Freitag, 10. April 2015

Tai-Chi kastriert

Gestern habe ich zum ersten Mal Tai-Chi gemacht. Netter Lehrer, angenehme Bewegungen, kannste nix sagen.
Allerdings... "Wir machen das hier ganz ideologiefrei", beruhigte er uns. Auf die gleiche Weise habe ich früher mal Yoga gemacht, als reine Gymnastik. Warum auch nicht? Wenn's dem Körper gut tut, müssen wir uns mit Yin und Yang und dem Chi ja nicht belasten, oder?
In Lettland habe ich Katholiken kennengelernt, die fanden, dass man kein Yoga machen darf, weil das für einen Christen schädlich sein könnte. Vielleicht bringt einen die andere Philosophie vom rechten Weg ab, wer weiß? 
Das ist nicht mein Problem, im Gegenteil. Ich fand es immer schön, dass wir in Deutschland so frei sind, manches Gute anderer Kulturen zu übernehmen, auch wenn uns ihre Philosophie fremd bleibt. Allerdings hatte ich gestern sozusagen das gegenteilige Problem. Mir kam die Frage: Tun wir nicht denjenigen Unrecht, für die Tai-Chi eben viel mehr ist als Gymnastik, wenn wir über den ideologischen Hintergrund unwissend lächelnd hinweggehen?
Mir kommen die jungen Mädchen in den Sinn, die sich Rosenkränze als Halsketten umhängten (inzwischen scheint die Mode schon wieder vorbei zu sein), ohne zu ahnen, dass dies eine alte Gebets- und Meditationsform ist. Davon geht nicht die Welt unter, doch es berührt mich schon, dass wir immer sorgloser mit dem umgehen, was anderen Menschen wahr und heilig ist.
Ich werde jedenfalls künftig wieder vorzugsweise ordinäre Rückenschule machen und mich spirituell da verorten, wo ich zu Hause bin: im Christentum.

Kommentare:

  1. Ich praktiziere schon seit vielen Jahren Yoga und beschäftige mich auch mit der Philosophie, die Grundlage dieser uralten Praxis ist. Ich finde, dass sich die Philosophie sehr gut mit der christlichen Glaubenspraxis vereinbaren lässt und sie sehr gut zu meinen christlichen Wurzeln passt. Auchder heilige Dominikus hat mit seinen verschiedenen Gebetshaltungen gelebt, dass unterschiedliche Körperhaltungen auf Geist und Seele wirken. Das finde ich sehr sympathisch. So bete ich auch während und durch meine Yoga-Praxis. Wobei ich die Yoga-Praxis nicht nur auf die Körperübungen reduzieren möchte. Viele Aspekte der Yoga-Philosophie sind eine gelungene Anleitung für einen gelebten christlichen Glauben.
    Vor einigen Wochen habe ich ein tolles Buch gelesen von Stephen Cope "Das große Werk deines Lebens". Er erläutert die Bagavadgita (eine der philosophischen Schriften des Yoga) anhand von verschiedenen Biografien (auch christlicher Persönlichkeiten). Ein spannendes und sehr empfehlenswertes Buch zum Thema Berufung, was mich in meinem Weg als yoga-inspirierte Christin bestärkt hat.

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    1. Mit Yoga habe ich auch überhaupt kein Problem, aber das für mich Entscheidende ist, wenn Sie schreiben, dass Sie sich mit dem philosophischen Hintergrund auseinandergesetzt haben. Ich kann mir ja nicht so richtig vorstellen, wie sie zum christlichen Glauben passen soll, aber ich verstehe zu wenig davon. Die Gebetshaltungen des Heiligen Dominikus mag ich auch sehr. Sie sind sicher mein liebstes Beispiel dafür, dass auch im Christentum Spiritualität und Körper nicht getrennt werden.

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