Montag, 21. März 2011

Das Kapitel X: Der Abschluss

Jetzt haben wir so viel vom Kapitel berichtet - und hätten fast das Ende verpasst. Das ist im Trubel des Aufbruchs einfach untergegangen. Inzwischen sind alle wieder zu Hause, auch die lettische "Delegation" ist glücklich in Riga gelandet.

Offiziell beendet war das Kapitel schon am Samstag. Am Sonntag wurde es dann noch einmal feierlich: in einem großen Festgottesdienst haben wir Gott für die vergangenen Tage gedankt und seinen Segen für die Umsetzung der Beschlüsse erbeten.
Ein großer Teil unserer Schwestern war gekommen, so dass fast alle Konvente vertreten waren. Besonders schön fand ich, dass zwei unserer Mitbrüder gekommen waren: der niederländische und der norddeutsche Dominikanerprovinzial zelebrierten die Messe.
Sr. Sara wies in ihrer Ansprache hin auf das Spannungsfeld zwischen unserer kleinen Welt - die hier beim Kapitel weitergestaltet werden sollte - und der großen Welt, in der im Moment scheinbar alles aus den Fugen gerät.
Bei den Fürbitten brachte jede Schwester ein Licht nach vorne - symbolisch für die Menschen und Anliegen, die sie vor Gott tragen will. Am Schluss der Messe haben wir diese Lichter wieder mitgenommen, hinaus in unseren Alltag.

Kommentare:

  1. Inzwischen habe ich das Predigtmanuskript bekommen. Hier ist sie also in voller Länge:

    Predigt zum Abschluss des Generalkapitels 2011
    Sr. Sara Böhmer OP

    Liebe Schwestern und Brüder,
    11. März 2011 – in Japan ereignet sich eine schreckliche Katastrophe: ein Erdbeben, eine Flutwelle mit Wellen von bis zu 23 m Höhe, eine Atomkatastrophe – die Bilder wollen nicht mehr aus dem Kopf.
    18. März 2011 – ein scheinbar verrückt gewordener Diktator überzieht sein Land mit Terror und Gewalt und bringt den UNO – Sicherheitsrat dazu, eine Flugverbotszone einzurichten. Ein militärischer Eingriff droht, Krieg, neues Flüchtlingselend. Gespannt verfolgen wir die Nachrichten.
    Steyl, März 2011. 15 Schwestern unserer Kongregation treffen sich, um Leitlinien für die nächsten sechs Jahre zu beraten, dem Leben unserer kleinen Gemeinschaft Richtung zu geben, das Gemeinschaftsleben zu festigen, unser Apostolat in den Blick zu nehmen.
    Wie geht das zusammen? Wie können wir uns mit den oft doch so banalen Sachen unseres Alltags beschäftigen, während die Welt den Atem anhält? Wie können wir zur Tagesordnung übergehen, während die Tagesordnung der Welt sich stündlich dramatisch verändert?
    Wenn wir uns auch heute, auch in dieser dramatischen Situation der Welt, zur Eucharistie versammelt haben, wenn wir ab Morgen wieder mit unserem alltäglichen Kleinkram beschäftigt sind, der oft so irrelevant erscheint, dann nur, weil wir daran glauben, dass sich die Tagesordnung der Welt bereits vor 2000 Jahren dramatisch verändert hat.
    Das Evangelium des heutigen Tages berichtet uns die bekannte Erzählung der Verklärung Jesu. Einmal mehr hat Gott nicht nur sich offenbart, sondern auch seinen Sohn. Das geschieht – einmal mehr – in der Abgeschiedenheit, fast möchte man sagen: exklusiv, im kleinen Kreis. Nicht spektakulär, sondern für drei der Freunde Jesu wird die neue Tagesordnung bereits konkret.
    Daran erkennen wir Gottes Wirken unter den Menschen: Gott ist immer konkret. Das hören wir in der Erzählung über den Aufbruch des Abraham, davon berichtet das Evangelium. Der Weg von Galiläa nach Jerusalem führt nicht zwangsläufig am Berg Tabor vorbei und schon gar nicht über ihn hin. Jesus leistet sich einen Abstecher, während rings um ihn die Welt in Brand steht. Immer wieder gibt es Aufstände gegen die verhassten römischen Besatzer, die in der Regel brutal niedergeschlagen und grausam gerächt werden. Die einheimische Elite versucht durch Kollaboration ihre Haut zu retten, das römische Reich ist allgegenwärtig, und allmächtig, keine internationale Organisation kann da Einhalt gebieten. Eine schwierige Zeit zu leben, die Kreuze der Römer sind allgegenwärtig.
    Mit drei seiner vielen Freunde geht Jesus diesen scheinbaren Umweg über den Tabor, er nimmt sich die Zeit für sich selbst, aber auch für diese drei konkreten Menschen. Als sie in Angst geraten, berührt er sie und führt sie zurück in die Realität, in Seine Gegenwart, die eine Realität ohne Angst ist: Fürchtet Euch nicht!

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  2. Hier berühren sich für mich die großen Weltereignisse der vergangenen Woche mit den kleinen Ereignissen unserer Kapitelsarbeit. Uns ist nichts anderes aufgetragen, als der Not ein Gesicht zu geben und sich diesem konkreten Gesicht des Menschen vor uns zuzuwenden. So jedenfalls hat Jesus es gemacht. Auch er hat nicht alle Kranken heilen, alles Unrecht verbannen, alle Ungerechtigkeit anprangern können. Auch Er, das scheint Gottes Art zu sein, hat sich dem Einzelnen zugewandt, sei es Abraham, sei es Petrus, Jakobus und Johannes, sei es Maria Magdalena. Allerdings hat Er dabei nie das Gesamte aus dem Auge verloren, dafür ist er schließlich Gott. Aber er lehrt uns, dass jedes einzelne Gesicht ein Gesicht Gottes ist, dass jeder Mensch, der uns gegeben ist, es wert ist, dass wir uns ihm liebevoll zuwenden. Und wenn wir das Unsere tun, unseren kleinen, aber unverzichtbaren Beitrag auch wirklich leisten, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott den Gesamtzusammenhang im Blick behält. „Arbeiter sind wir, nicht Baumeister“, so hat es Bischof Romero einmal ausgedrückt.
    Das ist unsere Welt. Die Welt der Mitschwestern in unseren Gemeinschaften, der wir auf neue Weise Gestalt geben wollen. Die Welt der Menschen, zu denen wir in unseren apostolischen Aufgaben gesandt sind, und hier besonders die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen in unseren Kinder- und Jugenddörfern. Die Welt, in der wir leben, und die wir bewusst mitgestalten wollen durch unseren Lebensstil, durch die Übernahme von ökologischer Verantwortung, durch Einsatz für die Menschen am Rand. Die Akten dieses Generalkapitels, die am 1. Juni in Kraft treten, geben Rechenschaft über unsere Arbeit, und die Kapitularinnen werden in den kommenden Wochen überall auch mündlich berichten.
    Der Tabor ist nur scheinbar eine Idylle. Wir sind immer wieder versucht, uns in solche Idyllen zurück zu ziehen: da, wo es „gut sein“ ist, auch zu bleiben, drei Hütten zu bauen. Das ist nicht der Weg mit Jesus. Der Weg mit Jesus führt zum Menschen, zum Gesicht vor uns, das ein Gesicht Gottes, das Gesicht Christi ist.
    Lassen Sie uns nun gehen. Genau zu diesen Menschen zu Hause, zu denen wir gesandt sind. Lassen Sie uns nicht nachlassen, Bethanienschwestern zu sein: gerufen und gesandt, den Menschen Gottes barmherzige Liebe zu bezeugen. Ein Generalkapitel kann dazu eine kleine Hilfe auf dem Weg sein. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
    Amen.

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