Samstag, 18. Oktober 2014

Stille Tage im Taubenschlag

Gestern habe ich ja schon ein bisschen von meinen Exerzitien erzählt. Heute möchte ich etwas zu dem Kloster schreiben, in dem ich war.
Es ist eine kleine Gemeinschaft, z.Zt. neun Nonnen, die sich hier zum Gebet zurückgezogen haben, am Rand eines klitzekleinen Dorfes inmitten von Feldern und Wäldern. Das Haus ist groß, und das ist auch gut so, denn die Nonnen verlassen es normalerweise nicht. 
Ihre Hauptaufgabe ist das Gebet, auch das Gebet für die Welt. Dafür müssen sie einen Spagat machen: sie führen einerseits ein kontemplatives, ein beschauliches Leben. Damit das gelingt, müssen sie einen großen Teil der Welt aussperren, denn dafür brauchen sie Zeit und Ruhe. Früher gab es dafür ein Gitter, dass die Nonnen tatsächlich ein- und Besucher ausschloss.
Andererseits leben sie nicht für sich selbst und für ihr eigenes Seelenheil. Sie beten für die Welt und wollen ein Zeichen dafür sein, dass allein von Gott her Sinn und letzte Erfüllung des Lebens geschenkt wird. Deshalb haben sie das Gitter geöffnet. Sie stehen in lebendigem und herzlichem Austausch mit vielen Menschen, die Rat oder seelsorglichen Beistand suchen, und selbstverständlich sind sie immer bestens über das Geschehen in der Welt informiert.
Ich komme gerne an diesen Ort, gerade wegen dieser beiden Pole, wegen des offenen Gitters. Hier finde ich Stille und eine spirituell tiefe Begleitung, die ich sonst nicht habe. Gleichzeitig ist nichts daran verkrampft.
Das spüren auch andere: in den 10 Tagen, die ich dort war, habe ich etwa 40 (!) Gäste erlebt. Okay, den Großteil machte eine Gruppe der KFD aus, die irgendeine Veranstaltung hatte und vorher zu den Schwestern in die Messe kam (Montagmorgen um 7:15!), aber auch sonst war ein reges Kommen und Gehen: Einzelgäste, kleine Gruppen, zu den Gottesdiensten, zur geistlichen Begleitung oder eine andere Schwester zum Urlaub - ein bisschen wie im Taubenschlag.
Wie ich dabei trotzdem Exerzitien, "Stille Tage" machen konnte? Das ist das Tolle: die Atmosphäre der Stille ist für die Nonnen eben lebenswichtig. Auch wenn 30 Gäste in der Messe sind, setzen sich am Schluss die Schwestern noch einmal hin. Eine Schwester bringt die Gäste raus an die Haustür, plaudert dort durchaus auch noch sehr freundlich ein wenig, aber alle anderen warten in der Kapelle, bis sich die Unruhe vor der Tür gelegt hat und können dabei den Gottesdienst nachklingen lassen. Erst dann ziehen sie schweigend aus der Kapelle aus - vorbei am offenen Gitter. Sie müssen es nicht mehr abschließen. Sie haben keine Angst vor der Welt, denn sie tragen die Stille in sich.


P.S.: Übrigens passt sehr gut dazu, dass die Impulse zu meinen Exerzitien von lauter Harry-Potter-Zitaten durchsetzt waren. Aber davon erzähle ich nächste Woche...

Kommentare:

  1. Würdest du mir verraten, wo dieses Kloster ist? Ich würde gerne mal ein paar Tage "Urlaub" im Kloster machen. Einfach mal zur Ruhe kommen und bewusster auf Gott hören. LG Julia

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    1. Liebe Julia,
      das sind die Dominikanerinnen in Lage-Rieste, bei Osnabrück. Das Kloster heißt "Zum gekreuzigten Erlöser", sie haben auch eine eigene website. Sie sind allerdings - das deute ich ja im Beitrag schon an - derart überlaufen, dass sie nicht jeden als Urlaubs- oder Exerzitiengast nehmen. Sie haben kein Gästehaus, sondern nur einzelne Zimmer. Aber versuch es ruhig, vielleicht haben sie noch eine Lücke.

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    2. Danke für deine Antwort! Ich schaue mir gleich mal die Homepage an ;) LG Julia

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