Freitag, 17. Juli 2015

Wer hat's erfunden?

...oder Zölibatversteher, Teil 3:
Ja, wer hat den Zölibat eigentlich erfunden? Jesus jedenfalls nicht!
Das ist eines der beliebtesten Argumente gegen diese Lebensform, und in der Tat kann man ganz schön ins Schwitzen kommen, wenn man sich bei seiner zölibatären Lebensweise auf den Zimmermannssohn aus Nazareth berufen will. Er ist zumindest nicht eindeutig in seinen Aussagen.
Einerseits beruft er seine Jünger vom Fleck weg: "Folge mir nach!" ohne Rücksicht auf deren Familien und Frauen (die bis auf Johannes alle Apostel schon hatten). Andere, die ihm folgen wollen, warnt er, der Menschensohn (also er selber) habe kein ordentliches Zuhause. Selbst die fundamentalsten sozialen Verpflichtungen, den Vater zu beerdigen und sich von der Familie zu verabschieden, verbietet er seinen Nachfolgern (Lk 9, 57-62). Wenn er seine zwölf Jünger aussendet, dann dürfen sie keine Sicherheiten mitnehmen. Sie sind zu zweit, haben die Kleider am Leib, einen Wanderstab und die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben. Sonst nichts. (Mk 6, Lk 9, Mt 10)
Das alles klingt nicht gerade familienfreundlich. 
Ja, Jesus betont sogar, wer seine Familie verlasse um ihm zu folgen oder um des Evangeliums willen, der werde alles vielfach zurück erhalten. Und er zählt auf, was seine Jünger alles verlassen sollen: "Häuser, Brüder, Schwestern, Väter, Mütter, Kinder oder Äcker". So berichten es Matthäus und Markus, der Evangelist Lukas fügt auch noch die Frauen hinzu (Lk 18, 29).
Aber - wie gesagt - so eindeutig ist das nicht, denn eigentlich ist Jesus gegen die Ehescheidung. (Mt 19, 12) Nur wenn ein Fall von Unzucht vorliegt, darf der Mann seine Frau aus der Ehe entlassen. Darauf maulen seine Jünger: "Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten." (!) Und da erklärt ihnen Jesus, dass es Menschen gibt, die gar nicht zur Ehe fähig sind, auch wenn das schwer zu verstehen sei. "Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer es fassen kann, der erfasse es." Also scheint es verschiedene Wege zu geben, oder?
Etwa 300 Jahre nach Christus hat die Diskussion begonnen, ob Priester enthaltsam leben müssen. Im Jahr 325 (Konzil von Nicäa) hat die morgenländische Kirche das für sich abgelehnt. Die abendländische Kirche legte es 1139 im Zweiten Laterankonzil fest (und spaltet sich in der Reformation ja auch in dieser Frage erneut). 
Was bleibt? Jesus hat sich nicht hingestellt und gesagt: "Sooft ihr das Abendmahl feiert, darf nur ein Mann den Kelch segnen, der keine Frau berührt hat!" Oder so ähnlich. Das hat er nicht gesagt.
Aber er hat zu einer sehr radikalen Nachfolge aufgerufen. Diese Radikalität verträgt sich nicht mit einem normalen, bürgerlichen Familienleben. Um des Himmelreiches willen kann man schon mal auf Dinge verzichten, die uns normalerweise als zentral für unsere Existenz erscheinen. Das kann nicht jeder. Muss aber auch nicht, denn es gibt verschiedene Arten, Jesus zu folgen.

Kommentare:

  1. Mir gefällt vor allem diese Perikope: "Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer es fassen kann, der erfasse es." Nun, wie weiß man, ob man zur Ehe unfähig ist? Indem man/frau heiratet. Macht ich, und ich erkannte: Ich BIN unfähig zur Ehe. Danke, jetzt weiß ich's. Auch sonst hab ich allerlei ausprobiert, bin ja gewissenhaft, und lese nun eifrig in der Bibel nach und bin zur Erkenntnis gelangt: Die richtige Lebensform zu finden ist nicht einfach. Aber wenn man sie nach vielen Irrungen und Wirrungen gefunden hat, soll man/frau sie auch ausüben dürfen: OHNE Einschränkungen oder Ausschließungen. Jesus hat, wie schon gesagt, nichts Eindeutiges dazu gesagt. Alles andere ist Menschenwort. Meine Meinung.

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    1. Naja, einerseits und andererseits. So ganz allgemein und pauschal gesprochen, kann man schwer widersprechen - aber auch schwer zustimmen. Ich finde, Jesus hat schon einiges Eindeutiges gesagt. Und ich finde auch, dass man nicht alles ausprobieren muss, bevor man es abhaken kann. Aber ich weiß halt auch, dass das Leben nicht immer in geraden und ebenen Bahnen verläuft. Aber solange wir nicht konkreter werden, kommen wir hier wohl nicht voran, oder?

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  2. Hallo,
    das hat jetzt nicht wirklich etwas mit dem Zölibat zu tun, aber ich bin über das folgende Zitat gestolpert "Nur wenn ein Fall von Unzucht vorliegt, darf der Mann seine Frau aus der Ehe entlassen." Wie verträgt sich das jetzt mit der katholischen Auffassung der Ehe?

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    1. Das ist eben die alte jüdische Auffassung von Ehe, bzw. eine der verschiedenen, sie entwickelt sich im Laufe der Jahrhunderte ja auch weiter. Eigentlich kommentiert Jesus dieses Gesetz so: "Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Moses euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen, am Anfang war das nicht so. Ich (aber) sage euch: wer eine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vor liegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch." (Mt 19, 8+9) In den Evangelien von Markus und Lukas wird diese Stelle auch erzählt, aber da heißt es: "Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch". Mit oder ohne vorherige Unzucht.

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