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Donnerstag, 5. September 2013

Novene, 9. Tag

aus einem Brief an Mutter Stifterin:
Alles ist Gottes Werk - davon bin ich fest überzeugt. Das Werk ist nur insoweit von uns, als wir unsere Kräfte dafür geben - als wir ihm unser ganzes Leben widmen. In diesem Sinne ist es wohl von uns.
Aber dieses Wort gibt den Anschein, als ob wir es erdacht und ausgeführt hätten - und das ist nicht wahr. Darum gefällt mir dieses Wort nicht.
Gott hat es erdacht und ausgeführt. Er hat es durch uns getan - so wie ein Maler mit Hilfe des Pinsels und der Farbe seine Bildwerke ausführt.
Wir haben es freiwillig gewählt, Pinsel und Farbe in den Händen Gottes zu sein - das ist unser kleines Verdienst - unser einziges!

Sonntag, 1. September 2013

Novene, 5. Tag


aus einem Brief von Pater Lataste an Mutter Stifterin, undatiert:

Ich sähe es lieber, dass ihr, anstatt für unser Werk und die Seelen zu arbeiten und dadurch für Gott, an eurer eigenen Heiligung arbeiten würdet mit dem einen Ziel: Gott zu gefallen und mit ihm immer inniger, stärker und tiefer vereinigt zu sein.
Der Rest: das Heil der Seelen und das Werk sind eine notwendige Folge. Gott ist unser erstes Ziel und die Seelen nur um seinetwillen.

Samstag, 31. August 2013

Novene, 4. Tag

aus einem Brief von Pater Lataste an die Schwestern, 2. Juni 1868:

Vergesset nie, dass die Arbeit nur ein Mittel ist um eure Tage zu heiligen, aber nicht das Ziel. Man kann auch von unzureichenden Verdiensten leben, denn die Vorsehung wacht und verlässt die gottgeweihten Seelen nie. Aber mit einem Zuwenig an religiösem Leben ist alles verloren.
Wenn die Seelen ihre Nahrung und ihren Unterhalt entbehren, werden sie bald entmutigt sein, weil sie unterernährt sind. Ihr seid keine besoldeten Dienstmägde, sondern die Bräute Jesu Christi und darum frei, in der Freiheit der Kinder Gottes.

Freitag, 26. Oktober 2012

Die Nonnen von Lage, Teil II: Nonnen? Schwestern?

 Als ich "Die Nonnen von Lage, Teil I" geschrieben habe, bin ich sofort gefragt worden: ja, was heißt das denn "monastisch, kontemplativ"? Und was ist "apostolisch tätig"? 
Nun, zunächst mal vorneweg: ich mag diese Begriffe nicht besonders, denn m.E. steckt man damit leicht Leute in Schubladen, und dann passen sie doch nie ganz. Ich werde mal versuchen, die beiden Kategorien zu erklären, aber ich orientiere mich hier v.a. an den Schwestern von Bethanien und an den Nonnen von Lage: es gibt so viele Ordensfrauen, dass es auf jeden Fall welche gibt, auf die das unten Stehende nicht genau zutrifft!
Apostolisch tätig nennt man die Ordensleute, die einer meist sozialen Arbeit außerhalb ihrer Gemeinschaft nachgehen. Sie haben ein "Apostolat", ein Werk, einen Auftrag, z.B. Krankenhäuser oder Schulen, Altenheime oder Kinderdörfer, sie arbeiten mit Menschen in Not oder in der Pfarrseelsorge etc.. Solche Ordensfreuen nennen sich "Schwestern". Die Kraft für ihre Arbeit kommt aus dem Gebet, meistens beten sie täglich zwei-dreimal gemeinsam, morgens die Laudes und abends die Vesper und nach Möglichkeit besuchen sie täglich die Heilige Messe. Außerdem meditieren sie individuell, das müssen sie irgendwo in ihren Arbeitsalltag einfügen.
Der Innenhof in Lage
"Nonnen" führen ein völlig anderes Leben, eben "monastisch und kontemplativ". Ihre erste Aufgabe ist das Gebet. Sie haben täglich sieben gemeinsame Gebetsweisen, ganz so, wie es sich schon vor Jahrhunderten in den Klöstern entwickelt hat. Dieses "Offizium" besteht aus Lesehore, Laudes, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet, dazu kommt täglich die Heilige Messe. Darüber hinaus haben die Nonnen täglich mehrere Stunden "Betrachtungszeit". Das ist in etwa vergleichbar mit den Meditationen der Schwestern, nur dass es fest in den Tagesablauf eingeplant ist: alle in der Gemeinschaft haben zur gleichen Zeit eine Stunde zum Beten frei. Und weil es so viel Zeit dafür gibt, ändert sich mit den Jahren auch die Art des Gebetes - es wird zur Kontemplation.
Natürlich müssen die Nonnen auch von irgendetwas leben. Manche haben eine Hostienbäckerei oder sie sticken Paramente (Priestergewänder usw.), das sind klassische Tätigkeiten für Nonnen, weil man dafür das Haus nicht verlassen muss. Denn das tun Nonnen nicht. Sie haben sich freiwillig eingesperrt und verlassen das Haus nur in wirklich wichtigen Fällen, wenn es gar nicht anders geht, z.B. für Arztbesuche. 
Das ist mal ein erster Versuch einer ziemlich groben Unterscheidung. In den nächsten Tagen möchte ich gerne zu dem einen oder anderen Punkt noch ein bisschen mehr schreiben. Aber eines kann ich jetzt schon sagen: überall gibt es Extremisten und Fanatiker. Aber die Nonnen von Lage sind weder das eine noch das andere. Sie betrachten die Gesetze und Regeln ihres Standes durchaus pragmatisch: was notwendig ist, wird getan, aber was das (geistliche) Leben behindert, wird geändert. Das gilt beim Gebet, bei der Klausur, beim Schweigen. Aber dazu später mehr...