern eine Bitte an Gott:
"Reiß doch den Himmel auf und komm herab, so dass die Berge zittern vor dir."
Und so warten wir ungeduldig darauf, dass Gott endlich kommt, vom Himmel auf die Erde. Alleine schaffen wir es nicht. Müssen wir auch nicht. Bald, bald, kommt er, er ist schon auf dem Weg...

Dienstag, 25. November 2014

Die Plaßmann-Challenge

In der katholischen Bloggerszene läuft gerade die Plaßmann-Challenge, zu finden auf sende-zeit.de:  
Was macht man eigentlich so als Christ? 
Wir wollten dazu nichts schreiben, sondern sind losgegangen und haben ein paar Leute befragt. 
Hier ihre Antworten:
video

Montag, 24. November 2014

Höllenpredigt

Das Evangelium von gestern war gut geeignet, um auch einem frommen Menschen Angst vor der Hölle zu machen. Im Matthäusevangelium (Kapitel 25) steht die Rede Jesu vom Weltgericht: "Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden." Die auf der rechten Seite sind die Gesegneten, die auf der linken die Verfluchten. 
Die Bilder sind recht drastisch und haben viele Maler und Bildhauer inspiriert, die Freuden der Seligen und die Qualen der Verdammten im Detail auszumalen. Wir neigen heute leicht dazu, die Hölle wegzudiskutieren oder diese Texte weichzuspülen. Das möchte ich nicht. Ich will Jesus ernst nehmen in seiner Rede vom Weltgericht. Deshalb finde ich diesen Text auch nur schwer erträglich. 
Einen Zugang habe ich aber gefunden, als ich gestern in der Predigt hörte: es geht Jesus doch gar nicht um das Ausmalen der Höllenstrafen. (Das tut er auch nicht, mit keinem Wort!) Ja, es wird ein Jüngstes Gericht geben. Aber das Wichtige ist doch, was wir vorher tun, davon handelt dieser Text eigentlich! 
Also: worum geht es?
Darstellung des Jüngsten Gerichts im Kloster Voronet
Foto: Lothar Henke@pixelio.de
Die Gerechten werden selig gepriesen, denn "ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben, ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen, ... ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen."
Das verstehen die Gerechten nicht. Ihre Antwort lautet: "Wann haben wir das getan?" Sie haben ohne Berechnung gut gehandelt. Sie haben nicht an Gott gedacht und erst recht nicht an das Weltgericht, als sie liebevoll und barmherzig zu ihren Mitmenschen waren. Sie waren es einfach. Das ist der eine Teil der Botschaft: wir werden nicht gefragt werden, was wir für Gott getan haben. Wir werden gefragt werden, was wir für die Menschen getan haben. Umgekehrt könnte man auch sagen: Wer gut an den Menschen handelt, handelt im Sinne Gottes, auch wenn er Gott gar nicht gefallen will.
Die Antwort des Menschensohns, des Königs, des Richters ist der andere Teil der Botschaft: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder (und Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan." Was heißt das? In jedem Armen, in jedem Notleidenden können wir Christus begegnen. Ist das nicht ein Ausdruck der unglaublich großen Nähe Gottes? Er ist Mensch geworden und er lässt sich finden - wenn wir ihn nur suchen.
Ist das jetzt bedrohlich? Ja, es werden "ewige Strafen" denen angedroht, denen das Leid ihrer Mitmenschen egal war. Aber statt lange darüber nachzugrübeln, wie die wohl aussehen sollen - lasst uns doch einfach das Gute tun!

Sonntag, 23. November 2014

Wellnesswochenende

Heute war in unserer Pfarre der Weihnachtsbasar: Reibekuchen, Pommes, Waffeln, diverse Dekoartikel - und alles für den guten Zweck, die Partnerprojekte in Lateinamerika und Afrika.
Die Krönung ist wie immer die Tombola: drei Lose ein Euro. Die Kinder sind natürlich wie wild dahinter her. Vor allem sammelten sie hinterher die Nieten ein, denn für 10 Nieten gab es einen Trostpreis.
Ich hab eine Weile Lose verkauft, aber gekauft habe ich nicht. Der Hauptpreis war ein Wellnesswochenende in einem Skihotel für zwei Personen - das ist jetzt nicht wirklich das, was ich am dringendsten brauche.
Ich war heute ziemlich schnell fertig. Ich hatte Suppe verkauft und wir waren früh ausverkauft gewesen. Also war ich schon zu Hause, als meine Mitschwestern von ihrem Bummel über den Basar wiederkamen. Helene streckt mir strahlend einen Christstern entgegen: "Guck mal!" "Ihr habt in der Tombola gewonnen, gratuliere!" Die Christsterne sind unsere Auffüllpreise, wenn wir nicht genug Preise gestiftet bekommen.
"Ja, aber Simone...!" "Was ist mit ihr?"
Und da kam sie dann auch an und erzählte: Sie waren zu dritt oben in der Pfarre gewesen und hatten bei ihrer Runde auch einige Lose gekauft. Die Priorin hatte nur Nieten, Helene den Christstern und Simone - den Hauptgewinn!
Jetzt sitzt sie da, glücklich, aber etwas benommen und auch ein wenig verlegen, und versucht vermutlich, sich vorzustellen, wie das konkret gehen kann.

Mittwoch, 19. November 2014

Nachts im Priesterseminar

Eingang zum Speisesaal
Herbstzeit ist Tagungszeit. Die für mich dritte und in diesem Herbst letzte Veranstaltung, ein Workshop zur Berufungspastoral, verbringe ich in einem Priesterseminar. Das hatte ich noch nie. 

An sich haben wir mit den Seminaristen nichts zu tun, aber allein schon das Haus ist beeindruckend. Es ist etwa 400 Jahre alt, war mal Benediktinerkloster und steht unmittelbar neben dem Fuldaer Dom.


 
Sozusagen das Hinterteil ... äh...
die Rückseite vom Dom.
Nicht ohne Grund: der Dom wurde an das Kloster angebaut, als Stiftskirche. (So wurde es mir eben von einem der Lehrer hier erzählt, nachgeprüft habe ich es nicht.) Die Rückwand des Domes passt sich nahtlos in den Innenhof der Abtei ein.

 


Keine Predigtkanzel in der Kirche, sondern...
das Lesepult für die Tischlesung im Speisesaal!
Jedenfalls gehe ich staunend durch diese Flure und versuche mir die 50-100 Mönche vorzustellen, die hier gelebt haben. Auch wenn das Gebäude prachtvoll ist, so waren die einzelnen Männer doch persönlich bettelarm - und mit Sicherheit haben sie im Winter jämmerlich gefroren!

Montag, 17. November 2014

Bronze


Wir gestatten uns,  hier in aller gebotenen Bescheidenheit darauf hinzuweisen, dass uns 17 treue Fans eine bronzene Schwester-Robusta-Medaille in der Kategorie "Mauerblümchen" beschert haben.   Dank an Herrn Alipius und die Pimpfe  für die Arbeit und die Ideen! Vor allem aber herzlichen Dank an die jubelnden Massen von Wählern, die sich jetzt vermutlich gar nicht mehr einkriegen vor Begeisterung!

Nachtrag: inzwischen ist uns zu Ohren gekommen, dass mindestens vier regelmäßige Leser vergessen haben, zur Wahl zu klicken. Eigentlich haben wir also Silber. Also, gefühlt. :) Wir gönnen dem hörenden Herz aber seinen Erfolg und planen für 2015 schon mal ein, rechtzeitig eine ausreichend umfangreiche Wahlkampagne zu starten!

Samstag, 15. November 2014

Eine traurige Geschichte

Aus gegebenem aktuellem Anlass erzähle ich heute eine traurige Geschichte. Sie ist wirklich passiert, bzw. sie passiert ständig, ich weiß nicht, wie oft. Deshalb erzähle ich sie als Beispiel.

Paul liebt Anna. Es ist die große Liebe. Beide überlegen es sich gut, dann heiraten sie. So richtig mit allem Drum und Dran "Willst du mich ehren und achten, bis dass der Tod uns scheidet?" und so. Sie sind glücklich.
Nach ein paar Jahren verliebt sich Paul in Berta. Einfach so. Die Liebe fällt vom Himmel, die Liebe ist etwas Gutes, etwas Schönes, dagegen kann man doch nichts sagen und erst recht kann man nichts dagegen tun, oder?
Paul geht zu Anna. "Sag mal, was hälst denn du so von einer offenen Dreierbeziehung? - So ganz allgemein gesprochen!" setzt er noch hastig hinzu. Anna runzelt die Stirn. "Du weißt doch, dass ich das für Mist halte. Das kann nicht gut gehen und ist unmoralisch. Ich bin für klare Entscheidungen. Man kann im Leben nicht alles haben."
Paul geht zu Berta: "Ich habe Anna die Treue versprochen und ich liebe sie. Ich will sie nicht verlassen und sie wird dich nicht akzeptieren. Was sollen wir tun?" Berta weint: "Das ist aber gemein und spießig!" "Ja," stimmt Paul zu "finde ich auch. Wir lassen uns unsere Liebe nicht verbieten." Und sie beginnen, sich heimlich zu treffen.
Sie hoffen, dass Anna dazulernen wird. Vielleicht wird sie eines Tages einsehen, wie spießig und altmodisch ihre Einstellung ist. Dann werden sie endlich erzählen können, dass sie ein Paar sind. Dann wird alles gut sein. Bis dahin gehen sie einmal in der Woche in eine Selbsthilfegruppe für Paare, denen es ebenso geht wie ihnen.
Hin und wieder kommen Journalisten. Denen erzählen sie - anonym natürlich - wie unfair sie es finden, dass man in der Ehe immer noch nur zu zweit sein darf. Was soll dieses reaktionäre Treueversprechen? Das passt doch nicht mehr in unsere Zeit! Die Unterstützung in der Bevölkerung wächst. Aber Anna bleibt dabei: "Du kannst ja gehen, aber ein Dreier? Will ich nicht!" Paul und Berta sind empört: wieso ist Anna nur so uneinsichtig?

Finde den Fehler.


(Foto: Gerd Wittka / pixelio)

Sonntag, 9. November 2014

Ermutigung

Das Lied "Ermutigung", das Wolf Biermann im Bundestag gesungen hat, war eins der ersten, das ich auf der Gitarre gespielt habe. Nicht dass ich mit 14 schon sonderlich politisch interessiert gewesen wäre, eher im Gegenteil: es war einfach in einem meiner Liederbücher drin und klang schön nach Protest (das hat man in der Pubertät ja immer mal gerne). Verstanden habe ich es damals nicht wirklich und auch die Person Wolf Biermann sagte mir nicht viel. 
Geändert hat sich das eigentlich erst 1996. Damals kam das Buch "Abgehauen" von Manfred Krug heraus. Den kannte ich gut aus dem Fernsehen, v.a. aus der Anwaltsserie "Liebling Kreuzberg". Jetzt erfuhr ich zu meinem großen Erstaunen, dass Krug 1977 aus der DDR in den Westen gekommen war. Er war dort nicht nur Schauspieler sondern auch Sänger gewesen, und noch wesentlich populärer als hier. Aber dann war 1976 Wolf Biermann ausgebürgert worden.
Manfred Krug hatte als einer von etwa 70 Künstlern schriftlich gegen diese Ausweisung protestiert und war selber ins Visier der Stasi geraten. Nach Biermanns Ausbürgerung und dem Protest dagegen, hat Manfred Krug ein Jahr lang kein Engagement mehr bekommen. Er stellte einen Ausreiseantrag, ein bisschen trotzig, aber auch schweren Herzens, denn eigentlich wollte er nicht weg. Bei normalen Menschen bedeutete so ein Antrag meist Gefängnis, aber Krug war zu berühmt. Sie ließen ihn gehen. Das alles erfuhr ich aus "Abgehauen", dem Buch und seiner Verfilmung.
Von dieser Seite habe ich mich Wolf Biermann genähert. Ich dachte damals, was für ein seltsames Land die DDR gewesen sein muss: da kommen Menschen begeistert aus dem Westen (Biermann aus Hamburg, Krug aus Duisburg). Sie träumen von einer gerechteren Welt, von sozialer Gleichheit; Biermann war sogar Kommunist. Doch sobald sie anfangen, das System zu kritisieren, werden sie unter Druck gesetzt oder ausgewiesen. Gleichzeitig versuchten immer wieder Menschen, aus diesem Land zu fliehen - und landeten dafür im Gefängnis oder wurden sogar erschossen. So viel Leid - nur weil die Ideologie nicht stimmte.
Und jetzt steht dieser Wolf Biermann im Bundestag des wiedervereinten Deutschland, 25 Jahre nach dem Mauerfall und singt ein Lied, das er ein Jahr nach seiner Ausbürgerung schrieb. Er beschimpft die Abgeordneten der Linken wüst als "Drachenbrut" und als "elenden Rest von dem, was endlich überwunden ist", mit einem Zorn, der in diesem Vierteljahrhundert kein bisschen abgekühlt zu sein scheint. 
Ich wünsche den vielen Opfern des DDR-Regimes, den Biermanns und Krugs, den Angehörigen der Mauertoten, dass ihre Wunden endlich heilen. Ich wünsche und hoffe, dass die Nachkommen der SED sich vor allem innerlich aber dann auch äußerlich klar von den Verbrechen ihres Ursprungs lossagen. Es wäre auch nicht schlecht, wenn sie den Opfern mal bereitwillig zuhören würden, weil sie sie ernst nehmen, auch wenn sie persönlich keine Schuld tragen. 
Aber vor allem wünsche ich unserem Land zum 25jährigen Gedenken des Mauerfalls, dass dieser Tag ein Jubiläum sein möge, ein Jubeltag.  Spürt ihr noch die Spannung und Angst, als noch nicht klar war, ob in die Montagsdemonstration geschossen werden würde? Könnt ihr euch noch erinnern, wie wir vor Freude geweint haben, als die ersten Trabbis über die Grenze fuhren? Wisst ihr noch, wie sensationell das war, dass plötzlich Menschen auf der Mauer standen - am Brandenburger Tor? Wildfremde Leute lagen sich lachend in den Armen - erinnert ihr euch? Ich will diese Gefühle nicht vergessen und hoffe, dass sie tief im kollektiven Gedächtnis unseres Volkes verankert werden und dass wir sie den nächsten Generationen weitergeben.

Freitag, 7. November 2014

I-Pad auf benediktinisch

Gerade war ich auf einer Tagung zur Medienarbeit der Ordensgemeinschaften. Die meisten Teilnehmer gehören zu den sogenannten "tätigen" Orden, also zu denen, die in Pfarren, Krankenhäusern, Altenheimen, Kinderdörfern usw. arbeiten. Insofern war Sr. Antonia eine Ausnahme: sie ist Benediktinerin, also keine "tätige" Schwester, sondern eine beschaulich lebende Nonne. Natürlich arbeitet sie auch - aber nur innerhalb des Klosters. Ihre Gemeinschaft hat eine Hostienbäckerei und eine Stickerei für liturgische Stoffe und Gewänder.
Die Benediktiner geloben die "stabilitas", d.h. sie treten in ein Kloster ein und bleiben dann bis zu ihrem Tod an diesem Ort. Heute sind sie nicht mehr so streng, sonst hätte Sr. Antonia nicht zu dieser Tagung kommen können, aber auch sie wird - wenn alles gut läuft - ihr Leben lang an ihrem jetzigen Standort bleiben. Stabilitas, Stabilität eben.
Mitgebracht hatte Sr. Antonia ihr I-Pad nicht. Wozu auch?
Warum erzähle ich das?
Sr. Antonia hat ein I-Pad. Kein neues, sie hat es gebraucht gekriegt. Eigentlich eine feine Sache, es hat nur eine kleine Macke: wenn sie damit von ihrem Zimmer in ihr Büro geht (das sind etwa fünf Meter), dann sucht sich das I-Pad die nächste W-Lan-Verbindung. Nichts Besonderes? Naja, eigentlich nicht, nur braucht Sr. Antonias I-Pad eine geschlagene Stunde, bis es wieder im Netz ist.
Der Freund, der es ihr geschenkt hat, wusste um die Macke. Er dachte wohl, bei ihrer Lebensweise würde es nicht stören. Irgendwie hat er ja recht: es ist vermutlich der Prototyp der Nonnen-I-Pad, das Apple dann doch nicht in Serie gegeben hat. Mit Stabilitas-App.

Dienstag, 4. November 2014

Das Leben ist kein Ponyhof

Dieser Ausspruch stammt von einer meiner Kinderdorftöchter und an ihn musste ich jetzt denken.Gestern vor dem Morgengebet erreichte mich eine mail mit der Nachricht eines lieben Menschen, der schon etliches im Leben erleiden und durchtragen musste, dass nun eine schwere Krankheit festgestellt wurde. Am selben Abend sah ich in den Nachrichten, wie ein dreifacher Familienvater mit verbundenen Augen 200 m über den Dächern Chicagos, ohne jede Sicherung über ein Drahtseil laufend, sein Leben aufs Spiel setzte, und ich fragte mich, was in aller Welt treibt ihn dazu? 
Ich frage mich, warum die einen einen unerbittlichen Kampf um ihr psychisches und physisches Überleben führen müssen und dabei mitunter selbst gezwungen sind, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, während Andere scheinbar ohne jede Not ihr Leben riskieren. Ist das nicht Hohn für all jene, die einen harten Überlebenskampf führen, oder deren Leben von ungerechtem Leid gekennzeichnet ist? Was gibt meinem Leben Sinn? 
Angesichts von Zeitgenossen, die es sinnvoll finden, ihr junges Leben zu beenden und dabei viele unschuldige Menschen mit sich in den Tod zu reißen,  muss ich zugeben, dass mir manche Heldentat, mancher Lebensentwurf wie ein vergeudetes Leben erscheint, und sicher gibt es viele, für die ein Leben im Orden, wie ich es lebe, so wirkt. Aber nach welchen Kriterien bemesse ich ein gelungenes, erfülltes Leben? Wann empfinde ich ein/ mein Leben als geglückt? Und was bewegt die Zuschauer dieser Grenzgänger, die auf dem Sofa vor dem Fernsehen den Grenzgang zwischen Leben und Tod betrachten - gelungen, wie bei Nik Wallenda und mißlungen, wie bei den afrikanischen Kindern, die an Ebola sterben, oder im Mittelmeer ertrinken? 
Es liegt ganz sicher eine Fazination auf dieser Grenze zwischen Leben und Tod, aber doch wohl auch viel Angst, die beherrscht werden will. Schau ich mir also an, wie jemand scheinbar ohne Angst vor dem Tod sein Leben riskiert, oder einsetzt, wie die Helfer in den Krisengebieten. Was ist den Einsatz meines Lebens wert? Für den Akkrobaten gab es sicher neben dem Weltrekord auch einen finanziellen Anreiz, für andere ist es der versprochene Himmel, Ehre, Ansehen - und für mich? Vielleicht das Bewusstsein, dass mein Leben ein unverdientes Geschenk ist? Gehe ich sorgfältig genug mit dem Geschenk meines Lebens um, das ja auch mir in schweren und traurigen Zeiten schon mal mehr Last als Freude ist? Doch, ich brauche unbedingt den Kontakt zum Schenker, sein Geschenk hält den Kontakt in mir wach und auch den Wunsch, etwas davon zurück zu schenken. 
Und wie ist das bei Dir?

Montag, 3. November 2014

Wenn ich einmal reich wär...

Ich frage mich, was ich mit meinem Geld machen würde, wenn ich Milliarden von Dollar oder Euros hätte. Noch mehr verdienen mit Reisetouren ins Weltall? Sicher eine großartige Freude für einige Menschen, die auch eine Menge Geld für interessante Dinge ausgeben können.
Oder würde ich mir einen großen Namen machen, weil mein Geld dazu beigetragen hat, ein wirksames Medikament für eine bislang unheilbare Krankheit, an der derzeit tausende von Menschen sterben, zu finden?
Oder würde ich mit diesem Geld ganz vielen Kindern helfen, die Opfer grausamer Ideen von Erwachsenen geworden sind? Wann hätte ich meinen Reichtum richtig gut und sinnvoll genutzt und wann verschwendet?
Wofür nutze ich mein Geld? Wofür nutzen wir unser Geld? Eine wichtige Frage auch und gerade im Orden und in der Kirche, aber eben auch in der Gesellschaft.

Samstag, 1. November 2014

noch zu Allerheiligen...

Beim Weltjugendtag in Madrid
Eigentlich müsste Allerheiligen ein evangelisches Fest sein!
Ja, ich weiß, viele haben es nicht so mit den Heiligen - nicht nur Evangelen übrigens. Ich bin da relativ leidenschaftsfrei, es gibt Heilige, die ich sehr mag, wie meine Namenspatronin Barbara, den Hl. Nikolaus von Myra oder den Hl. Martin von Tours. Aber wer mit ihnen nichts anfangen kann, der muss sie nicht verehren - und das finde ich sehr gut so!
Allerheiligen erinnert aber nicht an diese großen Heiligen. Die haben ja schon ihre eigenen Gedenktage. Am 1. November feiern wir alle Heiligen - also gerade die, die kein eigenes Fest haben, weil sie nämlich gar nicht offiziell heiliggesprochen sind. Also darf ich z.B. an meine Großeltern denken, die ihr Leben lang eng mit Gott verbunden waren - und es jetzt nach ihrem Tod ganz sicher auch sind.
Das finde ich eine wunderbare Idee, denn es soll uns auch daran erinnern, dass wir Lebenden ebenfalls alle zur Heiligkeit berufen sind. Jede und jeder von uns ist von Gott eingeladen, selber heil zu werden und dadurch auch andere zu heilen, die Welt zu heiligen.
Die "Gemeinschaft der Heiligen", von der in der Bibel die Rede ist, soll nicht auf den Himmel beschränkt sein, das Reich Gottes hat schon begonnen. Jesus würde sagen: "Merkt ihr es nicht?"