Dienstag, 6. August 2013

Pest und Cholera

In meinem Büro hängt ein Ausschnitt aus der "Welt" vom Juni diesen Jahres. Er zeigt eine Plakatkampagne der Organisation "Reporter ohne Grenzen" zum Thema Pressefreiheit. Was halten die Machthaber dieser Welt von Pressefreiheit? Eine eindeutige Antwort geben Kim Jong-un aus Nordkorea, die Herren Assad, Putin und Ahmadinedschad, sowie der Chinese Xin Jinping.
Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass in Deutschland das Presse- oder Politikparadies sei. Auch bei uns gibt es Korruption und Unfreiheit, meist verdeckt - was umso schlimmer ist.
Und trotzdem: wenn ich nochmal jemanden treffe - so wie neulich - der meint, er könne im September nicht zur Wahl gehen, denn wir hätten ja doch nur die Wahl "zwischen Pest und Cholera", dann möchte ich ihm ein one-way-ticket schenken: für einen Flug nach Nordkorea. Oder nach China. Oder nach Russland. Oder nach Kuba. Oder nach Syrien. Da braucht er dann nicht mehr über die schlimmen Parteien zu jammern. Erstens gibt es meist sowieso nur eine richtige und außerdem kommt man fürs Protestieren ganz fix ins Arbeitslager.
Eine echte Alternative scheint Simbabwe zu sein. Da funktioniert die Demokratie inzwischen richtig prima. Der alte (ziemlich alte) Regierungschef Mugabe ist nach 33 Jahre zum achten Mal mit so vielen Stimmen wiedergewählt worden, dass die Wahlbeobachter meinen, trotz aller Wahlfälschungen müsse man wohl davon ausgehen, dass ihn tatsächlich viele Menschen gewählt hätten. Hey! Schön, wenn ein Land klare Verhältnisse hat. 
Nicht so wie in Deutschland, wo wir nur die Wahl zwischen Pest und Cholera haben.

Kommentare:

  1. Mich überzeugt viel eher dieser Artikel:
    http://schriftrolle.de/wer-nicht-wahlt-wahlt-rechts/

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    1. Sorry, Claudia, der ist mir zu lang, ich hab ihn nur überflogen. Über die Prozente kann man streiten, zugegeben.Das betrifft eigentlich nur die Parteien, die um die 5%-Hürde rumjuckeln: sinkt die Wahlbeteiligung dramatisch, kommen sie leichter rein. Und natürlich aktivieren die radikalen und kleinen Parteien ihre Mitglieder besser als die Volksparteien. Wie groß dieser Effekt ist, kann ich nicht beziffern, es ist nur eine Tendenz, die ich nicht unterstützen möchte.
      Er nennt noch einige Punkte, die ich nie behauptet habe (weshalb ich sie nicht verteidigen muss), argumentiert m.E. auch nicht immer schlüssig, das ist mir aber egal, denn mir geht es um etwas anderes: Wir haben in Deutschland - trotz aller Mängel - immer noch eine der besten Demokratien der Welt.
      Demokratie = Alle Macht geht vom Volk aus.
      Wir haben das Recht und auch tatsächlich die Möglichkeit, Einfluss auf unsere Regierung zu nehmen. Das ist weltweit betrachtet wahrhaftig nicht selbstverständlich. Und ich finde es einfach eine schwache Leistung, wenn wir uns in die Jammerecke zurückziehen und sagen: "find ich alles doof." Wer soll die Verantwortung für die politischen Entscheidungen in diesem Land übernehmen, wenn nicht wir, das Volk, von dem laut unserer Verfassung alle Macht im Staat ausgeht?

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