Mittwoch, 17. Dezember 2014

Auf dem Weg: Wohin des Wegs, PEGIDA?

In Dresden gehen Tausende PEGIDA-Anhänger auf die Straße, um zu demonstrieren. Aber auf die Frage "Wohin des Wegs?" gibt PEGIDA erst mal keine Antwort. Sie sagen vor allem, wohin sie NICHT wollen. Sie wollen nicht in ein islamisiertes Europa.
Nun könnte man einwenden, dass der Anteil der Moslems in Sachsen (laut Rheinischer Post) ganze 0,1% beträgt. Unter uns: ich fürchte mich nicht vor einer Islamisierung Dresdens. Aber sei's drum.
Diese Patrioten Europas sind also gegen eine Islamisierung des Abendlandes, das muss man ernst nehmen. Ich halte mich auch für eine Patriotin, ich bin sehr gerne Deutsche (das weiß ich vor allem, seit ich mal ein paar Jahre im Ausland gelebt habe), und ich möchte nichts anderes sein als Europäerin. Ich will auch nicht, dass das Abendland islamisiert wird (was auch immer das konkret heißen soll, es klingt jedenfalls nicht gut). 
Trotzdem würde ich mich niemals einer PEGIDA-Demo anschließen. Warum nicht? Weil die nicht wissen, wohin sie wollen!
Liebe PEGIDAs! 
Wisst ihr, was ich glaube? Ihr merkt, dass das Abendland den Bach runter geht. Das macht euch Angst. Und damit habt ihr verdammt recht. 
Aber es ist nicht irgendein Abendland, dass sich da auflöst, es ist das christliche Abendland. Den Ausdruck verwendet ihr schon gar nicht mehr, und damit tragt ihr selber zu dem bei, was ihr verhindern wollt. Es ist nämlich nicht der böse Islam, der das arme Abendland bedroht. Wir selber sind es, die wir unsere kulturelle Identität einfach zum Fenster rauswerfen.
Wir machen aus Weihnachtsmärkten Wintermärkte. Wir haben schon lange den Bischof Nikolaus (eine historische Figur, die uns ein Vorbild in Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft war) durch eine Coca-Cola-Werbefigur ersetzt, die eine Erfindung zur Steigerung des Konsums ist und in immer absurderer Form durch unsere Städte turnt. Unsere Martinsumzüge machen wir zu Lichterfesten - aber nicht, weil die bösen Moslems uns dazu zwingen. Die finden den Heiligen Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt, oft toll. Schließlich gilt es auch in ihrer Kultur als hoher Wert, Bedürftigen zu helfen. Nein, es sind ganz normale Deutsche, die all das Christliche irgendwie aufdringlich finden und meinen, man sollte das doch besser ein bisschen neutralisieren. 
Kann man machen. Man kann unsere gesamte Kultur entchristlichen. Übrig bleibt dann McDonalds, "Geiz ist geil", die Banken, seichte Fernsehserien - und eine Bevölkerungsminderheit, Juden, Moslems und Christen, die sich ihren Glauben zum großen Ärger der anderen einfach nicht austreiben lassen. Diese Christen sind dann einfach nur noch Spinner, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Gegen die Juden darf man ja nix mehr sagen. Aber die Moslems - ja, das sind böse Eindringlinge, die uns unser europäisches Abendland kauputtmachen wollen.
Liebe PEGIDAs,
nehmt's mir nicht übel, aber vielleicht solltet ihr erstmal überlegen, wo ihr hin wollt. Und wenn euer Ziel die Rettung des Abendlandes ist, dann braucht ihr nicht gegen den Islam zu kämpfen. Dann legt euch lieber mit den Typen an, die nicht mehr wissen, was wir an Weihnachten und Ostern eigentlich feiern. Kämpft doch mal gegen die Kulturvergessenheit der Deutschen! Bringt uns unsere kulturelle Identität in Erinnerung. Da wäre ich sofort dabei.



Foto: Melani Schaller@pixelio.de

Kommentare:

  1. Wenn der Weg in eine Sackgasse führt, muß zunächst jemand sagen, daß der Weg falsch ist. Genau das macht Pegida. Während wir uns damit abfinden, daß hier jeder Taliban einen Asylantrag stellen kann und dann nicht abgeschoben werden darf, weil es in Pakistan nicht so schön ist wie hier, sagt Pegida, daß das nicht in Ordnung ist.

    Die große Schande dabei ist, daß erst ein vorbestrafter, zwielichtiger Mensch auftreten muß, um die Leute zu mobilisieren, daß wir uns wegen unserer eingeimpften Nazikeule in unseren Köpfen nicht trauen, unsere Stimmen zu erheben, daß wir uns von den Gutmenschen aller Coleur einschüchtern lassen.

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  2. Lieber Arminius, gibt es Ihnen gar nicht zu denken, dass die Pegida-Demonstrationen dort am erfolgreichsten sind, wo der Anteil der Muslime an der Bevölkerung am geringsten ist? 0,1 % der Muslime in Deutschland leben in Sachsen, 10.000 Demonstranten in Dresden. Ein Drittel der Muslime Deutschlands leben in NRW; ein paar Hundert Pegida-Anhänger in Düsseldorf. Könnte es nicht sein, dass Sie mit Ihren Parolen Ängste schüren, die völlig an der Realität vorbei gehen? Könnte es nicht sein, dass diejenigen, die in ihrem Alltag mit Muslimen in Kontakt kommen - und mit Asylbewerbern! - längst gecheckt haben, dass erstens der Durchschnittsmoslem kein Taliban ist und zweitens durchaus viele Asylanten abgeschoben werden? Vielleicht weiß man das nur in Dresden nicht, weil es da einfach so gut wie keine Moslems gibt.
    In einem stimme ich Ihnen aber zu: Pegida ist von der Gründung her zwielichtig.

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    1. Hier bei uns in Bonn, Bad Godesberg, Köln sind die Islamisten viel mehr vertreten..Ihre Moscheen dürfen sie bauen..Es ist beängstigen wie sie sich aufführen hier..Sie dürfen alles zerstören..in Godesberg..dort wo sich die große Schule befindet..Ich dachte , Wir hätten ein Vermumungsverbot..Frauen die bis oben hin bekleidet sind..Sie vertreten ihren Glauben.. Sie dürfen sich Alles erlauben und die Deutschen können sich bald unter Denkmalschutz stellen lassen..

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  3. Sorry, habe gerade noch mal die Zahlen überprüft: Weniger als 0,1% der Bevölkerung Sachsens ist muslimisch. 0,7 % der Muslime in Deutschland leben in Sachsen, so rum war es.

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  4. Verehrte (das ist nicht geheuchelt) Schwester Barbara,
    als ich sah, daß Sie Ordensschwester sind, wollte ich zunächst auf eine Antwort verzichten, da diese möglicherweise etwas harsch ausgefallen wäre.
    Doch gerade wurde ich wieder an die zahlreichen Angriffe auf christliche Flüchtlinge aus den einschlägig bekannten Christenverfolgungsgebiete erinnert. Diese fanden nicht in irgendwelchen Lagern im Nahen Osten statt sondern mitten in Deutschland. Nicht durch Pegida-Aktivisten, sondern durch Mohammedaner, die in denselben Flüchtlingswohnheimen untergebracht sind.
    Sie werden verstehen, daß mir da jedesmal der Hut hochgeht.

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  5. Das verstehe ich sehr gut, ich finde das ganz entsetzlich. Ich weiß nur nicht, was das mit einer "Islamisierung Europas" zu tun haben soll. Menschen flüchten zu uns, oft selber Opfer der Islamisten und werden hier pauschal abgelehnt aufgrund ihrer Religion??? Ist das vereinbar mit unserem Anspruch an die bürgerlich-aufgeklärten Werte von Religionsfreiheit und Menschenwürde und mit den spezifisch christlichen Werten des Abendlandes, der Nächstenliebe und Barmherzigkeit?

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  6. Vielleicht sollte ich ergänzen: es geht doch ganz konkret um Menschen und ihre Schicksale - aber es geht auch um Zahlen. Wie viele Moslems leben denn in Deutschland? In Sachsen 0,1% der Bevölkerung! Und wie viele davon werden zu aggressiven Tätern?

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  7. Ca. 5 % der Bewohner dieses Landes sind Mohammedaner. Laut dem Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2012 sind davon 42.500 Islamisten. Mittlerweile dürfte diese Zahl deutlich höher liegen.

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  8. 42.500 sind 0,053% von 80 Mio. Wenn 5% der deutschen Bevölkerung muslimisch ist und 0,05 % fanatisch islamistisch, dann tun wir 4,95 % unserer Bevölkerung, also 3.960.000 Menschen Unrecht, wenn wir pauschal Ängste vor "dem Islam" schüren. Fast 4 Mio Muslime, die friedlich und oft auch gut integriert unter uns leben. Ich finde, wir sollten uns die Mühe machen, zu differenzieren.

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  9. Denken Sie, verehrte Schwester, bitte auch daran, was aus den Christen im ehemals christlichen Nordafrika und in Kleinasien geworden ist. Zwischen Phasen, in denen sie (zwar als Menschen 2.Klasse) einigermaßen friedlich in ihrer Heimat leben durften, gab es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Phasen, in denen sie im Namen des Islams verfolgt und ausgerottet wurden. (Zeige mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, da werden Sie nur Schlechtes und Inhumanes finden, wie dies, daß er vorgegeben hat, den Glauben, den er verkündete, MIT GEWALT zu verbreiten!) Wenn Sie sich dann anschauen, wieviele Christen es dort heute noch gibt, dann sehen Sie, welche dieser Phasen nachhaltiger waren. Ein allzu blauäugiger Umgang mit dem Islam ist daher nicht angebracht.

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  10. Ich weiß nicht, weshalb Sie mir Blauäugigkeit vorwerfen, wenn ich vorschlage, zu DIFFERENZIEREN. Selbstverständlich bin ich mir der Gewalttätigkeit des Islam bewusst. Ich habe - auch in diesem Blog - immer wieder über die Vertreibung der Christen aus dem Irak geschrieben. Ich habe mich mehr als einmal über Ayman Mazyek aufgeregt, der sich als Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland nicht deutlich genug von islamistischem Terror distanziert. Trotzdem glaube ich, wir tun unserem christlichen Abendland keinen Gefallen, wenn wir alle Moslems über einen Kamm scheren und irrationale Ängste schüren. Ich kenne persönlich eine ganze Reihe von Moslems, die selber auch unter islamistischen Fanatikern leiden. Die kann ich doch nicht einfach ignorieren.

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  11. Darf ich ganz kurz was dazu sagen?

    Einer der zentralen "abendländischen" Werte ist Relgiionsfreiheit- man darf glauben, was man will, und muß das nicht nur hinter verschlossenen Türen tun. Das gilt auch für Moslems. Hier darf man Moslem sein. Ob andere Länder die christliche Religionsausübung verhindern oder einschränken tut dabei nichts zur Sache. Oder wie Oma es sagte "Und wenn alle anderen vom Kirchturm springen: machst du dann auch mit?"

    Man darf aber auch Christ sein. Sollte das jemanden stören und dieser Jemand dann gewalttätig oder beleidigend werden, ist der Staat als Schutzinstanz gefragt. Aber nicht vorher. Ich möchte nicht, dass der Staat bestimmte Religionen verbietet- religiöse Riten können verboten sein wenn sie mit Gesetzen kollidieren (die Ausübung der altgermanischen Religion mit dem Opfern von Menschen zB wäre so ein Fall, sich in den Wald neben eine Eiche stellen und Thor/Odin anrufen nicht).

    "Die ziehen sich bis oben an"- mir machen eher die Mädels im Schulbus Sorgen, die bei -10 Grad Hotpants tragen.
    Wir haben ein Vermummungsverbot- auf Kundgebungen und Versammlungen. Ansonsten müßten wir auch gegen Riesensonnenbrillen und Schals vorgehen, die die Erfassung biometrischer Daten unmöglich machen. Außerdem zweifle ich das Recht des Staates an, mir zu sagen, wie ich mich anziehen soll. Oder jederzeit meine biometrischen Daten einlesen zu können.

    Ich denke auch, dass das Abendland zu allererst vor "Kampfsäkularisten" geschützt werden sollte, die jede Spur von Religion aus der Öffentlichkeit verdrängen wollen. Denen ist das muslimische Kopftuch ebenso ein Graus wie ein Kruzifix. Es ist nämlich ein Zeichen dafür, dass ein einen Gott gibt, eine Wahrheit, die über Zeitgeist, öffentliche Meinung und Mehrheitsbeschluß hinausgeht. Religionsfreiheit wiod zu oft verstanden als die "Freiheit von jeder Religion" und die scheinbare Neutralität von "Lichterfest", Frühlingsfest" etc ist keine.

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  12. Ja, Cassandra, da bin ich fast ganz Ihrer Meinung. Allerdings wäre für mich eine Frage, was Anonym mit "bis oben bekleidet" meint. Ich habe hier im Blog schon mehrfach über die verschiedenen Formen der islamischen Verschleierung geschrieben, und für mich ist es ein großer Unterschied, ob eine Frau ein Kopftuch, einen Tschador oder eine Burka trägt. Zur Religionsfreiheit gehört, dass wir keinen Anstoß daran nehmen, wenn Musliminnen Haar und Hals bedecken. Aber zur Integration gehört, wenn die Muslime berücksichtigen, dass wir in Europa einander offen ins Gesicht sehen wollen. Beides ist auch gut miteinander zu vereinbaren.
    Ansonsten finde ich auch, dass ein Kirchbauverbot in muslimischen Ländern kein Argument für ein Moscheebauverbot in Deutschland ist - eher im Gegenteil. Und mein wesentlicher Horror sind ebenfalls die "Kampfsäkularisten" - auch wenn ich bisher andere Begriffe dafür verwende.

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