Freitag, 17. Oktober 2014

Exerzitien - Erholung auf dem Exerzierplatz

Nun bin ich also wieder da. 10 Tage war ich zu meinen jährlichen Exerzitien in einem Kloster in der norddeutschen Pampa.
Als ich losfuhr, haben manche Freunde und Kollegen nur verlegen gelächelt, manche haben mir beherzt "Gute Erholung" gewünscht und eine grinste: "dann exerzier mal schön".
Ja, was denn nun? Exerzierplatz oder Erholung?
Mein Impuls am ersten Tag war ein Text von Andreas Knapp. Er beginnt: "Übung nähert dich dem Meister". Darum geht es. Exerzitien sind geistliche Übungen, mit denen wir versuchen, uns Gott zu nähern. Natürlich geht es dabei nicht um die Überbrückung einer Distanz. Jesus Christus hat schon längst - und ein für allemal - den Graben zwischen Gott und Mensch überwunden. Er steht (so sagt er selbst) vor der Tür und klopft an. Wir müssen nur noch diese Tür (unseres Herzens) öffnen, dann wird er bei uns einkehren.
Naja, nur?
Das ist so eine Sache. Es kann tatsächlich ganz einfach sein. Ich bin da, Gott ist da - passt. Aber leider verrammeln wir selber diese Tür nur allzu oft und müssen sie dann mühsam wieder frei räumen.
Wir sind in unserem Alltag ja auch einfach nicht mehr an Stille gewöhnt. 10 Tage ohne Musik, Nachrichten, Internet..., das kann eine echte Herausforderung sein. Und selbst in der Kirche ist uns Stille und Leere fremd geworden. Wir machen unglaublich viele Worte und legen so viel Wert auf die äußere Form der Gottesdienste, dass kaum noch Raum und Kraft für die innere Sammlung bleibt.
In den Exerzitien gibt es die Chance, es anders zu machen. Einfach hinsetzen und still werden! In der Kapelle, im Zimmer oder, wenn das Wetter mitspielt, gerne auch draußen. 
Diese Form verbinden viele wohl eher mit dem Zen-Buddhismus. Dass auch das Christentum von Anfang an meditiert (schließlich ging Jesus 40 Tage zum Beten in die Wüste und wurde damit zum Vorbild der sogenannten Wüstenväter) und eine starke mystische Bewegung hat, ist leider kaum bekannt.
"Übung nähert dich dem Meister" - also war ich doch auf dem Exerzierplatz? Ja, irgendwie schon. Es war auch mächtig anstrengend! Andererseits sind 10 Tage Ruhe natürlich auch erholsam und v.a. dienen die Übungen ja dazu, die eingerostete Herzenstür zu öffnen. Je öfter man das versucht, desto weiter geht sie auf. Je weiter sie sich öffnet, desto mehr dringt Gott ein.
"Erholsam" ist vielleicht das falsche Wort... Schön war es, sehr schön. 

Kommentare:

  1. Ich wollte heuer auch eine Exerzitienwoche - meine erste - Exerzitienwoche machen, nach meinen ersten "Exerzitien im Alltag" in der Fastenzeit. Aber leider klappte das nicht. Und nun habe ich in der Vorwoche mit meinen zwei "Exerzitien im Alltag" begonnen, die zugleich auch ein Ausbildungskurs für Begleiter von Exerzitien-im-Alltagsrunden ist. Und unser Thema ist auch die Tür: "Du bist die Tür". Es tut total gut, auch im Alltag über Türen zu meditieren...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Exerzitien im Alltag sind eine feine Sache, allerdings ganz anders als so eine "Intensivkur". Gute Besinnung und Gottes Segen!

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.