Sonntag, 31. August 2014

Wenn Schwestern shoppen

Gestern war ich shoppen. Das mache ich höchst ungern, denn das, was ich brauche, finde ich meist nur mit Mühe. Dafür sehe ich jede Menge wunderschönen Schnickschnack, den ich gar nicht brauche (und mir auch nicht leisten kann) und den ich ganz urplötzlich trotzdem gerne kaufen würde - absurd. 
Gleichzeitig merke ich beim Kleidershoppen immer wieder, wie sehr ich von der Mode überfordert bin. Ich trage halt, seit ich nicht mehr mit den Kindern arbeite, nur noch selten Zivilkleidung und bin nicht so richtig auf dem Laufenden, was "in" ist. Manchmal stehe ich in den Geschäften und frage mich: das Teil ist ja schön, aber - wie trägt man das denn?
Aber gestern! Gestern habe ich endlich gelernt, was eine straight leg jeans ist und dass ich schon seit Jahren unwissentlich eine boot leg jeans besitze. Jetzt weiß ich auch endlich (!), was eine skinny leg jeans ist - und dass ich keine brauche. Was eine slim leg jeans ist, habe ich allerdings nicht so ganz verstanden und es gab noch eine fünfte Sorte, deren Namen ich vergessen habe, aber ich glaube, mit dieser Wissenslücke kann ich leben. Irgendwie war die Welt einfacher, als die Hosen eingeteilt waren in Röhren-, Karotten-, Stretch- und Schlaghosen. Aber ich gebe zu, dass das nicht so gut klingt.
Und Schuhe habe ich gekauft! Ja, auch Ordensfrauen brauchen Schuhe. Ich habe am liebsten Trecking-Sandalen, robust und bequem. Allerdings gehen meine Sandalen immer an derselben Stelle kaputt: sie reißen früher oder später hinten links. Warum? Auch die robusteste Treckingsandale ist nicht für die einseitig katholische Belastung der Kniebeuge konstruiert. Ich habe nie überschlagen, wie oft mein linker Schuh diese Sonderbeugung mehr machen muss als der rechte, aber mindestens 4-8 mal täglich - da kommt schon was zusammen. Vielleicht sollte man die Schuhindustrie anregen, katholische Schuhe zu produzieren, mit extra verstärkten Kniebeugenbelastungsstellen... 
Na, jedenfalls wollte ich die kaputten Sandalen ersetzen (beim letzten Mal habe ich die neuen direkt angezogen und die kaputten noch im Laden in den Müll geworfen. Ich weiß: es gibt Frauen, die anders Schuhe kaufen...), aber diesmal gab es sie nicht mehr in schwarz. Nur noch in blau oder rot. Ich glaube, es lag an meiner ausklingenden Urlaubslaune, dass ich sie dann in rot genommen habe.
Ich hoffe nur, dass das jetzt niemand für ein kirchenpolitisches Statement hält. Ich finde weder, dass der Papst rote Schuhe tragen sollte, noch will ich an den letzten rotbeschuhten Papst erinnern, noch will ich das Papsttum für Frauen einfordern. Ich hatte einfach nur gute Laune und will sie mir (und anderen) noch etwas bewahren.

Freitag, 29. August 2014

Die Kraft der Sonne



Psalm 104
Vers24
Herr, wie zahlreich sind deine Werke! 
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.


Zugegeben, es regnet derzeit mehr als mir lieb ist.
Dennoch erfreue ich mich täglich all der Blüten und Früchte, die man jetzt überall sehen und ernten kann.

Gestern war ich hier in der Nähe in einer kleinen Kapelle zum Gottesdienst. Gegenüberliegend ein Busch voller Sonnenblumen!
Wie kraftvoll und schön der Sommer ist! 


Ok, mit den Schnecken muss ich einen Friedensvertrag aushandeln, denn sie fressen mir meine Zuccini weg.
Aber gut.

Wie heißt es in Köln so schön?
Mer muss och jönne künne,  
mer muss och jünne künne
denn wer nit jönne künne kann, is janz ärm dran.

Donnerstag, 28. August 2014

Die 100jährige baut und baut...

Hallo, da bist du ja wieder, das ist aber schön!
Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja: Refrath! Manche sagen auch Bensberg. Wir haben das Kinderdorf damals genau auf die Grenze zwischen diesen beiden kleinen Orten gebaut - heute gehören beide zu Bergisch Gladbach.
Jedenfalls ging es wie in Schwalmtal-Waldniel und Eltville-Erbach auch: Mutter Imelda kaufte das Land, dann kamen wir Schwestern, bauten das Kinderdorf, und 1968 kamen dann die ersten Kinder. Ein Unterschied zu den anderen beiden Orten war aber, dass es in Refrath kein Haupthaus gab, das mit dem Gelände übernommen wurde, sondern nur Wald. So hatten wir die Möglichkeit, das ganze Kinderdorf architektonisch aus einem Guss zu gestalten. Gottfried Böhm machte den Entwurf, nach dem alle Häuser in der Form einer Schnecke gebaut wurden - im Zentrum die Kirche als ein großes Zelt. Böhm baute mit viel Beton und möglichst ohne rechte Winkel, seine Gebäude sind oft voller Symbolik. Das muss man nicht mögen, aber unser Kinderdorf ist jedenfalls was ganz Besonderes, warte, hier ist ein Bild.
Das Bethanien Kinderdorf in Bergisch Gladbach-Refrath:
1968 kamen die ersten Kinder
Am Anfang hatten wir in Refrath Platz für 120 Kinder und Jugendliche. Sie lebten damals in 11 Familien, die jeweils von einer Schwester geleitet wurden. Meine Güte, ich werde fast wehmütig, wenn ich daran denke.
Später haben wir dann zwei Außenwohngruppen gegründet und die Gruppen innerhalb verkleinert, es kamen die ersten Leiterinnen, die keine Schwestern waren, es entstanden die heilpädagogischen Tagesgruppen, und überhaupt hat sich eigentlich ständig irgendwas verändert. So ist wohl das Leben.
Das Bild hier ist aus den 60er Jahren - aber ein bisschen gepfuscht: es ist Sr. Gaudete, die war in Waldniel, nicht in Refrath. Unglaublich, dass wir damals noch in Habit mit den Kindern spazierengingen, nicht wahr? Aber das war halt normal. Unpraktisch, aber keiner hat sich was dabei gedacht. Später haben wir dann angefangen, normale Straßenkleidung - "Zivilkleidung" - zu tragen, damit man den Kindern nicht sofort ansah, dass sie im Heim groß werden. 
Sr. Gaudete:
"Wer kommt in meine Arme?"
Was meinst du? Ob wir noch mehr Kinderdörfer haben? In Deutschland nicht. Wir hatten eine ganze Reihe in den Niederlanden, in Belgien und eines in Italien. Wir waren sogar in Übersee und hatten unsere Häuser in den USA, Kanada und auf Aruba. Das waren nicht immer Kinderdörfer, oft haben wir auch mit jungen Mädchen oder in Gefängnissen gearbeitet, je nachdem... Inzwischen mussten wir fast alles wieder zumachen. Wir sind einfach nicht mehr so jung und so viele wie in den 60ern, verstehst du? Kinderdörfer haben wir jedenfalls nur noch die drei in Deutschland, und die werden jetzt ganz von Mitarbeitern geleitet. Klar, wir helfen noch mit, so gut wir können, es sind ja schließlich immer noch die Bethanien Kinderdörfer, und das sollen sie auch bleiben, nur können wir einfach nicht mehr die ganze Arbeit machen wie früher.
Man kann viel Gutes tun, auch wenn man nicht gleich ein ganz großes Werk auf die Beine stellen kann. Wir haben das immer wieder versucht, aber ich glaube, davon erzähle ich dir beim nächsten Mal. In Ordnung?

Sonntag, 24. August 2014

Gottvertrauen

An diesem Wochenende hat sich unsere Laiengemeinschaft zu Exerzitien getroffen.
Von Donnerstag bis Samstag.

Im Schweigen.

Übernachtet haben wir, aufgrund von Platzmangel,  in einem anderen Haus, von dem ich in Kürze berichten werde.
In den Exerzitien ging es, unter anderem, um Vertrauen. 

In der letzten Woche habe ich ein Gedicht gelesen, in dem es Vertrauen ging.
Der Text hat mich sehr angesprochen, weil Vertrauen auch zerbrechlich ist undVertrauensbrüche tiefgreifende Verletzungen hinterlassen können, die nur schwer heilen.

Viel mehr und viel tiefer aber geht es, wenn das Gottvertrauen zu einer aktiven Lebenshaltung wird.

In einer Predigt vom vergangenen  Sonntag hieß es :
"Wer sich mit Gott in einem Boot weiß, hat keine Angst mehr."

Ein schöner Gedanke, der mir allerdings auch viel abfordert.

Wir machen in unserem Leben viele Erfahrungen, auch die Erfahrung, dass unser Vertrauen missbraucht wird. Das alles aber ist von Menschenhand gemacht und sicher auch tiefgreifend verletzend.
Es gibt Menschen, bei denen ist es schwer zu vertrauen.

Alles selber regeln und im Griff behalten, scheint ein möglicher Schutz vor wiederholter Enttäuschung.
Das alles ist aber von Menschenhand gemacht.

Aber wie ist es mit dem Gottvertrauen?
Meine Erfahrung ist, dass man in den unterschiedlichsten Situationen ganz spontan auf Gott vertraut.

In  Not,
             in Krankheit,
                                 in einer brenzligen Situation,

weil sich kein anderer Weg mehr aufzeigt.
Sozusagen als letzten Hoffnungsschimmer.
Ein sehr kurzweiliges Vertrauen, das aus der Not geboren ist.

Bei Gott ist das anders. Gott liebt uns und will, dass es uns gut geht.
Das allerdings ist oft schwer zu sehen, gerade, wenn es nicht so gut läuft, wenn wir in einer Krise stecken und sehr belastet sind.

Dann kommt oft die Frage:

"WARUM MACHT GOTT DAS SO?"

Erst im Rückblick stellt es sich dann anders dar.
Dann können wir sehen, welche Anteile wir an der Situation hatten.
Wir können sehen, was für uns gut war und dass uns der vielleicht schwere Weg auch gestärkt hat.
Im Rückblick verstehe ich dann den Weg, den Gott mit mir gegangen ist und ich komme mehr und mehr dahin zu erkennen, dass ER es gut mit mir meint.

Stunde für Stunde,
        
                              Tag für Tag,

                                                   und Jahr für Jahr.

 Mit allen Höhen und Tiefen.



Mittwoch, 20. August 2014

Die 100jährige zieht gen Süden


Grüß Dich! Wo waren wir letzte Woche stehen geblieben? Ach ja, ich hatte von Waldniel erzählt. Das war unser erstes deutsches Haus - aber damit ging es eigentlich erst los. Mutter Imelda Esser war eine sehr rührige Generalpriorin. Mit ihrer Generalsekretärin Mutter Magdalena Nouwen ist sie durchs ganze Land gereist, um geeignete Häuser und Grundstücke für uns zu finden. Die beiden hatten ganz schön... wie sagt ihr jungen Leute? Power!
Na, jedenfalls kam 1960 die Diözese Limburg, der Caritasverband und das Landesjugendamt Wiesbaden und baten Mutter Imelda, ein Kinderdorf in Hessen zu bauen. Du erinnerst dich: in Waldniel waren gerade 1956 erst die ersten Kinder gekommen, fünf Häuser waren fertig, weitere in Planung, ebenso die Kapelle und das Schwesternhaus. Und in diese Bau- und Planungsphase hinein sagt Mutter Imelda: "Gut, warum nicht? Gehen wir nach Hessen!" 
Mutter Imelda mit ihrer Assistentin Mutter Magdalena:
auf zu frischen Taten!
Im Dezember 1960 kauft sie das Landhaus "Marienhöhe" in Erbach (das gehört heute zu Eltville) bei Wiesbaden. Wir sind mit drei Autos runtergefahren, das war 'ne ganz schöne Strecke vom Niederrhein in den Rheingau! Am 22. März 1961 war dann der offizielle Gründungstag des Konventes, und dann haben wir das Kinderdorf gebaut.
Es ist kleiner geworden als Waldniel, da oben in den Weinbergen ist nicht so viel Platz, aber immerhin 5 Häuser sind es doch geworden. Am 1. April 1965 kamen die ersten Kinder. Bald hatte jede Gruppenschwester 12 bis 15 Kinder im Haus, insgesamt waren es Ende 1966 schon 69.
Das war ein bisschen zu viel, die Heimreform erfasste auch uns, und 1974 durften wir nur noch 50 Kinder haben. Weil es aber leider einen viel zu großen Bedarf an Plätzen in Kinderdorffamilien gab und gibt, hat sich das danach immer mal wieder geändert. Wir haben Außenwohngruppen dazubekommen und so. Aber das war später und du wolltest ja wissen, wie es angefangen hat.
Luftaufnahme des heutigen
Bethanien Kinderdorfes Eltville-Erbach
A propos Anfang: Noch in der Anfangsphase von Erbach ging Mutter Imelda das nächste Projekt an, das Kinderdorf in Dahlheim-Röttgen, im Bistum Aachen. Aber darüber mag ich nicht so gerne reden, das hat nämlich nicht lange gehalten, dann mussten wir wieder da weg. In Dahlheim waren wir nur 10 Jahre: von 1962 bis 1972. Erfolgreicher war da schon das Bethanien Kinderdorf in Bergisch Gladbach-Refrath - aber davon erzähle ich dir nächste Woche...


Freitag, 15. August 2014

Aktualisierte Liste

Hier nun die aktualisierte Liste. Ich hoffe ich habe alle erfasst, die mitbeten wollten. Leider gibt es noch ein paar Lücken. Vielleicht schließen diese sich ja noch.
Ansonsten wünsche ich allen ein schönes Wochenende!

Sa. 16.08.2014      07.00 Uhr         Wietske de Nachtegaal        DLN 
Sa. 16.08.2014      08.00 Uhr         Sr. Maria Clara 
                          08.00 Uhr         Mart De Regt                     DLN
Sa. 16.08.2014      09.00 Uhr         Monika Metternich 
Sa. 16.08.2014      10.00 Uhr         Sr. Raphaela OP                (Waldniel)
Sa. 16.08.2014      11.00 Uhr         Maria Anderl
Sa. 16.08.2014      12.00 Uhr         Lauda Sion
Sa. 16.08.2014      13.00 Uhr         Heidrun
Sa. 16.08.2014      14.00 Uhr         Sr. Justina OP                     (Meckenheim)                                           
Sa. 16.08.2014      15.00 Uhr         Sr. Magdalena OP              (Meckenheim)                                           
Sa. 16.08.2014      16.00 Uhr         Sr. Sofia OP                       (Meckenheim)                                         
Sa. 16.08.2014      17.00 Uhr 
Sa. 16.08.2014      18.00 Uhr         Joke Karssing
Sa. 16.08,2014      18.30 Uhr         Dorry de Beijer                   DLN
Sa. 16.08.2014      19.00 Uhr         Kleis Adema                       DLN
Sa. 16.08.2014      20.00 Uhr         Tanja ab 19.30 Uhr
Sa. 16.08.2014      21.00 Uhr         Kleis Adema
Sa. 16.08.2014      22.00 Uhr         Sabine Hundelt
Sa. 16.08.2014      23.00 Uhr         Wil Spokkel                         DLN
Sa. 16.08.2014      24.00 Uhr         Heidrun

Nachtruhe. Wer die Nacht mit überbrücken will ist gerne dazu eingeladen...

So. 17.08.2014      01.00 Uhr 
So, 17..08.2014     02.00 Uhr 
So. 17.08.2014      03.00 Uhr 
So. 17.08.2014      04.00 Uhr 
So. 17.08.2014      05.00 Uhr         Heidrun
So. 17.08.2014      06.00 Uhr         Jungwon Hyun
So. 17.08.2014      07.00 Uhr         Wietske de Nachtegaal         DLN
 

Sr. Barbara Offermann          Dominkanerinnen von Bethanien (Schwalmtal)      
M. B.                                   (Der Beter möchte namentlich  nicht genannt werden)    
Sr. Hannah Rita                     Dominikanerinnen von Bethanien (Riga)

Die 100jährige kommt nach Deutschland

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja: ich wollte dir erzählen, wie wir von Venlo nach Deutschland kamen. 
Das war 1951/52, da fand Mutter Imelda in Waldniel (heute Schwalmtal) am Niederrhein, also nicht weit von der holländischen Grenze, ein Schlösschen mit dem Namen "Haus Clee". Das Bild hab ich dir letzte Woche schon gezeigt, erinnerst du dich? Es war eigentlich viel zu nobel für ein Kloster, denn es hatte eine lange Geschichte als Rittergut und war zuletzt von Kommerzienrat Kaiser (Gründer und Inhaber von "Kaisers Kaffee") umgebaut worden. Aber der Preis war günstig und Mutter Imelda wollte den dazugehörigen Park haben - für das erste deutsche Bethanien Kinderdorf.
Im "Mädchenheim" konnten die Mädchen eine
komplette Ausbildung erhalten.
Am 1.Januar 1952 sind wir dann eingezogen und schon im März kam das erste Mädchen für das "Mädchenheim". So wurde die Abteilung genannt, wo die jungen Mädchen und Frauen wohnten und arbeiteten, die uns zugewiesen wurden. Eine Ausbildung z.B. zur Näherin konnten sie bei uns auch machen.
Parallel wurden die ersten Häuser für das Kinderdorf gebaut, rund um die Kaiservilla herum. 1956 kamen die Kinder für die ersten beiden Kinderdorffamilien, geleitet von Sr. Gaudete und Sr. Helene. Dann folgten rasch weitere, bald standen die ersten fünf Häuser: Sonnen-, Tannen-, Sternen-, Ähren- und Wiesenhaus.
Die Kinder waren nicht nach Alter und Geschlecht sortiert, sondern lebten in den Gruppen wie in echten Familien. Das war damals noch sehr neu.
Das Eingangstor zum
Bethanien Kinderdorf
in Schwalmtal-Waldniel
1961 kam dann der erste Mitarbeiter. Wir fanden schon früh, dass unsere Kinder auch Männer als Vorbilder und Ansprechpartner brauchen - aber woher nehmen und nicht stehlen? In jedem Haus arbeitete eine "Gruppenschwester" und eine zweite Schwester zum ablösen und zur Hilfe - bei durchschnittlich 15 Kindern und Jugendlichen. Zuerst haben wir durch private Kontakte für jedes Haus eine Art Patenonkel gefunden, na, und dann kam eben 1961 "Onkel Willi", der erste Mitarbeiter, heute würde man ihn wohl einen Freizeitpädagogen nennen.
Gleichzeitig wurde eine Kapelle gebaut und ein echtes Schwesternhaus, denn wie gesagt: die Villa war als Kloster eigentlich gar nicht geeignet und wir wurden auch immer mehr. Über 40 Schwestern waren wir damals in Waldniel! Da war echt was los! 
Jetzt könnte ich noch viel über Schwalmtal-Waldniel erzählen, aber ich glaube, für heute reicht's. - Was meinst du? Ob wir von Waldniel aus noch weitergezogen sind? - Ja klar, wir haben noch viele andere Häuser in Deutschland gegründet. Aber davon erzähle ich dir nächste Woche.

Donnerstag, 14. August 2014

Gebetskette für den Irak (Liste)



Sa. 16.08.2014      07.00 Uhr         Wietske de Nachtegaal         DLN 
Sa. 16.08.2014      08.00 UHr        Sr. Maria Clara 
                                                       Marth de Regt                    DLN
Sa. 16.08.2014      09.00 Uhr         Monika Metternich 
Sa. 16.08.2014      10.00 Uhr 
Sa. 16.08.2014      11.00 Uhr 
Sa. 16.08.2014      12.00 Uhr         Lauda Sion
Sa. 16.08.2014      13.00 Uhr         Heidrun
Sa. 16.08.2014      14.00 Uhr 
Sa. 16.08.2014      15.00 Uhr
Sa. 16.08.2014      16.00 Uhr 
Sa. 16.08.2014      17.00 Uhr 
Sa. 16.08.2014      18.00 Uhr         Joke Karssing
Sa. 16.08,2014      18.30 Uhr         Dorry de Beijer                   DLN
Sa. 16.08.2014      19.00 Uhr         Kleis Adema                       DLN
Sa. 16.08.2014      20.00 Uhr         Heidurn
Sa. 16.08.2014      21.00 Uhr         Kleis Adema
Sa. 16.08.2014      22.00 Uhr
Sa. 16.08.2014      23.00 Uhr         Wil Spokkel                         DLN
Sa. 16.08.2014      24.00 Uhr         Heidrun

Nachtruhe. Wer die Nacht mit überbrücken will ist gerne dazu eingeladen...

So. 17.08.2014      01.00 Uhr 
So, 17..08.2014     02.00 Uhr 
So. 17.08.2014      03.00 Uhr 
So. 17.08.2014      04.00 Uhr 
So. 17.08.2014      05.00 Uhr         Heidrun
So. 17.08.2014      06.00 Uhr         Jung Won Hyun
So. 17.08.2014      07.00 Uhr         Wietske de Nachtegaal         DLN
So. 17.08.2014      08.00 Uhr 
 
Freunde die über den Tag mitbeten:
Sr. Barbara Offermann         Dominkanerinnen von Bethanien Schwalmtal       
M. B.                                   (Der Beter möchte namentlich  nicht genannt werden)          
Tanja L. 

Genozide und andere Verbrechen

Eigentlich wollte ich während meines Urlaubs nicht bloggen, aber ich bin wütend. Das ist für eine Ordensfrau sicher nicht schicklich, aber ich stehe dazu: ich werde jeden Tag wütender!
Jetzt lassen Titel und Bilder dieses Beitrags schon vermuten, worum es geht, ja, richtig: die Yeziden. Allerdings muss ich sagen, ich bin nicht wütend, weil sie verfolgt werden. Das macht mich eher verzweifelt, traurig, ratlos. Doch es geschieht so viel Unrecht und Elend in der Welt, dass es für Wut nicht mehr reicht. Nein.
Wütend, wirklich wütend machen mich unsere Medien. Und unsere Politik.
Seit Wochen, nein, seit Monaten tippe ich mir die Finger wund und schreibe über die Verfolgung der Christen im Irak. Meine Informationen habe ich von den großen Hilfswerken aller christlichen Konfessionen und von der dominikanischen Familie: sie schreien schon lange nach Hilfe. (z.B. hier: http://www.kirche-in-not.de/aktuelle-meldungen/2014/08-07-christen-im-irak-droht-voelkermord ) Allmählich, so schien es, hat sich das Thema im Internet herumgesprochen, zuletzt durch das nicht nur auf Facebook weit verbreitete arabische "N", das Zeichen für "Nazarener", mit dem die Islamisten die christlichen Häuser markieren.
Als alle (!) Christen panisch aus Mossul geflüchtet waren, als dort die Kirchen in Flammen aufgingen, da endlich - so schien es - hatten auch die säkularen Medien entdeckt, dass irgendwas im Irak nicht optimal läuft. Erstmals (!) berichtete die Tagesschau davon, dass Christen verfolgt würden. Kurz darauf berichtete die ARD zwar noch im Internet von diesen Christenverfolgungen, in der Tagesschau war aber wieder knapp von der Verfolgung "religiöser Minderheiten" die Rede. 
Nun könnte man meinen, okay, sie haben halt nicht so viel Platz für diese Meldung. Dass die Christen, die von Mossul nach Karaqosh flüchten mussten, dort auch nicht mehr sicher waren und ins kurdische Erbil weiterzogen, war vielleicht zu kompliziert. Aber dann kamen die Yeziden. Sie werden von den Islamisten genauso verfolgt und in die Berge getrieben wie die Christen. Doch sie sind nicht nur eine religiöse Minderheit, sondern auch noch ein eigener Volksstamm - und plötzlich war vom drohenden Genozid die Rede.
Plötzlich beginnt jede Nachrichtensendung mit einer ausführlichen Meldung über Frauen und Kinder, die im Gebirge in der Sonne liegen und verdursten. Kein Wort davon, dass es sich auch um Christen handelt. Es sind immer nur Yeziden. 
Plötzlich diskutieren unsere Politiker darüber, ob man unter diesen Umständen Waffen in den Irak liefern kann - weil die ISIS die erobert hat, die früher mal geliefert wurden und die Kurden nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Und weil die Yeziden von Auslöschung bedroht sind - nicht etwa, weil das im Irak seit 2.000 Jahren ansässige Christentum vor der Auslöschung steht.
"Tausende"? "Kirche in Not" beziffert die Zahl der flüchtenden
Christen zur gleichen Zeit in der gleichen Gegend mit 100.000!
Plötzlich ist das alles wieder ein Thema. Wohlgemerkt: ich freue mich, wenn es denn endlich gelingen sollte, den Yeziden zu helfen. Aber: Wo sind die Journalisten und Politiker, die mal darauf aufmerksam machen, dass da noch mehr als nur die Yeziden systematisch verfolgt werden?
Da braucht es schon Cem Özdemir - ausgerechnet!!! - damit mal ein deutscher Politiker in die Kamera sagt "Yeziden und Christen"! Das hätte ich gerne von einem CDU-Menschen gehört! Warum fällt uns das so schwer? Was sind wir eigentlich für jämmerliche Christen, was sind wir nur für Heuchler, dass wir uns für andere einsetzen, aber unsere eigenen Geschwister nicht mal erwähnen, geschweige denn versuchen, sie zu schützen? 

Freitag, 8. August 2014

Kontemplation leben und die Früchte weitergeben...



 
Heute feiern die Dominikanerinnen und Dominikaner das Fest des Hl. Dominikus. http://www.heiligenlexikon.de/BiographienD/Dominikus.htm

So richtig bin ich mit dem Hl. Dominikus erst in Berührung gekommen, als ich an einem „Glaubenskurs“ der Dominikanerinnen von Bethanien teilgenommen habe. 

In einem der Räume hing ein übergroßes Bild von Dominikus in vielen unterschiedlichen Farben, das mich seitdem begleitet. 

Am meisten hat mich Dominikus angesprochen, weil es ihm ein Herzensanliegen war, die Menschen aufzuklären und ihnen die 
FROHE BOTSCHAFT  zu verkünden.
Dominikus wollte den  Irrlehren ein Ende setzen und hat dabei auch schwierige Gespräche nicht gescheut. Bis tief in die Nacht hat er diskutiert und sich als Wanderprediger auf den Weg gemacht.   

All das ging sicher nicht ohne das Gebet. Die Brüder berichten, dass er oft und bis spät in die Nacht gebetet hat.
Mit ihm taten und tun es auch heute, nach  fast 600 Jahren, viele Brüder, Schwestern und Laien. 

Gerade in unserer heutigen Zeit brauchen wir Menschen, die mutig sind und sich auf den Weg zu den Menschen begeben, die ihnen Mut machen und sagen, dass sie wertvoll sind, dass Gott sie bedingungslos liebt, ohne dafür etwas tun zu müssen.
Ich glaube, dass wir mehr denn je Christen brauchen, die bereit sind, sich kritischen Fragen zu stellen und bereit sind, von dem zu erzählen, was sie trägt und was sie stärkt.
Um das tun zu können ist es gut, die dominikanische Familie um sich zu wissen, die trägt und stärkt. 
Allen einen schönen Dominikustag!

Donnerstag, 7. August 2014

Die 100jährige erzählt weiter...

Oje, ich hab doch im Mai versprochen, dir zu erzählen, wie wir von Venlo nach Deutschland gekommen sind, aber ich hab dich ganz vergessen. Das kommt bei Hundertjährigen schon mal vor, dass sie was vergessen... Na, jetzt aber!
Wir hatten also 1914 im Kleinen Häuschen angefangen und ein Jahr darauf schon mit dem Bau des Mutterhauses begonnen. Wir haben uns immer schon - von der Gründung in Frankreich an - um strafgefangene Frauen gekümmert. Das ist unsere ureigene Aufgabe. Dabei geht es auch darum, Frauen nach der Haft eine echte Rehabilitation zu ermöglichen. Sie sollen wirklich neu anfangen können, ohne Vorurteile. Und wenn sie in Bethanien Schwester werden wollen, dann sollen sie vollkommen gleichberechtigt sein, so sehr, dass Außenstehende nicht einmal wissen dürfen, welche Schwester im Gefängnis war und welche nicht. (Das ist übrigens bis heute so.)
Aus der Gefangenenseelsorge erwuchs ein eigenes Haus für Frauen, die mit Bewährungsauflagen entlassen waren. Bald kamen immer mehr junge Frauen, da sich das Jugendschutzrecht veränderte. 1939 hatten wir in Rijsbergen das erste "Erziehungsheim" für minderjährige Mädchen (also unter 21 Jahren). Aber wir dachten auch mehr und mehr daran, präventiv zu arbeiten: warum denn erst eingreifen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist?
So entstanden dann die Bethanien Kinderdörfer. 
Haus Clee am Niederrhein,
von den Schwestern 1951 gekauft
Gleichzeitig wollten wir ja eigentlich immer noch - seit 1914 war das nicht vergessen - nach Deutschland. In den 30er und 40er Jahren war das nun kein besonders einladendes Land. Überhaupt der Krieg: wir mussten aus dem Mutterhaus raus, einige Schwestern sind bei Bombenangriffen gestorben und auch sonst mussten wir deutschen und niederländischen Schwestern zusammenleben und aushalten, dass unsere Väter und Brüder sich gegenseitig umbringen mussten! Kannst Du dir das vorstellen? Das war schon eine schreckliche Zeit. Da mussten wir wirklich viel beten, um uns noch als Schwestern lieben zu können.
Na, dann war der Krieg endlich glücklich vorüber und der Traum wurde wahr: Das erste Haus in Deutschland. Hier ist schon mal ein Bild, erzählen werd ich dann das nächste Mal davon...



Dienstag, 5. August 2014

Von Selfies und anderen Eitelkeiten

Neulich habe ich in einer Buchvorstellung gelesen, heutige Jugendliche lernten schon früh, sich gut zu verkaufen. Sie achteten mehr darauf, wie sie aussehen und wie andere sie sehen, als darauf, wie sie sich selber fühlen und wer sie sind.
Das hat mir sehr zu denken gegeben, denn ich finde, da ist viel Wahres dran. Vor allem aber merke ich, dass der Sog der Medien und ihrer neuen Möglichkeiten auch mich erfasst - obwohl ich ja wirklich nicht mehr zu der hier beschriebenen Generation gehöre. Aber unsere gesamte Gesellschaft ist inzwischen dabei, sich ständig selber zu fotografieren oder zu filmen und anderen selbst die banalsten Ereignisse des Alltags zu erzählen.
Auf Facebook ist das überdeutlich, wo Leute Fotos ihres Abendessens veröffentlichen oder allen ihren "Freunden" erzählen, dass sie sich gerade ein bisschen langweilen oder Kopfschmerzen haben. Aber auch das Fernsehen hat viel Erfolg mit Sendungen, die möglichst authentisch den normalen Alltag von normalen Menschen zeigen. Jetzt fordert der WDR alle Menschen in NRW auf, ihre Arbeit zu filmen und will aus diesen Videoclips eine Collage zusammenstellen. Vor zwei Jahren ist auf diese Weise eine hervorragende Dokumentation über den Alltag in NRW eintstanden. 35.000 Videos wurden damals eingesandt.
Jetzt also Schwerpunkt Arbeit. Ich mache auch mit, denn ich finde, Ordensleute sollten in einer solchen Doku nicht fehlen. Keine Ahnung, ob mein Clip genommen wird, aber es macht mir Spaß, (mit Hilfe einer Kollegin) meinen Arbeitsalltag zu filmen. Bin ich also auch schon ein Selbstdarsteller geworden? Als Ordensfrau frage ich mich auch ganz altmodisch: bin ich eitel?
Ja, ich denke, das bin ich, oder sagen wir mal: manchmal ja, manchmal nein. Es ist mir jedenfalls nicht egal, wie ich wirke. Und ich finde das auch gar nicht so schlimm. Ein bisschen Eitelkeit ist vielleicht sogar notwendig, damit man auf sich selber achtet und sich nicht vernachlässigt. Kritisch wird es aber dann, wenn ich Äußerlichkeiten wichtiger nehme als meine inneren Werte und Überzeugungen. Und vor allem wird es schwierig, wenn ich mich dabei verliere, wenn ich nicht mehr spüre, wer ich bin, was oder wer mein Ursprung und mein Ziel ist.
Im Gebet und in der Meditation versuchen wir genau das immer wieder zu tun, zu unserer Mitte zurückzukehren, uns wieder stets von neuem in Gott, unserem Ursprung zu verankern und von da aus einen anderen Blick auf alles zu werfen, das uns begegnet. Wem das gelingt, der wird weder sich selbst, noch irgendeinen anderen Menschen oder die allgemeine Tagesmeinung allzu wichtig nehmen. Der darf auch ruhig Spaß daran haben, ein Selfie zu schießen - denn er wird dabei nicht um sich selber kreisen.

Sonntag, 3. August 2014

Dominikanische Bücher - dominikanischer Handel

Gestern hat unsere Gemeinschaft einen Konventsausflug nach Maastricht gemacht. Ich war von der Stadt begeistert, so viele schöne alte Häuser und Kirchen und dabei so lebendig!
Allerdings sind von den schönen großen Kirchen viele nicht mehr in Gebrauch, bzw. in ihrem ursprünglichen Gebrauch. Eine Kirche fanden wir ganz verschlossen, sie sei einige Jahre lang als Diskothek genutzt worden, erzählte uns der Stadtführer, jetzt probe hier ein bekannter Chor.
Dann kamen wir an die ehemalige Dominikanerkirche, ein imposanter, gotischer Bau und - wie es sich für Dominikaner gehört - mitten im Zentrum in eine Häuserzeile eingezwängt. 
Die Tür war offen und die Menschen strömten rege ein und aus - Dominikaner gibt es aber nicht mehr in Maastricht. Was war aus dieser Kirche geworden? Eine Mitschwester klärte mich auf und dann habe ich es mir selber angesehen:
Eine Buchhandlung!
Über drei Etagen verteilen sich die Bücher, in der Apsis gibt es ein Café, die Atmosphäre war ruhig aber ungezwungen. Der Kirchenraum wird in seiner Schönheit durchaus genutzt und präsentiert, es wird dabei deutlich auf die dominikanische Identität hingewiesen. Das finde ich sehr angemessen und was würde besser zu einer Dominikanerkirche passen als eine Buchhandlung? Trotzdem bleibt ein kleiner Beigeschmack, wenn ich über die Grabplatten laufe. Ich kann nicht mehr erkennen, wer hier liegt, so abgewetzt sind die Steine. So viele Menschen besuchen diese Kirche - jetzt. War das vorher auch so? Wohl kaum, sonst hätte man sie nicht umwidmen müssen. Man hätte die Grabplatten auch mit Teppich abdecken können, aber so wird man sehr deutlich darauf gestoßen, dass man sich eben in einer ehemaligen Kirche befindet. 
Nein, so seltsam das alles im ersten Augenblick wirken mag: wenn Kirchen schon umgewidmet werden müssen, dann ist diese Form sicher eine der gelungensten. Die Frage, warum Kirchen überhaupt anders als für Gottesdienste genutzt werden, ist eine andere. 
Ich bin zwar optimistisch, aber auch Pragmatikerin. Es nützt nichts, den vollen Gottesdiensten hinterher zu weinen. Wenn die Kirchen leerer und immer leerer werden, habe ich irgendwann die Wahl zwischen abschließen und verrotten lassen, gleich abreißen, verkaufen (d.h., dass u.U. eine Disko reinkommt) oder eben eine Buchhandlung. Dieser hier wünsche ich weiterhin viel Erfolg!
 

Samstag, 2. August 2014

Irrsinn

Bildquelle: facebook-Chronik Thomas Plaßmann
Neulich hatte ich genug: all die furchtbaren Bilder von blutenden Babys in Gaza; immer wieder neue Nachrichten von den vertriebenen Christen im Irak; noch und noch die Flüchtlinge in Syrien; dann die Ukraine, da könnte doch allmählich auch mal Ruhe einkehren, stattdessen wird es immer schlimmer; jetzt droht im Sudan eine hausgemachte Hungersnot; über 50.000 (!) unbegleitete Kinder (zum Teil sind die wirklich noch klein), die auf der verzweifelten Suche nach einem besseren Leben illegal in die USA einreisen... und dazwischen immer der ganz normale Wahnsinn mit Hunderten von Bootsflüchtlingen vor den Küsten Italiens oder auch die Todeslager in Nordkorea, über die man kaum spricht, weil sie so weit weg sind. Zur Abwechslung dann mal "Juden ins Gas"-Rufe in deutschen Städten - hatten wir schon länger nicht mehr.
Also: ich hatte genug. Ich wollte zur Entspannung was Nettes. Auf Facebook lief mir ein Video über den Weg: ein dressiertes Walross machte Gymnastik - zum Kringeln! Einfach wundervoll, mal den ganzen Irrsinn vergessen.
Also habe ich das Video auf meiner Seite geteilt. Muss doch wohl erlaubt sein, dass man mal abschaltet, oder? Es gab auch sofort einige fröhliche Kommentare von Leuten, die das auch lustig fanden. 
Und dann kamen zwei Frauen, die empört kommentierten, das sei aber nicht richtig, das arme Tier!
Ja. Ist richtig. Ich gestehe, ich habe nicht recherchiert, ob es sich um ein glückliches Walross handelt, dass durch sein Leben im Zoo vor dem Aussterben bewahrt wurde. Ich bekenne, dass ich einfach angenommen habe, es habe selber Spaß an seinen Kunststückchen, weil es gerne spielt, aber ich habe nicht überprüft, ob es nicht vielleicht brutal zu dieser Dressur gezwungen wurde.
Ja, sie haben recht. Ich bin mir der Problematik "Zoo" voll bewusst und frage mich jetzt reumütig, ob es legitim ist, sich auf Kosten eines armen Tieres zu amüsieren. Vermutlich ist es das nicht.
Ich muss aber auch sagen, dass mich die Aussage der einen Tierschützerin "Es gibt wenig, was mich trauriger macht als Zoos" ziemlich ratlos, um nicht zu sagen fassungslos macht. Ich für meinen Teil habe eine Menge, das mich noch wesentlich trauriger macht (s.o.).
Und das nächste Mal schreibe ich dann halt wieder über Christen, deren Häuser von Islamisten zwecks Ausrottung markiert werden. Oder über den auf deutsche Straßen verlagerten Nahost-Konflikt. Oder über im Mittelmeer ertrinkende Afrikaner. Oder über Achtjährige, die von ihren Eltern alleine in ein fremdes Land geschickt werden... Keine Tiere mehr, versprochen.

Freitag, 1. August 2014

Interreligiöser Dialog

Gestern habe ich über die Islamisten und ihre Verfolgung der Christen geschrieben. Ich hatte meiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass auch der Islam sich für die heutige Zeit öffnen wird.
Damit tun sich auch die christlichen Kirchen zuweilen nicht leicht. Religion hat immer (!) mit Tradition zu tun, sie will das Bewährte bewahren, ist tendenziell also konservativ. Ja, ja: die eine mehr, die andere weniger, ich weiß... Auch die progressivste Kirche macht nicht alle Moden des Zeitgeistes mit, sondern ist in einer alten Lehre verankert, an der die Moderne gemessen wird. Allerdings schließt das einen Dialog mit der nichtreligiösen Welt nicht aus, das hat sich inzwischen herumgesprochen, in der katholischen Kirche spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor 50 Jahren, immerhin.
Damals wurde die klare Richtlinie vorgegeben: Wir wollen zwar mehr als diese Welt, aber wir leben in ihr und alles, was in dieser Welt passiert, betrifft uns. Damals begann auch verstärkt der Dialog mit anderen christlichen Konfessionen und mit anderen Religionen. Auch Atheisten und Menschen, die keine besondere Meinung zur Religion hatten, kamen in neuer Weise als Gesprächspartner in den katholischen Blick.
Interreligiöses Friedenstreffen in Lissabon, 26.9.2000
Bildquelle: santegidio.org
Die Anführer aller großen Religionsgemeinschaften sind schon lange in Sachen Versöhnung aktiv. Dabei meinen manche, die drei monotheistischen Religionen müssten sich schwerer tun, denn wer glaube, dass es nur einen Gott gibt, der könne keine andere neben sich dulden. Das ist einerseits richtig. Andererseits hat sich die Menschheit seit dem Mittelalter weiterentwickelt und mit ihr die Theologie. Wer es will, der kann heute darauf kommen: wenn es nur einen Gott gibt, dann beten wir Christen denselben Gott an wie die Juden und die Muslime. Wir nennen ihn nur anders und haben andere Vorstellungen von ihm.Wer mit seinen Vorstellungen wie nah an die Wahrheit kommt, ist dabei eine andere Frage, aber es geht immer um denselben Gott, den einen.
Nicht alle wollen das sehen. Aber wir Christen kommen nicht um diese Erkenntnis herum. Es sagt unser Verstand (den wir ja schließlich von Gott haben), es sagen unsere Theologen, es sagen Papst und Bischöfe. Wird das irgendwann dazu führen, dass wir Frieden finden?