Freitag, 3. September 2010

Bethanische Wunder

Beim Verfahren zur Seligsprechung unseres Gründers P. Lataste geht es derzeit vor allem um die Anerkennung des Wunders. Es wird eine physische nicht erklärbare Heilung verlangt, so sieht es das Kirchenrecht vor. Dagegen haben die Gefangenen in Norfolk, die hier im Geist von P. Lataste eine dominikanische Laiengemeinschaft bilden, ihre Einwände. Sie haben sogar dem Papst geschrieben und gefragt, ob es etwa kein Wunder sei, wenn Schwerverbrecher sich im Gefängnis bekehren und Gelübde ablegen?
Einige ergreifende Zeugnisse haben wir heute gehört.
Die Bethaniengemeinschaft ausserhalb des Gefängnisses, Bethany House Ministries, unterhält einen Second-Hand-Shop, in dem auch ehemalige Inhaftierte arbeiten. Sie haben einiges zu erzählen. Einer von ihnen fuhr zu einer Adresse, um dort gespendete Sachen für den Shop abzuholen. Die Frau, die ihm die Sachen geben wollte, fragte, für wen denn der Erlös bestimmt sei. Als er sagte, für die Gefangenen von Norfolk, sagte die Frau, damit wolle sie nichts zu tun haben, und es stellte sich heraus, dass sie selbst ein Kriminalitätsopfer war. Daraufhin gab der Mann zu erkennen, wer er war, und erzählte seine Geschichte – seine Karriere als Verbrecher, seine Bekehrung und seine Mitgliedschaft in der dominikanischen Laiengemeinschaft. Die Frau war von seinem persönlichen Zeugnis so berührt, dass sie selbst eine Bekehrung erfuhr und Frieden schließen konnte mit ihrem Schicksal.
Ein anderer ehemaliger Inhaftierter berichtet, dass er vorzeitig mit einer Bewährungsauflage entlassen werden sollte. Dazu musste er aber vor einer Kommission Rede und Antwort stehen, und auch die Opfer hatten das Recht, vor dieser Kommission zu sprechen und evtl. seine vorzeitige Entlassung zu verhindern. Und in der Tat – die Familie seines Opfers war zu dieser Sitzung gekommen. Aber anstelle ihn zu verurteilen, berichtete die Familie von ihrem grossen Schmerz, den er ihnen bereitet hatte, und sprach ihm Vergebung zu. Für ihn war es, als hätte er die Wunden Jesu am Kreuz berühren durfen. Eine grosse Stunde in seinem Leben, die ihn wirklich frei gemacht hat.
Wir sind gerade mal 24 Stunden hier, und wir haben schon so vieles gehört! 
P.Wayne feiert die Hl.Messe mit uns
Heute Nachmittag waren wir im Second – Hand – Shop und am House of Hope, einem Haus, in dem drei ehemalige Inhaftierte wohnen können. Der Shop bietet Arbeitsplätze fur einige Strafentlassene, und er wird sehr gut angenommen. Das Sortiment ist sehr vielfältig. Auch hier schlägt sich die Wirtschaftskrise nieder, denn viele Menschen sind auf preiswerte Waren angewiesen. Ruth zeigt uns auch noch das Haus, in dem die Schwestern von Mont viele Jahre gelebt haben. Millis ist eine typische Stadt in Neuengland. Ich hatte nicht erwartet, so viele Holzhäuser zu sehen. Schöne Bauten der Mittelschicht, aber viele stehen leer, weil die Kreditkrise viele gezwungen hat ihre Häuser aufzugeben. 
Am Nachmittag kommt P. Wayne, zusammen mit zwei Laien-Dominikanerinnen, und wir feiern gemeinsam die Eucharistie und essen zu Abend. Morgen werden wir erstmals mit nach Norfolk gehen. Wir hatten gar nicht damit gerechnet, aber wir dürfen am Besinnungstag der Gefangenen zur Vorbereitung auf die Feiern am Sonntag teilnehmen. Das wird sicher ein ganz besonderer Besinnungstag für uns!Aber erst mal hoffen wir auf eine gute Nacht – hier wird der Hurrican “Earl” erwartet, der zwar nur noch als Tropensturm gilt, aber immerhin dafür gesorgt hat, dass der Flughafen von Boston heute abend geschlossen wurde. Wären wir einen Tag später gereist, säßen wir jetzt vermutlich in Reijkjavik fest…So freuen wir uns auf unsere Betten, die Zeitverschiebung sitzt noch in den Kleidern.
Sr. Sara, z.Zt. Norfolk, USA 

Kommentare:

  1. Geht mal in unserem Profil auf "Blogs, die ich verfolge". Da schreibt unter "The true faith" eine der Laiendominikanerinnen, die die Messe mit P.Wayne mitgefeiert hat!!!
    Sr. Barbara.

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  2. Hier der direkte Link:
    http://theonetruefaith-faith.blogspot.com/
    Gestern war Faith auch dabei, im Gefängnis.

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